”Einmalige Show!”

Band: Gamma Ray

Vorbands: Stormwarrior, Rhapsody Of Fire

Location: Essigfabrik Köln

Homepage: http://www.essig-fabrik.de/

Datum: 13.04.2014

Einlass: 19:00 Uhr / Konzertbeginn: 19:45 Uhr

Kosten: VVK: 26,00 €

Besucher: ca. 450

Gamma Ray + Support am 13.04.2014 in der Essigfabrik Köln

Gamma Ray sind endlich wieder am Start und haben Ende März ihr nunmehr elftes Studioalbum Empire Of The Undead veröffentlicht. Für viele Bands wäre das sicherlich ein Grund erstmal in den Urlaub zu fahren, aber nicht so für die fünf Power Metaler aus Deutschland. Gerade einmal zwei Wochen liegen zwischen dem Release und der Europatour, die Gamma Ray durch Deutschland, Schweden und Finnland führt. Natürlich können wir uns, von Time For Metal, dieses Spektakel nicht entgehen lassen und sind für euch in Köln live dabei.

Der Gig steigt in der Veranstaltungshalle Essigfabrik in Köln-Deutz. Wie der Name sicherlich schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine ehemalige Essigfabrik, die nun Events aller Art beherbergt. Die Location befindet sich direkt am wunderschönen Rhein, in einem leicht heruntergekommen Industriegebiet. Links und rechts befinden sich Fabrikanlagen, die ihre besten Zeiten schon längst hinter sich gelassen haben. Ab und zu läuft man einem verlassenen Schutthaufen über den Weg oder sieht heruntergekommene Industriebauten. Hier bekommt man Industrie-Nostalgie vom Feinsten geboten. Für nötige Stimmung bei einem Metal-Konzert könnte man weiß Gott nicht besser sorgen. Die Essigfabrik selber besteht aus einer Halle, in der auf einer Kopfseite die Bühne aufgebaut ist. Rechts daneben befindet sich eine Theke für Getränke. Man könnte sagen, dass die Halle spartanisch ausgestattet ist, aber das tut der Musik sicherlich keinen Abbruch.

Den gesamten Abend muss man sich wie eine drei Stufen Rakete vorstellen, die einem zu einem geilen Trip Richtung Metal Heaven schickt. Die erste Stufe zündet mit Stormwarrior um 19:45 Uhr. Man hat den Eindruck, dass die vier Metaler aus Hamburg ein bisschen auf die Bühne schlurfen und ein wenig die Energie vermissen lassen. Stormwarrior geben die nächsten 30 Minuten feinsten Power und Speed Metal von sich und liefern rein musikalisch eine mitreißende und professionelle Show ab. Die Performance kann mich allerdings nicht vom Hocker hauen. Hier fehlt mir der Funke und die nötige Power, die einen mitgehen lässt. Sänger Lars Ramcke geht während des Auftritts mal zu Leonhardt am Bass oder zu Guth an die Gitarre. Ich habe Bands gesehen, die auf der Bühne wie ein Flummi durch die Gegend gesprungen sind, aber hier ist von so viel Einsatz nichts zu spühren. Die immer gleichen Ansagen zwischen den Songs alla “Na wollt ihr noch mehr” können die nötige Power auch nicht herüber bringen. Selbst die Lichtshow kommt mir bei diesem Auftritt ziemlich öde vor. Die fest installierten Spots lassen die Bühne im gelben und roten Licht erstrahlen, abwechselnde Farben oder bewegliche Spots muss man hier vergeblich suchen. Versteht mich an dieser Stelle aber bitte nicht falsch. Der Auftritt und die performte Musik sind gut, aber mir fehlt das gewisse Etwas. Es hätte von allem ein bisschen mehr sein dürfen, um richtig abzugehen. Während des Auftritts von Stormwarrior ist die Halle zur Hälfte gefüllt, aber das Publikum gibt sein Bestes und hat so weit mitgemacht wie es eben geht.

Kommen wir zurück zu unserer Rakete. Die erste Vorband ist vorbei und die erste Vorstufe ist heruntergebrannt. Es reicht noch nicht zum Abheben oder um in den Metal Heaven zu kommen, aber man ist warm, man weiß wo es hingehen kann und man hat verdammt noch mal Bock drauf. Also legen wir mal einen Zahn zu und heben mit Rhapsody Of Fire richtig ab. Die Jungs um den Sänger Fabio Lione wissen, wie man eine geile Show abliefert. Von der ersten Minute an haben sie das Publikum in ihren Bann gezogen. Diese unglaubliche Bühnenpräsenz liegt auch sicherlich an dem charismatischen Auftreten von Lione. Der Sänger muss das Publikum noch nicht mal großartig zum Mitmachen motivieren. Eine Handbewegung reicht, um den Fans Sprechchöre oder ganze Lieder zu entlocken. An der Stelle muss man aber auch sagen, dass das Publikum unglaublich stark ist, viele Lieder auswendig kann und ordentlich Bock hat. Natürlich werden die Hits wie Rising From Tragic Flames und Dark Wings Of Steel nicht vergessen und bringen die Masse zum Kochen. Lione genießt es sichtlich, wie sehr das Publikum mitgeht. Mein persönlicher Höhepunkt bei Rhapsody Of Fire ist ein Lied, dass auf Italienisch performt wird. Leider, leider kann ich dieses Lied nicht in meiner Musiksammlung finden und der Titel ist leider in der Masse untergegangen. Die Ballade haut mich aus den Socken und immer wieder denke ich mir, dass an Lione ein erstklassiger Opernsänger verloren gegangen ist. Anscheinend stehe ich mit meiner Meinung nicht alleine da und im nu sieht man unzählige Feuerzeuge, bzw. Handys mit der Feuerzeug-App im Publlikum hin und her schwenken. Selbst nach einer gefühlten Ewigkeit will der frenetische Applaus am Ende des Liedes nicht abklingen. Kurz gefasst, es ist einfach genial. Nach 60 Minuten ist der Auftritt von Rhapsody Of Fire vorbei und das Publikum ist nicht nur heiß, nein, es brennt regelrecht. Der Mix aus Power und Symphonic Metal hat die Leute mitgerissen und die Bühnenperformance von der Band hat ihr übrigiges getan.

Rhapsody Of Fire hat unserer Rakete einen gewaltigen Schub verpasst und sie mit Volldampf abheben lassen. Trotz der hohen Messlatte schaffen es Gamma Ray mit ihrem anschließenden Auftritt noch einen oben drauf zu setzen und das Ding mit Lichtgeschwindigkeit gen Himmel zu schießen. Ich bin mir auch sehr sicher, dass es so einen Auftritt von Gamma Ray wie in Köln kein zweites Mal geben wird, aber alles der Reihe nach. Gamma Ray betreten um 22 Uhr die Bühne und ich wundere mich schon ein wenig, dass sie so spät dran sind. Aber das tut der aufgeheizten Stimmung im Publikum keinen Abbruch. Die Halle ist mittlerweile zu Dreiviertel gefüllt und hat damit das Besuchermaximum erreicht. Wenn ich mich so in der Location umgucke, habe ich das Gefühl, dass erstaunlich viele junge Frauen anwesend sind. Die vier Jungs von Gamma Ray haben es nach 20 Jahren Bandgeschichte wohl noch immer raus, wie man die Frauen bei Laune halten kann. Generell habe ich das Gefühl, dass der Altersdurchschnitt recht niedrig angesiedelt ist. Gleich zu Beginn ihres Auftritts stürmen Gamma Ray auf die Bühne und legen ordentlich los. Zwischen den Songs klingt die Stimme von Kai Hansen recht heiser. Nach 30 Minuten sagt er dann, dass er eine Bronchitis hat und eigentlich ein Gesangsverbot bekommen hat. Trotzdem ist das kein Grund für Gamma Ray den Auftritt abzusagen. Clever wie sie sind, haben sie zwei Gastsänger für den Gig organisiert. Der erste Gastsänger entpuppt sich als Lione von Rhapsody Of Fire, der ohne große Umschweife direkt loslegt und Future World zum Besten gibt. Ich glaube, es gibt keinen einzigen im Saal, der diesen Song nicht mitgesungen hat. Lione performt an die 30 Minuten Songs von Gamma Ray. Hansen konzentriert sich währenddessen voll auf seine Gitarre und liefert eine geile Show ab. Aber das heißt nicht, dass es das schon vom urtypischen Sound von Gamma Ray war. Nach dem Gastauftritt legt Michael Ehré mit einem sehr ausgiebigem Schlagzeugsolo los und heizt die Menge noch einmal richtig an. Während des Solos steht der Drummer alleine auf der Bühne. Ich glaube, dass Hansen die Pause einfach für seine Stimme gebraucht hat. Ich empfinde die Gesangspause aber auch zu keinem Zeitpunkt als schlimm. Dafür machen die Drumms einfach zu viel Laune. Nach der Pause übernimmt der Sänger von Gamma Ray wieder selber das Mikro und schmettert der euphorischen Masse noch ein paar Songs um die Ohren. Da das ganze Konzert ein Teil der Empire Of The Undead Tour ist, werden natürlich auch ein paar neue Songs vom neuen Album vorgestellt. Nach weiteren 30 Minuten überlasst Hansen das Mikro dem zweiten Gastauftritt. Der zweite Gastsänger heißt Frank. Hansen sagt selber, dass man Frank noch nicht kennt, er aber der nächste “Deutschland Sucht Den Super Metal-Star” wird. Da ich auch keine nähren Infos zu Frank habe, spare ich mir an dieser Stelle mal wilde Spekulationen. Mir persönlich hat seine Stimme nicht ganz so mit den Songs von Gamma Ray gefallen, aber trotzdem war es ein sehr gelungener Abend.

Fazit: Wie ich bereits schon geschrieben habe, habe ich in Köln ein Konzert erlebt, was in dieser Konstellation sicherlich nicht so schnell wieder zusammenkommen wird. Ich finde es nicht schlimm, dass sich Hansen das Mikro mit zwei Gastsängern geteilt hat. So etwas ist mir um einiges lieber als ein ausgefallenes Konzert. Der Abend war auch Dank der Vorbands mehr als gelungen und die Jungs haben die Bude mehr als gerockt. Gamma Ray ist eh eine Größe für sich, aber an diesem Abend haben sie echt alles gegeben und dementsprechend viel vom Publikum zurückbekommen.

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