Soen – European Excursion 2015, 12.03.2015, Kulttempel/Oberhausen

“Zwei sehr charismatische Frontmänner“

Eventname: European Excursion 2015

Headliner: Soen

Vorband: LizZard

Ort:
Kulttempel, Oberhausen

Datum: 12.03.2015

Genre: Progressive Rock

Besucher: ca. 200 Besucher

Veranstalter: International Booking Department (IBD) (https://www.facebook.com/International.Booking.Department)

Link: https://www.facebook.com/events/1567844250117285/

Setlisten:

  1. Aion
  2. Bound
  3. The Roots Within
  4. Loose Ends
  5. Colour Blind
  6. Vigilent
  7. The Orbiter
  8. Twisted Machine
  9. Tear Down The Sky
  10. Just A Breath
  11. Falling In Zero

  1. Tabula Rasa
  2. Delenda
  3. Ennui
  4. Koniskas
  5. Canvas
  6. Kuraman
  7. Fraccions
  8. Void
  9. Savla

Encore:

  1. The Words
  2. Pluton

 

Konzertplakat Soen

Nachdem ich das Review zum Album Tellurian schreiben durfte, konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, Soen auch einmal live zu erleben. Und wenn er dann quasi noch „um die Ecke“ auftritt, umso besser! Also geht es am 12.03.2018 nach Oberhausen in den Kulttempel, den ich heute zum zweiten Mal betrete. Wieder bin ich beeindruckt von den angedeuteten Kirchenbildern hoch über der Bühne. Etwas überrascht bin ich, dass zum Einlass außer mir nur noch fünf weitere Gäste da sind, mir schwant nichts Gutes. Die Bedenken zerstreuen sich aber, je näher der Beginn der Veranstaltung rückt. An einem Donnerstag müssen halt die meisten arbeiten, da kann man teilweise wirklich erst kurz vor knapp kommen. Die Halle füllt sich aber doch zunehmend.

Wort- und grußlos, aber augenscheinlich hochmotiviert betreten die Mitglieder der französischen Band LizZard die Bühne. Diese ist aufgrund des bereits vorhandenen Aufbaus für Soen nur halb so tief wie normalerweise. Daher spielen die drei nebeneinander fast direkt am Bühnenrand, d. h. auch das Schlagzeug ist gut zu sehen. Gegründet wurde die Band im Jahr 2006, und bislang wurden eine EP und zwei Alben veröffentlicht. Ich kannte die Band vorher überhaupt nicht, bin aber, wie die Mehrheit des Publikums, sehr angenehm überrascht von dem teilweise mächtig nach vorn preschenden Progressive Rock, den die drei uns präsentieren. Mit Mathieu Ricou als Sänger/Gitarrist, William Knox als Backgroundsänger/Bassist und last but not least Katy Elwell am Schlagzeug haben sich drei gefunden, die sich augenscheinlich sehr gut verstehen und auf der Bühne bestens harmonieren. Angenehm unaufgeregt ist die Show, bei einigen Riffs kann Mathieu Ricou dann zwar doch nicht an sich halten, aber viele Worte oder gar große Gesten sind nicht seine Sache. Auch Katy Elwell hat anscheinend sehr viel Spaß bei der Arbeit und ich freue mich wirklich, auch mal eine Frau an meinem Lieblingsinstrument sitzen zu sehen.

Nach einer angenehm kurzen Abbaupause (das Equipment von Soen steht ja bereits) erscheinen dann nach und nach die Bandmitglieder auf der Bühne und bringen sich während des Intros in Position. Ich bin etwas überrascht, denn da stehen plötzlich fünf Mann auf der Bühne, davon einer am Keyboard. Aber warten wir mal ab. Da diese Tour ja das neue Album Tellurian supporten soll, besteht die Setlist größtenteils aus Songs dieses Albums, aber natürlich wird auch das Vorgängeralbum Cognitive berücksichtigt. Dabei ist Frontmann Joel Ekelöf ein Meister der großen und kleinen Gesten und geht vollkommen in den Liedern auf. Mal streckt er eine Hand flehentlich nach vorn, mal ergibt er sich und breitet die Arme aus und dann schwenkt er auch mal die schwarze (nein, nicht die weiße) Flagge. Dabei hat er das Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde fest im Blick und auch im Griff, wir alle fressen ihm aus der Hand. Mich beeindruckt er mächtig mit seinem Charisma, das ihn auch umgibt, wenn er mal Gesangspause hat und sich seine Bandkollegen in Szene setzen dürfen. Und hier kommt dann auch der zweite, bzw. eigentlich der erste, weil Leadgitarrist, ins Spiel. Es handelt sich um niemand geringeren als Marcus Jidell, der zuletzt auch bei der Band Evergrey aktiv war. Der Mann im Keyboard, Joakim Platbarzdis, ist heute Abend Multiinstrumentalist, denn „nebenbei“ spielt er auch noch Rhythmusgitarre und Percussion. Dabei ist er aber immer die Ruhe in Person und kommt genau so angenehm rüber, wie die restlichen Bandmitglieder. Da ist nichts Aufgesetztes, sondern einfach nur die Lust, dem Publikum das Beste zu bieten. Und das Publikum honoriert das auch mit begeistertem Beifall, der auch, als die Band die Bühne zum ersten Mal verlässt, nicht nachlässt. So kommen wir dann alle noch in den Genuss von zwei Zugaben, bevor dann gegen 22:30 Uhr der letzte Ton verklingt.

Nach diesen beiden Auftritten bin ich immer noch restlos gefangen und würde den Bands am liebsten auf der Tour hinterher reisen, um solch einen absolut beeindruckenden und sicherlich noch lange in Erinnerung bleibenden Abend noch einmal erleben zu dürfen. Sehr angenehm fand ich auch, dass nur zwei Bands aufgetreten sind, ab drei Bands wird es für mich schon etwas anstrengend. Mag vielleicht auch an meinem Alter liegen. 😉 Was mir auch sehr positiv auffällt, ist, dass keine der beiden Bands es nötig hat, die mittlerweile überall grassierenden Selfies von der Bühne herunter aufzunehmen. Also Daumen komplett durchgestreckt nach oben und ein dickes Dankeschön an alle, die diese Auftritte ermöglicht haben!

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