„Wie klingen bekannte Songs im eigenen Sound!?“

Artist: Hämatom

Herkunft: Deutschland

Genre: Neue Deutsche Härte / Krautmetal

Label: Rookies & Kings / SPV

Link: http://www.haematom.de

Bandmitglieder:

Gesang – Nord
Schlagzeug – Süd
Bassgitarre – West
Gitarre – Ost
Produzent – Äquator

Time For Metal / Kai R.:
Hey Hämatom,
als erstes danke ich euch obligatorisch für die Zeit, die ihr euch für uns und unsere Leser genommen habt. Nachdem ich euch damals beim Autogrammstand auf dem Wacken Open Air (war es 2011? 2012?) noch nicht wirklich kannte, bin ich heute zu einem Fan eurer Musik geworden. Wie geht es euch hinter den Masken und was macht ihr denn gerade so Schönes?

Hämatom / Süd:
Danke gut, derzeit sind wir mit unserem aktuellen Release zum Album „X“ beschäftigt und touren gleichzeitig durch die Bundesrepublik, während wir noch Videos zu Songs von „X“ veröffentlichen. Uns wird also nicht langweilig 🙂

Hämatom - Schutt und Asche DVD

Hämatom – Schutt und Asche DVD

Time For Metal / Kai R.:
Bevor ich euch bezüglich eures neuen Releases löchere, möchte ich euch erstmal wegen eurer im Jahr 2012 erschienenen Live-DVD / Live-CD Schutt und Asche etwas fragen. In meinem Review hierzu (Link wird im Artikel eingefügt) habe ich euch mit der Band Rammstein verglichen. Ist dies für euch eher nervig oder eine Ehre mit Deutschlands Export Schlager in einem Satz genannt zu werden?

Hämatom / Süd:
Beides. Es ist natürlich eine große Ehre mit einer Band verglichen zu werden, die wir selbst sehr verehren, andererseits rauben solche Vergleiche immer auch Selbständigkeit. Ich finde, dass HÄMATOM schon eine andere Baustelle ist, als RAMMSTEIN. Aber klar, jeder braucht Beschreibungshilfen, da es bekanntermaßen schwer ist, Musik in Worte zu fassen, deshalb ist es schon OK auf Vergleiche auszuweichen.

Time For Metal / Kai R.:
Mit auf der Bühne waren Michael “Blutkehle” Roth/Mitch (Eisregen) und Patrick “Pat” Prziwara (Fiddler’s Green) anwesend. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Hämatom / Süd:
Wir kennen beide schon recht lange und beide hatten ja auch schon auf den jeweiligen Studioaufnahmen der Songs mitgewirkt, so dass die Entscheidung für deren Gastauftritte sehr nahe lagen. Mit Pat verbindet uns eine langjährige Freundschaft, die schon vor HÄMATOM begann. Mitch und EISEGEN haben uns gerade in den schweren Anfangsjahren stets supportet, indem sie uns immer wieder mit auf Tour nahmen.

Time For Metal / Kai R.:
Mit dem Release eures neuen Albums X seid ihr mal wieder quer durch Deutschland unterwegs. Wo spielt ihr lieber: In der kleinen Halle oder auf einem Open Air Festival?

Hämatom / Süd:
Beides gut. Kleine Hallen sind natürlich persönlicher: Man schwitzt und schreit gemeinsam und ist danach völlig fertig und im reinen mit sich selbst – alle Beteiligte. Bei Festivals ist man als Band nur ein Teil des Ganzen. Allerdings trifft und sieht man auf großen Veranstaltungen viele bekannte Musiker und entdeckt neue Bands, was wir auch immer spannend finden.

Haematom - X

Haematom – X

Time For Metal / Kai R.:
So, dann wollen wir euer neues Album mal auseinander nehmen: Die als Doppelalbum veröffentlichte Scheibe X wird ja ab dem 17.10.2014 in den Regalen aller CD-Händler zu finden sein. Wie ist es für euch, wenn ihr durch einen Online Shop surft oder durch einen CD-Laden schlendert und dann eure eigene Platte dort stehen seht?

Hämatom / Süd:
Besonders bei unserem aktuellen Produkt freuen wir uns über deren edle Verpackung aus Metall. Allerdings hatte ich noch keine Zeit einen CD-Händler aufzusuchen, da gerade mit Videos fertigstellen, Touren und der begleitenden Release-Tätigkeiten, wie Interviews, unsere Terminkalender voll bis oben hin sind.

Time For Metal / Kai R.:
Nach Heino und Callejon seid ihr nun die dritte deutsche Band, die in der letzten Zeit ein Coveralbum auf den Markt bringt, welches bei uns rezensiert wurde. Was haltet ihr von Heinos – Verbotenen Album und von Man Spricht Deutsch der deutschsprachigen Metalcore-Truppe Callejon?

Hämatom / Süd:
Wir finden beide Varianten für sich stehend sehr gelungen. Vorangegangen sind natürlich auch Bands, wie Bosshoss oder Dick Brave und viele andere, die in ihrem Stil bekannte Songs neu verpackten. Das finden wir eben das spannende: Wie klingen bekannte Songs im eigenen Sound. Mit diesem Interesse begannen wir auch mit der Arbeit an „X“ und waren schnell Feuer und Flamme nach ersten bearbeiteten Songs, ein ganzes Album zusammenzustellen.

Time For Metal / Kai R.:
Im Vergleich zu den genannten Alben habt ihr euch ein wenig anders bedient. Somit findet man bei euch nicht unbedingt die Songs, die man erwartet. Also es wurde auf Rammstein, Die Toten Hosen und Die Fantastischen Vier verzichtet, dafür habt ihr euch Wir Sind Helden, Jan Delay, Unheilig und Deichkind gepackt, um Songs von ihnen mit eurem Sound zu verfeinern. Warum habt ihr gerade diese Stücke gewählt?

Hämatom / Süd:
Unser Aufhänger waren die letzten zehn Jahre, also die Zeit, seit es HÄMATOM gibt. Wir haben aus jedem Jahr der Bandgeschichte einen Song gepickt, den wir mögen und der unserer Bearbeitung stand hielt. Dabei haben wir schnell gemerkt, dass Songs aus unserem Genre keinen großen Reiz haben. Was will man bei einem RAMMSTEIN-Song anders machen? Also landeten wir bei Deutschsprachigem Hip-Hop und Deutschsprachiger Pop-, Rockmusik. Schlager wollten wir nicht benutzen, das würde zu lustig werden! Und so entwickelte sich dann eben langsam die Auswahl, wie wir sie jetzt auf unserem Album vorfinden.

Time For Metal / Kai R.:
Auf der zweiten Scheibe bekommt man ein Potpourri an neu aufgelegten Songs der letzten zehn Jahre Hämatom. Warum haben es Songs wie Zirkus Maximus und Neandertal nicht mit auf die Platte geschafft?

Hämatom / Süd:
Die Entscheidung fiel natürlich schwer. Es gab Songs, da waren wir uns alle sofort einig, die wurden also einstimmig ausgewählt und dann gab es Songs, die dem demokratischen Stimmverfahren stand hielten oder eben nicht. Nach einigen Diskussionen war dann die Zusammenstellung erarbeitet und jeder Musiker war zufrieden, wenngleich natürlich auch jeder Abstriche machen musste.

Time For Metal / Kai R.:
Mit Leichen Pflastern Unseren Weg und Teufelsweib wird nicht nur Altbekanntes, sondern auch etwas geboten, was man bisher von euch nicht kannte. Sind diese Songs bereits schon lange in eurer Schublade gewesen? Oder wurden sie extra für das Jubiläumsalbum geschrieben und produziert?

Hämatom / Süd:
Diese Songs wurden für „X“ neu geschrieben, aufgenommen und produziert. Wir hatten zwar noch was vom Album KEINZEITMENSCH auf Halde, fanden es aber nicht ausreichend gut für dieses Album. OST hatte dann im Sommer einen sehr kreativen Output, so dass in kürzester Zeit die beiden neuen Songs entstanden.

Time For Metal / Kai R.:
Teufelsweib
durfte nun am 05.10.2014 als Singleauskopplung des kommenden Albums erscheinen. Dort zieht das so genannte „Teufelsweib“ euch die Masken herunter. Seid ihr das wirklich oder wurden hier Schauspieler als Double eingesetzt?

Hämatom / Süd:
Also wer? Uns werden die Masken abgezogen, aber ohne dass unsere Gesichter abgelichtet wurden. D.h. das „Hauptopfer“ im Video ist natürlich ein Schauspieler, also keiner von der Band. Wir bleiben die geheimnisvollen Unbekannten.

 

Time For Metal / Kai R.:
So dann erstmal genug von eurem Album, denn ich wollte euch so auch noch was fragen: Ihr seid ja beim diesjährigen Wacken Open Air gewesen. Wie war das Festival für euch? Habt ihr euch wohlgefühlt und wenn ja, wieviel Bier ist geflossen?

Hämatom / Süd:
Wacken war für uns dieses Jahr gigantisch! Wir spielten in diesem Riesenzelt und schon beim Soundcheck merkte man, dass das Ding womöglich noch aus allen Nähten platzt. Zum Glück ist es natürlich nicht passiert, aber anscheinend sind wirklich nicht alle Interessierte in das Zelt gekommen. Es war also wahnsinnig voll und dann auch das Publikum wahnsinnig laut. HÄMATOM-Chöre so laut, dass man sein eigenes Instrument nicht mehr hören konnte. Also der totale WAHNSINN !!! Was wir ansonsten noch nüchtern vom Festival mitbekommen haben war stets positiv. Ein Festival durchaus mit Liebe zum Detail. Hier steht nicht nur die Musik im Vordergrund, sondern es gibt viele andere Dinge zu entdecken. Na und dann verblasst irgendwann die Erinnerung aufgrund des Alkohols und wir waren froh, alle wieder gesund nach Hause gekommen zu sein 🙂

Time For Metal / Kai R.:
Ihr produziert ja deutschsprachige Texte, die den Zuhörern gerne mal kritisch einen Spiegel vor die Nase drücken. Dass man so nicht nur Freunde hat, dürfte ja eigentlich klar sein. Wie geht ihr mit negativen Äußerungen um, die ihr bzgl. eurer Texte und eurem Stil erhaltet?

Hämatom / Süd:
Da haben wir inzwischen ein dickes Fell aus unserer Vergangenheit. Die Anfangsjahre waren ja was die Presse angeht nicht gerade leicht. Inzwischen muss man sagen, dass wir eine breite Akzeptanz in der Szene spüren. Wir werden ernst genommen, erhalten vermehrt Lob und die letzten drei Alben haben auch meist gute bis sehr gute Bewertungen abbekommen, was uns natürlich freut.

Time For Metal / Kai R.:
Wo wir gerade beim Stil sind. Wie nennt ihr das, was ihr da macht? Ist das für euch eine Art der Neuen Deutschen Härte, Krautmetal oder harter Deutschrock?

Hämatom / Süd:
„Deutschsprachiger Metal“ sagen wir. Krautmetal habe ich noch nie vorher gehört, würde aber wohl auch passen, klingt aber bescheuert finde ich. Fans haben wir wohl aus allen Lagern. Man kann auch nicht auf Biegen und Brechen eine Schublade finden. Man kann uns mit Worten skizzieren, dann muss man bei gewecktem Interesse reinhören und die Ohren über Gefallen oder Missfallen entscheiden lassen.

Time For Metal / Kai R.:
Wenn ihr auf die Bühne geht, wie lange braucht ihr, um euch zu schminken bzw. wie lange dauert die Transformation von Nord/Ost/Süd/West, um wieder zurück zum „normalen“ Ich zu werden?

Hämatom / Süd:
Vor der Show brauchen wir in der Regel eine Stunde. Nach der Show hängt die Länge des Zurückverwandelns von unseren Köpfen ab. Mal zehn Minuten, mal zehn Stunden. Da ist es schwierig einen Durchschnittswert zu ermitteln. Ist auch jedem von uns unterschiedlich. Ob jemand seine Maske mit ins Hotelzimmer nehmen will, bleibt jedem selbst überlassen.

Northmen A Viking Saga - Johan Hegg is Valli

Northmen A Viking Saga – Johan Hegg is Valli

Time For Metal / Kai R.:
Vielleicht habt ihr ja mitbekommen, dass der Fronter von Amon Amarth Johan Hegg bald im Kino sein wird. Werdet ihr euch Northmen – A Viking Saga anschauen? Was denkt ihr von solchen Quereinsteigern?

Hämatom / Süd:
Ich persönlich werde ihn wohl eher nicht anschauen, ist nicht so mein Genre, aber vielleicht die anderen – i don’t know. Generell finde ich aber so einen Quereinstieg sehr interessant. Ich denke, dass es auch Parallelen zwischen diesen Welten gibt. Also ein Sänger ist durchaus auch ein Schauspieler, bzw. jemand, der vor Publikum etwas darstellen muss. Insofern ist da zumindest schon Selbstbewusstsein und der Umgang mit Publikum und Kameras vorhanden. Na und singende Schauspieler gibts ja einige, also Leute, die aus der Schauspielerei stammen und sich dann mit Mikrofon auf die Bühne stellen und CDs produzieren.

Time For Metal / Kai R.:
Was war das größte Geschenk, das euch ein Fan jemals gemacht hat?

Hämatom / Süd:
Deutsche HÄMATOM-Fans, die uns in Polen oder Bulgarien besucht haben war uns ist immer ein besonderes Geschenk für uns.Das ein Wahnsinn! Sie setzen sich über alle Grenzen hinweg und kommen auch zu Shows, die sehr weit entfernt sind. Das finden wir unglaublich. Danke an dieser Stelle von uns für diesen Support.


Time For Metal / Kai R.:

So abschließend wollte ich euch mal die Chance lassen, mir eine Frage zu stellen, die ihr schon immer über ein Online Musik Magazin wissen wolltet. Es ist egal ob es das Magazin, unser Radio oder uns privat betrifft – ich versuche möglichst ehrlich zu antworten.

Hämatom / Süd:
Wer war der arroganteste und wer der netteste Musiker, der Euch als Redakteure je über den Weg gelaufen ist?

Time For Metal / Kai R.:
Das ist echt nicht unbedingt eindeutig zu sagen, denn die arrogantesten antworten zumeist garnicht. Aber wenn man vom dreistesten PR-Versuch ausgeht, dann erinnere ich mich immer wieder gern an diese eine Black Metal-Band, die in einem Interview sich selbst die folgende Frage gestellt hatte:“Hast du bereits einen Menschen getötet? – Die Antwort ist JA!“ Natürlich lasse ich den Bandnamen jetzt mit Absicht weg, denn in meinen Augen verstehen manche Leute die Grenze nicht zwischen Cool und einfach nur Dumm. Haben in diesem Fall natürlich direkt dem dazu gehörenden Label unser No-Go erteilt. Ein nettes Interview hatte ich mit der Sängerin der aus Taiwan stammenden Band Chthonic (Link: hier). Denn auch wenn man merkte, dass die Bassistin kein gutes Englisch spricht hat sie trotzdem alles sehr ausführlich und zum teil schwer verständlich beantwortet. Ansonsten hat mich das Interview mit Oscar Dronjak (Hammerfall| Link: hier) sehr beeindruckt, denn es war eher wie ein Gespräch mit einem guten Freund als mit einem bekannten Künstler.

So dann sage ich mal vielen Dank, dass ihr euch für meine Fragen Zeit genommen habt. Ich freue mich sehr, euch bald auf der Tournee in Deutschland sehen zu können. Ebenso freue ich mich auf die nächsten zehn Jahre Hämatom – darauf hebe ich mein Glas – zum Wohl!

Hämatom / Süd:
Zum Wohl und danke für Euer Interesse!
Der SÜD

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