Tangent Plane – Project Elimi

„Es war einmal…Progressive Power Metal!“

Artist: Tangent Plane

Album: Project Elimi

Spiellänge: 76:46 Minuten

Genre: Progressive Power Metal

Release: 25.03.2011

Label: 7Hard

Link: http://www.tanget-plane.de

Produziert in: Prophecy und Music Factory Studios in Kempten

Band Mitglieder:

Gesang – Jan Michaelis
Gitarre – Piero Pellegrino
Bass – Kostas Kontos
Keyboard – Ralph Swan Krieger
Schlagzeug – Dennis Hoffmann

Tracklist:

  1. One Month in Real-Time
  2. One with the Lies
  3. Ice Age
  4. Borrow me your Dullness
  5. Do You Live
  6. Deadborn
  7. One Moment and the Murder after
  8. Project Elimi

Es war einmal ein äußerst begabter Keyboarder namens Ralph Swan Krieger. Er hatte viele Visionen und suchte lange nach den passenden Mitstreitern, die ihm bei der Verwirklichung seiner Ideen helfen würden. Er zog umher, überzeugte Medien und Fans von seinem Können und fand schließlich im Jahre 2007 vier weitere Musiker, die bereit und vor allem auch fähig waren, seine Ideen zu verwirklichen. Klingt wie ein Märchen, jedoch hat sich genau dies (oder zumindest so ähnlich) vor mittlerweile vier Jahren zugetragen – die Band Tangent Plane fand sich rund um den Keyboarder Ralph Swan Krieger zusammen.

Nachdem im Jahre 2008 bereits erfolgreich und mit viel positiver Kritik der erste Longplayer Among Grey Masks veröffentlicht wurde, gingen Tangent Plane 2010 wieder ins Studio, um ihr erstes Album Project Elimi aufzunehmen, welches zudem der erste Teil einer geplanten Trilogie ist.

Das Album beginnt mit One Month in Real-Time. Der Anfang ist typisch progressiv, der Wechsel von Klassik und Metal weiß mich direkt zu überzeugen. Schließlich dauert es auch erst einmal eine dreiviertel Minute bis der Gesang einsetzt, aber das ist ja für Hörer der progressiven Richtung keine lange Zeit, sie sind es gewohnt durchaus zehn Minuten auf Gesang zu warten – da sind 45 Sekunden doch wirklich ein Pappenstiel! Aber bei der Band handelt es sich ja nicht einfach nur um eine Progressive Metal Band sondern um eine Progressive Power Metal Band, das entschuldigt dann diese gewisse „Ungeduld“ zum Albumbeginn – wo „Power“ versprochen wird, wird auch ganz klar „Power“ gezeigt. Instrumental zeigen Tangent Plane ihr volles Können, von schnellen Beat-Wechseln bis zu Bass-Soli ist richtig viel dabei.

One With The Lies beginnt. Was ist das? Ein Kratzen? Es klingt, als würde jemand seine Fingernägel über gebürstetes Aluminium ziehen. Etwas unangenehm, aber zum Glück beginnt nach kurzer Zeit der Song. In diesem Lied beginne ich etwas am Gesang zu zweifeln. Bereits im ersten Stück fiel mir der Sänger nicht ganz so positiv auf, die Wechsel im Gesang waren und sind auch in diesem Lied einfach zu krass und wirken als würden sie teilweise über das Können des Sängers hinausgehen. Im zweiten Lied wird mir klar, an wen mich der Sänger erinnert: Vor einigen Jahren habe ich in Japan einen damals dort recht bekannten Musiker mit dem Namen Hyde gehört. Jan Michaelis‘ Stimme ist zwar etwas tiefer, der Rest klingt aber äußerst ähnlich.

Nun gut, warten wir mal ab, was sonst noch so kommt. Ice Age, der dritte Song auf dem Album beginnt vielversprechend, ruhige Sequenzen und schnelle Passagen geben sich die Klinke in die Hand.

Beim vierten Song, Borrow Me Your Dullness, warte ich auf den Aha-Effekt. Und ich warte. Und von was werde ich letztendlich überrascht? Von spacigem Sound. Nunja, nicht das, was ich erwartet habe, da ich nun mal nicht der Fan von zu viel „Gedudel“ – wie ich es so nett nenne – bin. Aber zu meiner Erleichterung kommt dann doch noch ein Gitarrensolo, welch Freude für mein Ohr! Auch die Stimme von Jan Michaelis‘ gefällt mir nach dem „Gedudel“-Part recht gut. Er bleibt klar im Rahmen seiner stimmlichen Möglichkeiten und wird zwischendurch auch mal etwas aggressiver– super! Eine gewisse Aggressivität ist immer gut. 🙂

Wir wechseln mit dem aggressiver werdenden Sänger in die Irrenanstalt. Do You Live führt uns mit panischem Geschrei am Anfang direkt in Frankensteins Labor. Der Song nimmt uns daraufhin weiter an die Hand und führt uns weiter ins „Labor des Horrors“ – in kurzen Sequenzen werden die Neunziger kurzzeitig aus der Ersatzteilkiste gegraben: Ice Ice Baby! Ohje… Ohne diese kurzen Passagen wäre das Lied bestimmt besser gewesen, aber so ist eben Progressive, da wird mit so vielem kombiniert und experimentiert: Dem einen gefällt’s dem anderen nicht.

Deadborn, ok, was soll ich unter dem Titel verstehen? Es beginnt schleppend. Ein eher ruhiges Stück. Musikalisch nicht schlecht, mir jedoch etwas zu ruhig und zu lang gezogen. Mehr und vor allem schnellere Wechsel wären mir hier etwas lieber gewesen. Aber, Moment, hatten wir auf dem Album denn schon einen ruhigen Song? Nicht wirklich, also ist das auch ok – die Sentimentalen unter den Hörern sollen ja auch einen Song haben, zu dem sie im Takt schaukeln und bei dem sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen können… Ok, die eben beschriebenen Hörer sollten dann das Ende auslassen, das wird etwas schneller und lauter und endet mit dem Herzstillstand. Wie schön.

Der vorletzte Song, One Moment And The Murder After, ist irgendwie alles. Ich fühle ich mich wie auf dem Kettenkarussell während der Kirmes – es fängt langsam an, wird schneller, immer schneller, alles außerhalb des Karussells verschwimmt, man hört Kinderstimmen, das Lachen eines Mannes und bevor man die Geräusche zuordnen kann, dreht sich das Karussell immer weiter. Was für eine Mischung.

Der Namensgeber des Albums Project Elimi folgt. Ein echter progressiver Kracher. Ganze 22 Minuten und 17 Sekunden lang. Das ist Progressive! Durch viel Abwechslung ein insgesamt sehr gelungenes Stück!

Fazit: Musikalisch sind Tangent Plane super. Das Quintett hat wirklich einiges drauf und weiß seine Fähigkeiten auch gut einzusetzen. Leider ist es teilweise zu viel des Guten: Manchmal kommen die Wechsel zu schnell und man hat kaum die Chance sich auf etwas einzulassen und dann wiederrum scheint es, als würde sich nichts tun. Was mir sehr fehlte waren die Gitarren-Soli, diese waren eher spärlich gesät. Außerdem hat mich der Gesang nicht wirklich überzeugt. Der Sänger hat zwar eine gute Stimme aber anscheinend hat er auch hin und wieder Probleme, in seinem gesanglichen Rahmen zu bleiben. So klingt das Ganze dann zwischendurch schon mal wie Muse und nicht wie echter Metal. Schade. Trotzdem lohnt sich ein Reinhören – der Gesang ist ja auch immer eine Frage des Geschmacks. Anspieltipps: One Month in Real-Time, Project Elimi
Petra D.
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