Alphatraz – Gebeine

Gegen den Strom

Artist: Alphatraz

Herkunft: Deutschland

Album: Gebeine

Spiellänge: 42:47 Minuten

Genre: Funeral Doom, Neoklassik

Release: 27.11.2022

Label: Eigenproduktion

Link: https://alphatraz.bandcamp.com/album/gebeine

Bandmitglieder:

Klavier – Alphatraz

Tracklist:

  1. Scary Waltz
  2. Sketches Of Pain
  3. Gebeine
  4. Opus 207
  5. Vindicta
  6. Occultatio
  7. Legatum
  8. Rixa
  9. Grabesruh
  10. Teufelskreis

Was ist eigentlich Metal?
Verzerrte Gitarren? Schreiende Dudes? Blastbeat-Geknüppel?

Irgendwie ja … und auch irgendwie nein.

Diese Frage, was also Metal ist, habe ich mir bei diesem Review sehr oft gestellt. Klar, man kommt erst mal auf die klassische Antwort mit lauter, schneller und verzerrter Gitarrenmusik. Doch das hinkt auch ein bisschen. Spätestens seit Van Canto (eine Metal a cappella Band), weiß man, es geht auch ohne Instrumente und nur mit der Stimme.
Und auch Apocalyptica haben gezeigt, dass es sinnvoll sein kann, einen anderen kreativen Weg zu gehen.

Warum dann nicht auch Klavier nutzen?

Christoph Martin, alias Alphatraz, ist Pianist und hat in der Vergangenheit Metalsongs auf dem Klavier neu interpretiert. Statt diese aber einfach nachzuspielen, haucht er den Songs mit seinem eigenen Stil neues Leben ein. Somit kommen auch neue Facetten eines Songs zutage, die er herausarbeitet. Einen Blick auf seinen YouTube-Kanal zu werfen, ist definitiv empfehlenswert (Outnumbering The Day von Bloodbath!).

Nun kommt Alphatraz mit einem Album um die Ecke, das keine Coversongs enthält, sondern eigens komponierte Stücke. Gebeine heißt das gute Stück und kommt mit zehn Songs daher.
Alles wirkt dabei wie aus einem Guss und das Album nimmt den Zuhörenden mit auf eine Reise. Hier werden nicht nur Songs gespielt, sondern eine emotionale Geschichte erzählt.

Alphatraz weiß dabei ganz genau, wie er einen Spagat von sanften Akkorden zu stampfenden Staccato-Tönen hinlegt. Es entsteht innerhalb kürzester Zeit ein Wechselbad der Gefühle, das, wenn man sich auf die Musik einlässt, ein sehr intensives Erlebnis sein kann.

Sketches Of Pain ist beispielsweise einer dieser Songs, der von einer morbiden hohen Tonfolge kommt und in eine tiefe, düstere Tonlage wandert. Dabei ist von „schön“ klingenden und dissonanten Akkorden alles dabei. Das letzte Drittel des Songs startet Alphatraz mit einem Part, der so was wie eine Befreiung darstellen könnte und im Kontrast zum Rest von Sketches Of Pain steht.

Rixa hingegen ist ein Beispiel für den Kontrast von filmisch angehauchter Musik (mich erinnert das ein wenig an den Soundtrack von Silent Hill, Film und Spiele) und Klaviermusik, die dann nicht nur mit einem mächtigen Klangteppich daher-, sondern auch mit einzelnen Tönen auskommt.

Allen CD-Sammler*innen da draußen kann ich abschließend noch empfehlen, die Scheibe als physischen Tonträger zu bestellen: Das Artwork fasst die Stimmung des Albums auf den Punkt zusammen!
Ein Klavier, auf dem ein stilisiertes Skelett liegt, und die Farbgebung ist im gräulichen gelb/braun gehalten. Wer Lust auf Sinnieren hat, während man die Musik hört, der ist hier herzlich eingeladen.

Apropos sinnieren: Was ist denn nun eigentlich Metal? Dank Alphatraz habe ich mir die Frage gestellt und konnte diese in Teilen für mich beantworten: Gegen den Strom zu sein, Intensität und Freiheit.

Alphatraz – Gebeine
Fazit
Alphatraz zeigt, was man alles aus einem Klavier herausholen kann, und wer auf der Suche nach was Neuem ist, der sollte sich unbedingt das Album anhören. Man muss sich aber ein bisschen fallen- und auf das Album einlassen. Es ist immer noch Klaviermusik, die zwar einen sehr „angemetallten“ touch hat, doch auch „typische“ klassische Elemente (gibt es die typisch klassischen Elemente?).

Anspieltipps: Rixa, Sketches Of Pain und Opus207
Christian 'Lommer' W.
9.2
Leserbewertung3 Bewertungen
9.7
9.2
Punkte