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Cadaver – Hymns Of Misanthropy

Rückkehr in die Neunziger - progressiv und brachial

Artist: Cadaver

Herkunft: Norwegen

Album: Hymns Of Misanthropy

Spiellänge: 42:43 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 25.04.2025

Label: Listenable Records

Link: https://www.facebook.com/cadavertheband/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarren – Neddo
Gesang und Schlagzeug – Ole Bjerkebakke
Bassgitarre – Eilert Solstad

Tracklist:

1. Maltreated Mind Makes Man Manic
2. Chained To His Fate
3. Nowhere To Hide
4. Sunset At Dawn
5. From The Past
6. Breaking Through
7. Misanthropic Anthem
8. Death Has To Wait
9. Through The Pain
10. Drowned In Dreams

Cadaver wurden 1988 von Anders Odden und Ole Bjerkebakke gegründet. Ihr erstes Album, Hallucinating Anxiety, erschien 1990 und war wahrscheinlich das erste Death-Metal-Album Norwegens. Seitdem erlebten Cadaver eine turbulente Zeit. Man löste sich mehrmals auf und benannte sich auch kurz in Cadaver Inc. um. Gründungsmitglied und Hauptsongwriter Anders Odden (Neddo) ist das einzige Mitglied, das in allen Besetzungen der Band dabei war und natürlich auch noch heute aktiv ist

Er hat einige unveröffentlichte Aufnahmen aus dem Jahr 1992 entdeckt und diese werden unter dem Titel Hymns Of Misanthropy veröffentlicht. Diese Aufnahmen wurden im Tomb Studio in Norwegen überarbeitet und im Temple Of Disharmony Studio in Deutschland neu gemastert.

Mit Maltreated Mind Makes Man Manic macht das norwegische Duo eben das, was es seit den Neunzigern eben so macht. Und so klingen sie etwas anders als die typischen Death-Metal-Gesellen. Der kurze jazzige Anfang macht dieses klar und auch wenn die deathigen Gitarren mit einsteigen, bleiben die Grundstruktur und der Rhythmus weiterhin davon beeinflusst. Recht progressiv. Dieses macht sich in den Strukturen ersichtlich, sowohl beim Drumming als auch bei den Gitarren, aber die Krux bei der Sache ist ja, dass man dieses kombinieren und fach- und sachgerecht ins Songwriting verarbeiten kann. Das gelingt ihnen beim Opener absolut. Im drückenden Midtempo fegt man so über die Köpfe des geneigten Death-Metal-Fans hinüber und macht einfach nur Spaß. Auch der verlangsamte und verschleppte Part ist spielerisch vorgetragen und technisch einwandfrei und klingt sogar ein wenig melodisch. Am Ende wiederholt man sich, gibt noch ein wenig Gummi, liefert ein Gelächter ab und fertig ist diese Inszenierung. Ja, das hat was.

Ein wenig straighter, aber technisch nicht weniger wertvoll geht man bei Chained To His Fate vor. Hier holt man die old schoolige Knüppelattacke nach einigen Sekunden heraus, verwendet geile Riffs und verweilt erst einmal ein wenig so. Wen wundert’s, dass mir das absolut gefällt? So mag ich es. Ziemlich fette Riffs und knüppliges Tempo und zu keiner Zeit stumpf. Ja, da bin ich mit dabei und auch der nachfolgende Part zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, absolut. Man wechselt nach circa zwei Minuten in einen ziemlich fetten Ufata-Part, der von einer aufheulenden Gitarre begleitet wird und dann in einen drückenden Moment hinüberwechselt. Das Tempo wird gedrosselt, man liefert einen melodischen Erguss und zelebriert diesen dann technisch und ideenreich. Jawohl, ziemlich fett. Mein absoluter Lieblingssong auf diesem Album, denn am Ende erfolgt noch einmal dieser kongeniale Knüppelpart mit kurzem Uftata-Moment und aufheulender Gitarre. Ach herrlich. Das Ganze klingt natürlich auch deswegen so fett, weil die Produktion so geil nach alten Zeiten klingt, sodass man das Gefühl hat, dass das Material tatsächlich in den Neunzigern entstanden ist.

Ich bin ja eigentlich auch eher ein Freund des straighten und gepflegten Geballers und diese jazzigen Momente sind mir dann an einigen Stellen auch zu viel, wie zum Beispiel bei Nowhere To Hide, aber sie schaffen es immer wieder, mich mit ihren deathigen Parts einzufangen.

Diese versetzen und teilweise hypnotischen Momente, wie zu Beginn von Sunset At Dawn, sind für mich immer ein wenig gewöhnungsbedürftig, fetzen aber dann umso mehr, weil sie einfach geil vorgetragen werden. Man hört ihre Erfahrung heraus, ohne dabei langweilig, altbacken oder in der Vergangenheit verhaftet zu klingen. Dieser schleppende Moment, der sich aufbaut und dann der Wechsel ins gepflegte Geballer. Ja, lecker, kann man nicht anders sagen. Bei ihrer ganzen Liebe zu jazzigen und vertrackten Momenten vergessen sie eben nicht, dass sie eine Death-Metal-Band sind und diese Erkenntnisse gehen meines Erachtens einigen neueren Bands heutzutage ein wenig verloren.

Klar, wie gesagt, an einigen Stellen ist es mir dann zu dissonant oder abgedreht, war früher auch schon, wie zum Beispiel bei Breaking Through. Der Bass kommt zwar sehr gut zur Geltung, aber das Ganze ist mir am Anfang zu abgedreht. Allerdings schaffen sie es immer wieder, mich dann doch abzuholen und vor allem, wenn man den oder die Songs im Allgemeinen öfter hört. Sie haben einen sehr geilen Drive und eben ein Verständnis dafür, einen Song geil aufzubauen. Songwriting kann man, glaube ich, nicht wirklich lernen, bzw. das Feeling für das Songwriting. Hier haben sie sogar quasi einen Uftata-Refrain-Part und wiederholen Breaking Throuh mit einer etwas ungewöhnlichen Stimme.

Bei Misanthropic Anthem holen sie dann wieder die geilen aggressiven Vocals heraus und knüppeln sich die Seele aus dem Leib und als jemand, der die Neunziger mitgemacht hat, muss ich sagen, dass sie mich damit komplett begeistern. Natürlich ist das auch hier technisch versiert, aber man behält das old schoolige Feeling bei und bleibt im Fluss. Diese abgehackten Parts sind nur fett und nach einem Break darf der Bass kurz glänzen und man groovt echt einfach nur sehr geil vor sich hin. Ein wildes Solo noch dazu und stoppende Momente und immer weiter. Dann noch einmal Gummi.

Cadaver – Hymns Of Misanthropy
Fazit
Ja, die alten, raren und unveröffentlichten Songs von Cadaver haben es wirklich in sich und sollten jeden Death Metaller, der auf alte Schulde steht, es ein wenig proggig mag und auch dem Black und Thrash nicht abgeneigt ist, begeistern. Schon krass, auf welchem Niveau diese Burschen damals schon unterwegs waren. Hut ab! Schockt!

Anspieltipps: Chained To His Fate und Misanthropic Anthem
Michael E.
8.7
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