Forty Shades – Camera Silens

“Wieder mal sehr kreative Schweizer“

Artist: Forty Shades

Herkunft: Biel/Bienne, Schweiz

Album: Camera Silens

Spiellänge: 44:37 Minuten

Genre: Progressive Metal, Melodic Death Metal, Atmospheric Metal

Release: 13.03.2015

Label: 7hard

Link: https://www.facebook.com/fortyshadesmusic und http://www.forty-shades.com

Bandmitglieder:

Gesang – Tosse Basler
Gitarre – Raphael Crivelli
Gitarre – Lukas Mielniczuk
Bassgitarre – Joël Brechbühl
Keyboard – Tobias Gut
Schlagzeug – Christain Wittwer

Tracklist:

  1. In A Darker Shade Of Gloom
  2. Pillars Of Doom
  3. Seven Moons
  4. Heaven
  5. Bloodmoon
  6. Last Escape
  7. Black Winged Sun
  8. Black Nightshade
  9. Dark Flood
  10. Purple Flames
  11. Love Lane Princess
  12. The End

Forty Shades - Camera Silens

Die Band Forty Shades wurde ursprünglich im Jahr 2007 unter dem Namen Nagor Mar gegründet. Mit Sängerin Manuela Kraller wollte man eigentlich Symphonic Metal à la Nightwish oder Evanescence spielen und nahm auch eine Demo auf. Da es aber doch innerhalb der Band unterschiedliche Ansichten gab, trennte man sich. Die zwei Gründungsmitglieder Tobias Gut und Christain Wittwer beschlossen dann im Jahr 2009, mit neuem Namen und neuer musikalischer Ausrichtung weiterzumachen. Erste Songs waren geschrieben, fehlte nur noch der Rest der Band, die von nun an Forty Shades heißen sollte. In Deutschland, Polen und dem Heimatland Schweiz wurde man fündig, das kreative Schaffen konnte weitergehen. Das Ergebnis wird in Form des Albums Camera Silens am 13.03.2015 veröffentlicht.

Der Name bei In A Darker Shade Of Gloom ist Programm, sehr getragen kommt das Stück aus den Boxen. Mit klasse Growls geht es los, aber noch beeindruckender ist der Klargesang. Erinnert mich ein wenig an den Gesang auf dem 2010er Album von Charred Walls Of The Damned. Der Songaufbau ist grandios, immer mächtiger und wuchtiger wie eine große Welle kommt er daher, bis er einfach so in sich zusammenfällt.

Der Titel Pillars Of Doom könnte insofern in die Irre führen, als man hier ebenfalls einen langsamen Song erwartet, aber es geht tatsächlich im Uptempo weiter. Wie die Gitarre den Klargesang begleitet, jagt mir einen Gänsehautschauer nach dem anderen über den Rücken. Das Gitarrensolo zum Ende hin führt im Grunde den Gesang weiter und hält die Stimmung des Songs.

Ein ganz klein wenig an eins meiner Lieblingslieder von Insomnium, nämlich Moment of Reckoning, erinnert mich der Beginn von Seven Moons. Dann nimmt der Song allerdings Fahrt auf und ich tauche mal wieder ein in diesen unfassbar guten Klargesang. Dieser Klargesang steht auch beim folgenden, im Midtempo gehaltenen Heaven im Vordergrund. Das Gitarrenspiel klingt ein ganz klein wenig nach In Flames und wenn man sich drauf konzentriert, hört man im Hintergrund auch das Keyboardspiel. So muss das sein, nicht alles zuschmieren, sondern den Song schön zusammenhalten, ohne dass man merkt, was da eigentlich passiert.

Die schön sonore Erzählstimme in Bloodmoon, die sich mit den Growls und dem Klargesang abwechselt, lässt mich kurz abschweifen. Kommen denn jetzt alle drei Stimmen nur von Tosse Basler? Dann hätte er wirklich ein beeindruckendes Talent. Stilistisch würde ich diesen Song dem Melodic Death Metal zuordnen.

Da man natürlich auf meine musikalischen Vorlieben keine Rücksicht nehmen kann, gibt es auch auf diesem Album mit Last Escape eine Ballade bzw. Power-Ballade. Manche Künstler haben mich ja überzeugen können, dass es auch hier richtig gute Songs gibt, aber dieser hier ist nun wieder nicht so meins.

Das Tempo wird mit Black Winged Sun dann wieder schön angezogen, ich würde mal sagen, der schnellste Song des Albums. Hier gibt es mal Growls und Klargesang gleichzeitig auf die Ohren, was mich wieder auf meine Frage zurückkommen lässt, wer hier was singt. Das Schlagzeugspiel kommt schön präzise und lässt den Song fast noch schneller erscheinen, als er eigentlich ist.

Mit dem langsamen Instrumental Black Nightshade haben mich Forty Shades dann vollkommen überrascht. Das Zusammenspiel von Klavier und Schlagzeug klingt fast wie improvisiert, auch der Einstieg der Gitarre klingt eher wie spontan im Studio beschlossen. Und dann wieder ein grandioser Aufbau wie bei In A Darker Shade Of Gloom, der Song wird immer größer und gewaltiger, bevor er dann einfach endet.

Zu Dark Flood habe ich nichts auf meinem Zettel stehen, meiner Meinung nach lässt hier das bislang sehr hohe Niveau ein wenig nach. Eigentlich relativ eingängig, hat er doch einige verfrickelte Passagen, die meiner Meinung nach nicht passen. Das Gleiche gilt im Grunde auch für Purple Flames und Love Lane Princess. Was mich jetzt noch bei der Stange hält, ist der Klargesang – und das, obwohl ich doch Growls so liebe. 😀

Beim letzten Song, der passenderweise The End heißt, gibt es dann auch eine weibliche Stimme zu hören. Hier steht zusätzlich Simone Christinat als Gastsängerin am Mikrophon. Ziemlich bombastisch und sehr episch endet dieses Album also.

Fazit: Solche Alben liebe ich ja, wo ich erst einmal mit offenem Mund da sitze und überlege "Was ist das?", und das durchaus im positiven Sinne. Beim ersten Hören habe ich verzweifelt versucht, irgendwelche Vergleiche mit anderen Bands zu ziehen, da standen dann plötzlich zehn Namen auf meinem Zettel, die ich aber alle wieder durchgestrichen habe. Auch die Zuordnung zu irgendwelchen Genres ist mir kaum möglich, wobei die Band selbst ihren Stil als Atmospheric Metal bezeichnet. Habe ich noch nie gehört, aber wenn ich der Website Spirit Of Metal glauben darf, sind unter den bekanntesten Vertretern dieses Genres Lacuna Coil, Anathema und Dredg, und das nähert sich der Sache dann doch. Lange Rede, kurzer Sinn, allen Freunden des Ungewöhnlichen kann ich nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen. Anspieltipps: In A Darker Shade Of Gloom, Pillars Of Doom, Bloodmoon und Black Nightshade
Heike L.
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