Ketzer – Cloud Collider

Die Entwicklung geht weiter

Artist: Ketzer

Herkunft: Köln, Deutschland

Album: Cloud Collider

Spiellänge: 42:39 Minuten

Genre: Black Metal, Thrash Metal, Death Metal

Release: 12.04.2019

Label: Metal Blade Records

Link: https://www.facebook.com/ketzergermany/

Bandmitglieder:

Gesang – Gerrit aka Infernal Destroyer
Gitarre – Marius aka Executor
Gitarre – Chris aka Sinner
Bassgitarre – David aka Necroculto
Schlagzeug – Sören aka Desecratör

Tracklist:

  1. The Machine
  2. Keine Angst
  3. Walls
  4. Cloud Collider
  5. Forever Death
  6. The Wind Brings Them Horses
  7. No Stories Left
  8. This Knife Won’t Stay Clean Today
  9. (The Taste Of) Rust And Bone
  10. Light Dies Last

Das vierte Langeisen der deutschen extreme Metaler Ketzer steht in den Startlöchern. Mit ihrem letzten Werk Starless verabschiedeten sie sich von ihrem zuerst gewählten Thrash Black Metal Weg, um diesen weiter zu verfeinern. Das kam nicht bei allen treuen Fans gut an, obwohl die Leistung sehr ansprechend war. Trotzdem lassen sich die Kölner nicht davon abhalten ihre Entwicklung weiter zu vollziehen, um in Prog-, Post-Punk- und Rock-Gefilde neben den bekannten Elementen zu wildern. Das Artwork wird wieder deutlich düsterer – im Farbenmuster kann man schemenhaft Bilder erkennen, die jeder individuell interpretieren kann. Ketzer gehen einen weiteren großen Schritt Richtung Tribulation und machen ihnen als kleiner Bruder durchaus Konkurrenz.

The Machine fungiert als kleines Intro, um die danach folgenden 40 Minuten einzuleiten. Es folgt ein deutscher Titel mit dem Namen Keine Angst. Im schleppenden Tempo dröhnen die ersten Melodien aus der Anlage. Die Deutschen lassen es gemütlich angehen und setzen auf eine erste Walze, die langsam ins Rollen kommt. Gerrit aka Infernal Destroyer growlt seine Lyrics wütend in die aggressiven Gitarrenläufe von Marius und Chris. Der Groove wird immer wieder durchbrochen, aber nie aus dem Auge gelassen. Das Niveau ist hoch und kann Starless ohne Probleme das Wasser reichen. Warum der Formation nach ihrer Entwicklung weniger Interesse entgegengebracht wird, bleibt mir ein Rätsel, denn Ketzer haben sich eine Nische geschaffen und gehen mehr als zwei große Schritte weg von ausgelutschten Pfaden. Wie dem auch sei, die neue Zielgruppe muss wohl erst noch anbeißen und hat die zweite Möglichkeit mit Cloud Collider, das Mitte April erscheinen wird. Der melodische Black Metal entfaltet mit Walls seine ganze Schönheit, schiebt gekonnt den Titeltrack hinterher und hat damit einen gelungenen Start auf den vierten Silberling gezaubert. Zufrieden kopfnickend sitzt man vor den Tasten, um dieses Review zu verfassen und erlebt einen emotionalen Wechsel durch verschiedene Härtegrade, die für verschiedene Kicks sorgen. Den zweiten Teil von Cloud Collider leitet wiederum die Zwischensequenz Forever Death ein. The Wind Brings Them Horses nutzt die Gunst der Stunde, lässt schwarze Wolken aufziehen und der tödliche Sturm kann kommen. Die Ausbrüche der Gitarren mit der wüsten Handschrift von Sören aka Desecratör hinter den Fellen macht die neuen Werke zu prägnanten Nummern, die in keinem Rhythmuskorsett gefangen gehalten werden. Gleichbleibend ist hier nur das Niveau, das mit Spielwitz, einem Händchen für ein spannendes Songwriting und einem gut aufgelegten Frontmann hochgehalten wird. Hier ein Hall in den Vocals, dort ein kleines Solo und im Kollektiv eine tödliche Tinktur anrühren. Ketzer haben verstanden, was die Anhänger des frischen Black Metal Genres hören wollen. Immer wieder kommt der Gedanke an Tribulation, die als Überflieger der letzten Monate gelten. Ganz so weit sind die Fünf aus NRW noch nicht, zeigen jedoch stets gute Ansätze und machen mit ihrer progressiven Ader und dem Mut zum Post Punk bzw. Rock einen soliden Schritt in die Selbstständigkeit, von der im Jahr 2019 gut neunzig Prozent der Bands nur träumen können. Mit This Knife Won’t Stay Clean Today, (The Taste Of) Rust And Bone und Light Dies Last geht es schon ins Finale. This Knife Won’t Stay Clean Today entpuppt sich als die noch gradlinigste Black Metal Inszenierung im klassischen Sinne. Nach dem fulminanten Start geht dann minimal die Luft aus, das Ganze jedoch auf einem sehr ansprechenden Level.

Fazit
Mich können die Deutschen abermals überzeugen und nur zu gerne darf es das neue Material auch live auf die Ohren geben. Wie die Szene das Werk aufnimmt, darf wohl die größte Frage zu Cloud Collider sein. Die gute Leistung sollte und muss honoriert werden - auch wenn die Thrash Black Metal Wurzeln nur noch schemenhaft einen Platz haben. Ungezwungen und in voller Überzeugung gehen Ketzer ihren Werk und genau diesen sollten sie weiter verfolgen. Ihr Gesicht ist authentisch, nur die Stücke könnten noch mehr Höhepunkte vorweisen. Daumen hoch und hört hinein, wenn Cloud Collider in wenigen Tagen auf euch losgelassen wird.

Anspieltipps: Walls und The Wind Brings Them Horses
René W.8.5
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8.5
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