Band: Psychonaut
Ort: Belgien
Album: World Maker
Label: Pelagic Records
Release: 24.10.2025
Genre: Post Metal
Link: https://psychonautband.bandcamp.com/music
Bandmitglieder:
Gitarre & Vocals – Stefan de Graef
Bass & Vocals – Thomas Michiels
Schlagzeug – Harm Peters
Tracklist:
- World Maker
- Endless Currents
- You Are The Sky
- Everything Else Is Just The Weather
- And You Came With Searing Light
- Origins
- All In Time
- Stargazer
- All Was Quiet
- Endless Erosion
Wieder mal schlägt das belgische Post-Metal-Quintett Psychonaut die Brücke zwischen Prog Rock aus den 70ern und Post Metal des neuen Millenniums. World Maker fährt eine überwältigende Breite an Stilen und Stimmungen auf. Bereits der Titelsong beginnt mit vielschichtigen, atmosphärischen Weiten und verspielten Ebenen, bevor er Stück um Stück dichter wird – schön anzuhören, aber auch schon ein Hinweis: Psychonaut wollen keine Note, keine Passage simpel halten. Die elf Tracks rangieren von verträumt-progressiv bis zu brachial-aggressiv, von einfach ins Ohr gehend bis kaum nachvollziehbar überladen. Die Stücke wirken oft weniger organisch gewachsen als vielmehr gewollt gestaltet, um mit möglichst vielen Facetten glänzen zu können.
Dieses ständige Wechselspiel aus Ambient-Klangflächen, freien Jazz-Anleihen, Prog-Riffs, heftigen Blast-beats und massiven Breakdowns ist ambitioniert – bringt jedoch zuweilen das Gefühl mit sich, dass die Band vielmehr komponiert hat, um ihre Vielseitigkeit zu demonstrieren, als die Songs selbst frei atmen zu lassen. Es passiert so viel, dass die Unterscheidung zwischen den Tracks schwerfällt. Mit Sicherheit ist dies auch so gewollt, dass World Maker als Gesamtwerk dastehen soll. Aber über eine Stunde keinen Anhaltspunkt zu haben, wo Anfang und Ende ist, mag für viele zermürbend sein. Die angenehm repetitiven Passagen sind nur selten richtig zu genießen, schon passiert etwas Neues. Gerade wenn Psychonaut in klaren und eindeutigen Gewässern unterwegs sind, wissen sie voll und ganz zu überzeugen.
Endless Currents schafft gleich zu Beginn eine souveräne Spannung zwischen dem behutsamen Aufbau von Atmosphäre durch wehmütig anmutenden Gesang und dem schwer aufzuhaltenden Drang, zu eskalieren. Die Stimmung explodiert dann auch, wird aber von wildem Gitarrenspiel ausgebremst. You Are The Sky… bis Everything Else Is Just The Weather zeigt sehr deutlich das dynamische Ziehen zwischen ruhigen Passagen, harmonischem Gesang und plötzlichen Ausbrüchen – beeindruckend gemacht, aber in der Gesamtheit überkonstruiert. And You Came With Searing Light ist eines der emotionalsten und zugleich technisch ausgefeiltesten Stücke – hier vereinen Psychonaut Clean- und Harsh-Vocals, gut durchdachte, ruhige bis harte Gitarrenläufe und rhythmische Komplexität. Dennoch wirkt der Song wieder mal überladen, als ob die Band Angst hat, nicht alle Ideen untergebracht zu haben.
Auf der anderen Seite bietet das Instrumentalstück Origins mithilfe von Synthesizern, vorsichtigen Breaks und fließenden Gitarrensoli eine Fülle von Texturen, die zeigen, wie weit Psychonaut ihren Sound auszuloten wagen. Doch auch in diesem Fall passiert gleichzeitig viel zu viel, um den Fokus klar zu halten. In Stargazer steckt wiederum der Kontrast zwischen melancholischer Sehnsucht und brachialem Ausdruck. Der Song schwankt so stark zwischen Normalität und überwältigender Wucht, fast so, als sei die Band unschlüssig, ob sie sich zurücknehmen oder voll aufdrehen soll. Schließlich schließt Endless Erosion das Album mit einer Mischung aus ruhigen bis verspielten und eruptiven Momenten. Doch nach den elf Liedern ist schwer zu sagen, ob handfeste oder greifbare Musik hängen geblieben ist. In der Gesamtheit ist World Maker ein eigenständiges Statement, im Einzelnen nicht.




