Theraphosa – Transcendence

Vom Stream zum Review

Artist: Theraphosa

Herkunft: Paris, Frankreich

Album: Transcendence

Spiellänge: 41:34 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 24.04.2020

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/theraphosamusic/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Vincent
Bassgitarre und Backgroundgesang – Matthieu
Schlagzeug – Martin

Tracklist:

  1. Stigmata Of The Purest Pain
  2. The Curse Of Chronos
  3. Mother Night
  4. Dies Irae
  5. Obsession
  6. The Morning Star
  7. Attrition
  8. The Legacy Of Arachne

Man kann ja zu Spotify stehen, wie man will, aber dass man hier tolle Bands entdecken kann, ist unbestreitbar. So ging es mir, als ich ums Verrecken nicht wusste, was ich mir denn mal anhören sollte und dann auf eine der vielen Playlisten geklickt habe. Es war die von Nuclear Blast Records erstellte Playliste Best Of PROGRESSIVE ROCK & METAL (Opeth, Enslaved, Threshold, Textures, Symphony X, Tarot…), die ich jedem Fan dieser Genres empfehlen kann. Und dann lassen mich die Töne, die da aus den Boxen schallen, doch gleich mal aufhorchen. Theraphosa? Noch nie gehört. Also gleich mal auf Facebook geschaut, und dann stand mein Entschluss fest: Zu dem Album muss ich ein Review schreiben! So habe ich die Jungs also am Freitagnachmittag angeschrieben und hatte schon ein paar Stunden später alles auf meiner Festplatte. Danke dafür!

Wie man auf den Fotos sicherlich unschwer erkennen kann, sind Vincent und Mathieu Brüder, Martin ist ein langjähriger Freund. Sie teilen eine Vorliebe und machen schon seit frühester Zeit gemeinsam Musik. Dass sich dann ihre Wege auch mit denen von Jan Rechberger (Amorphis) kreuzen, ist dann wohl tatsächlich einer dieser glücklichen Zufälle, die es manchmal braucht. Mit seiner Hilfe konnten Theraphosa jedenfalls die Arbeiten fortführen und im Oktober 2018 ihre selbst betitelte Debüt-EP veröffentlichen. Der Vertrieb erfolgte damals wie heute über Seasons Of Mist, die ich genau dafür sehr schätze, dass sie sich um die „etwas“ anderen Bands kümmern. Jetzt liegt nun also seit dem 24.04. das Debütalbum Transcendence in den virtuellen Regalen und wartet darauf, in seiner ganzen Pracht entdeckt zu werden. Physikalische Tonträger sollen aber natürlich folgen.

Düster geht es los, die Palm Mutes im Gitarrenintro lassen Stigmata Of The Purest Pain sehr schleppend daherkommen. Fast bedrohlich klingen die Growls in den Strophen, während man den sehr schönen, aber auch ein wenig klagenden Klargesang im Chorus auch fast als Ritual verstehen könnte. Das folgende The Curse Of Chronos klingt ein wenig, wie ein Hybrid aus neueren Riverside und Katatonia und legt einen straffen Spannungsbogen an. Sehr cool ist das Duell – oder vielleicht doch ein Duett? – der Saiteninstrumente.

Kratzten die beiden Tracks noch knapp an der Fünf-Minuten-Marke, kommt Mother Night mit etwas über acht Minuten Spielzeit in die Ohren und ist damit der längste Song des Albums. Aber nachdem Theraphosa schon bewiesen haben, dass sie auf den Punkt kommen können, zeigen sie hier, dass sie sich auch ausbreiten können, ohne irgendwas künstlich in die Länge zu ziehen. Vom großartigen Gitarrenintro will man auch nach etwas über zwei Minuten gern mehr hören, vom tollen Gesang sowieso. Die Instrumente vermitteln den Eindruck einer brodelnden Atmosphäre, die unter der Oberfläche dieses Songs liegt, und die sich in den Growls von Vincent ihren Weg bahnt.

Nach dem längsten kommt gleich der kürzeste Song. Dies Irea treibt vorwärts, im Chorus könnte man fast von Uptempo sprechen. Obsession war schon auf der Debüt-EP zu finden, und kommt ebenfalls zunächst mal mit ziemlichem Tempo angerauscht. Der Chorus bleibt lange im Hirn, und der Bass begleitet explizit die durchgehenden Melodien. The Morning Star überrascht mit einem Wechsel zwischen den fast schon atmosphärisch dahingleitenden Strophen und dem sehr harschen Chorus.

Attrition, der einzige Song des Albums, in dem die Jungs in ihrer Muttersprache singen, führt zum Ende des Albums hin noch Chorgesang ein – die ebenfalls fast schon atmosphärische Grundstimmung wird durch die kraftvolle Arbeit an den Instrumenten fast schon konterkariert. Und dann ist auch schon der Abschlusstrack an der Reihe. Der Titel The Legacy Of Arachne nimmt vielleicht auch ein wenig den Bandnamen auf, denn Theraphosa ist eine Gattung der Vogelspinnen, die auch die größten Spinnen der Welt beherbergt. Auch Arachne wird in vielen Darstellungen als eine Mischung aus Mensch und Spinne dargestellt. Sehr theatralisch mit großem Chor in Szene gesetzt kann dieser Song auch ohne Leadgesang punkten und marschiert in knapp über sechs Minuten auf das große Finale zu.

Theraphosa – Transcendence
Fazit
Es ist ja nicht so, dass meine Bibliothek auf Spotify nicht jetzt schon sehr umfangreich ist. Ich freue mich aber immer wieder, Bands wie Theraphosa zu entdecken, die beweisen, dass auch in der Musik noch nicht alles ausprobiert wurde. Natürlich kann man auch hier an einige "Referenzbands" denken, aber Theraphosa wissen schon genau, wo sie jetzt stehen und vielleicht auch noch hinwollen. Ein dermaßen kurzweiliges Album hatte ich lange nicht, und das liegt nicht nur an der Spielzeit von etwas über 41 Minuten.

Anspieltipps: Stigmata Of The Purest Pain, Mother Night und Obsession
Heike L.
8.5
Leser Bewertung1 Bewertung
9
8.5
Punkte
Weitere Beiträge
Feuerschwanz – Das Elfte Gebot