Thron – Pilgrim

Eine Symbiose aus Melodie, Härte und eisig-düsterer Atmosphäre

Artist: Thron

Herkunft: Schwarzwald, Deutschland

Album: Pilgrim

Spiellänge: 53:44 Minuten

Genre: Blackened Death Metal, Melodic Black Metal

Release: 05.03.2021

Label: Listenable Records

Links: https://www.facebook.com/THRONKvlt
https://www.instagram.com/thronkvlt/
https://thronkvlt.bandcamp.com/

Produktion: Aufgenommen und produziert von Christoph Brandes, A. Kovats und Patrick Hagmann. Gemischt und gemastert von Christoph Brandes in den Iguana Studios in March-Buchheim im Mai 2020 mit zusätzlichem Sound Design von Stan Berzon. Coverartwork von Khaos Diktator Design

Bandmitglieder:

Gesang – Samca
Gitarre – PVIII
Gitarre – SII
Bassgitarre – SXIII
Schlagzeug – CII

Tracklist:

  1. The Prophet
  2. To Dust
  3. Nothingness
  4. Hosanna In The Highest
  5. Epitome
  6. The Reverence
  7. The Valley Of The Blind
  8. Den Of Iniquity
  9. Gaia
  10. Into Disarray

Es ist kein Geheimnis, dass meine Affinität zum Death Metal wie auch zum Black Metal nicht sonderlich ausgeprägt ist. Das liegt weniger an den Bands oder deren Musik, meine Synapsen sind des Öfteren leider einfach wie zugenagelt. Die Masse an vorhandenen Informationen scheint mich zu überfordern. Außer die vorgetragene Musik ist mit verborgenen Attributen ausgestattet, die den freien Fluss von einer zu anderen Synapse ungehindert zulassen. Diese Rezension birgt demnach auch gewisse Risiken in sich, da ich mich keineswegs als Experte dieses Genres bezeichnen mag. Dieser Herausforderung aber stelle ich mich sehr gerne.

So kommt es und so geschieht es mir heute mit dem neuen Werk von Thron. Und das nicht einfach zufällig, nur weil heute ein scheinbar guter Tag ist. Nein, Pilgrim vereint in sich eine grandiose Fülle an eben diesen Attributen, sodass der ungehinderte Zugang dieses hochwertigen Outputs vollkommen gewährleistet ist. Ein wahrer Glücksfall, der mich für dieses Genre zusätzlich sensibilisiert!

Oftmals, so wird kolportiert, soll anhand des dritten Studioalbums einer Band darüber entschieden werden, ob der bislang erfolgreiche Weg weitergegangen werden kann oder ob sich an dieser fiktiven Weggabelung die Zukunft in Richtung Belanglosigkeit offenbart. Thron beweisen mit Pilgrim genau das Gegenteil. Dieses Album schärft die Sinne aufs Neue und hebt das schon sehr hohe Niveau der Musik nochmals auf ein deutlich höheres Level. Aber warum nur? Besitzen diese Musiker Fertigkeiten, die in ihrer Individualität, wie auch in der Gesamtheit ausschließlich nur ihnen vorbehalten sind? Dies vermag ich abschließend nicht zu beurteilen, sicher aber ist, dass in dieser Band und im Besonderen auf Pilgrim, angefangen vom Songwriting über die Arrangements und die gemeinsame Vision alles auf den Punkt perfekt passt.

Thron selbst sehen sich von Bands wie Dissection, Unanimated, Possessed und Mercyful Fate beeinflusst. Da gibt es wohl schlechtere Einflüsse, vor allem letztgenannte Band scheint irgendwie aus dem Genreraster zu fallen. Unabhängig davon, Thron kreieren selbstbewusst ihren eigenen Stil und Sound. Der mich im Wesentlichen aber an Behemoth erinnert und gleichermaßen ehrfürchtig anspricht.

Die Arrangements beinhalten dabei eine ergreifende Tiefe. Die aggressiven Momente finden in den Vocals von Samca ihre Vollendung. Seine sonore Stimmgewalt und Eindringlichkeit sind gekennzeichnet von einer anmutend räudigen und dennoch sehr präzise nachzuvollziehenden Modulation und klarer Aussprache. Nicht übertrieben in den Growls und Screams, aber stets packend und fesselnd. Vor allem sind die Strophen und Refrains immer mit einer wohlgefälligen Melodie ausgestattet, die in diesem Genre nicht immer vorauszusetzen ist. Seiner Botschaft kann man sich im Einklang mit den Instrumenten nicht entziehen. Ein absoluter Pluspunkt, der Pilgrim zusätzlich auszeichnet und besonders macht, und zwar ausnahmslos!

Instrumentell ist Pilgrim dazu verdammt abzuheben. Allen voran der Opener The Prophet zeigt die Klasse des Songwritings und ferner auch der technischen Produktion. Das Album mit dieser Nummer zu eröffnen war sicher wohl abgewogen, denn damit ist die Aufmerksamkeit des Hörers zu 100 % gewährleistet. Oder man ist in seinen Bann gezogen, ganz so, wie man es für sich interpretiert. Man lausche den Harmonien und der Melodie der Gitarren. Wie um Gottes Willen soll man sich hier abwenden können? Die sehr zaghaft angedeuteten Postelemente bilden aus meiner Sicht den roten Faden und darüber hinaus werden die Jungs von absolut tough und akzentuiert dargebotenen Drums von CII angetrieben. Das überwiegend zügige Tempo der Nummern insgesamt schadet der Qualität zu keiner Sekunde. Hört man hier genauer hin, setzen Bass und Drums in dieser Komposition genau jene Nadelstiche, die einen gefälligen Song zu einem besonderen Song machen, und das ist The Prophet in jedem Falle.

Das Herausragende an Pilgrim ist, dass sich diese Kongruenz im Songwriting über das gesamte Album hinweg durchzieht. Wenn ich von eisig-düsterer Atmosphäre spreche, so kann sich jeder alles vorstellen. Als eisig und düster empfinde ich die ernsthafte, durchdringende Botschaft der Songs. Der Begriff Mystik trifft es dabei nicht wirklich, irgendwie böse oder besser gesagt erschaudernd gefärbt. Es ist schwer zu beschreiben. To Dust jedenfalls ist ein weiterer Meilenstein und ein Indiz für die Herangehensweise an Pilgrim. Der Wiedererkennungswert hebt dabei in höhere Sphären ab.

Und dass man das noch weiter perfektionieren kann, ist in Nothingness zu hören. Thron unterbrechen den Flow ihrer Songs des Öfteren, wie hier mit einem Basspart, ohne dabei den Spannungsbogen zu zerstören oder aufzulösen. Das Gebot der Atmosphäre gipfelt gleichermaßen in Hosanna In The Highest. Zieht man Den Of Iniquity noch hinzu, ist der Verzückung kaum mehr eine Grenze gesetzt. Auch hier sind auflockernde Momente zu hören, die die Attraktivität und Abwechslung deutlich steigern.

Den Abschluss dieses grandiosen Albums ziert Into Disarray. Und diese Nummer weicht ein wenig vom Bisherigen ab. Aber nur ein wenig. Teils im Midtempo, schleppend und mit einer fast schon epischen Note versehen. Das Arrangement wirkt offener, breit gefächerter. Letztlich führt Into Disarray diesen Silberling abermals mit Eindruck nach runden 54 Minuten gefühlt viel zu früh zum Ende.

Thron – Pilgrim
Fazit
Thron präsentieren mit Pilgrim in ihrer seit 2015 begonnenen und somit noch jungen Bandgeschichte ein in jeder Hinsicht herausragendes Meisterwerk. Es bietet neben Abwechslung und Attraktivität eben auch noch perfektes Songwriting. Pilgrim vereint somit in hervorstechender Art und Weise, wie Death Metal und Black Metal miteinander, ohne sich dabei zu widersprechen, hochwertig und anmutend zelebriert werden können. Auch deshalb bleibt mir hier nur der Griff zur Höchstnote, welche ich nur sehr selten in Betracht ziehe. Absolute Kaufempfehlung! Danke für dieses Album und für die Horizonterweiterung. Pilgrim wird in meinem Jahrespoll ganz sicher einen der oberen Plätze einnehmen.

Anspieltipps: The Prophet, To Dust und The Valley Of The Blind
Peter H.
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Punkte
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