Varg – Zeichen

Bringen ihre Klänge zurück in härtere Pagan Metal Gefilde

Artist: Varg

Herkunft: Coburg, Deutschland

Album: Zeichen

Spiellänge: 41:18 Minuten

Genre: Pagan Metal, Viking Metal, Melodic Death Metal

Release: 18.09.2020

Label: Napalm Records

Link: https://www.schildfront.de/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Philipp „Freki“ Seiler
Gitarre – Florian “Morkai” Zack
Gitarre – Matthias “Garm” Mente
Schlagzeug – Silvester „Fenrier“ Grundmann

Tracklist:

  1. 793
  2. Schildwall
  3. Auf Die Götter
  4. Rán
  5. Fara Til Ránar
  6. Wildes Heer
  7. Feld Der Ehre
  8.  Wanderer
  9. Verräter
  10. Zeichen

Mit Zeichen und Auf Die Götter konnte man erahnen, auf welche Fährte uns Varg in diesem Herbst mitnehmen. Philipp „Freki“ Seiler hat mit seinem wilden Rudel einen Silberling erschaffen, welcher wieder deutlich hörbar in die Old School Pagan Metal Schiene drängt und die letzten Experimente modernerer Gangart in die Vergangenheit rückt. Zeichen wird in wenigen Tagen über Napalm Records veröffentlicht und kommt auf über 40 Minuten, die in den zehn nordisch versetzten Hymnen an den Mann gebracht werden. Das Artwork bleibt schlicht und lässt nur die Runen sprechen. In der Vergangenheit haben Varg einen ganz wilden Ritt hinter sich gebracht, der viele Hürden und Umwege als Aufgabe für das Quartett aufgefahren hatte. Politische Diskussionen und ein musikalischer Sprung in ungewohnt moderne Lager brachten nicht nur wohlwollende Worte. Diese Tage scheinen vergessen und die beiden Gründer Philipp „Freki“ Seiler und Silvester „Fenrier“ Grundmann greifen wieder ganz oben an.

Wütend wie emotional angemessen geht es mit 793 auf den Beutezug unserer Urväter, die in diesem Jahr England einen Besuch abgestattet hatten. Wenn man zwingend einen Schulterschluss suchen möchte, findet man diesen vermutlich am besten in Blutaar. Die Entwicklung kann man dennoch nicht verleugnen. Schildwall dürfte nicht nur den Freunden der Serie Viking gefallen. Die alte Verteidigung- wie Angriffstechnik wird in stampfenden Riffs dargeboten und bringt den gewünschten Druck ins siebte Studioalbum. Ich persönlich finde es immer ganz schwer, ein bestes Album aus einer solchen Masse auszumachen. Zeichen hat jedoch das Potenzial zum Kassenschlager der Coburger Formation. Fast schon losgelöst trumpfen die Musiker auf und schaffen es zudem, Gastinterpreten geschickt zu integrieren. Auf Die Götter macht richtig Spaß! Partystimmung kommt für alle schunkelnden Heiden nur bedingt auf. Mehr Platz bleibt zum Headbangen, wobei man zum dritten Titel ohne Probleme Krug um Krug leeren kann, um die trockenen Kehlen zu benetzen. Gesanglich macht Freki alles richtig. Griffig, giftig und gewaltig lässt er Refrains als Rammbock durch die feindlichen Flanken ziehen. Gekonnte Geschwindigkeitswechsel lassen Platz für andächtige Momente, die nicht als Fremdkörper zu verstehen sind. Nach der Hälfte der Platte spürt man die Nostalgie und authentische Aufbruchstimmung, die Varg in den Kompositionen binden können. Fara Til Ránar lebt von der neuen Sängerin Fylgja, die vor ca. zwei Monaten vorgestellt wurde. Fylgja kann im Duett mit Freki gleich positive Akzente setzen und wurde nicht wegen der Optik engagiert, sondern um der deutschen Band noch ein Stück mehr Klasse und Breite zu garantieren. Die nächste Schlacht wird mit Wildes Heer geschlagen. Filler sucht man vergebens, schwächere Augenblick gibt es quasi keine. Schlag auf Schlag bleibt keine Zeit zum Atmen. Eine Attacke jagt die nächste und macht Varg hungrig wie ein Wolf, der nur den Geruch von Blut in der Nase hat. Feld Der Ehre und Wanderer bestätigen diese Tendenz und blasen zum Finale. Keiner mag sie und doch sind sie da: Verräter. In fast acht Minuten wird dieser Gegenspieler an die Wand gespielt. Ohne Zähne und Zunge muss der ehemalige Partner zum gerichteten Widersacher. Runen zieren den leblosen Körper, um dem Feind ein klares Signal zu geben, welches gar nicht falsch verstanden werden kann. Als Abschluss der stärkste Hit und Namensgeber der Scheibe: Zeichen, der von der deutschen heidnischen Szene getragen wird. Das Video zum Song findet ihr direkt hier: 

Varg – Zeichen
Fazit
Varg lassen nach Worten auch Taten folgen. Zurück in alte Regionen, mit der Erfahrung der letzten Monate, machen die Musiker einen mächtigen Schritt nach vorne. Viele Fans dürften sich ein solches Werk seit Jahren gewünscht haben, jetzt ist es greifbar nah und hört auf den Namen Zeichen. Hiermit setzen die Künstler nicht nur eigene Maßstäbe, auch die nationale Szene bekommt neue Dimensionen für ein deutschsprachiges Pagan Metal Album aufgezeigt. Ohne Abstriche katapultieren diese 40 Minuten des siebten Studioalbums die beiden Bandgründer Philipp „Freki“ Seiler und Silvester „Fenrier“ Grundmann 2020 an den Platz der Sonne und lassen Varg endlich in die Champions League des Genres aufsteigen.

Anspieltipps: Schildwall, Fara Til Ránar und Zeichen
Rene W.
9.2
Leser Bewertung1 Bewertung
8.3
9.2
Punkte
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