Party.San Herbstoffensive VII am 18.09. und 19.09.2026 im Uhrenwerk Weimar

The Final Ride (die letzte Ausgabe) im Uhrenwerk Weimar

Eventname: Party.San Metal Open Air – Herbstoffensive VII

Bands: Cenotaph, Cryptworm, Deserted Fear, Doodswens, Evoked, Häxenzijrkell, Imha Tarikat, Kvaen, Mærer, Malthusian, Revel In Flesh, Stillbirth, The Ruins Of Beverast

Genres: Death Metal, Black Metal, Brutal Death Metal, Post Black Metal, Doom

Ort: Uhrenwerk, Am Alten Speicher 11, 99427 Weimar

Kosten: Wochenendticket: 72,50 €, Tagesticket jeweils: 42,50 €

Es gibt Festivals, die man besucht. Und es gibt Festivals, die einen über Jahre begleiten. Die Party.San Herbstoffensive gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.

Als Redakteur für Time For Metal darf ich die siebte Ausgabe der Herbstoffensive besuchen. Gleichzeitig stehe ich nicht nur mit Kamera und Notizblock vor der Bühne, sondern ebenso als Fan zwischen den Besuchern. Genau deshalb möchte ich mir dieses Wochenende keinesfalls entgehen lassen. Schließlich ist es bereits meine dritte Herbstoffensive. Umso schwerer wiegt die Tatsache, dass die siebte Ausgabe zugleich die letzte sein wird. Die Veranstalter haben beschlossen, die Indoor-Reihe nach 2026 zu beenden. Damit endet ein Kapitel, das für viele Fans extremer Musik über Jahre hinweg einen festen Platz im Kalender hatte. Austragungsort ist erneut das Uhrenwerk in Weimar. Die ehemalige Industrieanlage bietet mit ihren Backsteinmauern, Stahlträgern und weitläufigen Hallen eine Kulisse, die wie geschaffen für die Herbstoffensive wirkt. Hier trifft der raue Charme historischer Industriearchitektur auf die kompromisslose Energie des Extreme Metal. Die Verbindung aus Festivalgefühl und wetterunabhängiger Hallenatmosphäre macht seit jeher einen großen Teil des besonderen Reizes dieser Veranstaltung aus.

Doch nicht nur das Uhrenwerk trägt zur einzigartigen Stimmung bei. Auch Weimar selbst verleiht dem Wochenende einen besonderen Charakter. Die Stadt steht wie kaum eine andere für deutsche Kulturgeschichte. Hier wirkten Goethe und Schiller, hier nahm das Bauhaus seinen Ursprung, hier begegnet man Geschichte auf Schritt und Tritt. Gerade dieser Kontrast zwischen weltberühmter Kulturstadt und den finsteren Klängen von Death, Black und Doom Metal verleiht der Herbstoffensive ihren unverwechselbaren Charme und so gehört auch der „Samstags-Kultur-Ausflug“ zu einem „Must Do“.

Ein weiterer Faktor macht das Festival zu etwas Besonderem: die Nähe. Viele Bands, Fans, Fotografen, Journalisten und Crewmitglieder sind in denselben Hotels rund um Weimar untergebracht. Die Wege sind kurz, Berührungsängste existieren praktisch keine. Beim Frühstück sitzt der Sänger der nächsten Band am Nachbartisch, am Abend trifft man Musiker und Besucher gemeinsam an der Hotelbar. Genau diese Nahbarkeit schafft eine familiäre Atmosphäre, die man auf vielen größeren Festivals längst vergeblich sucht.

Die Party.San Herbstoffensive war nie ein gewöhnliches Indoor-Festival. Sie war ein jährliches Wiedersehen einer eingeschworenen Gemeinschaft. Und genau diese Gemeinschaft kommt an diesem Septemberwochenende ein letztes Mal zusammen.

Freitag

Pünktlich zum Festivalauftakt eröffnen Evoked das Wochenende. Die Death-Metal-Band aus Nordrhein-Westfalen steht für klassischen Old-School-Death-Metal mit modernen Einflüssen und benötigt nur wenige Minuten, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Druckvolle Riffs, aggressive Vocals und eine spürbare Spielfreude prägen den Auftritt. Obwohl sich das Gelände zu diesem Zeitpunkt noch langsam füllt, präsentieren sich die Musiker äußerst professionell und nutzen jede Minute ihrer Spielzeit. Als Opener erfüllen Evoked ihre Aufgabe mit Bravour und legen den Grundstein für einen intensiven ersten Festivaltag.

Mit Häxenzijrkell wird es deutlich düsterer. Das deutsche Black-Metal-Projekt erschafft eine Atmosphäre zwischen Okkultismus, Mystik und eisiger Aggression. Nebelschwaden legen sich über die Bühne, während kalte Gitarrenläufe und rasende Blastbeats durch das Uhrenwerk hallen. Die industrielle Kulisse der Halle bildet den perfekten Rahmen für diese finstere Klangwelt. Der Auftritt wirkt weniger wie ein klassisches Konzert als vielmehr wie ein rituelles Schauspiel.

Anschließend steht mit Stillbirth pure Zerstörung auf dem Programm. Die Hagener gehören seit Jahren zu den bekanntesten Vertretern des deutschen Brutal Death Metal und verbinden technische Präzision mit einer gewaltigen Portion Wahnsinn. Bereits nach wenigen Minuten eröffnen sich die ersten Moshpits vor der Bühne. Mit Songs wie Back To The Stoned Age,Revive The Throne oder Plakative Aggression verwandelt die Band das Uhrenwerk in einen kochenden Hexenkessel. Frontmann Lukas Swiaczny agiert gewohnt publikumsnah und versteht es hervorragend, die Menge jederzeit zu kontrollieren. Definitiv jetzt schon einer der energiegeladensten und unterhaltsamsten Auftritte des gesamten Wochenendes.

Nach diesem Abriss folgt mit Doodswens ein atmosphärischer Gegenpol. Die niederländische Black-Metal-Band steht für kompromisslose Rohheit und eine beklemmende Intensität. Ohne große Ansagen und ohne unnötige Effekthascherei konzentrieren sich die Musiker vollständig auf ihre Musik. Gerade diese Reduktion verleiht dem Auftritt seine enorme Wirkung. Eisige Tremolo-Riffs und eine bedrohliche Grundstimmung legen sich wie ein dunkler Schleier über die Halle. Ein Auftritt, der eindrucksvoll zeigt, wie viel Intensität durch Minimalismus entstehen kann.

Zu den Höhepunkten des Freitags zählt zweifellos der Auftritt von Imha Tarikat. Das von Kerem Yilmaz gegründete Black-Metal-Projekt hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe innerhalb der deutschen Szene entwickelt. Die Musik verbindet Raserei, Melancholie und emotionale Tiefe auf beeindruckende Weise. Mit Songs wie Sons Of Cain, Radical Righteousness und The Day I Died entwickelt die Band eine intensive Dynamik, die das Publikum förmlich in ihren Bann zieht. Besonders bemerkenswert ist die Leidenschaft, mit der die Stücke präsentiert werden. Hier wirkt nichts gestellt oder künstlich.

Als Headliner des Freitags betreten die Thüringer von Deserted Fear die Bühne. Spätestens jetzt ist das Uhrenwerk randvoll. Die Band aus Eisenberg hat sich längst international einen Namen gemacht und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Death-Metal-Acts der Gegenwart. Mit Klassikern wie The Final Chapter, Open Their Gates, Part Of The End und Funeral Of The Earth liefern sie eine beeindruckende Demonstration modernen Death Metals. Technisch souverän, mitreißend und voller Leidenschaft zeigen Deserted Fear, warum sie seit Jahren zur Spitze der europäischen Death-Metal-Szene gehören. Zahlreiche Texte werden vom Publikum lautstark mitgesungen, jede Ansage wird gefeiert. Ein würdiger Abschluss für einen tollen ersten Festivaltag

Samstag

Der zweite Festivaltag beginnt mit Mærer. Die deutsche Formation verbindet Post Black Metal, Doom und atmosphärische Klanglandschaften zu einem eigenständigen Stil. Die oftmals getragenen Kompositionen bilden einen gelungenen Kontrast zu vielen anderen Bands des Wochenendes. Gerade die Mischung aus Melancholie und Härte funktioniert hervorragend und sorgt für einen atmosphärischen Einstieg in den Samstag.

Anschließend übernehmen Cryptworm aus Bristol. Die Briten stehen für klassischen, schmutzigen Death Metal, wie er einst aus den finstersten Proberäumen des Undergrounds hervorging. Gewaltige Gitarrenwände, tiefe Growls und kompromisslose Härte bestimmen das Bild. Ihr Auftritt zeigt eindrucksvoll, dass der klassische Underground-Gedanke auch im Jahr 2026 nichts von seiner Faszination verloren hat.

Mit Malthusian folgt einer der düstersten Auftritte des gesamten Festivals. Die Iren verbinden Death und Black Metal zu einer finsteren Klangmasse voller Dissonanzen und beklemmender Atmosphäre. Ihre Musik wirkt chaotisch und gleichzeitig präzise durchdacht. Wer sich auf den Auftritt einlässt, erlebt eine intensive Reise durch die dunkelsten Facetten extremer Musik.

Nach all der Finsternis sorgen Kvaen für frischen nordischen Wind. Das schwedische Projekt um Jakob Björnfot verbindet melodischen Black Metal mit klassischen Heavy-Metal-Einflüssen. Die Songs besitzen einen hymnischen Charakter, ohne ihre Härte einzubüßen. Mit Titeln wie The Funeral Pyre, The Great Below und Brännmärkt gelingt es der Band mühelos, das Publikum mitzureißen. Überall schnellen Fäuste in die Höhe, zahlreiche Besucher singen Melodien mit. Ein mitreißender Auftritt und für mich eines der Highlights der diesjährigen Herbstoffensive.

Mit Cenotaph steht anschließend ein Stück Death-Metal-Geschichte auf der Bühne. Die Mexikaner gehören zu den bekanntesten Vertretern des lateinamerikanischen Death Metals und genießen weltweit Kultstatus. Seit den frühen Neunzigerjahren stehen sie für technische Klasse und kompromisslose Härte. Ihre enorme Bühnenerfahrung ist jederzeit spürbar. Präzise Riffs, aggressives Drumming und eine beeindruckende Routine sorgen für begeisterte Reaktionen im Publikum.

Spätestens bei Revel In Flesh kennt die Stimmung im Uhrenwerk kein Halten mehr. Die Schwaben stehen seit Jahren für klassischen, schwedisch geprägten Death Metal und liefern auch in Weimar genau das, was die Fans erwarten. Mit Songs wie Shadowbreeder, Fortress Of Gloom und The Hour Of The Avenger trifft die Band den Nerv des Weimarer Publikums und all der gereisten Fans punktgenau. Die Mischung aus eingängigen Riffs, eindrucksvollen Melodien und authentischer Bühnenpräsenz macht diesen Auftritt zu einem der stärksten des Wochenendes.

Eine passendere Band für den finalen Abschluss der Herbstoffensive hätte man kaum finden können. The Ruins Of Beverast erschaffen eine monumentale Klangwelt zwischen Black Metal, Doom und atmosphärischen Elementen. Das Projekt von Alexander von Meilenwald gehört seit Jahren zu den außergewöhnlichsten Erscheinungen der europäischen Extrem-Metal-Szene. Während sich die Halle zunehmend verdunkelt, entstehen epische Klanglandschaften voller Melancholie und Erhabenheit. Songs wieKain’s Countenance Fell, Exuvia und The Grand Nebula Pulse wirken an diesem Abend beinahe wie der Soundtrack für den Abschied einer Ära. Es ist kein Finale voller Bombast. Es ist etwas viel Passenderes. Ein würdevoller, intensiver und emotionaler Schlusspunkt.

Meine finalen Worte:

Als die letzten Töne im Uhrenwerk verhallen, wird vielen Besuchern bewusst, dass an diesem Abend mehr endet als nur ein weiteres Festivalwochenende. Die Party.San Herbstoffensive war nie einfach nur ein Indoor-Festival. Sie war ein Treffpunkt für Freunde, eine Heimat für Liebhaber extremer Musik und eine Veranstaltung, die ihre familiäre Seele trotz wachsender Bekanntheit nie verloren hat. Hier trafen sich Musiker und Fans auf Augenhöhe. Hier entstanden Gespräche, Freundschaften und Erinnerungen. Hier war die Szene noch greifbar. Gerade deshalb fällt der Abschied schwer. Nach sieben Ausgaben endet die Herbstoffensive mit einem Line-Up, das ihrer Geschichte mehr als gerecht wird. Die Veranstalter verabschieden die Reihe auf einem beeindruckenden Niveau und bewahren ihr damit genau jene Würde, die sie über die Jahre ausgezeichnet hat.

Für mich persönlich endet mit dieser Herbstoffensive ein Stück Festivalgeschichte, das mich auch und gerade in der Pandemiezeit geprägt hat und mich da auch ein Stück weit hoffen lassen hat. Zurück bleiben Erinnerungen an die Bands, an intensive Konzerte, lange Nächte, herzliche Begegnungen und eine Gemeinschaft, die weit über die Musik hinausgeht. Die Party.San Herbstoffensive VII ist kein lauter Abschied. Sie ist ein würdiges letztes Kapitel. Und während draußen die ersten kühlen Herbstnächte über Weimar hereinbrechen, bleibt vor allem ein Gedanke:

Danke für sieben Ausgaben Herbstoffensive. Danke für diese Erinnerungen.