Bobble Cap Festival am 26.09.2026 in Aukrug

16 Jahre Rockmusik in der Dachdeckerhalle

Event: Bobble Cap Festival 2026

Bands: Grand Eugene, Overdrive Sensation, Crimson Roots, Dramatist, Gebrüder Manns

Ort: Dachdeckerei Kreutz, Aukrug, Schleswig-Holstein, Deutschland

Datum: 26.09.2026

Kosten: 20 € Early Bird Tickets, 22 € VVK, 24 € Abendkasse

Zuschauer: geschätzt etwa 200

Genre: Rock, Classic Rock, Blues Rock, Psychedelic Rock, Alternative

Veranstalter: Bobble Cap GbR Aukrug

Link: https://www.bobblecapfestival.de/

Fünfzehn Jahre Bobble Cap Festival waren 2025 bereits Geschichte, nun geht es in Aukrug in die nächste Runde. Was dabei besonders gefällt: Das Bobble Cap will gar nicht den großen Festivalzirkus imitieren. Hier gibt es keine kilometerlangen Wege zwischen den Bühnen und auch keine Menschenmassen, in denen man nach dem Konzert erst einmal seine Begleitung suchen muss. Stattdessen geht es in die Halle der Zimmerei und Dachdeckerei Matthias Kreutz und damit an einen Ort, an dem normalerweise Dächer statt Rockmusik das Thema des Tages sind. Für einen Abend wird aus dem Handwerksbetrieb jedoch eine kleine, gemütliche Konzertarena. Das Konzept funktioniert. Die Halle füllt sich, draußen zeigt sich der September noch einmal ungewöhnlich freundlich und drinnen wird es zunehmend musikalisch. Der Veranstalter selbst spricht anschließend von fünf großartigen Auftritten und tatsächlich hat jede Formation ihren ganz eigenen musikalischen Ansatz.

Grand Eugene 2026 Aukrug; Foto: Norbert Czybulka

Den Auftakt machen Grand Eugene aus Kiel. Bereits hier zeigt sich, dass das Bobble Cap musikalisch nicht einfach mit dem Holzhammer loslegt. Grand Eugene bewegen sich im Bereich zwischen Indie Rock, Alternative und atmosphärischem Pop. Musikalisch lebt das Projekt von Melodie und Atmosphäre. Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboard schaffen einen Sound, der nicht permanent auf maximale Lautstärke aus ist, sondern sich Raum für unterschiedliche Stimmungen lässt. Das ist gerade als Festivalauftakt eine interessante Wahl. Wo andere Veranstaltungen schon beim ersten Akkord versuchen, den Getränkestand zum Wackeln zu bringen, darf man bei Grand Eugene zunächst einmal zuhören.

Dabei steckt in der Musik durchaus Bewegung. Indie-Rock-Strukturen treffen auf weichere, teils schwebende Klangflächen. Das Ergebnis ist weniger die klassische Rockkeule als vielmehr Musik, die zwischen Nachdenklichkeit, Melodie und groovenden Passagen pendelt. Damit sorgen Grand Eugene für einen Auftakt, der das Publikum langsam in den Abend hineinzieht, statt ihm gleich die Tür aus den Angeln zu treten.

Und genau solche Kontraste machen ein Festival spannend. Denn nach fünfzehn Jahren Bobble Cap muss man dem Publikum schließlich nicht mehr erklären, dass Rockmusik auch dann funktioniert, wenn nicht jede Gitarre auf elf steht.

Overdrive Sensation 2026 Aukrug; Foto: Norbert Czybulka

Danach wird die Sache deutlich dreckiger. Overdrive Sensation aus Kiel sind seit 2003 unterwegs und haben sich dem klassischen Rock verschrieben. Die Band selbst nennt Chuck Berry und Canned Heat ebenso als Einflüsse wie The Hellacopters und Motörhead. Damit ist eigentlich schon ziemlich genau beschrieben, was anschließend in der Dachdeckerhalle passiert: Rock ’n’ Roll mit Blues im Tank und ordentlich Benzin im Blut.

Das Trio benötigt keine große Instrumentenarmee. Gitarre, Bass und Schlagzeug reichen, um einen Sound zu produzieren, der direkt nach vorne geht. Dabei wird nicht versucht, den Rock neu zu erfinden. Warum auch? Ein guter Rocksong funktioniert schließlich auch dann, wenn man ihn nicht vorher durch zwölf Effektgeräte und drei Marketingabteilungen schicken muss.

Das Material von Overdrive Sensation reicht vom längeren, bluesig angelegten Train To Nowhere über klassisch rockende Nummern bis zum programmatisch passenden Rock ’n’ Roll. Gerade die Mischung aus Blues und dreckigem Rock macht den Reiz der Kieler aus.

Nach dem eher atmosphärischen Einstieg durch Grand Eugene ist damit klar, jetzt darf der Fuß wippen. Und wer bei diesem Trio stillstehen kann, hat entweder sehr gute Selbstbeherrschung oder schlicht vergessen, dass er auf einem Rockfestival steht.

Crimson Roots 2026 Aukrug; Foto: Norbert Czybulka

Mit Crimson Roots aus Nürnberg öffnet sich die musikalische Landschaft anschließend wieder deutlich. Das erst im vergangenen Jahr gegründete Quintett verbindet Blues Rock mit Progressive Rock und psychedelischen Elementen. Gitarre und Keyboard beziehungsweise Orgel teilen sich dabei immer wieder die Führungsrolle, während Bass und Schlagzeug für das Fundament sorgen. Die albanische Sängerin Ina Salaj rief diese Gruppe zusammen mit ihrem Gitarristen Kristi Dhimitri ins Leben, nachdem sie zum Studium nach Deutschland gekommen waren.

Das klingt zunächst nach einer Menge Zutaten, wird aber keineswegs zum musikalischen Eintopf. Vielmehr lassen Crimson Roots ihre Stücke atmen. Gitarren können sich entwickeln, Keyboards schaffen warme Klangfarben und der Rhythmus bleibt genügend präsent, damit die Musik nicht im psychedelischen Nebel verschwindet.

Im Zentrum steht das Debütalbum Open Roads, ein Konzeptwerk über einen Reisenden, der sich durch Veränderung, Unsicherheit, Widerstand und Erneuerung bewegt. Die Musik passt erstaunlich gut zu diesem Gedanken. Mal bluesig und warm, dann wieder progressiver oder psychedelisch eingefärbt, entstehen Stücke, die eher auf Atmosphäre und Entwicklung setzen als auf den schnellen Drei-Minuten-Hit.

Besonders interessant ist dabei die organische Instrumentierung. Ausdrucksstarke Gitarren, Gesang, markante Basslinien, Vintage-Keyboards (mit einem gigantischen Solo) und dynamisches Schlagzeug bilden gemeinsam einen Klang, der deutlich in Richtung der klassischen Rockgeschichte blickt, ohne lediglich eine Kopie alter Helden zu sein.

Nach Grand Eugene und Overdrive Sensation bringen Crimson Roots damit eine dritte Farbe in den Abend: weniger Geradeaus-Rock, mehr musikalische Reise. Wer bei „progressiv“ sofort an eine dreistündige Vorlesung über Taktarten denkt, darf beruhigt sein. Auch hier geht es immer noch um Rockmusik.

Dramatist 2026 Aukrug; Foto: Norbert Czybulka

Danach übernehmen Dramatist. Die Band selbst beschreibt ihre Musik als Postcore/Alternative, und genau dort sollte man sie auch verorten. Das aktuelle Album Wasting Words erschien 2026 bei DevilDuck Records und bewegt sich zwischen Alternative Rock, Post Hardcore, Postcore und Punk Rock.

Dabei ist Dramatist keine Formation, die permanent mit der Brechstange arbeitet. Vielmehr entsteht die Spannung aus Gegensätzen. Atmosphärische, teilweise fast fragile Passagen treffen auf treibendere Momente. Glasgow Nights beispielsweise arbeitet mit wavigen Gitarren und einer sich langsam aufbauenden Atmosphäre, während Loathing deutlich intensiver und dynamischer ausfällt.

Genau diese Wechselwirkung macht die Musik interessant. Es gibt Melodie, aber eben keine Kuschelrock-Melodie. Es gibt Härte, aber nicht als Selbstzweck. Und darüber liegt eine emotionale Ebene, die der Band deutlich wichtiger zu sein scheint als das möglichst spektakuläre Abfeuern von Riffs.

Dass Dramatist 2026 bereits beim Wacken Open Air und beim Reload Festival auf der Bühne standen, zeigt zudem, dass die Band längst über den Status eines reinen Geheimtipps hinausgewachsen ist. In Aukrug passte ihr dunkler, moderner Alternative-Sound hervorragend in die Entwicklung des Abends.

Gebrüder Manns 2026 Aukrug; Foto: Norbert Czybulka

Den Abschluss bilden Gebrüder Manns und damit wird es noch einmal richtig energiegeladen. Die Geschichte der Band reicht bis in die Neunziger zurück, damals noch unter dem Namen Cup C. 2016 wurde die Formation wiederbelebt, seit 2018 gehört die Berliner Schlagzeugerin Sabine Ahlbrecht zum Line-Up.

Musikalisch sind Gebrüder Manns eine Zeitreise in die späten Neunziger. Nu Metal, Crossover und Rap treffen aufeinander, wobei die Band ihre Einflüsse nicht versteckt. Wer an Rage Against The Machine, Korn oder Limp Bizkit denkt, liegt nicht völlig daneben. Das Ganze wird allerdings nicht zur nostalgischen Coververanstaltung, sondern mit eigenen Songs und einer gehörigen Portion Energie ins Jahr 2026 transportiert. Dafür sorgen Gitarristin Annika Manns und Sängerin Marie Nielsen in eindrucksvoller Art und Weise.

Die Songs kommen direkt, groovig und aggressiv daher. Dazu gesellen sich Texte über Schönheitswahn, Jugendkult, virtuelle Identität, gesellschaftliche Entwicklungen, Liebe, Sex und Tod. Different Voices setzt dabei ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und Hass.

Als letzte Band des Abends sind Gebrüder Manns damit nahezu prädestiniert. Nach Indie, Classic Rock, Psychedelic Rock und Postcore kommt noch einmal dieses dicke Crossover-Brett, das einen unweigerlich in die Zeit zurückkatapultiert, als man glaubte, weite Hosen seien eine besonders gute Idee und Nu Metal würde niemals alt werden.

Fazit

Das Bobble Cap Festival 2026 funktioniert gerade deshalb so gut, weil die fünf Bands nicht fünfmal dasselbe Programm liefern. Grand Eugene beginnen atmosphärisch und melodisch, Overdrive Sensation bringen den klassischen Rock ’n’ Roll auf Touren, Crimson Roots öffnen die Türen zu Blues, Psychedelic und Progressive Rock, Dramatist sorgen für moderne, emotionale Härte und Gebrüder Manns setzen mit ihrem 90er-Crossover den energiegeladenen Schlusspunkt.

Die Dachdeckerhalle in Aukrug ist dafür eine erstaunlich passende Heimat. Keine gigantische Festivalmaschine, sondern eine überschaubare Location, in der Bands und Publikum noch unmittelbar miteinander verbunden sind. Der Veranstalter bestätigt nach dem Festival fünf gelungene Auftritte, eine gut gefüllte Halle und einen rundum erfolgreichen Abend.

Und genau das ist die eigentliche Stärke des Bobble Cap Festivals: Hier muss niemand beweisen, dass er das größte Festival Schleswig-Holsteins veranstaltet. Es reicht vollkommen, gute Bands auf die Bühne zu stellen, für vernünftigen Sound, Bier und Essen zu sorgen und anschließend gemeinsam einen Abend lang Musik zu feiern.

Für die nächste Ausgabe darf man die Pudelmütze also schon einmal bereitlegen. Bis zum nächsten Jahr in Aukrug!

Da viele der Bands nicht bei Setlist.fm vertreten sind, könnt ihr alle Auftritte hier noch einmal abrufen:

Setlisten:

  1. Goodbye
  2. Low Quality
  3. Death Kink
  4. Distance
  5. I Should Go To Therapy
  6. As I Fall
  7. Übergang
  8. Cohesive Feelings Overdose
  9. Bodies Blend
  10. CC
  11. Mr. Vulnerable
  12. Dieter Schwarz
  13. Cum Together

  1. Broken Home Blues
  2. Down The Road Again
  3. Feels So Good
  4. My Elbows
  5. Constant Worry
  6. Fire Wood
  7. More Than I Can Stand
  8. Sally
  9. Wrong Side Of The Road
  10. Love Is Strong
  11. Stabbin´ The Surface
  12. Rock´n´Roll

  1. Drifting
  2. Steps
  3. Falling Through
  4. Into Thin Air
  5. The Tower
  6. Nowhere
  7. Dreamcoil
  8. The Crossing 1
  9. Mountain

  1. Black Hole
  2. Loathing
  3. Now
  4. The League
  5. Fat White Families
  6. Disappointed
  7. Glasgow Nights
  8. Unknown Hero
  9. Go

  1. Bill Of Rights
  2. Take This Back
  3. Soma
  4. Different Voices
  5. Head Up High
  6. Renfield
  7. Louis Vuitton
  8. Fingers Up
  9. Erase
  10. Sick Stuff
  11. Headshot
  12. Embrace Your Pain
  13. Pay Me Like A White Man
    Zugabe:
  14. Sun Glasses
  15. Black War