Es gibt Alben, auf die man sich freut. Und dann gibt es Alben, bei denen man schon Wochen vor der Veröffentlichung spürt, dass hier etwas Besonderes passieren könnte. Helios von Firtan gehörte für mich ganz klar zur zweiten Kategorie.
Die Süddeutschen haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und gehören längst zu den spannendsten Vertretern des modernen Black Metal aus Deutschland. War das Frühwerk noch deutlich stärker in Pagan- und atmosphärischen Black-Metal-Gefilden verwurzelt, entwickelte die Band ihren Sound Album für Album weiter. Spätestens mit Ethos gelang ihnen für mich der große Durchbruch. Das Werk vereinte Atmosphäre, Emotionalität und musikalische Klasse auf einem Niveau, das mich über Monate hinweg begleitet hat. Entsprechend hoch lagen natürlich auch meine Erwartungen an den Nachfolger. Mit Helios, das über AOP Records erschienen ist, liefern Firtan nun ihr bislang wohl ambitioniertestes Werk ab. Und ja, ich lehne mich bereits jetzt weit aus dem Fenster: Dieses Album wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in meinen persönlichen Top 10 des Jahres landen.

Licht aus Finsternis
Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass Helios nicht einfach nur die logische Fortsetzung von Ethos geworden ist. Die Band geht ihren Weg konsequent weiter und erweitert dabei ihren Horizont. Das Album wirkt größer, mutiger und noch emotionaler.
Der Sound spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Produktion besitzt genau die richtige Balance zwischen Transparenz und Wucht. Die Gitarren bauen mächtige Klanglandschaften auf, ohne dabei Details zu verschlucken. Das Schlagzeug treibt die Songs kraftvoll voran, während die zahlreichen atmosphärischen Ebenen genügend Raum zum Atmen bekommen.
Beeindruckend finde ich vor allem, wie selbstverständlich Firtan zwischen unterschiedlichen Stimmungen wechseln. Rasende Black-Metal-Passagen treffen auf fast schon verträumte Momente, bevor sich die Musik erneut in dunklen Abgründen verliert. Die Übergänge wirken nie künstlich konstruiert, sondern entstehen organisch aus den Songs heraus.
Dabei klingt die Band längst nicht mehr wie eine klassische Black-Metal-Formation. Die Wurzeln sind selbstverständlich vorhanden, doch Helios denkt größer. Progressivität, Atmosphäre und Emotion stehen oftmals gleichberechtigt neben den traditionellen Genremerkmalen.
Emotionen in Bewegung
Mit The Hierophant Way setzt das Album früh ein Ausrufezeichen. Der Song entfaltet sich mit einer beeindruckenden Dynamik und schlägt eine Brücke zwischen aggressiver Intensität und einer fast spirituellen Atmosphäre. Besonders gefällt mir hier das Gespür für Spannungsaufbau. Nichts wird überhastet, jeder Abschnitt dient dem großen Ganzen.
Auch Ascension entfaltet eine enorme Wirkung. Der Titel macht seinem Namen alle Ehre und entwickelt einen regelrechten Aufwärtsdrang. Die Komposition wächst von Minute zu Minute, öffnet immer neue Klangräume und transportiert dabei eine Hoffnung und Erhabenheit, die man im Black Metal nicht allzu häufig in dieser Form erlebt.
Zu den absoluten Höhepunkten der Platte gehört für mich allerdings Kalika’s Tongue. Der Song bündelt nahezu alles, was Helios so stark macht. Gewaltige Melodien treffen auf dunkle Atmosphäre, technische Klasse auf emotionale Intensität. Das Stück entwickelt einen regelrechten Sog, dem man sich kaum entziehen kann.
Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Qualität nicht nur auf die Vorabsingles beschränkt. Das gesamte Album wirkt wie aus einem Guss. Die Songs stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern greifen ineinander und formen eine zusammenhängende Reise. Je öfter ich Helios höre, desto deutlicher wird, wie viel Liebe zum Detail in diesen Kompositionen steckt.
Mehr als nur Black Metal
Was mich letztlich am meisten begeistert, ist die emotionale Tiefe dieses Albums. Viele Bands schaffen Atmosphäre. Manche schaffen Härte. Nur wenige schaffen beides und fügen darüber hinaus noch echte Gefühle hinzu. Firtan gelingt genau das.
Die Musik vermittelt Sehnsucht, Melancholie, Hoffnung und innere Zerrissenheit, ohne jemals kitschig zu werden. Vieles geschieht zwischen den Zeilen und gerade deshalb entfaltet die Platte eine enorme Wirkung. Immer wieder erwische ich mich dabei, einzelne Passagen mehrfach zu hören, weil sie noch lange nachklingen.
Interessanterweise könnten manche Hörer dem Album sogar vorwerfen, dass es sich bewusst von klassischen Black-Metal-Konventionen entfernt. Für mich ist genau das eine seiner größten Stärken. Helios wagt neue Wege, ohne die eigene Identität zu verlieren. Die Band schreibt keine Songs für Genrepuristen, sondern erschafft intensive musikalische Erfahrungen.
Und genau deshalb funktioniert das Album für mich so hervorragend.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Firtan – Helios in unserem Time For Metal Release-Kalender.
Firtan auf Tour – hier habt ihr die Chance:




