Integrity & Ringworm am 09.10.2026 im Betty, Hamburg

Event:  30 Years Of Humanity Is The Devil

Bands: Integrity, Ringworm, World I Hate

Ort: Betty, Hamburg

Zuschauer: 120 bis 150 Hardcore-Maniacs

Genre: Hardcore

Links: Integrity, Ringworm, World I Hate

Es ist Oktober, der ganze Kiez ist voller Lederhosen und Dirndl. Aber drei Bands schicken sich an, ihre kleine Fanschar jenseits solch weltlicher Gelüste zu transportieren, allen voran der stets gut gelaunte Apokalyptiker Dwid Hellion und sein Hardcore-Vehikel Integrity. Um den Weltuntergang würdig zu zelebrieren, sind, wie so oft, die Brüder Ringworm aus der ehemaligen Heimat des Headliners Cleveland mit von der Partie. Zum Anheizen sind World I Hate aus Milwaukee verpflichtet worden, um ihren Welthass zu versprühen. Zu dieser lautstarken Andacht des Endes hat sich dann auch eine illustre Anzahl Jünger eingefunden, um auf dem Grab der Menschheit zu tanzen.

Wolrd I Hate am 09.10.2026 im Betty, Hamburg
Wolrd I Hate am 09.10.2026 im Betty, Hamburg

Für satte 22 Minuten lassen World I Hate ihren Hass auf Polizei, Politiker, religiöse Fanatiker und Waffennarren freien Lauf. Wobei von „Lauf“ zu sprechen übertrieben ist, denn ihre Version zeitgenössischen US-Hardcores wird zwar ordentlich gespielt, doch Breaks, Downtempo, Mosh-Parts, Uptempo und Blast-Beats wirken zusammengepuzzelt, ohne dass die Teile überhaupt ineinanderpassen. Viel Hass, wenig Fluss. Abgesehen von der sehr aufgesetzt wirkenden Attitüde machen die Jungs zwischen den Songs und am Merch-Stand einen sympathischen, gar nicht so verbissenen Eindruck.

Hass allein genügt nicht

Nachdem sich das fleischige Muttersöhnchen am Schlagzeug der Clevo-Rock’n’Roll-Hardcore-Kapelle Ringworm aufgewärmt hat, gibt er auch sogleich die Marschrichtung – Angriff, koste, was es wolle – mit einer fulminanten Performance vor. Es folgt 60 Minuten lang ein wilder Ritt durch die stinkenden, vergammelten Gossen der Vereinigten Staaten. Ob Drogen, Alkoholismus, Prostitution, Vergewaltigung, Waffengewalt oder Nationalismus – Ringworm haben zu jedem dieser Themen ihre eigene, nihilistische Meinung, die sie voller Wut und Abscheu rausrotzen. Dementsprechend lässt der Vierer keine Gelegenheit aus, an der Aggro-Schraube zu drehen, mal auf der Überholspur, mal aber auch im groovigen mittleren Drehzahlbereich.

United States of Assholes

Rngworm am 09.10.2026 im Betty, Hamburg
Rngworm am 09.10.2026 im Betty, Hamburg

Angepisstes Gebell ohne jegliche Zwischentöne und die locker rockigen bis aggressiven thrashigen Riffs stehen zwar im Vordergrund, doch es sind das knallige Drumming und der dreckige Bass, die zusammen die Performance mächtig in den Arsch treten lassen. Die Stimmung im Betty flimmert förmlich vor Elektrizität von Ringworms Abgesang auf unsere heuchlerische Zivilisation.

Während auf der Bühne schwer gearbeitet wird, wird davor wild, teilweise überwild, sogar zu hart getanzt. In den Reihen dahinter hängen die Kinnladen herunter wie nach einem Hardcore-Knockout. Wie nach einem reinigenden Sturm, hinterlassen Ringworm zufriedene Gesichter mit geläuterten Gedanken.

Die Apokalypse ist wie ein wunderschöner Sonnenuntergang

Als wenn der amerikanische Albtraum noch nicht schlimm genug ist, lassen Integrity die Apokalypse mit Schmackes ins Betty krachen. Und wenn diese so gnadenlos, cool und mit einem irren, breiten Grinsen daherkommt, dann ist sie offensichtlich sehr willkommen. Der Unhold in Menschengestalt war nie besserer Stimmung.

Der stampfende Hardcore-Beat der inzwischen multinationalen Combo ist einfach nur atemraubend und lässt das Blut auch schon mal überkochen. So steht ein reines Leiden wie in Psychological Warfare einem todbringenden Geschoss wie Hollow in Sachen Intensität in nichts nach. Dazwischen werden keine Gefangenen gemacht.

Integrity am 09.10.2026 im Betty, Hamburg
Integrity am 09.10.2026 im Betty, Hamburg

Ein Toast auf einen beschwingten Abaddon

Gut gelaunt führt Profi-Armageddoner Dwid Hellion mit einem diabolischen Grinsen und perfekten Zähnen durch fast 40 Jahre Untergang und Zerstörung. Dabei durchziehen immer wieder kurze, lange, abseitige und melodische Gitarrensoli die Songs. Mit jedem Track steigern Integrity die Endzeitstimmung – von System Overload über Judgement Day bis zum Über-Gebet Harder They Fall – I’ll tear you limb from limb, break you piece by piece. Mit hochgereckter Faust.

Schließlich feiert die anwesende Pfingstgemeinde das wohlverdiente Ende von allem mit einem vielstimmigen „Motherfucker“ und einer beachtlichen Anzahl an Mittelfingern bei der letzten Note von Micha: Those Who Fear Tomorrow. In einem letzten Reigen tanzen noch alle Anwesenden zusammen mit Dwid Hellion zum Misfits-Klassiker Skulls auf dem Vulkan.

Integrity am 09.10.2026 im Betty, Hamburg

Ein schon jetzt legendärer Konzertabend mit zwei einzigartigen, fanatischen und doch überaus sympathischen Bands geht leider zu Ende. Der Weg durch das betrunkene Oktoberfestgesindel ist einfach nur übelkeiteregend. Besser, es gibt kein Morgen mehr.