Die Musik von Master Boot Record (MBR) pendelt zwischen Nostalgie für Videospielsoundtracks und der Liebe zum Metal. Der charakteristische Sound dieses „Computer Metal“ verbindet die maschinelle Präzision rasanter Chiptune-Arpeggien mit verzerrten Riffs und virtuosen Synthesizer-Arrangements. Die vielschichtigen Kompositionen arbeiten mit abrupten Tempowechseln, bewusster Künstlichkeit und hymnischen Melodien. Aus dem vermeintlich unterkühlten Klanggewand entsteht eine von Menschenhand gestaltete, mitunter erhaben wirkende Musik mit bemerkenswerter Ausdruckskraft. Und ja, ich bin Fan!
Mastermind Vittorio D’Amore aka Victor Love ist schon lange im Musikgeschäft unterwegs (Dope Stars Inc. knallt immer noch) und noch länger in der Demoszene. Sein populärstes Projekt entstand einst aus dem Gedanken, Heavy Metal ausschließlich über MIDI zu komponieren. „Ich wollte die Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit des menschlichen Komponierens steigern, den gesamten Prozess live streamen und meine Absichten als Komponist unmittelbar im Entstehungsprozess festhalten„, schreibt Love im Begleittext zur Albumankündigung.
Bei Liveauftritten haben sich längst Gitarren und Schlagzeug hinzugesellt, während ein Commodore 64 und ein Amiga 500 so modifiziert wurden, dass sie sich als Synthesizer spielen lassen. „Maschinen machen, was Maschinen machen. Menschen machen, was Menschen machen„, so Love. Der Sound bleibt Chiptune Metal, Synth Rock, Heavy Synthwave … Wie heißt das eigentlich, wie Master Boot Record klingt? Love gibt die Antwort nun selbst mit dem insgesamt – Zählweisen variieren – siebzehnten Album: Computer Metal.
Man kann nicht davon sprechen, dass Master Boot Record jemals ein kompositionell sperriges Album veröffentlicht hat. Doch Computer Metal ist tatsächlich zugänglicher als vorangehende Veröffentlichungen, was am Anspruch liegen mag, jene Genres abzuhandeln, die MBRs musikalischen Werdegang inspiriert haben. Love selbst nennt unter anderem Hardcore, Progressive Metal, Thrash Metal, Death Metal, symphonischen klassischen Metal und Industrial Metal als Einflüsse. Die einzelnen Stücke orientieren sich dabei nicht sklavisch an diesen Referenzen, schaffen aber Anknüpfungspunkte für ein mit diesen Genres vertrautes Publikum.
Dabei ist dem Bandkopf wichtig zu betonen, dass jede Note seiner Musik mit Tastatur und Maus von einem Menschen geschrieben wurde. Selbst das ASCII-Coverartwork wurde Zeichen für Zeichen getippt.
Der Opener Dot Matrix druckt, äh, drückt euch mit den charakteristischen Chiptune Arpeggios, nach vorne preschenden Gitarren und Breakdowns an die Wand. Schnell aufstehen zum Headbangen, ihr werdet sowieso nicht stillstehen können. Command Prompt ist zunächst weniger auf Schnelligkeit, sondern auf Atmosphäre angelegt, die sich im Verlauf des Tracks immer weiter steigert und mit wahnsinniger Geschwindigkeit zum Finale fiept und immer noch eine weitere Überraschung bereithält.
Plug And Play ist die Hymne zum Fäuste recken, die man jedem Fantasyepos umgehend in den Abspann packen will. Das Lied gehört zum Soundtrack des Rennspiels No Trace Back (Demo via https://thetadivision.com). Entwickler Theta Division Games veröffentlichte bereits das Cyberpunk-Adventure VirtuaVerse, zu dem Master Boot Record Story und Musik lieferte. Noch nicht gezockt? Nachholen!
Firmware verdunkelt die Stimmung schlagartig mit tief dröhnender Klangkulisse und vertrackten Riffs, holt die Stimmung letztlich jedoch wieder ins Heroische zurück. Socket 7, benannt nach einer Steckplatzvorrichtung für Computerprozessoren, hallt außerweltlich-zirpend aus den Lautsprechern und kommt im Midtempo fast gemütlich daher, während auf Boot Sector die Soli eskalieren und zum proggigen Power-Metal-Trip geraten.
Das thrashige Turbo Button – der Name ist Programm – setzt noch einen drauf und wirbelt mit Lichtgeschwindigkeit über die virtuellen Griffbretter, bevor sich Voodoo2 (3D-Grafikchipsatz) in schleppenden Death-Metal-Gefilden austobt.
CRT stampft zunächst ebenfalls wuchtig vor sich hin, entpuppt sich jedoch rasch als weitere Hymne, die als glorreicher Abschluss durchgehen würde – gäbe es nicht noch CTRL + ALT + DEL. Der letzte Track vereint noch mal alles, was Master Boot Record musikalisch ausmacht, und lässt – nicht ohne überladenes Pathos – die Versatzstücke des Albums kulminierend ineinandergleiten.
Hier geht es für weitere Informationen zu Master Boot Record – Computer Metal in unserem Time For Metal Release-Kalender.
Master Boot Record & Fulci Co-Headlining Tour 2026 (Deutschlandtermine):
20. Nov – Köln – Gebäude 9
21. Nov – Hamburg – Logo
04. Dez – Berlin – SO36
06. Dez – München – Backstage
11. Dez – Lindau – Club Vaudeville



