Occult Master – Occult Master

14.08.2026 - Doom Metal / Hard Rock - Inverse Records - 38:38 Minuten

Vierzehn Jahre. Für viele Bands reicht diese Zeitspanne für mehrere Alben, Besetzungswechsel und vielleicht sogar die Auflösung. Occult Master aus dem finnischen Oulu gehen den deutlich geduldigeren Weg. Bereits 2012 gegründet, bewegte sich das Trio zunächst im Spannungsfeld aus Heavy Rock und klassischem Doom Metal, bevor ein Line-Up-Wechsel im Jahr 2020 neue Impulse setzte. Seitdem darf die Musik rhythmisch vielfältiger, progressiver und insgesamt etwas mutiger ausfallen. Mit dem selbstbetitelten Debüt Occult Master liefert die Band nun endlich ihr erstes vollwertiges Lebenszeichen über Inverse Records ab und präsentiert dabei eine Mischung aus traditionellem Doom Metal, klassischen Heavy-Metal-Wurzeln und einer gehörigen Portion Siebzigerjahre-Rock.

Zwischen Tradition und Eigenwilligkeit

Von Beginn an wird deutlich, dass die Finnen nicht den modernen, episch aufgeladenen Doom-Weg gehen. Statt bombastischer Chöre, majestätischer Melodiebögen oder einer allgegenwärtigen Schwere setzt man vielmehr auf einen rauen, erdigen und bewusst ungeschliffen wirkenden Sound. Die Produktion atmet regelrecht den Geist alter Underground-Veröffentlichungen. Die Gitarren tragen eine staubige Patina mit sich herum, der Bass arbeitet sich knurrend durch die Songs und das Schlagzeug klingt angenehm lebendig. Alles wirkt so, als stünde die Band direkt vor einem im Proberaum. Genau diese Authentizität macht einen großen Teil des Albumcharakters aus.

Der Opener Just Another Nail In The Failier’s Coffin macht dabei keinerlei Gefangenen. Das Stück eröffnet überraschend dynamisch und zeigt unmittelbar, dass Occult Master Doom Metal eher als Fundament denn als starres Korsett verstehen. Immer wieder brechen schnellere Passagen hervor, während kantige Riffs und kleine Tempowechsel die Aufmerksamkeit des Hörers fordern. Wer sich auf eine Stunde reinster Grabesstimmung eingestellt hat, dürfte hier bereits feststellen, dass die Finnen deutlich vielseitiger unterwegs sind.

Rohe Riffs und düstere Geschichten

Besonders stark gerät anschließend Island Of Leper. Der Song zählt zu den atmosphärischen Höhepunkten des Albums und vereint vieles, was Occult Master ausmacht. Melancholie, düstere Erzählkunst und progressive Strukturen verschmelzen zu einer beklemmenden Reise. Die Geschichte zweier ehemaliger Liebender, die auf einer Leprainsel ihrem unausweichlichen Schicksal begegnen, verleiht dem Stück eine spürbare emotionale Tiefe. Die schweren Gitarrenlinien entwickeln dabei nahezu cineastische Bilder vor dem inneren Auge, ohne jemals künstlich oder überladen zu wirken.

Danach folgt mit Heavy Metal Madness ein deutlich direkterer Titel. Hier treten die klassischen Heavy-Metal-Einflüsse stärker hervor. Das Stück besitzt mehr Vorwärtsdrang, einen höheren Wiedererkennungswert und lockert das oftmals verschachtelte Material angenehm auf. Gerade diese traditionellen Momente gehören zu den eingängigsten des gesamten Albums.

Einen ähnlichen Effekt erzielt Ground Of The Damned. Das Riffing wirkt kompakt, die Dramaturgie nachvollziehbar und die Stimmung angenehm finster. Der Song zeigt, dass die Band durchaus mitreißende Momente erschaffen kann, wenn sie ihre Ideen etwas fokussierter bündelt.

Dem gegenüber steht etwa Lucifer’s Henchman, das exemplarisch für die experimentellere Seite der Finnen steht. Die vielen Richtungswechsel, das stop-and-go-artige Songwriting und die unvorhersehbaren Strukturen sorgen für Eigenständigkeit. Gleichzeitig entsteht aber auch genau jener Eindruck, der sich über weite Teile des Albums einschleicht: Man bewundert die Ideen, ohne sich ihnen vollständig hinzugeben. Die Songs sind interessant, manchmal sogar faszinierend, aber nur selten wirklich zwingend.

Starke Ideen, fehlender Funke

Dabei kann man der Band handwerklich kaum Vorwürfe machen. Die Musiker beherrschen ihr Instrumentarium, und gerade die Rhythmussektion hält die oftmals ungewöhnlichen Arrangements souverän zusammen. Auch die rohe Produktion wirkt nie wie ein Mangel, sondern wie eine bewusste Stilentscheidung. Man hört förmlich, dass hier jahrelang an den Kompositionen gefeilt wurde. Die Verbindung aus klassischem Heavy Metal, Doom und progressiven Einflüssen besitzt durchaus ihren Reiz.

Trotzdem blieb bei mir eine gewisse Distanz bestehen. Vielleicht lag es an meinen Erwartungen. Der Begriff Epic Doom weckt automatisch Assoziationen von monumentalen Spannungsbögen, großen Melodien und Momenten, die einem noch Stunden später im Kopf herumspuken. Occult Master verfolgen hingegen einen raueren, sperrigeren und deutlich eigenwilligeren Ansatz. Das ist keineswegs falsch, nur hat mich die Platte emotional nie ganz dort erwischt, wo ich sie erwartet hatte. Immer wieder blitzen starke Ideen auf, immer wieder entstehen interessante Stimmungen, doch der berühmte letzte Schritt zum echten Mitreißen bleibt für mich aus.

Gerade dadurch hinterlässt das Debüt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits steht außer Frage, dass hier eine Band mit eigenem Gesicht und klarer Vision agiert. Andererseits fehlen mir mehr erinnerungswürdige Höhepunkte und Songs, die sich dauerhaft festsetzen. Das Album fordert Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt diese aber nicht immer in gleichem Maße.

Hier geht es lang für weitere Informationen zu Occult Master – Occult Master in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Occult Master – Occult Master
Fazit zu Occult Master
Occult Master liefern ein bemerkenswert authentisches Debüt ab, das sich wohltuend von modernen Hochglanzproduktionen absetzt. Die Mischung aus traditionellem Doom Metal, klassischem Heavy Metal und progressiven Einflüssen besitzt Charakter und hebt die Finnen von vielen Genrekollegen ab. Die rohe Atmosphäre, die musikalische Vielfalt und die erkennbare Leidenschaft sprechen klar für das Album. Dennoch bleiben einige Kompositionen zu sperrig und entfalten nicht die Durchschlagskraft, die sie aufgrund ihrer Ideen eigentlich besitzen könnten. Ein gutes Debüt mit viel handwerklicher Qualität und eigenständigem Profil, das mich jedoch nicht vollständig in seinen Bann ziehen konnte.

Anspieltipp: Island Of Leper
Dave S.
7.1
Leserbewertung0 Bewertungen
0
7.1
Punkte