Party.San Metal Open Air 2026 vom 06.08. bis 08.08.2026 in Schlotheim (Samstag)

Der letzte Tag mutiert zum großen Geburtstagsfinale

Festivalname: Party.San Metal Open Air 2026

Bands: Hypocrisy, Marduk, Wolfbrigade, Murder Squad, Groza, Firespawn, In The Woods…, Acranius, Hexvessel, Internal Bleeding, Gates Of Ishtar, Gut, Alcest, Sacred Reich, Wolves In The Throne Room, Amorphis, Dark Funeral, A Canorous Quintet, Guttural Slug, Deceased, Afsky, Jungle Rot, Sorcerer, Wormed, Sadistic Intent, Sventevith, Lamp Of Murmuur, Moonspell, Testament, Misery Index, Iotunn, 200 Stab Wounds, Sarcator, Sear Bliss, Evoken, Begging For Incest, Todomál, Messticator, Rats Of Gomorrah, Morbus Die, Fleshcrawl, Asagraum, Lucifer’s Child, Death Worship, Crawl, Endonomos, Nail By Nail, Tulus, Sunken, Celeste, Impurity, Temple Of Dread, Bloody Vengeance, Baxaxaxa, For Victory, Gorefunes

Ort: Schlotheim, Flugplatz Obermehler

Datum: 06.08.2026 – 08.08.2026

Kosten: ab 176,49 Euro

Genre: Extreme Metal, Death Metal, Black Metal, Doom Metal, Thrash Metal, Heavy Metal

Besucher: ca. 10.000 Besucher

Veranstalter: Party San GmbH

Link: https://www.party-san.de/

Autoren des heutigen Tages: Oliver J. und René W.

Bilder: Mario T. und Oliver J.

René W.: Wie jedes Jahr hat man das Gefühl auf dem Party.San, als hätte jemand auf die Fast-Taste gedrückt und als würden die Minuten wie im Schnelldurchlauf verfliegen. Auch die 30. Auflage soll bereits heute Abend Geschichte sein. Bis dahin liegt jedoch noch ein straffes Programm vor uns, was weitere Höhepunkte beinhaltet und viel Platz für persönliche Anekdoten lässt, die bis zur nächsten Auflage im Kopf bleiben.

Gut – Party.San 2026

Erstmals laut in Schlotheim wird es durch die berühmt-berüchtigten Kanonenschläge und das morgendliche Programm im Zelt. Um Punkt 12 Uhr geht es für gut 30 Minuten für Gut auf die Stage. Kurze Titel wie Summoning The Befouled Servants Of The Bizarre dringen mit vielversprechenden Samplern aus der Anlage. Die Stuttgarter Musiker bedienen sich eifrig im Goregrind und Grindcore, was unweigerlich auch im Bühnenoutfit wiederzuerkennen ist. Dass die Truppe schon über 30 Jahre in den Knochen hat, ist kaum zu glauben. Mit am Start ist der Titeltrack der immer noch aktuellen Scheibe Disciples Of Smut. Fleißig wird das Tanzbein geschwungen und die Freitagstradition funktioniert auch wunderbar am Samstag. Mit Spaß in den Backen bilden sich die ersten Pits, während Cripple Bitch und Anal Sushi für die musikalischen Schweinereien sorgen.

Gates Of Ishtar – Party.San 2026

Ebenfalls über 30 Jahre im Geschäft sind die Schweden Gates Of Ishtar, eine dieser bereits in anderen Tagen erwähnten Party.San-Raritäten. Drei Alben haben sie bislang veröffentlicht, alle aus den Neunzigern. Da kommt es schon überraschend, dass für nächstes Jahr neues Material angekündigt wird. Ebenfalls wie das Festival feiert auch das Debütalbum A Bloodred Path 30. Geburtstag und lässt dafür den Titel The Silence erklingen. Männer von Traurigkeit sind die Recken von Gates Of Isgtar nicht. Sichtlich zufrieden ziehen sie ihre Grimassen und können für belebende Pits sorgen. Mittendrin statt nur dabei: When Daylight’s Gone, eine kleine wie feine Wall of Death und viele zufriedene Fans des härteren melodischen Death Metal.

Internal Bleeding – Party.San 2026

Settle All Scores ist das aktuelle Programm der Brutal-Slam-Death-Metal-Band Internal Bleeding aus den USA. Sänger Steve Worley hat direkt Probleme mit dem Mikrofon, juckt ihn nur herzlich wenig und er greift sich direkt ein freies von den Backvocals. Die Growls von Steve sind markant, übernehmen direkt Verantwortung und stehen im Fokus. In Europa haben sie diesen Sommer diverse Shows auf dem Programm und pendeln von Open-Air-Gigs zu kleineren Clubshows hin und her. Auf der asphaltierten Landebahn hämmert Crown Of Insignificance ordentliche Dellen in den Untergrund. Internal Bleeding stehen für ein brachiales Geholze und werden diesem Status ohne Abstriche gerecht. Ruthless Inhumanity oder Falling Down offenbaren früh die zerstörerische Wut der Männer aus Long Island. Humorlos dreschen sie ihr Set ein. Dabei entspringen Tracks wie Anointed In Servitude, der den Kopf massiv ins Rotieren bringt. Die Death-Metal-Fraktion ist aus dem Häuschen und Internal Bleeding liefern ein amtliches Brett.

Hexvessel – Party.San 2026

Oliver J.: Mit Hexvessel betreten nun vier Finnen aus Helsinki die Bühne. Die Jungs haben richtig Bock, das merkt man von der ersten Minute an. Leider ist das Infield relativ leer und auch die Sonne knallt vom Himmel, was dem pianistisch angehauchten Post Black Metal irgendwie etwas Abbruch tut. Nichtsdestotrotz gibt Frontmann Mathew Kvohst McNerney alles, um die Fans mitzureißen, und fordert alle auf „Let‘s sing – your best viking ohhhh ohhhh“. Das Publikum kommt dieser Aufforderung gerne nach. Zwischendurch erzählt er auch noch eine kleine Anekdote. Bevor es Gott oder Mohammed oder einen anderen Propheten gab, haben die Leute für Essen und andere Dinge gesungen. Und darum geht es auch im nächsten Song Older Than The Gods. Insgesamt kommen Hexvessel sehr gediegen daher und mir gefällt die Songauswahl sehr gut. Definitiv eine Band, die ich auf dem Schirm behalten muss!

Acranius – Party.San 2026

Direkt im Anschluss geht es mit Acranius aus Deutschland weiter und Slam / Brutal Death Metal steht auf der Tagesordnung. Die Jungs konnten kurzfristig als Ersatz für Devourment verpflichtet werden und freuen sich unfassbar, am Start sein zu dürfen. Seit kurzem mit am Start ist Jonas Winkler am Bass – wer sich für Holzwerken und Schreinerei interessiert, sollte unbedingt mal auf seinem YouTube-Kanal vorbeischauen – Werbung Ende… Sänger Marcus Jasak hat richtig Laune und weiß die Leute bei Laune zu halten. Sein Rezept gegen die Hitze ist: immer fleißig im Kreis laufen, das gibt gut Luft – und dazu gibt es Kingmaker auf die Ohren. In der Folge füllt sich das Infield immer weiter, was auch die Band bemerkt und noch mal ’nen Gang hochschaltet. Marcus fordert mehr Crowdsurfer und spricht auch einen Fan direkt an: „Du mit dem Hut gehst jetzt nach oben, der Rest an die Tafel zum Diktat – jetzt kommt Baltic Sea Brutality. Und auch einen kleinen Seitenhieb kann er sich nicht verkneifen, denn er fordert einen fetten Applaus für die Veranstalter ein, die das Festival noch nicht an einen amerikanischen Investor verkauft haben. Und dann reißen die Jungs einfach weiter die Bühne ab – wer das nicht feiert, war wohl gerade auf dem Dixi!

In The Woods – Party.San 2026

René W.: Avantgarde Black Metal aus Kristiansand in Form von In The Woods… Die Norweger fahren seit 1992 durch die experimentellen Klanglandschaften. Das aktuelle Album Otra stammt aus dem letzten April und wurde über Prophecy Productions veröffentlicht. Leider sind die Backvocals zu Beginn kaum bis gar nicht hörbar. Auch wenn Sänger Bernt Fjellestad im Fokus steht, ist die Unterstützung im Klangbild ein fehlendes Element. Die sechs Musiker setzten auf eine intakte Balance aus Harmonie und harten Explosionen. Mit 26 Grad auf der Platte sorgen die kalten Elemente für eine willkommene Abkühlung. Gleiches gilt für den leichten Wind. Come Ye Sinners und auch A Misrepresentation Of I bleiben in dem insgesamt ausgewogenen Set im Kopf.

Firespawn – Party.San 2026

Mit Firespawn kommt die Seele von Lars-Göran „L.G.“ Petrov nach Schlotheim. Ein Jubiläum ohne den Geist des Death-Metal-Heroes wäre auch ein unrunder Geburtstag. Der charismatische Sänger ist im März 2021 von uns gegangen und wird nie vergessen werden. So widmen Firespawn ihm nicht nur die Ansagen, sondern auch auf der Bühne wird dem Künstler mit einem großen Backdrop gedacht. Die ultraschwere Aufgabe als Frontmann übernimmt kein anderer als Jörgen Sandström. Den Schweden kennt man von Grave oder auch Entombed. Gesanglich wie menschlich die beste Wahl, die Firespawn wählen konnten. Full Of Hate öffnet früh die emotionale Büchse der Pandora. Mein persönlicher Lieblingstrack Serpent Of The Ocean bekommt ebenfalls Platz. Jörgen macht das richtig gut und die Gänsehaut auf den Unterarmen bestätigt die bewegende Reise. Immer dabei L.G. zwar nicht persönlich, jedoch mit seinem Death-Metal-Verständnis, das kaum ein anderer hat. Für die Besucher endet der Ritt mit Lucifer Has Spoken. Ein Abschluss, der keiner weiteren Worte bedarf.

Groza – Party.San 2026

Mit dem Intro Seele: Inert und Asbest legen Groza den gnadenlos guten Grundstein. Wie schon auf dem aktuellen Langeisen Nadir dürfen auch heute die beiden Kompositionen im Einklang fungieren. Unter den Masken dürfte es kuschelig warm sein. Davon lassen sich die Süddeutschen Protagonisten nicht beeindrucken und ziehen ihre Show kompromisslos durch. Der Atmospheric Post Black Metal lässt keinen Anhänger unberührt. Die Sonne geht unter und die Stimmung steigt. Besser könnte es für die Senkrechtstarter nicht laufen. Groza sind längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine Bereicherung jedes Extreme-Metal-Events. Die Resonanz ist beeindruckend. Vor voller Hütte erklingt Elegance Of Irony. Eine wunderbar kosmisch wie schwere Nummer, die das Herz entzwei reißt. Equal. Silent. Cold. geht diesen Weg weiter. Daffodils sorgt für den Abschluss, mit einer Erinnerung an Mike, bei der sich die Band eine Flasche Wein in die Runde reicht.

Murder Squad – Party.San 2026

Oliver J.: Mit Murder Squad steht nun eine Band auf der Bühne, die seit 1993 mit einigen Unterbrechungen aktiv ist/war und die man guten Gewissens als „All-Star-Band“ bezeichnen kann. Mit am Start sind nämlich Richard Cabeza und Matti Kärki von Dismember, Ulf Cederlund von Entombed und Peter Stjärnvind von Merciless und Funeral Grave. Hier gibt es – wie sollte es auch anders sein? – schwedischen Death Metal auf die Ohren. Der ist extrem groovig und geht gut ab. Leider sind zahlreiche Besucher nach Groza wieder Richtung Campingplatz oder Essensstände unterwegs und so hat sich das Infield deutlich geleert. Songs wie Depravation oder The Probing knallen trotz ihres Alters immer noch gut rein.

Wolfbrigade im Anschluss sind noch mal deutlich rauer. Nun gibt es eine Mischung aus Crust- und Hardcore-Punk. Die Schweden sind ebenfalls, mit Unterbrechungen, seit über 30 Jahren aktiv und ziehen ordentlich einen ab. Musikalisch nicht ganz meine Baustelle, aber das gefüllte Infield und die zahlreichen Fans vor der Bühne zeigen, dass hier wieder ein Volltreffer verpflichtet werden konnte. Und Ways To Die von der 2024er-EP Life Knife Death kracht schon ordentlich rein.

Marduk – Party.San 2026

René W.: Das Finale des Finaltages steht an. Noch zwei Acts stehen auf dem Zettel. Auch die schwedischen Black-Metal-Veteranen Marduk kommen zum Geburtstag nach Thüringen. Die Party.San-Dauerbrenner servieren pechschwarze Ständchen. Mittendrin die immer noch aktuelle Scheibe Memento Mori. Älteres Material katapultiert Daniel „Mortuus“ Rostèn auf die bebenden Bretter. Werwolf und Baptism By Fire dringen wie das heiße Eisen tief in die Knochen. Nach den vielen Jahren können es sich Marduk ohne Probleme erlauben, mit Klassikern zu starten. Davon soll es heute Abend noch mehr geben. Vom Opus-Nocturne-Album dringt Sulphur Souls in die frische Sommernacht. Die Besucher stehen dicht gedrängt vor der Stage und huldigen auch neuem Material. Shovel Beats Sceptre greift diesen Faden auf, der sich durch die Epochen der Band zieht. Vom neusten Werk geht es zurück in frühere Gefilde. Cold Mouth Prayer lässt keine Wünsche offen, das gilt auch für Wartheland und The Hangman Of Prague. Die Stimmung ist am Siedepunkt und das liegt an der starken Performance von Marduk. Du Männer haben Bock, Schlotheim zu zerstören, und nehmen diese Wut mit in die nächsten Dampfhammer. The Blond Beast läutet vorsichtig das Ende ein. Ohne Panzer Division Marduk dürfen die Skandinavier nicht gehen und legen mit Wolves sogar noch einen Song nach.

Hypocrisy – Party.San 2026

Last but not least. Die wieder erstarkten Hypocrisy haben im Frühjahr auf ihrer Tour aufgezeigt, dass man mit der Death-Metal-Lawine aus den Händen von Peter Tägtgren rechnen kann. Der abschließende Headliner-Slot am letzten Festivaltag hebt die Erwartungshaltung noch mal um zwei Stufen hoch. Hypocrisy schaffen es mit den diversen Effekten, nicht nur ihr Konzert auf ein Showlevel zu hieven, sondern bringen auch ein starkes Set zum Tragen. Auch wenn sie nicht dem Old-School-Repertoire angehören, macht They Will Arrive zusammen mit Fire In The Sky richtig Spaß. Was Altes gibt es dennoch auf die Horchlappen. Ganz ohne alte Stücke kann Peter dann doch nicht. In diesem Sommer bekommt Inferior Devoties seinen Platz zwischen Nummern wie Chemical Whore oder auch Children Of The Gray. Die Bühnenästhetik ist auf einem ganz hohen Level. Das Auge isst mit und der fleißige Headbanger wird mit in die Show gezogen. Diese Wow-Effekte beflügeln die ganze Truppe und der Spaß ist auch bei Peter völlig zurückgekehrt. Durch solche visuellen Möglichkeiten kann er seine Geschichten neu erzählen und tut dies lautstark bei Eraser. Fractured Millennium geht auch einfach immer und kommt in der Kulisse voll auf seine Kosten. Das abschließende Duo hört auf die Namen Warpath und Roswell 47. Ohne Roswell 47 geht es einfach nicht mehr und auch wenn man ihn oft hört und sieht, wird man dieses Gassenhauers nicht überdrüssig.