Summer Breeze Open Air 2026 vom 12.08. bis 15.08.2026 in Dinkelsbühl – Samstag

Wie viele Höhepunkte kann ein Tag bitte haben?

Veranstaltung: Summer Breeze Open Air 2026

Ort: Flugfeld des Aeroclub, Flugplatzstr.1, 91550 Dinkelsbühl

Webpräsenz: Website, Facebook, Instagram

Datum: 12.08. – 15.08.2026

Kosten: Festivalticket ab 219 € (Early Bird) und 249,99 € (regulärer Preis) inkl. Camping und Vorverkaufsgebühr, Tageskarten 89,99 €. Parkticket und Frühanreise (Dienstag) kostet extra.

Veranstalter: Silverdust GmbH

Besucher: ca. 50.000 pro Tag

Bands: 200 Stab Wounds, 802, Airbourne, Alcest, Alestorm, Alien Ant Farm, Amorphis, Arch Enemy, Betontod, Bizarrkult, Blackbraid, Blasmusik Illenschwang, Blood Command, Bloodred Hourglass, Brainstorm, Broken By The Scream, Brothers Of Metal, Brymir, Cabal, Castle Rat, Cryptopsy, Cân Bardd, Dartagnan, Das Lumpenpack, Deafheaven, Decapitated, Deicide, Der Weg Einer Freiheit, Deserted Fear, Eisbrecher, Eivør, Erdling, Excrementory Grindfuckers, Filth, Fireborn, Fit For An Autopsy, From Fall To Spring, Fulci, Future Palace, Grand Magus, Green Lung, Groza, Haggefugg, Hatebreed, Heavysaurus, Helloween, Hindarfjäll, Illdisposed, Imminence, In Flames, Inhuman Nature, Inner Space, Kadavar, Kim Dracula, King Nugget Gang, Lamb Of God, Luna Kills, Manntra, Massive Wagons, Miracle Of Sound, Misery Index, Mittel Alta, Municipal Waste, Mushroomhead, Møl, Nanowar Of Steel, Neckbreakker, Northlane, Orbit Culture, Our Promise, Paleface Swiss, Paradise Lost, Parasite Inc., Persecutor, Pridian, Rectal Smegma, Saor, Sanguisugabogg, Saxon, Setyøursails, Skeleton Pit, Skindred, Slomosa, Soen, Soulbound, Soulfly, Speed, Stam1na, Ten56., Terror, Testament, The Butcher Sisters, The Ghost Inside, The Narrator, The Sons Of Huens, Thundermother, Thy Art Is Murder, Trollfest, Unprocessed, Urne, Versengold, Wolves In The Throne Room, Zerre

Abgesagt: Nytt Land

Übersicht – direkt zu unseren ausgewählten Highlights vom Summer Breeze Open Air 2026

Der letzte Tag beginnt und die Sonne will es noch einmal richtig wissen. Als ob sie sich für die Sonnenfinsternis vom Mittwoch revanchieren müsste, feuert sie am Samstag noch einmal besonders gnadenlos vom Himmel. Auf dem Weg zum Infield vertreiben wir uns die Zeit beim Zählen der zahlreichen Rammstein– und Kanonenfieber-Shirts, die hier herumlaufen. Heute halten unter anderem Heavysaurus und Orbit Culture Textilien dagegen.

Main Stage
Ein heavysauriger Doppelschnuffeldino, Summer Breeze 2026, Foto: Desiree V.

Aufgrund der drückenden Mittagshitze entschließen wir uns, noch etwas länger im Schatten unseres Camps zu verweilen und den Klängen von Heavysaurus nur aus der Ferne zu lauschen. Pünktlich zum Startschuss von Parasite Inc. stehen wir jedoch wieder unter der brennenden Sonne und mitten auf dem Battlefield. Nach dem etwas seichteren Sauriermetal wird gleich im Anschluss die härtere Gangart ausgepackt. Parasite Inc. blasen den Besuchern gleich zu Beginn des letzten Tages die Müdigkeit aus den Knochen. Es wird bereits jetzt ordentlich gefeiert und auch der Staub auf dem Festivalgelände ist um diese Zeit noch erträglich. (aw)

Eine gehörige Portion Selbstironie und positiven Blödsinn gibt es dann mit The Sons Of Huens und der laut eigener Aussage „hässlichsten Band des Summer Breeze„. Kopf aus und Party on! Die eigenen Lieder und auch das Klaus-Lage-Cover Tausend Mal Berührt kommen bei den Festivalbesuchern sehr gut an. Ebenso ist das Seitenprojekt der Frankfurter Rapper Mehnersmoos bei den Metalheads erstaunlich bekannt und viele singen die Songs textsicher mit. Der Song Wahnsinn von Wolle Petry beschreibt die vorhaltende Stimmung sehr treffend. Mit der Bontempi-Orgel klingt das alles herrlich billig, Mambo Kurt lässt grüßen. (ow)

Orbit Culture, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Orbit Culture werden schon lange als das nächste ganz große Ding gehandelt – und wer einen Blick auf das berstend volle Infield wirft, begreift sofort, dass diese Band nie wieder früh um 16:10 Uhr spielen wird. Die Schweden dürften der heimliche Headliner des Tages sein. Frontmann Niklas Karlsson ist die pure Freude anzusehen: „I can see a lot of Orbit Culture shirts, that makes me happy!“ Das Lächeln des Sängers wirkt sofort ansteckend. Auch die mehrstufige Bühnendeko zeigt sich Headliner-verdächtig und bietet der Band reichlich Platz zum Posen. Musikalisch beschwören Orbit Culture ein unbezwingbares Ungetüm herauf, und als Karlsson zum Springen auffordert, gleicht das Infield einer tektonischen Apokalypse. Die Schweden fordern den größten Circlepit, den das Summer Breeze je gesehen hat. Ob nachgemessen wurde, bleibt ungewiss, aber sämtliche Augenbrauen schnellen ehrfürchtig nach oben. Bei der abartigen Hitze darf man nun diskutieren, ob die Erfrischung aus dem Wasserschlauch die ersten Reihen am Leben hält oder schlicht die orgiastische Begeisterung für die Band. Die angesichts der Spielzeit viel zu kurze Setlist konzentriert sich auf das aktuelle Album Death Above Life, bedient aber fast alle Schaffensphasen. Die Band bedankt sich herzlich bei der deutschen Crowd, die Orbit Culture bereits feierte, als in der schwedischen Heimat noch niemand etwas von ihnen wissen wollte. Als Karlsson gestikulierend offenbart „I got goosebumps!“, denkt sich vermutlich das gesamte Infield: „Ich auch!“ Eine fette Wall of Death beendet eine phänomenale, extrem kurzweilige Show.

Testament, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Mit Testament steht nun eine Band auf der Bühne, die wohl kaum einer langen Vorstellung bedarf. Schon die ersten Töne machen klar: Hier geht es nicht darum, irgendeine Thrash-Metal-Nostalgie zu bedienen. Die Urgesteine zeigen eindrucksvoll, dass diese Musik auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch brutal, energiegeladen und verdammt lebendig klingen kann. Sympathisch wie eh und je betreten die Musiker die Bühne und legen los. Präzise Riffs, treibende Drums und eine Energie, die sofort vom ersten Ton an ins Publikum überspringt. Die lange Geschichte der Band ist dabei allgegenwärtig, aber sie wirkt keineswegs wie ein Rückblick auf vergangene Zeiten. Testament stehen im Hier und Jetzt und machen deutlich, warum ihr Sound bis heute funktioniert. Ganz besonders ziehen die beiden Gitarristen Eric Peterson und Alex Skolnick die Blicke auf sich. Was da an den Instrumenten passiert, ist schlicht Wahnsinn. Die Finger fliegen über die Griffbretter, Soli werden mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Präzision herausgehauen und trotzdem bleibt immer dieses Gefühl von Kontrolle. Es ist nicht einfach nur schnell, es ist technisch beeindruckend und gleichzeitig voller Druck. Immer wieder ertappt man sich dabei, eher auf die Gitarren zu schauen, als eigentlich noch auf die Bühne insgesamt zu achten. Genau darin liegt eine der großen Stärken von Testament! Da ist diese raue, aggressive Energie, die Thrash Metal ausmacht. Die Riffs kommen messerscharf, die Songs treiben nach vorne und irgendwo zwischen Headbangen, Mitgrölen und staunendem Zuschauen wird schnell klar, dass diese Band noch immer richtig Bock auf das hat, was sie tut. Aggressiv, präzise, sympathisch und mit einer Energie, die auch nach all den Jahren die Nackenmuskulatur an ihre Grenzen bringt. (aw)

Alestorm, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Eine gigantische Party wird bei Alestorm auf der Main Stage gefeiert. Neu für mich im Programm ist die riesige Ente, die direkt zu Beginn von der Bühne aus im Publikum surfen geht. Die Schotten waren schon mehrfach zu Besuch in Dinkelsbühl und es ist auch dieses Mal eine Heidenfreude, sich von den Songs des spaßigen Piratenschiffs mitreißen zu lassen. Bei Zombies Ate My Pirateship nutzt ein Gast die Chance und macht seiner Freundin einen Heiratsantrag, der natürlich prompt über die Screens übertragen wird. Vielleicht nicht unbedingt der beste Song für so eine Frage. Die Stimmung kocht und es gehen mehrere Polonaisen durch die Menge, sogar an der Stelle, an der wir uns aufgebaut haben, zwischen den beiden Wellenbrechern und den FOH-Kabinen. Die Ente vom Anfang ist inzwischen zu einem gigantischen gelben Sack mutiert, aber zum Glück haben die Piraten Ersatzenten dabei und so kann schon bald eine weitere Ente ihre Reise auf dem Meer aus Händen beginnen. (ow)

Helloween, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Für mich startet mit dem Headliner des Abschlusstages mein persönliches Highlight. Zum einen habe ich vor inzwischen ca. 27–28 Jahren mit der Musik der Kürbisköpfe angefangen, Metal zu hören, und zum anderen ist es für mich das erste Mal, die Legenden meiner Jugend auf einem Festival live zu sehen. Helloween starten ihr Set mit einer grandiosen Lasershow, bei welcher der im Zentrum ruhende Kürbis von den von den Soundtürmen ausgehenden Laserklingen zerteilt wird. Im Anschluss fliegt die Kamera durch einen Canyon und passiert alle Alben der Power-Metal-Legenden, die in den 40 Jahren ihrer Schaffenszeit entstanden sind. Der erste Song ist dann mit March Of Time gleich ein passender Start in das im Anschluss vom Oathkeeper angekündigte Best-of zum 40-jährigen Bestehen der Pumpkins. Die LED-& Lasershow generell ist beeindruckend und wirkt ultrarealistisch und plastisch. Perfekt auf das Licht abgestimmt. Die Kürbisköpfe spielen neben alten Klassikern natürlich auch einige neue Songs, wie das aktuelle This Is Tokio bei dem passend zum auf dem Screen fallenden Regen auch auf dem Summer Breeze die ersten Regentropfen seit Monaten fallen. Der kurze Schauer ist uns nach der langen Dürre durchaus willkommen. Als dann Michael Kiske und Andi Deris allein mit einer Akustikgitarre gemeinsam Yesterday und Let It Be von den Beatles anspielen, singen 50.000 Metalheads lauthals mit. Die Lagerfeuerromantik wird durch die Ballade, welche für mich eines der ersten Lieder war, die mich mit Heavy Metal in Berührung brachten, fortgeführt – In The Middle Of A Heartbeat. Das Balladen-Medley gipfelt dann im grandiosen A Tale That Wasn’t Right. Was für eine wundervolle Stimmung! Ich könnte diesen ruhigen Tönen ewig zuhören. Zum abschließenden Teil des Sets kündigt der Oathkeeper dann die wahren Perlen der Pumpkins an und es folgt direkt das 15‑Minuten-Stück Halloween, ein pures Gitarrengewitter. Das zweistündige Set neigt sich inzwischen langsam dem Ende zu, aber bei Eagle Fly Free und Dr. Stein werden noch mal sämtliche verbliebenen Energien aus den Besuchern herausgekitzelt und auch die bekannten Kürbisballons kommen nun zum Einsatz. Damit endet für mich persönlich ein grandioses Festival mit einem grandiosen Erlebnis – meiner Helloween-Festival-Premiere. Ich persönlich kann mir keinen besseren Abschluss vorstellen.

Thy Art Is Murder, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Es geht aber noch mehr, denn noch hat sich die Main Stage nicht fürs nächste Jahr verabschiedet. Wer noch Ausdauer hat, kann sich nun endgültig austoben. Seit einigen Monaten ist das australische Deathcore-Monster Thy Art Is Murder mal wieder mit neuem Sänger unterwegs. Jerry Grimefeld heißt der Frontmann und er scheint selbst zu wissen, dass das vielleicht noch nicht überall (gut) angekommen ist. „Who The Fuck Is Jerry Grimefeld?“ steht selbstironisch auf seinem T‑Shirt. Wenn das nicht genug ist, um sich seinen Namen zu merken: Der Mann hat ein wahrhaft höllisches Organ, wie es für Thy Art Is Murder angebracht ist. Also gibt es kurz vor Festivalabschluss noch einmal richtig brutal auf die Fresse und die feierbereite Meute denkt gar nicht daran, das Tempo herauszunehmen. So gleißend die Pyro, so brutal der Sound, so ausgelassen die Stimmung. Beim Hassbatzen Death Squad Anthem dann plötzlich Stille: Ein medizinischer Notfall zwingt die Band – sie reagiert umgehend – dazu, ihr Set für ungefähr zehn Minuten zu unterbrechen. Besorgte Gesichter vor und auf der Bühne (Webberichten zufolge soll es der betroffenen Person gut gehen). Als die Band ihr Set wieder aufgreift, bleibt zunächst ein merkwürdiges Gefühl zurück. Doch Thy Art Is Murder sitzen nicht nur Blastbeats, sondern auch der Schalk im Nacken, und rasch ist die Stimmung wieder am Siedepunkt. Was für ein Geballer!

T-Stage

Hatten wir schon erwähnt, dass wir es wirklich schön finden, dass die T-Stage eine Treppe hat, mit der Bands leichter zu den Fans im Publikum kommen?

Bloodred Hourglass, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Bereits zum dritten Mal bespielen Bloodred Hourglass das Summer Breeze und haben sowohl reichlich Spiellaune als auch eine ordentliche Fangemeinde vor der Bühne im Gepäck. Die finnische Melodic-Death-Metal-Band konzentriert sich bei der Setlist vor allem auf ihr aktuelles Album We Should Be Buried Like This und kann sich über reichlich Zuspruch freuen. Überall recken die Fans Fäuste und Horns gen Himmel, es gibt laute „Hey! Hey! Hey!“-Sprechchöre, und wenn ein Intro mal einen Ticken zu lang läuft, nutzt die Band die Zeit, um das Publikum anzufeuern. Frontmann Jaredi Koukonen klettert irgendwann an die Absperrung, um fleißig Hände abzuklatschen, während die Saitenfraktion auf der Bühne mit heftigstem Windmilling posiert. Die Grabenschlampen sorgen beim hitzigen Treiben im Pit per Wasserschlauch für die dringend nötige Abkühlung – mal wieder Respekt an alle Pitpiraten, das ist mehr als ansehnlich. Die Wasserkanonen an den Seitenrändern der Bühne werden derweil zu anbetungswürdigen Heiligtümern erklärt, während andere Festivalgäste improvisieren und eine Tüte voller Eiswürfel als Kopfbedeckung tragen. Zum Ende des Konzerts bekommen die Grabenschlampen dank einer wahren Surferschwemme noch einmal richtig viel zu tun, bevor eine letzte Wall of Death einen Auftritt beendet, der eine sichtbar glückliche Band zurücklässt. Bloodred Hourglass lächeln zufrieden, verbeugen sich und schicken Herzgesten in die Menge. Auch das Publikum wirkt happy – selbst wenn der eine oder andere Fan über die Songs diskutiert: „Ich mag die neuen Sachen ja nicht so…

Thundermother, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Thundermother rocken am späten Nachmittag die T-Stage. Die Musikerinnen aus Schweden sorgen für ordentlich fliegende Haare und ich habe es jetzt nach Jahren endlich einmal geschafft, die Truppe um Fillipa Nässil live zu sehen. Die Gitarristin und ihre Bassistin Majsan Lindberg geben sich ganz fannah, als sie in den Graben steigen und Rock- und Metal-Klassiker wie The Trooper anspielen. Mit Driving In Style bringen die Mädels ihren Gig dann stilvoll zu Ende. Für mich hat es sich definitiv gelohnt, unsere Redakteurin Alex war nicht so begeistert. Mit ordentlichem Rock kann man mich aber einfach immer begeistern.

Kurz vor dem Konzert von Soulfly werden Konzertgeschichten ausgetauscht. Viele hier haben Max Cavaleras zum Quasi-Familienprojekt gewachsene Band schon länger nicht mehr gesehen und freuen sich mit Wonne auf den Auftritt. Vor Jahrzehnten habe ich bei einem Soulfly-Konzert vermutlich einen der aberwitzigsten Moshpits erlebt, in dem ich je herumgeflogen bin. Soulfly sind sicher nicht die härteste Band, doch die Pits haben ihren Ruf. Ob ich mit meinem Rücken nach fast vier Tagen noch einmal in den Pit gehe? Nee, lass mal besser. Dann stehen Max – er sieht richtig fit aus und ist top gelaunt – und Kollegen auf der Bühne, der erste Track: Back To The Primitive. Der Name ist Programm und es zieht mich in den Pit, der sich rasch in eine ständig wabernde Eruption verwandelt. Gleichzeitig verabschiedet sich mein Anspruch auf journalistische Berichterstattung und die Lieder ziehen ohnehin wie ein Medley an mir vorbei. Überall klatschen die Fans und singen mit, es gibt lautstarke Soulfly-Sprechchöre (am Ende singen sie „Soulfly auf die Main Stage! Soulfly auf die Main Stage!“) und sie feiern jede Aktion – wie etwa eine Einlage an den Percussions. Zahlreiche Zuschauende bangen sich bei der an Klassikern reichen Setlist – nur zwei Lieder vom aktuellen Album Chama – mal locker gefühlte 20 Jahre von der Schulter und grinsen wie ein Quokka. Vor einer Wall of Death legt mir jemand die Hand auf die Schulter und sagt: „Pass auf dich auf!“ Ich habe kaum Zeit, mir zu überlegen, ob das einfach freundschaftliche Worte einer kurzen Pit-Bromance sind – oder ob mir die Gesichtszüge beim Blick in die kollisionshungrige Meute gegenüber entgleisen. Oder weil ich nach fast vier Tagen doch ziemlich fertig bin, mich zwar 20 Jahre jünger fühle und gefühlt 20 Kilo ausgeschwitzt habe, die Bandscheiben am Ende aber doch gewinnen werden und den Körper in eine neugeborene Giraffe verwandeln, die wackelig auf den Beinen wippt. Und dann verschwinden sämtliche Gedanken schlagartig, als mein Körper in der Wall of Death auf die Körper von all den anderen Bekloppten prallt. Wunderbar. Im Gewimmel finde ich meine Partnerin wieder. Wir landen irgendwann im Gequetsche vor der Absperrung und werden Teil einer einzigen springenden Masse. „You guys are the shit“, sagt Cavalera und bedankt sich beim Summer Breeze und den Fans. „What a great day of metal here today. This is the biggest tribe in the fucking universe“, und legt ein „Are you ready to rage?“ nach, um Bleed anzukündigen. Okay, Richie Cavalera ist nicht Fred Durst, doch die Cavalera’sche Interpretation der Rappassagen kommt in diesem Moment stimmig ruppig daher. Schon wieder rasten alle aus. Und Soulfly haben zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Jumpdafuckup – beim Hinsetz- und Aufstehspiel ist kaum Platz für alle – und Eye For An Eye gespielt. Nach dem Konzert müssen sich einige erst einmal gründlich ausruhen („Ich hab solche Kopfschmerzen, ich muss mich kurz abstützen“), andere schreien sich vor Freude die Seele aus dem Leib, weil sie eine Setlist ergattert haben. In der Menge wird heftig diskutiert, ob das bisher der krasseste Pit des Festivals war. Ist völlig egal – es war auf jeden Fall … was für die Seele. Aber echt nix für den Rücken.

Mächtig was los beim wie immer hochgradig energiegeladenen Auftritt der Schweizer Paleface Swiss, die trotz kompromissloser Härte irgendwie auch immer was fürs Herz sind. Wenn die Band nicht irre drauflosdrischt, singen die Fans mit geschlossenen Augen mit oder verlieren die letzten Schweißtropfen beim Abgehen oder angesichts der Pyro. Frontmann Marc Zellweger hat das Publikum jederzeit fest im Griff und animiert die Fans unentwegt zum Mitmachen. Crowdsurfer:innen purzeln übereinander, der Pit ist ’ne Stuntshow und das Set drückt, drückt, drückt. Paleface Swiss sind, von den Publikumsreaktionen zu urteilen, ebenfalls ein heißer Kandidat für den heimlichen Headliner.

Soen, Summer Breeze 2026, Foto: Alex. W.

Wie Orbit Culture gastierten ihre schwedischen Landsmänner von Soen 2023 zum letzten Mal beim Summer Breeze. Während Thy Art Is Murder die Main Stage auseinandernehmen, geht es bei Soen geruhsamer zu. Und das nicht, weil das Konzert mit leichter Verzögerung beginnt. Die Schweden präsentieren progressiven Alternative Rock zum Dahinschmelzen, Runterkommen oder – wenn man sich einige Besuchende anschaut – zum Einschlummern. Das ist nicht als Kritik gemeint. Das Publikum stimmt verträumt und ergriffen in die Lieder ein, die Sänger Joel Ekelöf gefühlsbeladen in die Nacht schickt. Die Atmosphäre leidet höchstens ein wenig unter dem herüberschallenden Geballer von Thy Art Is Murder. Denn krasser könnte ein Kontrast kaum sein.

Tool Rebel Stage

Die Tool Rebel Stage ist mit ihrem Dach Zufluchtsort für alle Schattensuchenden und dürfte daher auch manchen Bands immer wieder Zufallspublikum bescheren. Win-win. So ist das vielleicht auch bei den Thrashern Skeleton Pit aus Aalen, die bereits zum vierten Mal das Summer Breeze beehren. Und während das einige Fans mit viel Freude anerkennend goutieren, wirken einige Personen im Publikum eher müde. Aber hey, wer versteht das nicht? An Skeleton Pit liegt es definitiv nicht. Hier gibt’s keinen Schnickschnack, einfach nur Geknüppel auf die Fresse. Kann man absolut so machen.

Auf dem Weg zur T-Stage kommt man unwillkürlich an der Tool Rebel Stage vorbei. Der dort stattfindende Soundcheck lässt uns jedoch innehalten: „Hey, das klingt ja ziemlich cool, lass mal anschauen!“, sag ich zu meinem Kumpel. Die dort aufspielende Truppe nennt sich Wucan und kommt aus Dresden. Das Quartett überrascht uns mit seinem Psychedelic Rock, der stark an Jethro Tull oder Kansas erinnert. Sängerin Francis Tobilsky singt nicht nur unglaublich gut, sondern spielt auch noch Querflöte, Gitarre und Theremin – wie krass. Ich dachte, die gäbe es nur noch in Museen zu bestaunen. (ow)

Weiter geht es mit der Deathcore-Institution Cabal. Einerseits ist es bitter, dass die Dänen heute nur 30 Minuten Spielzeit mitbringen. Da die wenigsten Songs aber überhaupt an der Vier-Minuten-Marke kratzen, können Cabal ordentlich Material in ihre Show packen. Die ist so fett wie eine mit Butter bestrichene Pizza, belegt mit einem Doppel-Cheeseburger, der in einen Döner eingerollt ist. Die Menge wirkt anfangs etwas müde, doch Frontmann Andreas Bjulver weckt alle zärtlich mit einem garstigen „Open this shit up!“. Das wirkt: Umgehend explodiert das Publikum und lässt massive Staubwolken aus dem Pit aufsteigen. Bjulvers Zähne blitzen weiß durch den Staub – auf der Bühne geht es nicht weniger krass ab als davor. Das geht hier als Workout durch! Ähnlich wie die Kollegen von ten56. am Vortag bitten auch Cabal bei einem „Girls-Only-Moshpit“ zum Tanz, was die zahlreichen weiblichen Fans umgehend in Anspruch nehmen. Absolut unreal, was hier abgeht! Apropos Kollegen: Sten Govers von Sun Eater schaut auf der Bühne vorbei und grunzt mit Bjulver um die Wette. Dabei witzelt der Cabal-Frontmann über Erkältungsbeschwerden, die seiner Stimme zu schaffen machen. Gemerkt hat man davon allerdings nichts. Wenn man überhaupt etwas aussetzen wollte, dann höchstens Ansagen wie „For the next song, I want you to end someone“. Die anschließende Wall of Death scheint das jedenfalls fast wörtlich zu nehmen. War. Das. Irre!

Campsite Circus Stage

Plume aus München besetzen zwischen Electronic Rock, vertrackten Gitarren und poppigen Synths eine spannende Nische. Dazu Glam-Rock-inspiriertes Styling und ambitionierte Texte – und schon steht ein interessanter Newcomer auf der Campsite, der eigentlich gar nicht mehr so neu ist. Anfangs ist zugegeben wenig los, schließlich gehören zeitgleich Kadavar, Orbit Culture und Municipal Waste zur Konkurrenz. Dann füllt es sich jedoch schlagartig vor der Bühne. Bereits umfangreich ausgeprägt ist auf jeden Fall die Attitüde von Frontmann Pascal Pashaee, der stimmlich breit aufgestellt ist und auch ein gut abgeschmecktes „Blegh“ beherrscht. „Eure Ärsche gehören mir!“, macht er dem Publikum klar, dass er Action will. Als ein geforderter Circlepit nicht sofort losrennt, gibt es ein freches „Circlepit, seid ihr taub?“ hinterher. Statt eines Live-Basses hat die Band Keyboard und Soundboard beim Auftritt dabei und verlässt sich für die atmosphärische Instrumentierung nicht völlig auf Backtracks. Pashaee gibt sich reichlich Mühe, dem Publikum eine Show zu bieten. Er steigt zur Absperrung hinab – am Ende wird er mitten in der Menge stehen – und nutzt den Auftritt auch für klare Stellungnahmen: „Kein Platz für rechte Scheiße!“ Wem das Konzert bis hierhin noch nicht angenehm war – auch der starke Einsatz von Drummer Richard Kilian ertrommelt reichlich Sympathiepunkte – ist spätestens jetzt eingenommen. Die Band ist mittlerweile bei Arising Empire untergekommen. Das Album Saferooms & Healing Frequencies ist für den 25. September 2026 angekündigt.

Ihr wollt noch mehr Bilder vom Summer Breeze Open Air 2026 sehen? Kein Problem, die gibt es hier.

Die Festivaltickets für das Summer Breeze Open Air 202z sind bereits vollständig ausverkauft. Nur wenige Tage nach dem diesjährigen Verkaufsstart konnte das Festival erstmals bereits Anfang September offiziell „Sold Out“ melden. Die folgenden Bands sind bereits bestätigt:

Summer Breeze Legends & Orchestra, Electric Callboy, Edguy, Saltatio Mortis, Children Of Bodom, HammerFall, Halestorm, Wind Rose, Lord Of The Lost, Eluveitie, H-Blockx, Swiss + Die Andern, Clawfinger, Kataklysm, Mono Inc., Warkings, Dark Funeral, Gloryhammer, Finntroll, Atreyu, Shadow Of Intent, Emil Bulls, Equilibrium, John Bush – Celebrating The Songs Of Anthrax 1993–2003, Carnifex, The Browning, Gaerea, Long Distance Calling, Make Them Suffer, Mittel Alta, Any Given Day, Gutalax, Blue Medusa, Insomnium, Combichrist, Peeling Flesh, Anaal Nathrakh, Fleshgod Apocalypse, Primal Fear, Nasty, Burning Witches, Kupfergold, End Of Green, Wolfheart, Legion Of The Damned, Ellende, Angelus Apatrida, Abbie Falls, Samurai Pizza Cats, Necrotted, Left To Suffer, Evil Invaders, Hiraes, Lavina, Asenblut, Accvsed, Spitting Glass, Ahab, Sunborn, The Night Eternal, Defiance HC, Regarde Les Hommes Tomber und Capacopter.

Beteiligte Mitarbeitende
  • Christian Daumann (Texte)
  • Alexandra Wahl, aw (Bilder, Text)
  • Oliver Wahl, ow (Bilder, Text)