Darf man Anthrax noch mit der Post versenden? Ich hoffe schon, ansonsten müsste man zum Musik-Dealer des Vertrauens pilgern, denn die Big-Four-Band, die bereits seit 1981 aktiv ist, hat es mal wieder getan. Sie hat neue musikalische Ergüsse erschaffen und will diese jetzt mit uns teilen. Das ist ja mal nett. Die Band haute 2026 schon eine EP heraus und diese wurde auch Zeit, denn das letzte Album der Band namens For All Kings ist schon zehn Jahre her. Okay, man hat dazwischen vier Livealben rausgebracht, aber eben nicht wirklich was Neues. Einige Singleauskopplungen sind aber auch erfolgt. Nun also Album Nummer dreizehn namens Cursum Perficio.
Nach dem windigen und bedrohlichen Intro namens Persistence Of Memory legt man dann mit The Long Goodbye richtig los. Quasi der erste Song nach zehn Jahren, zumindest auf einem Full Length. Langsam und schredderig startet man ins Rennen. Ich hätte mir da gleich ein wenig mehr Gummi gewünscht, aber es ist so schön, die Stimme von Belladonna zu hören. Ein melodischer Part ist das Highlight des Songs. Dieser ist richtig geil und setzt sich fest. Das Ganze ist ziemlich groovy und catchy, aber nicht thrashig. Man geht weiter den eher hymnischen Weg und nicht den dreschigen der alten Tage. Man erhöht das Tempo kurzfristig, baut nach einem Break einen abgehackten Part mit ein und kombiniert diesen mit einem coolen und langen Solo und auch das Riffing ist echt gut. Gutes Material, am Ende schreddern sie ein wenig mehr und erhöhen geringfügig das Tempo, um dann schon beinahe melancholisch und ruhig abzudanken.
Hab ich wirklich auf ein neues State Of Euphoria gehofft. Ja, aber natürlich nicht dran geglaubt. Von Metallica kann man ja auch kein weiteres Master Of Puppets erhoffen. Es ist eben so und das ist auch gut so. Also muss man seine musikalischen Gedanken neu einordnen und anders zuhören.
It’s For The Kids kam ja im Vorfeld schon als Single heraus und geht ganz gut ins Ohr. Groovig und dreschend geht man zu Werke. Anthrax haben ja noch nie den Hau-drauf-Thrash-Metal gezockt und so soll es ja auch bleiben. Der Song geht auch gut ins Ohr. Man legt eben viel Wert auf die Refrain-Momente und diese sind eben gut. Das können sie sehr gut. Der Song ist auch ein Stück aggressiver und hat einen druckvollen Stakkato-Part. Und wenn die Stimme von Belladonna sich dazugesellt, ist die Welt doch in Ordnung. Das Solo wird dann auch recht thrashig vorgetragen und geht gut ab. Musikalisch ist das natürlich alles allererste Sahne, gar keine Frage. Auch das Songwriting haben die Burschen nicht verlernt und sie schlachten die Parts zum Glück auch nicht endlos aus. Ein guter Song für die zweite Phase von Anthrax, wie ich es immer so sage.
Anthrax habe ich eigentlich seit 1990, also seit der Persistence Of Time, nicht mehr so richtig wahrgenommen. Klar, live immer geil und zuverlässig und teilweise die Beste der Top‑4-Bands, aber die Veröffentlichungen seit der Sound Of White Noise (1993) fand ich nicht mehr so geil. Ist aber natürlich ein subjektives Problem. Musikalisch kann man den Genossen nichts vorwerfen und es ist schon bewundernswert, dass vier der fünf Mitglieder sich seit 1984 kennen. Lediglich Gitarrist Jonathan Donais ist erst seit 2013 dabei.
Auch Everybody’s Got A Plan verfolgt dann eher den melodischen Weg und das natürlich nicht schlecht. Dieses geht zu Lasten der Härte, wie ich finde. Aber die Parts sind so richtig cool, klingen aber mehr nach Amorted Saint, als nach Anthrax der alten Tage. Das Grooven haben sie immer noch drauf, gar keine Frage und auch hier ist das Solo wieder einmal Weltklasse. Im langsamen Rhythmus kämpft man sich durch das Programm. Die Riffs sitzen und der Song, so wie das ganze Album, hat eine gewisse Dynamik, die absolut fruchtet. Am Ende noch ein wenig Stakkato und dann ist auch schon Feierabend.
Solche Stakkato-Attacken wie Watch It Go gibt es natürlich auch. Der Song geht zwar sechs Minuten, ist aber irgendwie von Anfang an auf Ärger aus und geht absolut in die Magengegend und schockt. Nichts Besonderes eigentlich, aber ich finde den recht geil. Sitzt und wühlt und arbeitet auch mit den geilen Backing-Vocals. Okay, diese haben sie natürlich die ganze Zeit dabei. Dieser groovige Mittelteil ist recht heavy. Geilomat.
Und ein Song wie NYC 93 erinnert an die glorreichen I’m The Man Zeiten. So mag ich das. Danke für diese Reise.
Der Weg ist aber ein anderer und besonders nachvollziehbar ist dieser bei dem Song The Edge Of Perfection. Schon diese tragende und langsame Melodie zu Beginn ist ihr verdammtes Geld wert und auf einmal explodiert das Ganze in einem Ungewitter. Schnelles Riffing und fixe Drums. Kurze Zeit später geht man dann wieder über in melodisches Riffing, aber recht düster, schon fast black-metallisch. Geiler Anfang. Langsam und heavy arbeitet man dann weiter, liefert einen Weltklasse-Refrainpart ab, steigert nachher noch einmal das Tempo und wechselt dann in einen sehr geilen Clean-Part über. Wer hätte gedacht, dass ich das mal geil finde, aber es ist eben so. Und dann ein kongeniales Solo. Ein großartiger Song, hymnisch, hart und dynamisch. Noch einmal der Refrainpart mit Weiterentwicklung und dann ein härteres Ende. Nach sieben Minuten ist der schönste Teil des Albums dann vorbei. Die Gesangsleistung von Belladonna ist nur geil. Für mich der beste Song auf dem Album.
Hier geht es für weitere Informationen zu Anthrax – Cursum Perficio in unserem Time For Metal Release-Kalender



