Carnation – Symphony In Flesh

16.10.2026 – Death Metal – Eigenproduktion – 43:14 Minuten

Die Belgier von Carnation sind schon lange keine Unbekannten mehr im weltweiten Death-Metal-Underground. Die Burschen lärmen bereits seit 2013 herum und haben ihren Stil immer ein wenig verändert und weiterentwickelt. Zwei EPs, zwei Splits (eine mit Bodyfarm) und drei Alben pflastern ihren Weg, mit welchen sie selber aber nicht mehr ganz so zufrieden waren, und so änderte man einiges. Das vierte und aktuelle Album namens Symphony In Flesh wurde in Eigenregie herausgebracht, das alte Logo wurde verwendet und man besinnt sich auf die Wurzeln. Man darf gespannt sein.

Blackmouth knallt dann auch gleich voller Energie und HM2‑geschwängert und fegt dynamisch über einen hinweg. Ein Orkan, der nicht zu stoppen ist, wenn die Belgier nicht immer wieder kleine Verschleppungen mit einbauen würden. Das macht schon einmal Spaß. Und ja, wer hier etwas Neues oder Experimentelles erwartet, liegt natürlich total falsch. Die Band ist nun einmal zurück zu ihren Wurzeln gegangen und diese sind im oldschooligen Sektor, welcher naturgemäß schon ziemlich ausgeschlachtet ist. Mir absolut schnuppe, denn der Opener knallt 1A aus den Boxen und gefällt mir auch nach dreimaligem Hören immer noch ziemlich gut. Hier geht es direkt auf die Zwölf und immer wieder werden kleine schwedische Melo-Death-Akzente gesetzt, die eben passen und das ganze Vorhaben pushen ohne Ende. Dieser atmosphärische Moment nach drei Minuten hat es in sich. Mit langsamem Riffing und groovigem, aber aggressivem Tempo geht es dann weiter und dann ist Feierabend. Ja, schockt. Wie gesagt, jetzt definitiv etwas Außergewöhnliches, aber ein sehr geiler Start. Der Song wird live absolut funktionieren und zum Glück gibt es da draußen ja noch immer genug Anhänger dieser Musikrichtung.

Wie schon erwähnt, besinnen sich die Burschen auf ihre Anfänge und dies hat auch zur Folge, dass der Klargesang, der auf dem letzten Album, sofern sich meine beiden Gehirnzellen noch richtig erinnern, zu hören war, nicht mehr verwendet wird. Man kann da ja von halten, was man möchte, aber ich bin davon kein Fan.

Aggressive Uftata, ein Uargh und ab geht die Post. Wildes Riffing und volle Attacke. Die Gitarre heult langsam auf und weiter im drückenden und aggressiven Midtempo, bis man dann das Tempo reduziert und die Gitarre wieder aufheult und ein wenig psychedelisch klingt. Das mag auch am Sound liegen, der nicht ganz so transparent klingt, wie bei anderen HM2-Alben, kommt aber definitiv wuchtig um die Ecke. Flesh-Eating Frenzy ist ein kurzes Intermezzo und hat einen gewissen Entombed-Flair. Ehe man sich versieht, ist der Spaß auch schon vorbei.

Wie gesagt, der Sound ist nicht ganz so eindeutig. Hier und da fällt mal etwas weg. Das kann aber auch an meinen Ohren liegen, da bin ich mir nicht ganz sicher. Die Gitarren verwenden das Boss-Pedal und erzeugen dadurch eine Wand zusammen mit den Drums, und wenn dann eben Hall und Reverb eingesetzt werden, verläuft es sich manchmal. Das ist aber jetzt Jammern auf hohem Niveau. Zu hören ist alles und es ist genügend Druck vorhanden.

Der Namensgeber des Albums, Symphony In Flesh, ist dann wie so oft der beste Song auf dem Album, wie ich finde, und steht auch absolut stellvertretend für alle anderen Songs bzw. für den Stil und die Richtung, für die die Band anno 2026 steht, und selbstverständlich bin ich damit völlig einverstanden. Ist ja wohl klar. Ein Melo-Death-Anfang leitet das Teil ein. Schön bedrohlich, und dann startet man durch. Langsames, teilweise melodisches Riffing und im langsamen Midtempo wird es immer weiter auf die Spitze getrieben. Langsames Headbangen ist angesagt. Stakkato-Riffing dazu, aber alles im gediegenen Tempobereich. Der dunkle und growlige Gesang dazu und eben diese melodischen und atmosphärischen Gitarrenparts erzeugen ein Gefühl von bedrohlicher Melancholie. Ein kongeniales Solo wird hinzugefügt und weiter geht die Reise und dann ist auch schon wieder Feierabend. Man kann nicht sagen, dass die Burschen ihre Parts ausschlachten und die Songs unnötig in die Länge ziehen. Finde ich gut.

Über allem schwebt irgendwie eine dunkle Wolke der drückenden Zerstörung. Das hat auch viel mit der Gesangsleistung zu tun. Diese längeren Growls bei Kingdom Of Dreams schocken absolut und der spätere atmosphärische Part ebenfalls. Ansonsten fliegt der Song aber etwas an mir vorbei.

Ist aber eher die Ausnahme, denn Songs wie z. B. Labyrinth Of Silence mit dem romantisierten und cleanen Intro, welches dann am Anfang weiter mit eingebunden wird, das zermürbende Riffing mit Zerstörungsfaktor und das Stakkato-Gezupfe erzeugen bei mir ein Grinsen im Gesicht.

Manchmal ist eben ein Schritt zurück doch der bessere Weg. Schönes Ding!

Hier geht es für weitere Informationen zu Carnation – Symphony In Flesh in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Carnation – Symphony In Flesh
Fazit zu Symphony In Flesh
Die Belgier von Carnation sind mit altem Logo zurück, machen alles in Eigenregie und sind zurück zu den Anfängen ihres Schaffens gegangen. Das vierte Album kommt dementsprechend mit einem HM2-Sound und verbindet Melodeath schwedischer Natur mit oldschooligem Death Metal. Da wird auch einmal geblastet oder düster gegroovt. Trotz des limitierten Musikspielraums zeigt man sich abwechslungsreich. Bretterparts und atmosphärische Passagen passen gut zusammen. Dieses führt zu einem guten Songwriting. Die Idee, die alten Werte wieder ans Tageslicht zu holen, war eine gute Idee. Death Metal, der Spaß macht!

Anspieltipps: Blackmouth und Symphony In Flesh
Michael E.
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