Ecca Vandal - München 2026

Ecca Vandal am 05.09.2026 im Feierwerk in München

Zwischen allen Musikgenres – von Punk bis Hip-Hop und zurück

Headliner: Ecca Vandal

Vorband: Freddy Forbidden

Ort: Hansa 39 im Feierwerk, München

Datum: 05.09.2026

Genre: Punk, HipHop, Alternative Rock, Elektro

Besucher: ca. 500 Besucher (ausverkauft)

Ecca Vandal – München 2026

Ecca Vandal endlich auf Solotour in kleinen Clubs. Nachdem die junge Ausnahmekünstlerin mit australischen und südafrikanischen Wurzeln bereits im Vorprogramm von Limp Bizkit unterwegs war und 2026 sogar die Deftones in Australien begleitet hat – was schon für sich spricht –, ist sie nun erstmals auf eigener Tour unterwegs. Klein, aber fein. Und offenbar auch so interessant, dass extra Leute aus Köln für dieses Konzert nach München anreisen. Das Hansa 39 im Feierwerk ist an diesem Samstag komplett ausverkauft. Rund 500 Leute sind gekommen. Fotos sind nicht gestattet.

Hansa 39 im Feierwerk – München 2026

Als Support ist Freddy Forbidden dabei, ein Künstler aus London, der sich ähnlich wenig um Genregrenzen zu kümmern scheint wie Ecca Vandal. Seine Musik bewegt sich irgendwo zwischen Punk, Hip-Hop, Alternative Rock, Pop und elektronischen Elementen – eine ziemlich wilde Mischung, die live vor allem eines ist: energiegeladen. Freddy steht dabei nicht mit einer kompletten Band auf der Bühne. Hinter ihm bedient eine Frau den Laptop, über den Beats und weitere musikalische Elemente laufen, während Freddy selbst vor der Bühne praktisch alles gibt. Musikalisch erinnert mich das teilweise an eine Mischung aus The Prodigy, Punk-Rap und elektronischem Alternative Rock. Die Frau hinter dem Laptop kommt immer wieder nach vorne, um einerseits mit einem kleinen Camcorder zu filmen, andererseits aber auch mitzutanzen. Überhaupt wirkt die ganze Show angenehm unperfekt und sehr unmittelbar. Freddys Texte sind persönlich und gesellschaftlich aufgeladen, ohne dass er daraus eine große politische Show macht. Er kommt aus London, und viele seiner Songs kreisen um Alltag, Gesellschaft, Identität und die Welt, in der er lebt. Er schafft es tatsächlich, das Publikum ordentlich anzuheizen. Es sieht außerdem so aus, als würden einige der Zuschauer ihn bereits kennen – spätestens beim Mitsingen einzelner Songs wird das deutlich.

Und dann: Ecca Vandal

Das Publikum an diesem Abend ist sowieso bunt gemischt. Von Sinister über Linkin Park bis zum Clash-T-Shirt ist alles vertreten. Auffällig ist allerdings der hohe Frauenanteil im Publikum – bei Eccas sehr eigener, kompromissloser Mischung aus Selbstbestimmung, weiblicher Perspektive, Rotz und „Fuck off, ich mache mein Ding“-Attitüde vielleicht auch nicht wirklich verwunderlich. Ab dem ersten Ton ist eigentlich ein riesiges Getobe vor der Bühne. Alle singen mit und natürlich startet Ecca auch mit ihren punkigeren Songs, was die Stimmung sofort extrem hochtreibt. Als sie bei ihrem dritten Song Bleed But Never Die, der sich mit Menstruation und weiblicher Stärke beschäftigt, eskaliert die Sache dann endgültig. Ecca holt gefühlt die ersten drei Reihen der Frauen vor der Bühne zu sich auf die Bühne – und innerhalb von Sekunden wird dort getanzt, gesprungen und komplett durchgedreht. Ecca mittendrin. Spätestens jetzt ist klar: Das hier ist nicht einfach nur ein Konzert, das ist eine einzige große Party. Ecca, die nicht nur einen extravaganten Kleidungsstil, sondern auch einen sehr individuellen Tanzstil pflegt, hat das Publikum mehr als im Griff. Man muss nur ihre Videos anschauen, um einen Einblick davon zu bekommen. Nach den ersten drei Songs beruhigt sich alles etwas. Sie spielt jetzt eher ihre Hip-Hop-lastigeren Stücke, was die Stimmung zwar etwas herunterfährt, sie aber keineswegs kippen lässt.

Man muss dazu sagen, dass die ganze Musik extrem schlagzeuggetrieben ist und der Drummer wirklich extrem draufhaut. Was natürlich einen Monsterdruck erzeugt und die ganze Band und natürlich auch das Publikum zusätzlich antreibt. Dann ist da noch Richie „Kidnot“ Buxton. Der Musiker und Produzent arbeitet seit Jahren mit Ecca zusammen und war auch maßgeblich an der Produktion ihres neuen Albums Looking For People To Unfollow beteiligt. Das Album entstand größtenteils gemeinsam in seinem Kinderzimmer-Studio in Melbourne – bewusst abseits von Internet, Industrie und dem ganzen Social-Media-Zirkus. Live sind sie nur zu dritt. Und Kidnot wechselt je nach Song zwischen Bass und Gitarre. Dadurch wirkt das Ganze erstaunlich kompakt – aber eben auch unglaublich druckvoll. Es war zuvor schon extrem warm, jetzt ist es nur noch eine Sauna. Dann legt Ecca natürlich noch einen drauf. Nach ungefähr drei Vierteln des Sets wird die Schraube wieder angezogen und im wahrsten Sinne des Wortes geht der Punk ab. Auch jetzt wieder: Man kann eigentlich nicht stillstehen. Die Songs ziehen die Menge regelrecht mit, und gefühlt dreht der ganze Saal komplett durch, und das zu Recht. Ich war schon lange nicht mehr auf einem Konzert, das so unglaublich Spaß gemacht hat. Es war zwar ein relativ kurzes Set, dafür aber extrem intensiv. Hier kann man wirklich alles knallen lassen. Ecca Vandal ist dabei schwer in eine Schublade zu stecken. Punk, Hip-Hop, Jazz, Elektronik, Soul und Rock fließen ineinander, ohne dass es nach einem bemühten Genremix klingt. Genau das macht ihre Musik und vor allem ihre Liveshow so interessant. Wer Ecca Vandal noch nicht kennt und auf Punk, Hip-Hop, Crossover und ungewöhnliche Genremischungen steht, dem sei sie wärmstens empfohlen. Ich bin sicher: Das ist erst der Auftakt zu einer größeren Karriere, die wir hier gerade erleben konnten.