Fearless V am 12.09.2026 in der Heilandskirche, Hamburg

Willkommen in der Metal Kirche

Event: Nacht der Kirchen, Hamburg

Bands: Fearless V, Tri State Corner, Last Turion

Ort: Heilandskirche Hamburg, Winterhuder Weg 132, 22085 Hamburg

Datum: 12.09.2026

Kosten: kostenlos

Zuschauer: ca. 300 Menschen

Genre: Progressive Rock, Bouzouki Rock, Hard Rock, Melodic Metal, Power Metal

Link: https://ndkh.de/

Was ist denn eine Metal-Kirche? Dass es akustische Konzerte in Hamburgs Kirchen gibt, ist von der Kulturkirche in Altona bekannt. Im Rahmen der Nacht Der Kirchen veranstalten die Organisatoren in einer Kirche eine Mischung aus Information, Talk und Musik. 2026 ist diese Veranstaltung in der Heilandskirche in Winterhude. Das klingt zunächst komisch und schräg, ist aber eine durchaus angenehme Angelegenheit. 2025 spielten Wucan auf der Nacht Der Kirchen. Das war aber nicht kompatibel mit einem Festival in der Markthalle.

Impressionen – Heilandskirche, Hamburg – 2026

Ursprünglich waren Rage für den Abend angekündigt. Die Agentur Lucky Bob ist mit der Orga beauftragt und es hätte den dreifachen Lucky gegeben. Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos war und ist Drummer bei Last Turion, Sänger bei Tri State Corner und Drummer bei Rage. Leider ist Sänger und Bassist Peavy Wagner mit dem Rücken außer Gefecht, sodass mit Fearless V eine andere Band heute das Finale bestreitet, doch dazu später mehr. Es gibt aber noch eine weitere Besonderheit: Der Eintritt ist frei.

Den Abend eröffnet Sabina Classen, die von Holy Moses und Temple Of The Absurd bekannt sein dürfte. Heute singt Classen nicht. Es geht um eine Verbindung zwischen Metal und Hospiz, zwischen der rauen Musik und den Leuten, die in die Kirche kommen, aber nichts mit der Metalszene zu tun haben.

Um es vorwegzunehmen: Die Redebeiträge sind zu langatmig, als dass die anwesenden Metalheads daran Spaß gefunden hätten. Die Leute von Metality, die ehrenamtlich als Begleitung von Menschen mit Einschränkungen unterwegs sind, finden zu den Themen eher Zugang. Die sonstigen Metalheads sind draußen beim Grill oder schnacken mit einem Kaltgetränk. Umbaupausen sind normal und stören keinen. Vielleicht wäre etwas mehr Bezug zur metallischen Szene eine Idee. Gerald „Preacher“ Warnecke ist Pfarrer im Ruhestand und hilft bestimmt gerne, wenn er nicht gerade mit Preacher’s Purgatory auf dem Headbangers Open Air 40 Jahre Under Jolly Roger zelebriert.

Der doppelte Lucky

Last Turion – Heilandskirche, Hamburg – 2026

Zurück zur Metal-Kirche 2026, bei der Last Turion den Opener-Slot übernehmen. Die Band hat zwei Scheiben veröffentlicht. Die bekanntere Platte dürfte Circle Logic sein, die 1991 in den Plattenläden stand. Auf der Seduction Overdose aus dem Jahr 1996 ist ein blutjunger Drummer am Werk. Lucky ist noch keine 18, spielt aber in einer progressiven Rockband und nimmt eine LP auf. Diese LP liefern die Herren in genau der damaligen Besetzung heute auf der Bühne in Winterhude.

Es ist progressiver Rock, der an Marillion erinnert und nur bedingt zum Headbangen geeignet ist. Aber gerade die instrumentalen Parts passen gut in die Kirche und das noch sitzende Publikum lauscht den Klängen, bei denen auch ein Keyboard mit im Einsatz ist. Der Auftakt ist mehr als gelungen und dürfte vor allem Menschen mit dem Hang zu komplexeren Songstrukturen Freude bereiten. Wie es mit Last Turion genau weitergeht, ist noch nicht im Detail klar. Aber weitere Konzerte sollen folgen.

Tri State Corner – Heilandskirche, Hamburg – 2026

Der zweite Act ist Bouzouki Rock von Tri State Corner, womit es für Fans von eher eingängiger Rockmusik Futter auf die Ohren gibt. Mittlerweile stehen die Metalheads wie gewohnt vor der Bühne, auch wenn die Bühne sehr flach ist und somit der Sänger – im Fall Tri State Corner ist es Lucky – fast im Publikum steht und die Songs zelebriert. Der große Hit der Truppe ist der Abschluss. Sooner Or Later, früher oder später, ist auch ein Konzert von Tri State Corner zu Ende, auch wenn die Fans zu der bekannten Nummer vor der Bühne tanzen.

Fearless V sind heute ein Quartett

Es folgt erneut ein Themenbeitrag, während die Metalheads unter anderem mit Alex Beyrodt und Tom Naumann draußen schnacken. Damit sind wir auch beim Schlusspunkt der diesjährigen Metal-Kirche. Fearless V sind heute die „Fearless IV“, da Bassist Alex Jansen gerade bei U.D.O. aushilft und den verletzten Peter Baltes ersetzt, der sich von einem Bühnensturz und gebrochenen Rippen in Bayern erholt. Das Material der Truppe ist unbekannt und neu, das Quartett auf der Bühne aber nicht. Michael Ehré an den Drums, Alex Beyrodt und Tom Naumann an den Gitarren und Jan Manenti von The Unity am Gesang. Da Drummer Michael Ehré sowohl bei The Unity als auch bei Primal Fear aktiv war bzw. ist, passt die abgenutzte Bezeichnung Supergroup zu Fearless V nicht ganz, aber hochkarätige Musiker gibt es zu erleben.

Fearless V – Heilandskirche, Hamburg – 2026

Allen voran geht Sänger Manenti auf Tuchfühlung mit dem Publikum und sorgt für entsprechende Atmosphäre. Musikalisch sind Fearless V irgendwo ein Mix aus der Vergangenheit der Musiker plus die Rainbow-Gitarre von Alex Beyrodt, wobei auch mal ein ordentlicher Hard-Rocker mit im Programm ist. Fearless V sind kein Abklatsch oder eine Kopie von Primal Fear. Das kurze Set hinterlässt eher den Eindruck, dass die Truppe ihre unterschiedlichen Vorlieben und Wurzeln in das Programm der Band einbringt. Die neue Platte kommt im Februar 2027. Vorab konnten wir mit Drummer Michael Ehré ein Interview führen, bei dem es bestimmt auch Neuigkeiten zu Gamma Ray gibt. Weitere Details demnächst bei Time For Metal.

Gegen 22:30 Uhr leert sich das Gelände der Heilandskirche und die Metalheads machen sich auf den Heimweg oder in Richtung Kiez. Was bleibt als Fazit? Eine spannende Veranstaltung, die für Metalheads aber vor allem bei den Redebeiträgen noch Luft nach oben hat. Musikalisch ist es eine Geschmacksfrage und die Akustik in der Kirche ist eine andere als in einem Club wie dem Logo oder der Markthalle. Wir kommen 2027 gerne wieder.