Headliner: The Dresden Dolls
Vorband: Agnes Verano
Ort: Szene, Wien und Arena, Wien
Datum: 31.08. und 01.09.2026
Genre: Punk Cabaret, Singer/Songwriter, Piano, Harfe
Besucher: Szene: ca. 500, Arena: ca. 2300
Veranstalter: Barracuda Music
Link: https://www.barracudamusic.at/
Die Dresden Dolls sind wieder da. Nach 25 Jahren Punk Cabaret hätte das wohl nicht jeder mehr erwartet. Wer damals die Kultplatte Yes, Virgina… gehört hat, weiß, wovon ich spreche. Für alle anderen: Die Dresden Dolls sind ein Duo aus New York, bestehend aus Amanda Palmer und Brian Viglione – und eine Band, die sich eigentlich nie wirklich in eine Schublade stecken ließ. Amanda Palmer ist eine Vollblutkünstlerin. Sie begann als Straßenkünstlerin, bevor sie mit den Dresden Dolls bekannt wurde und anschließend eine Solokarriere startete, zahlreiche Kunstprojekte verwirklichte und auf Tour immer wieder ungewöhnliche Wege ging. Sie war und ist eine Meisterin darin, sich eine eigene Fanbase aufzubauen und direkt mit ihrem Publikum zu kommunizieren. Brian Viglione ist ebenfalls kein Unbekannter. Ein begnadeter Schlagzeuger und Musiker, der unter anderem mit Bands und Künstlern wie World/Inferno Friendship Society und den Violent Femmes gearbeitet hat.

Die Musik der Dresden Dolls, stark beeinflusst von Kurt Weill und Bertolt Brecht, hat damals voll eingeschlagen. Kabarett, Punk, Theater und eine ordentliche Portion Wahnsinn – und mittendrin Amanda am Piano und Brian am Schlagzeug. Allerdings lagen die Rechte an den ursprünglich bei Roadrunner Records veröffentlichten Alben lange Zeit nicht bei den beiden. Nach dem Ablauf des 20-jährigen Vertrags mit dem Label bekamen die Dresden Dolls nun die Möglichkeit zurück, diese Alben neu aufzunehmen – und damit wieder selbst über ihre Musik zu verfügen. Die Ankündigung kam dabei fast genau 20 Jahre nach der Veröffentlichung des ursprünglichen Albums und bekam dadurch noch einmal eine besondere Bedeutung. Auslöser für die ganze Entwicklung war unter anderem der enorme Erfolg ihres wohl bekanntesten Songs My Alcoholic Friends, der inzwischen rund eine Million Streams auf Spotify erreicht hat – definitiv ein Anspieltipp. Die zurückgewonnenen Rechte gaben Palmer und Viglione schließlich auch den entscheidenden Impuls, die Dresden Dolls wieder zusammenzubringen. Was relativ einfach ist, wenn man nur zu zweit ist. Die Songs wurden live neu eingespielt und teilweise verändert. Eine Tailor’s Version der alten Platten – frei nach Taylor Swift (wer hätte gedacht, dass diese Person einmal überhaupt auf Time For Metal erwähnt wird …) und ihrem Kampf um die Rechte an ihren eigenen Aufnahmen. Und genau das ist auch etwas, das Amanda immer wieder für andere Künstler fordert: dass Musiker die Kontrolle über ihre eigene Kunst behalten.
Die Fanbase der Dresden Dolls war schon immer bunt, wild und irgendwo zwischen Punk, Kabarett und Zirkus angesiedelt. Passend zur Musik. Nur darf man das „Punk“ bei der Bezeichnung nicht vergessen. Und das ist wirklich Punk – angefangen bei den Texten bis hin zur Musik. Amanda kann am Piano unglaublich zarte Töne anschlagen, aber genauso gut ordentlich darauf herumhämmern. Brian sorgt am Schlagzeug dafür, dass daraus eine gewaltige Wand wird. Und jetzt sind sie wieder da. Eine kleine, aber ziemlich breite Tour. Wien und Berlin sind die nächsten Stationen. Berlin ist bereits ausverkauft, deshalb Wien. Gleichzeitig ist Wien der Tourauftakt. Eigentlich beginnt die Geschichte für mich schon einen Tag vor dem offiziellen Konzert.
Szene Wien – erst einmal ganz intim

Der 30. August – ein heißer Sommersonntag in Wien. Die Dresden Dolls spielen am Karlsplatz ein kostenloses Konzert auf Spendenbasis für theopenmusicproject, eine Organisation, die Menschen Zugang zu Musik ermöglichen möchte, die sich diesen sonst nicht leisten könnten. Leider konnte ich selbst nicht dabei sein. Die Bilder und Berichte sprechen allerdings eine deutliche Sprache: Laut Wiener Presse Hunderte von Leuten, ein kurzes, aber fantastisches Konzert und die Spendensumme war das Höchste, was die Organisation bei einer Veranstaltung je eingenommen hat. 4000,– Euro.
Ich komme am Montag in Wien an. Immer noch heiß. Immer noch Sommer. Immer noch nicht beim offiziellen Konzert, denn das findet erst am nächsten Tag statt. Aber weil dieses bereits ausverkauft ist, haben sich die Dresden Dolls spontan beziehungsweise zusätzlich dazu entschieden, noch ein weiteres, deutlich intimeres Konzert in der Szene Wien zu spielen. Natürlich ist auch das sofort ausverkauft, aber hier habe ich es noch reingeschafft.
Ankunft in Wien am frühen Mittag, ab ins Hostel, kurz ausruhen und irgendwann in Richtung Szene, vorher natürlich ein klassisches Würstel auf den Weg. Die Szene Wien ist ein kleiner, ziemlich cooler Schuppen. Drinnen gibt es einen Biergarten und im Sommer auch eine Bühne im Freien. Genau der richtige Ort für das, was heute passieren soll. Ungefähr 500 Leute haben sich hier heute Abend versammelt. Eröffnet wird der Abend von Agnes Verano. Eine lokale Künstlerin, die mit großer Harfe und Piano das Publikum vom ersten Ton an in ihren Bann zieht. Ihre Musik ist sehr intim und fragil, gleichzeitig liegt etwas Zauberhaftes darin. Die Harfe lässt die ohnehin warme Sommernacht noch ein wenig unwirklicher erscheinen, während ihre Stimme zwischen zarten, sphärischen Momenten und deutlich erkennbaren Singer-Songwriter-Einflüssen schwebt. Teils auf Deutsch, teils auf Englisch gesungen, entsteht eine ganz eigene, kleine Welt, in die man für einen Moment einfach eintauchen kann. Nach einem relativ kurzen Set macht Agnes die Bühne frei. Kurze Zeit später kommen die Dresden Dolls.

Dann wird es noch unwirklicher. Lieder, die man vor vielleicht zwanzig Jahren ständig gehört hat, die irgendwann aus dem eigenen Alltag verschwunden sind, dann Jahre später wieder aufgetaucht sind und irgendwann wieder verschwunden waren. Jetzt stehen Amanda Palmer und Brian Viglione tatsächlich vor einem auf der Bühne und spielen genau diese Songs wieder. Nach all den Jahren. Die Dresden Dolls waren zwar nie wirklich weg, aber man wusste eben auch nie, ob es sie irgendwann noch einmal geben würde. Nun sind sie wieder da. Und es ist großartig. Es scheint allen ausnahmslos zu gefallen. Und mindestens genauso gebannt wie bei der Musik hängt das Publikum an Amandas Lippen, sobald sie zwischen den Songs zu erzählen beginnt. Sie spricht über die Songs, über vergangene Erlebnisse, über die Band und immer wieder auch über ganz persönliche Dinge. Dabei ist sie nicht einfach nur die Sängerin, die zwischen zwei Stücken ein paar Worte ins Publikum richtet. Amanda erzählt Geschichten, macht Witze, erklärt Zusammenhänge und nimmt sich immer wieder die Zeit, mit dem Publikum zu kommunizieren. Dazu kommt ihr hervorragendes Deutsch, das den ohnehin sehr persönlichen Charakter ihrer Ansagen noch verstärkt. Kein Wunder, hat sie doch ein Germanistikstudium und lebte einige Zeit in Deutschland. Man könnte ihr wahrscheinlich noch eine ganze Weile zuhören, ohne dass überhaupt ein Song gespielt wird. Und genau das gehört bei den Dresden Dolls genauso zur Show wie das wilde Spiel von Brian am Schlagzeug und Amandas wuchtiges Piano. Für Delilah und Sing kommt Agnes Verano wieder auf die Bühne und begleitet die Dresden Dolls an der Harfe. Gerade bei diesen beiden ohnehin sehr gefühlvollen und ruhigen Songs fügt sich die Harfe wunderbar in den Klang ein und verleiht ihnen noch einmal eine besondere, schwebende Atmosphäre. Amanda erzählt dazu, dass sie diese Songs bereits mit vielen verschiedenen Musikern und den unterschiedlichsten Instrumenten gespielt haben. Aber wenn plötzlich eine Harfe dieser Größe in dein Leben tritt, dann musst du eben etwas damit machen. Also wird die Harfe kurzerhand Teil der Dresden-Dolls-Welt – und Agnes damit für diese beiden Songs ein Teil der Show. Es scheint allen ausnahmslos zu gefallen. Auch ich gehe sehr zufrieden aus dem Konzert. Es ist ein schöner Abend, die Dolls liefern genau das, was man sich von ihnen erwartet hat, und gerade in dieser kleinen, intimen Atmosphäre funktioniert das Ganze hervorragend. Als ich danach noch mit anderen Leuten spreche, bestätigt sich eigentlich nur mein Eindruck: Begeisterung auf ganzer Linie. Nach ein paar Bier im Biergarten wird es irgendwann Zeit, sich langsam auf den Heimweg zu machen. In Wien scheint unter der Woche allerdings alles relativ früh zu schließen, also geht es schließlich im Regen – endlich ein bisschen Abkühlung nach diesen heißen Tagen – zurück Richtung Hostel. Während ich so durch das nächtliche Wien zurücklaufe, ist da vor allem ein Gedanke: Wenn das schon in dieser kleinen Halle so besonders war, wie wird das erst morgen vor Tausenden Leuten in der Arena?
Die Arena – heute ist endlich der Tag

Das offizielle, ausverkaufte Konzert der Dresden Dolls in der Arena Wien. Tourauftakt. Immer noch Sommer, immer noch warm. Die Location könnte eigentlich kaum besser passen. Die Arena Wien liegt im 3. Bezirk und ist nicht einfach irgendein Veranstaltungsort. Was heute wie ein alternatives Konzertgelände mit Bars, Foodtrucks, Graffiti und Open-Air-Bühne wirkt, hat eine Geschichte, die tief in der Wiener Subkultur verwurzelt ist. 1976 besetzten junge Aktivisten den damaligen Auslandsschlachthof St. Marx. Es ging um einen Raum für Jugend-, Alternativ- und Gegenkultur – zu einer Zeit, in der es in Wien kaum dauerhaft nutzbare Orte für diese Szene gab. Mehr als 200.000 Menschen sollen das Gelände während der Besetzung besucht haben. Auch bekannte Künstler hatten dies damals unterstützt und spielten dann Auftritte auf dem Gelände, unter anderem Leonard Cohen. Die Bewegung wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt der österreichischen Alternativkultur. Der ursprüngliche Schlachthof wurde allerdings noch im selben Jahr abgerissen. Nach Protesten und Verhandlungen wurde den Arenauten schließlich 1977 das Gelände des benachbarten Inlandsschlachthofs überlassen – und genau dort befindet sich die heutige Arena. Das merkt man dem Gelände bis heute an. Die alten Ziegelgebäude stehen noch immer da. Diese etwas improvisierte, selbstverwaltete Atmosphäre gehört genauso zum Bild wie die große Open-Air-Bühne. Es fühlt sich weniger nach einer klassischen Konzertlocation an als nach einem Stück gewachsener Subkultur. Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Dresden Dolls hier so gut hineinpassen. Punk, Kunst, Theater, Gegenkultur und ein Publikum, das sich nicht sonderlich dafür interessiert, ob etwas gerade „angesagt“ ist. Die Arena versteht sich bis heute als selbstverwaltetes alternatives Kulturzentrum und ist vor allem für Rock-, Punk- und Metal-Konzerte, aber auch für zahlreiche andere kulturelle Veranstaltungen bekannt. Das Open-Air-Gelände fasst offiziell bis zu 3.000 Menschen. Heute sind es ungefähr 2.300. Und alle scheinen bester Laune zu sein. Auch hier findet man wieder das komplette Dresden-Dolls-Publikum: Metalfans, Hipster, scheinbar ganz normale Leute, ältere Fans, jüngere Fans, geschnittene Haare, Irokesenschnitte, Harlekins und Personen, die aus einem Zirkus stammen (was stimmt! Gruß an Daniel und Tanja) und Leute, bei denen man einfach keine Ahnung hat, wie sie überhaupt hier gelandet sind. Genau so muss es sein.

Mit Einbruch der Dunkelheit betritt Agnes Verano die Bühne. Vor dieser Menschenmenge wirkt ihr Auftritt natürlich noch einmal anders als am Vorabend. Wieder wird es erstaunlich still, obwohl sich inzwischen tausende Menschen vor der Bühne versammelt haben. Ihre Musik bleibt fragil und sehr intim, aber Agnes selbst wirkt dabei keineswegs zerbrechlich. Sie steht da, erzählt zwischen den Songs von ihren Reisen und Erlebnissen und vor allem von ihrer Zeit in Irland, von der sie sichtlich viel mitgenommen hat. Man merkt, dass sie sich dort sehr wohlgefühlt und irgendwie ein Stück von sich selbst gefunden hat. Vielleicht steckt genau davon auch etwas in ihrer Musik. Diese ruhigen, sphärischen Momente, die große Harfe, die Melodien und diese leicht keltisch-irische Färbung, die immer wieder durchscheint, ohne dass daraus klassische irische Musik wird. Vor einer so großen Menge bekommt das Ganze noch einmal eine ganz andere Wirkung. Und trotzdem bleibt Agnes bei sich und ihrer Musik. Das Set ist diesmal etwas länger als am Vorabend, was bei dieser besonderen Atmosphäre durchaus schön ist. Man könnte ihr und dieser Musik noch eine ganze Weile zuhören. Dann eine etwas längere Pause. Und schließlich kommen die Dresden Dolls.
Dresden Dolls – endlich wieder live

Dann wird es Zeit für die Dresden Dolls. Wer den Abend am Vorabend in der Szene erlebt hat, erkennt einiges wieder. Die Setlist ist größtenteils dieselbe, auch manche Ansagen von Amanda kennt man bereits. Aber heute ist die Situation eine völlig andere. Statt der kleinen, intimen Halle stehen nun rund 2.300 Menschen vor der Bühne – und die warten offensichtlich schon ziemlich lange auf genau diesen Moment. Als die Dresden Dolls loslegen, ist die Stimmung sofort da. Das Publikum kennt die Songs, kennt die Band und weiß bei vielem schon, was als Nächstes kommt. Trotzdem verliert das Set nichts von seiner Energie. Im Gegenteil: Die Begeisterung zieht sich durch die gesamte Menge, und man merkt schnell, dass hier eigentlich niemand enttäuscht nach Hause gehen wird. Die Dolls wüten sich durch das Set und bauen immer wieder kleine Überraschungen und Nuancen ein. Brian wechselt beispielsweise vom Schlagzeug zur akustischen Gitarre, während Amanda beim Jacques-Brel-Song Amsterdam ihr Piano verlässt und kurzerhand eine Sektflasche über dem Publikum entleert. Natürlich darf auch bei den Dresden Dolls Die Dreigroschenoper nicht fehlen. Seeräuber Jenny wird hier gegeben. Natürlich auf Deutsch – selbstverständlich. Überhaupt gehören verschiedene Coverversionen fest zum Set. Vieles davon kennen die Fans bereits aus dem Internet oder von früheren Auftritten. Man weiß also bei einigen Songs schon ziemlich genau, was als Nächstes kommt. Aber das scheint hier niemanden zu stören. Im Gegenteil: Es wird mitgesungen, mitgefeiert und bei den ersten Takten erkennt man bereits die freudigen Reaktionen aus dem Publikum. Auch Eisbär von Grauzone ist wieder dabei. Der alte NDW-Klassiker wirkt in diesem Rahmen plötzlich gar nicht mehr wie ein Fremdkörper. Amanda holt den Song aus seiner ursprünglichen Zeit heraus und erzählt ihn aus einer heutigen Perspektive neu. Ein Stück Musik, das inzwischen fast vierzig Jahre auf dem Buckel hat, bekommt dadurch plötzlich wieder eine gewisse Aktualität. Dann gibt es auch einen neuen Song. Und der überrascht mich. Er ist erstaunlich soft und eingängig, bleibt sofort hängen und macht vor allem eines: Lust darauf, dass die Dresden Dolls endlich wieder mehr neue Musik veröffentlichen. Denn eigentlich will man nach diesem Abend genau das. Mehr. Es wird auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass beide von ihrer Kunst und ihrer Musik leben. Tickets, CDs, Vinyl, T-Shirts – all das hilft dabei, ihre Arbeit und die nächsten Projekte zu finanzieren. Und vielleicht ist das heute wichtiger denn je. Es steht eben nicht mehr das große Label hinter ihnen, das alles bezahlt und dafür am Ende die Rechte besitzt. Dann kommt Delilah. Wieder stößt Agnes Verano mit ihrer Harfe dazu. Ihr Instrument legt sich sanft über die Melancholie des Songs. Danach natürlich Sing. Agnes und die Harfe bleiben. Und das gesamte Publikum singt mit. Yes, Virgina… wird praktisch komplett durchgespielt. Wobei die Dresden Dolls natürlich noch eine Platte davor hatten, auf der sich ebenfalls einige ihrer bekanntesten Songs befinden. Also gibt es als Zugabe natürlich noch Girl Anachronism und Coin-Operated Boy. Es wird ganz ruhig. Hurt. Amanda alleine am Piano. Eine tiefe, ruhige und unglaubliche emotionale Version.

Es gibt diese legendäre Wien-Episode mit Nine Inch Nails: Die Dresden Dolls waren damals als Vorband dabei und haben den Abend offenbar komplett gerockt. Laut den Leuten, mit denen ich an diesem Abend gesprochen habe und die damals selbst dabei waren, sind die Dresden Dolls auf der Bühne völlig eskaliert und haben das Publikum regelrecht abgeräumt. Danach kamen Nine Inch Nails – und konnten an diesem Abend wohl nicht mehr wirklich an das anknüpfen, was die Dolls vorher veranstaltet hatten. Die Stimmung soll entsprechend ziemlich eindeutig gewesen sein: Die Vorband hatte den Hauptact an diesem Abend ziemlich alt aussehen lassen. Amanda erzählt auch heute noch von diesem Abend und spielt ein wenig darauf an. Wenn man den Erzählungen der Leute Glauben schenkt, ist das offenbar eine dieser Dresden Dolls-Geschichten, die in Wien bis heute nicht vergessen wurde. Aber daran denkt gerade eigentlich niemand … Alle lassen einfach die Intensität dieses Moments über sich ergehen. Und fühlen mit. Und dann ist es vorbei. Nach dem Konzert machen sich 2.300 glückliche Menschen auf den Heimweg durch die Arena. Nicht alle gehen sofort. Amanda hat versprochen, noch zu signieren. Links neben der Bühne bildet sich bereits eine ziemlich lange Schlange. Ich bleibe noch ein bisschen, rede mit neu gewonnenen Bekanntschaften und lasse den Abend langsam auslaufen. Irgendwann geht es dann mit der letzten Bahn zurück ins Zentrum. Ich bin ehrlich gesagt einfach froh, dass ich dabei war. Die Dresden Dolls nach all den Jahren noch einmal live zu sehen, war schon etwas Besonderes. Aber vielleicht passt es auch einfach zu dieser Band, dass sie ausgerechnet hier zurückkommen. In eine Arena, die selbst aus Protest, Subkultur und dem Wunsch entstanden ist, einen Raum für Musik, Kunst und Menschen zu schaffen, die anders sein wollen. Punk Cabaret in einem ehemaligen Schlachthof. Eigentlich könnte man sich für die Dresden Dolls kaum einen passenderen Ort wünschen. Ich schätze mich glücklich, sie live gesehen zu haben.

















