Das Interview mit der Band Mother Of Millions –„Verletzlichkeit ist der Anfang jeder Verbindung“

Authentizität statt Antworten: Mother Of Millions sprechen über Verlust, kreative Freiheit und die Welten hinter ihrer Musik

Band: Mother Of Millions

Herkunft: Athen, Griechenland

Genre: Progressive Metal, Progressive Rock

Link: https://www.motherofmillionsband.com

Bandmitglieder:

Gesang – George Prokopiou
Gitarre – Kostas Konstantinidi
Bassgitarre – Panos Priftis
Schlagzeug – Hector.d

Mother Of Millions gehören zu den spannendsten Vertretern des modernen Progressive Metal. Vor ihrem Auftritt auf Zypern sprach ich mit der Band über Verlust, cineastische Klangwelten, emotionale Ehrlichkeit – und warum ihre Musik niemals als Flucht vor der Realität gedacht ist.

(Kurz nach dem Konzert im Savino haben Mother Of Millions über Social Media verkünden lassen, dass der bisherige Schlagzeuger George Boukaouris aus der Band ausstieg, da sich die beruflichen Prioritäten zunehmend unterschieden. Der Schlagzeugpart wurde von ihrem Produzenten Hector.d übernommen, welcher schon seit einiger Zeit hinter den Drums sitzt.)

Time For Metal / Marcel Parviz:
Euer Weg als Band war nicht immer einfach. 2019 habt ihr euren Keyboarder während einer Liveshow verloren. Wie sehr hat euch dieses Ereignis verändert?

Mother Of Millions:
Sehr. Natürlich verändert dich so etwas für immer. Danach war für uns aber schnell klar, dass wir keinen Ersatz suchen wollten. Nicht nur aus Respekt vor Makis, sondern auch, weil es sich für uns einfach nicht richtig angefühlt hätte. Wir wollten als Quartett weitermachen.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Der Name Mother Of Millions klingt mysteriös. Was steckt dahinter?

Mother Of Millions:
Der Name kommt von einer Pflanze, die sich extrem schnell verbreitet und ganze Flächen überwuchern kann. Uns gefiel aber vor allem die Idee dahinter: Wenn eine Idee stark genug ist, breitet sie sich genauso aus – manchmal so stark, dass sie sogar toxisch für bestehende Systeme werden kann.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Eure Musik wirkt oft eher wie ein Film oder eine Reise als wie klassische Songs. Denkt ihr beim Schreiben eher in Geschichten oder in Emotionen?

Mother Of Millions:
Wahrscheinlich eher in Bildern. Wir versuchen mit unserer Musik Welten zu erschaffen. Jedes Album hat eine eigene Atmosphäre, ein eigenes Universum, in das wir während des Schreibprozesses eintauchen. Deshalb beschreiben wir unsere Musik oft selbst als cineastisch.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Gleichzeitig wirken eure Songs sehr emotional und persönlich. Sind die Texte im Laufe der Jahre persönlicher geworden?

Mother Of Millions:
Vielleicht authentischer. Wir versuchen immer ehrlich zu sein – zu uns selbst und zu den Menschen, die unsere Musik hören. Natürlich verändern sich die Texte mit dem eigenen Leben und damit, wie man die Welt wahrnimmt. Das passiert ganz organisch.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Trotzdem lasst ihr viel Interpretationsspielraum.

Mother Of Millions:
Ja, absolut. Wir wollen nicht alles exakt vorgeben. Die Menschen sollen ihre eigenen Emotionen und Bilder in die Songs hineinlegen können. Wenn jemand einen Text ganz anders versteht als ursprünglich gedacht, ist das völlig okay. Genau das macht Musik interessant.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Live entsteht bei euren Konzerten oft eine fast sakrale Atmosphäre. Manche Momente wirken komplett still, fast wie in einer Kirche.

Mother Of Millions:
Das spüren wir auch. Manche Abende entwickeln einfach eine besondere Energie. Es gibt Shows, bei denen man die Atmosphäre wirklich „mit einem Messer schneiden“ könnte. Das passiert aber nicht geplant – es entsteht zwischen uns und dem Publikum.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Seht ihr euch auf der Bühne manchmal eher als „Regisseure“ eines Abends?

Mother Of Millions:
Nicht direkt. Wir versuchen nicht, das Publikum zu kontrollieren oder zu lenken. Wir sind eher Teil derselben Erfahrung. Es ist ein gegenseitiger Austausch von Energie und Emotionen.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Eure Musik bewegt sich oft zwischen Dunkelheit und Hoffnung. Welche Seite zieht euch mehr an?

Mother Of Millions:
Beide gehören zum Leben. Wir verdrängen die dunklen Seiten nicht, aber wir versuchen trotzdem immer irgendwo Licht zu finden. Selbst auf den düstersten Alben gibt es kleine Momente von Hoffnung.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Ist eure Musik für euch eher Konfrontation oder Flucht vor der Realität?

Mother Of Millions:
Definitiv keine Flucht. Wir versuchen eher, die Realität durch unsere eigenen Filter zu beschreiben und zu verarbeiten.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Was möchtet ihr den Menschen nach einem Konzert mitgeben?

Mother Of Millions:
Dass sie etwas Echtes fühlen. Verletzlichkeit ist für uns der Anfang jeder Verbindung. Wenn jemand nach einer Show mit Gänsehaut, Tränen oder einfach einem starken Gefühl nach Hause geht, dann war es ein guter Abend.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Zum Abschluss: Gibt es gute Nachrichten für eure Fans?

Mother Of Millions:
Definitiv. Das neue Album ist fertig und wir kommen wahrscheinlich schneller zurück, als viele denken.