Party.San Metal Open Air 2026 vom 06.08. bis 08.08.2026 in Schlotheim (Donnerstag)

Die 30. Party.San-Auflage wird gebührend eingeläutet

Festivalname: Party.San Metal Open Air 2026

Bands: Hypocrisy, Marduk, Wolfbrigade, Murder Squad, Groza, Firespawn, In The Woods…, Acranius, Hexvessel, Internal Bleeding, Gates Of Ishtar, Gut, Alcest, Sacred Reich, Wolves In The Throne Room, Amorphis, Dark Funeral, A Canorous Quintet, Guttural Slug, Deceased, Afsky, Jungle Rot, Sorcerer, Wormed, Sadistic Intent, Sventevith, Lamp Of Murmuur, Moonspell, Testament, Misery Index, Iotunn, 200 Stab Wounds, Sarcator, Sear Bliss, Evoken, Begging For Incest, Todomál, Messticator, Rats Of Gomorrah, Morbus Die, Fleshcrawl, Asagraum, Lucifer’s Child, Death Worship, Crawl, Endonomos, Nail By Nail, Tulus, Sunken, Celeste, Impurity, Temple Of Dread, Bloody Vengeance, Baxaxaxa, For Victory, Gorefunes

Ort: Schlotheim, Flugplatz Obermehler

Datum: 06.08.2026 – 08.08.2026

Kosten: ab 176,49 Euro

Genre: Extreme Metal, Death Metal, Black Metal, Doom Metal, Thrash Metal, Heavy Metal

Besucher: ca. 10.000 Besucher

Veranstalter: Party San GmbH

Link: https://www.party-san.de/

Autoren des heutigen Tages: Oliver J., David S. und René W.

Bilder: Mario T. und Oliver J.

Dieser Tage verwandelt sich der Flugplatz erneut in einen Treffpunkt für 10.000 Fans der härteren Klänge: Das Party.San Metal Open Air 2026 steht an und bietet drei Tage lang ein hochkarätiges Programm aus Death-, Black- und Extreme-Metal. Während viele Besucher bereits am Mittwoch eintreffen und sich auf das Festival einstimmen, geht es für die Donnerstag-Anreisenden entspannt auf das Gelände. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt allerdings nicht, denn das diesjährige Billing hält zahlreiche spannende Acts bereit. Wir steigen direkt mit Sarcator ins Festivalgeschehen ein und bleiben bis zum Samstagabend bei Hypocrisy mitten im Geschehen.

Sarcator – Party.San Open Air 2026

Oliver J.: Auf der Hauptbühne steht um 13:45 Uhr der erste Pflichttermin des Tages an: Sarcator. Die Schweden sind zwar längst keine komplette Nachwuchsband mehr, dennoch ist Frontmann und Gitarrist Mateo Tervonen gerade erst Anfang 20. Das musikalische Talent scheint ihm allerdings in die Wiege gelegt worden zu sein, schließlich ist sein Vater niemand Geringerer als Marko Tervonen, Gitarrist der Death-Metal-Institution The Crown. Von Beginn an feuern Sarcator ihren angeschwärzten Thrash Metal mit ordentlich Wucht in die Menge. Der Sound kommt angenehm roh und rumpelig daher, genauso, wie man es sich von dieser Spielart des Metals wünscht. Dabei wirkt die Band keineswegs ehrfürchtig vor der großen Bühne – im Gegenteil! Die Musiker bewegen sich mit einer Selbstverständlichkeit über die Bretter, als würden sie dort schon seit Jahren hingehören. Nicht jeder Einsatz kommt hundertprozentig auf den Punkt, doch die Spielfreude und die mitreißende Bühnenpräsenz machen solche Momente absolut wett. Spätestens als Mateo die Menge mit den Worten „Am I under the impression that you want something fast Really fast? Really fucking fast?“, anheizt, ist klar, wohin die Reise geht. Sarcator treten das Gaspedal erneut bis zum Anschlag durch und bringen die Zuschauer vor der Bühne endgültig auf Betriebstemperatur. Ein überzeugender Auftritt, der zeigt, dass die Schweden längst bereit sind für die großen Festivalbühnen.

200 Stab Wounds – Party.San Open Air 2026

Nach dem furiosen Auftakt geht es auf der Hauptbühne direkt mit 200 Stab Wounds aus Cleveland, Ohio, weiter. Die US‑Amerikaner haben erst kürzlich noch die Hallen im Vorprogramm von Heaven Shall Burn hier in Deutschland aufgewärmt und machen nun nahtlos dort weiter, wo sie aufgehört haben: Vollgas von der ersten Sekunde an. Mit ihrem thrashig angehauchten Death Metal walzt die Band alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt. Die groovigen Riffs entfalten vor der Bühne ihre Wirkung und sorgen dafür, dass die Menge permanent in Bewegung bleibt. Frontmann Steve Buhl heizt die Menge noch weiter an: „The next one is to fuck everyone up!, bevor Itty Bitty Pieces vom 2021 erschienenen Album Slave To The Scalpel einschlägt. Vor Release The Stench forderte Steve Buhl schließlich einen amtlichen Circlepit und die Fans lassen sich nicht zweimal bitten.

Iotunn – Party.San Open Air 2026

Kay L.: Einer der Gründe meines Hierseins steht gleich auf der Bühne. Iotunn sind diesen Sommer auf Festivaltour und machen dabei Halt beim Party.San Open Air. Bereits beim Künstler-Check-in treffe ich die Jungs und bekomme einen Artist-Pass und ein Artist-Shirt, da ich während des Auftritts die Band zum Abschlussbild ablichten darf. Zunächst stelle ich allerdings etwas verwirrt fest, dass der Bassist irgendwie anders aussieht. Dann erfahre ich, dass Eskil zu Hause geblieben ist, da die Geburt seines Kindes ansteht. Als Ersatz ist Kristoffer Tønder Koudahl dabei, dem ich fälschlicherweise erst einmal zum Geburtstag gratuliere. Dann geht es auf der Bühne mit Mistland vom letzten Album Kinship los. Der Nachmittagsslot kommt der Musik nicht wirklich zugute. Mehr Atmosphäre wäre in der Dämmerung oder Dunkelheit vorhanden, denn die dicht gewebten, komplexen Songs wirken mit der entsprechenden Beleuchtung einfach noch intensiver. Trotz allem ist das Infield schon recht gut gefüllt, was auf die Akzeptanz des Publikums schließen lässt. Für mich als Fotografen ist der Zeitpunkt allerdings allererste Sahne, denn nun hat man endlich einmal die Gelegenheit, die Brüder Gräs auch ohne rotes Licht und mit nicht von den Haaren verdeckten Gesichtern zu sehen. Dazu kommt der starke Wind, der immer wieder für gute Gesichtsbilder sorgt. An den Drums souverän Björn Wind Andersen und auch der Ersatzbassist macht eine sehr gute Figur. Das Party.San ist ja eher für extremere Bands bekannt, aber in diesem Jahr sind neben Iotunn auch Amorphis und Moonspell am Start. Da geht es musikalisch etwas progressiver zu, und so schaffen es auch Iotunn, die hier Anwesenden zu begeistern. Es ist nicht ganz voll vor der Bühne, aber eine nicht unbeträchtliche Schar steht vor der Stage. Viele geschlossene Augen lassen vermuten, dass die Zuschauer die Musik regelrecht fühlen. Jon Aldará, wie immer mit seiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze, vermag den Songs den nötigen Ausdruck zu verleihen, und somit kann hier durchaus von einer gelungenen Performance gesprochen werden. Da die Songs allesamt, bis auf wenige Ausnahmen, sehr lang sind, kommen heute nur vier Stück zum Einsatz. MistlandKinship Elegiac und The Anguished Ethereal, bevor The Tower Of Cosmic Nihility vom ersten Full-Length-Album das Set beendet. Während der Show mache ich noch ein paar Bilder von der Bühne und stelle fest, dass dies nicht so einfach ist: viel Nebel, andere Lichtverhältnisse und Musiker von hinten. Das Abschlussbild ist so rasch gemacht und dann ist der Auftritt auch schon wieder vorbei. Später will ich noch zur Autogrammstunde und vorher habe ich noch ein Interview mit Björn Wind Andersen. Leider sind zu wenige Mitglieder des Kinship – The Iotunn Fanclub da, ansonsten hätten wir noch ein Fanclub-Treffen gehabt. Aber auch so war es schön, die dänische Band zu sehen und vor allem zu hören. Bereits morgen früh fliegen die Fünf nach Helsinki, wo schon das nächste Festival auf sie wartet.

Misery Index – Party.San Open Air 2026

David S.: Als die vier US-Deather von Misery Index am späten Donnerstagnachmittag (genau: 16:45 Uhr) die Bühne des Party.San Metal Open Air entern, flimmert die Luft über dem Flugplatz von Schlotheim bereits vor Hitze. Doch selbst die sengenden Temperaturen können die US-Amerikaner und mich nun auch nicht mehr bremsen. Vom ersten Ton an walzt die Band mit ihrer explosiven Mischung aus Death Metal und Grindcore über das Festivalgelände hinweg und beweist eindrucksvoll, warum sie längst zu den festen Größen des Party.San gehört. Bereits zum vierten Mal stehen Misery Index in Schlotheim auf der Bühne und wirken dabei so hungrig und entschlossen wie bei ihrem ersten Besuch. Im Mittelpunkt steht für mich Jason Netherton, der als Bassist und Sänger nicht nur das Gesicht der Band ist, sondern auch ihr letztes verbliebenes Gründungsmitglied. Seit der Entstehung von Misery Index hält er die Fahne der Band hoch und prägt mit seinem markanten Gesang, seinem druckvollen Bassspiel und vor allem mit seiner Bühnenpräsenz das Bild und den charakteristischen Sound der Formation. Während zahlreiche Musiker im Laufe der Jahre kamen und gingen, bildet für mich Jason Netherton weiterhin das konstante Herzstück der Band und verkörpert deren kompromisslose Haltung wie kein Zweiter. Was die vier Musiker an diesem Nachmittag auf die wohl heißeste Bühne Deutschlands bringen, ist ein Lehrstück in Sachen Präzision, Aggression und Leidenschaft. Die Gitarren sägen sich durch die flirrende Luft, die Rhythmussektion besticht und begeistert mich mit beeindruckender Wucht und vor der Bühne wächst die Bewegung mit jeder Minute. Trotz der drückenden Temperaturen lässt die Band keinen Moment nach und treibt die Fans vor der Bühne immer weiter an. Besonders bei The Carrion Call und The Spectator, zwei der bekanntesten Stücke im Repertoire der Band, wird deutlich, warum Misery Index seit Jahren zu den angesehensten Vertretern des modernen Death Metal und Grindcore gehören. Nach 45 Minuten endet ein Auftritt, der genau das liefert, was die Fans erwarten. Misery Index präsentieren sich in bestechender Form, voller Energie, Spielfreude und absoluter Überzeugung. In der glühenden Hitze von Schlotheim liefern die US-Amerikaner einen erwartungsgemäß starken, intensiven und schlichtweg geilen Auftritt ab, der einmal mehr unterstreicht, warum diese Band und das Party.San Metal Open Air seit vielen Jahren für mich, wie auch für viele andere Fans so hervorragend zusammenpassen.

Sadistic Intent – Party.San Open Air 2026

René W.: Zum zweiten Mal stehen Sadistic Intent auf dem Party.San Metal Open Air auf der Bühne. Bereits 2018 macht die aus Los Angeles stammende Death-Metal-Band Station in Schlotheim, nun kehrt sie zurück und liefert am frühen Abend genau das, was man von den Kaliforniern erwartet: kompromissloses Geholze mit ordentlich Druck in den Kesseln. Schon mit dem Intro wird die Atmosphäre düster, bevor Lurking Terror und Impending Doom das Tempo deutlich anziehen. Die wuchtige Doublebass treibt das Set unaufhaltsam nach vorne, während sich die Musiker in Lederwesten und Nieten präsentieren und damit auch optisch tief im klassischen Death Metal verwurzelt bleiben. Conflict Within, Numbered With The Dead und Ancient Black Earth sorgen für weitere Nackenbrecher-Momente, bei denen vor der Bühne ordentlich Bewegung aufkommt. Keine Experimente, keine unnötigen Spielereien, sondern eine klare wie direkte Handschrift. Gerade weil Sadistic Intent sich mittlerweile eher rar machen, wird der Auftritt von den Fans entsprechend dankbar aufgenommen. Bay Cortez und seine Mitstreiter wissen genau, wo der Hammer hängt, und liefern ein Set, das gleichermaßen roh wie routiniert wirkt.

Schirenc plays Pungent Stench – Party.San Open Air 2026

Oliver J.: Nach der Umbaupause steht eine besondere Band auf dem Billing: Schirenc plays Pungent Stench. Mastermind Martin Schirenc lässt die Geschichte der österreichischen Kultband noch einmal aufleben und präsentiert auf der Party.San-Bühne jene Songs, die Pungent Stench berühmt gemacht haben. Dass der Auftritt einen besonderen Charakter hat, ist spürbar. Schließlich handelt es sich laut Festivalankündigung um eines der letzten Konzerte dieses Projekts, das zum Jahresende endgültig Geschichte sein soll. Für viele Fans im Publikum ist der Gig deshalb weit mehr als nur ein weiterer Programmpunkt. Schirenc selbst erinnert daran, dass Pungent Stench bereits vor 22 Jahren beim Party.San zu Gast waren, und verspricht, dass es diesmal sogar noch besser wirdMusikalisch gibt es eine Zeitreise durch das Schaffen der Band. Klassiker wie Dead Body Love werden ebenso abgefeiert wie Embalmed in Sulphuric Acid. Natürlich darf angesichts der 30. Ausgabe des Party.San Festivals Happy Re-Birthday nicht fehlen, das von den Fans entsprechend lautstark begleitet wird. Zwar bleibt das Infield etwas luftiger gefüllt als bei manchen anderen Bands des Tages, doch die anwesenden Fans feiern die Band ausgelassen.

Lamp Of Murmur – Party.San Open Air 2026

René W.: Bereits beim Burning Q Festival zeigen sich Lamp Of Murmuur als starke Live-Band – auf dem Party.San Metal Open Air folgt nun der nächste eindrucksvolle Auftritt. Das US-amerikanische Black-Metal-Projekt springt kurzfristig für Desaster ein und nutzt die Gelegenheit, das Publikum mit seiner düsteren Inszenierung unmittelbar in seinen Bann zu ziehen. Sänger und Musiker stehen mit Masken und Umhängen auf der Bühne und verleihen dem Auftritt dadurch eine geheimnisvolle, fast rituelle Atmosphäre. Musikalisch bewegen sich Lamp Of Murmuur zwischen rasenden Black-Metal-Passagen, finsteren Melodien und deutlich hörbaren Einflüssen aus Gothic- und Melodic-Black-Metal, die ihre Wurzeln teilweise in den 1990er-Jahren haben. Gerade diese Verbindung macht den Sound so eigenständig und erklärt, warum das Projekt längst zu den spannenderen Vertretern der modernen Black-Metal-Szene zählt. Statt lediglich Songs herunterzuspielen, entsteht auf der Bühne eine bewusst inszenierte Reise durch eine kalte und düstere Klangwelt. Mit Seal Of The Dominator nimmt die Intensität noch einmal spürbar zu. Die schnellen Passagen treffen auf eine dichte Atmosphäre, während die visuelle Präsentation das musikalische Konzept konsequent unterstreicht. Lamp Of Murmuur wirken dabei jederzeit fokussiert und entfalten eine enorme Sogwirkung, die das Publikum immer tiefer in die eigene Welt hineinzieht. Zum Abschluss steht Forever Bound To The Will Of The Spectres auf dem Programm.

Sventevit – Party.San Open Air 2026

David S.: Die Sonne ist inzwischen hinter dem Horizont verschwunden, doch die Spannung vor der Mainstage liegt spürbar in der Luft. Für mich persönlich ist dieser Auftritt schon Monate vor dem Festival eines der absoluten Highlights des Jahres 2026. Als langjähriger Fan von Behemoth und Bewunderer des Lebenswerks von Nergal fiebere ich dieser besonderen Show seit ihrer Ankündigung entgegen. Als schließlich Adam „Nergal“ Darski gemeinsam mit den Isländern von Misþyrming die Bühne betritt, wird sofort klar, dass hier etwas Außergewöhnliches bevorsteht. Was viele zunächst als nostalgisches Nebenprojekt hätten betrachten können, entpuppt sich bereits nach wenigen Minuten als leidenschaftliche Verbeugung vor einem Album, das den Grundstein für eine der wichtigsten Extreme-Metal-Bands Europas gelegt hat. Statt das Material mit der heutigen Version von Behemoth zu präsentieren, entscheidet sich Nergal bewusst für die Zusammenarbeit mit Misþyrming, einer Band, die sich in den vergangenen Jahren durch ihren kompromisslosen, kalten und zugleich intensiven Black Metal einen hervorragenden Ruf erspielt hat. Die Isländer spielen die Stücke nicht wie eine gewöhnliche Begleitband herunter. Jede Note wirkt durchdacht, jede Passage wird mit Respekt behandelt. Hier steht keine Coverband auf der Bühne, sondern Musiker, die einem bedeutenden Werk die verdiente Ehre erweisen. Mit Chant Ov The Eastern Lands beginnt die Reise zurück ins Jahr 1995. Sofort breitet sich diese raue, ungeschliffene Atmosphäre aus, die das Debütalbum Sventevith (Storming Near The Baltic) bis heute auszeichnet. Die frühen Kompositionen von Behemoth besitzen noch eine ganz andere Magie als die späteren Werke der Polen. Sie wirken mystisch, naturverbunden und tief im osteuropäischen Black Metal verwurzelt. Genau diese Stimmung transportieren Nergal und Misþyrming mit beeindruckender Authentizität. Besonders faszinierend ist dabei die Präsenz von Nergal. Obwohl er heute zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Extreme Metal zählt und weltweit große Bühnen bespielt, wirkt er an diesem Abend nicht wie ein Superstar, sondern wie ein Musiker, der selbst noch einmal in die eigene Vergangenheit eintaucht. Man spürt förmlich, welche Bedeutung diese Songs für ihn haben. Seine Stimme klingt roh, aggressiv und voller Überzeugung, während die Band hinter ihm eine gewaltige Klangwand errichtet. Im weiteren Verlauf folgen mit From The Pagan Vastlands, Hidden In A Fog, Ancient und Entering The Faustian Soul einige der stärksten Momente des Albums. Besonders die epischen Melodien von From The Pagan Vastlands entfalten auf dem Festivalgelände eine beinahe hypnotische Wirkung. Was damals in den Neunzigerjahren als Ausdruck jugendlicher Leidenschaft entstand, wirkt auch über drei Jahrzehnte später keineswegs veraltet. Im Gegenteil: Die Stücke besitzen eine zeitlose Kraft, die an diesem Abend eindrucksvoll sichtbar wird. Während viele Jubiläumsauftritte häufig von Nostalgie leben, entsteht hier etwas anderes. Die Musik klingt lebendig, gefährlich und relevant. Misþyrming gelingt es hervorragend, den ursprünglichen Geist des Materials einzufangen und gleichzeitig genügend eigene Energie einzubringen. Gerade dadurch entsteht keine sterile Kopie, sondern eine echte Hommage an das frühe Schaffen von Behemoth. Genau so sollte ein Tribut an einen Klassiker aussehen. Als gegen Ende mit Wolves Guard My Coffin, Hell Dwells In Ice, Moonspell Rites, Transylvanian Forest und schließlich Pure Evil And Hate die letzten Kapitel dieses Albums aufgeschlagen werden, herrscht vor der Bühne eine Atmosphäre, die man kaum beschreiben kann. Viele Fans singen (screamen, growlen) mit, andere genießen einfach den Moment und die einmalige Gelegenheit, dieses Album in voller Länge live zu erleben, wobei ich es genau wie die Genießer halte. Es fühlt sich an wie eine Reise zurück zu den Wurzeln des Black Metal, ohne dabei altmodisch oder aufgesetzt zu wirken. Nach exakt einer Stunde endet dieser besondere Auftritt. Zurück bleibt das Gefühl, Zeuge von etwas Einmaligem geworden zu sein. Für mich ist diese Performance weit mehr als nur ein weiterer Festivalauftritt. Es ist eine Liebeserklärung an ein Album, das für viele Fans den Beginn einer außergewöhnlichen Karriere markiert. Nergal und Misþyrming zeigen eindrucksvoll, wie man musikalisches Erbe respektvoll und mit echter Leidenschaft auf die Bühne bringt. Einfach nur hervorragend gemacht. Eine mutige und zugleich geniale Booking-Entscheidung des Party.San Metal Open Air. Für Fans auch von frühen Behemoth ist diese Show ein Geschenk, für Black-Metal-Liebhaber ein echtes Erlebnis und für mich ganz klar einer der unvergesslichen Höhepunkte des Festivaljahres 2026. Danke, Party.San, für diesen außergewöhnlichen Auftritt.

Moonspell – Party.San Open Air 2026

René W.: Als Co-Headliner fungieren heute die Portugiesen Moonspell, die in diesem Jahr ihre Premiere auf dem Festival feiern. Bereits seit 1989 unterwegs, verkörpern sie einen Mix aus Black Metal, Dark Metal und Gothic Metal. Je nach Epoche dominiert eines der Genres. Die Handschrift ist dabei stets melodischer Natur und setzt auf starke Atmosphären. Ein Old-School-Set haben sie nicht für diesen Sommer angekündigt und so spielen sie neben den Klassikern Material von ihrem aktuellen Longplayer Far From God, der in diesem Jahr nach fünf Jahren Hermitage abgelöst hatte. Fernando Ribeiro und seine Männer stehen für viele Konstanten. Nur wenige Wechsel im Line-Up haben die Südeuropäer in den letzten Jahrzehnten vollzogen. Fernando ist ein charismatischer Frontmann mit einer grandiosen Stimme, die er direkt bei Perverse… und Almost Religious präsentiert. Früh im Set kommt etwas überraschend der Evergreen Opium. Ein guter Move, um die Stimmung direkt nach oben zu ziehen. Bei der Bestätigung waren ganz sicher einige Fans des Festivals skeptisch. Moonspell machen ihren Job jedoch sehr gut. Eine Liveband, die zumindest mich persönlich noch nie enttäuscht hat. Auf dem Flugplatz Obermehler wünscht man sich harte Klänge und diesem Auftrag kommen die fünf Männer in ihren Möglichkeiten nach. Selbst die neuen Werke Cross Your Heart und Far From God wirken da nicht fehlplatziert und machen zur späten Stunde wirklich Spaß. Fernando Ribeiro genießt sichtlich die Blicke und die gute Stimmung, die ihm und seinen Weggefährten entgegengebracht wird. Ebenfalls mit am Start: Mephisto, der den Auftakt eines starken Songtrios bildet. Mystisch, wie harmonisch kommt die Werwolf- und Vampir-Thematik geschickt zum Tragen. Vampiria bringt die Köpfe zum Nicken, eine Nummer, die auch nach all den Jahren immer noch blendend funktioniert. Gleiches gilt für den Gassenhauer Alma Mater, der rhythmisch die Nackenmuskeln maskiert. Das Gaspedal heruntergedrückt, werden die düsteren Emotionen auf den Hörer projiziert, der zufrieden am Bier schlürft und das Schauspiel auf der Bühne begutachtet. Moonspell gehen hier und heute ganz klar nicht als Verlierer vom Platz und dürften einige Skeptiker verstummt haben lassen.

Testament – Party.San Open Air 2026

Mit Testament steht schon die letzte Band des Tages auf dem Programm. Wo ist bitte der Tag geblieben? Ein Party.San Metal Open Air Tag hat anscheinend keine 24 Stunden oder die permanente Euphorie sorgt für einen absurden Zeitstrudel, der die Minuten und Stunden nur so frisst. Die US-amerikanische Thrash-Metal-Band aus Berkeley hat richtig Lust, ihre Genre-Kunst in die Nacht zu hämmern. Chuck Billy sprintet auf die Bretter und feiert in diesem Sommer seine persönlichen vier Jahrzehnte mit der Band. Insgesamt treiben die Amerikaner seit 1983 ihr Unwesen im Musikzirkus. Kleine Clubshows und ausgewählte Festivals stehen für Testament dieser Tage auf der To-do-Liste. Für die Open-Air-Shows haben sie eine aufwendige 3D‑Bühnenkulisse aufgefahren. Das Auge isst im Jahr 2026 eben auch beim Thrash Metal mit. Into The Pit zündet eine krachende Salve. Die Pommesgabeln sausen gen Himmel, die Haare fliegen durch die abgekühlte Thüringer Nacht. Kühl oder gar reserviert agieren Testament nicht. Nah am Publikum und mit voller Energie präsentiert sich die Truppe, während druckvoller Sound, dichter Nebel und eine beeindruckende Lichtshow den Auftritt begleiten. Hinter dem Schlagzeug thront ein dreidimensionales Skelett, während Fledermausmotive und rote Beleuchtung für eine düstere Kulisse sorgen. Die Stimmung vor der Bühne ist ausgelassen und das Gelände gut gefüllt. Songs wie More Than Meets The Eye und So Many Lies knallen ordentlich aus den Boxen und zeigen eindrucksvoll die präzise Gitarrenarbeit der Band. Unruhige Lichteffekte, viel Feuer und eine souveräne Bühnenpräsenz runden die Inszenierung ab – Testament liefern Thrash Metal auf höchstem Niveau und einen würdigen Headliner-Auftritt, der in Over The Wall gipfelt.