Event: Elbriot 2026
Bands: Avalanche Effect, Signs Of The Swarm, Thy Art Is Murder, Warkings, Orden Ogan, Danko Jones, Savatage, Powerwolf
Datum: 08.08.2026
Genres: Hardrock, Heavy Metal, Deathcore, Metalcore, Power Metal, US-Metal, Rock ’n‘ Roll
Kosten: Early Bird 79,90 €, regulärer VVK 89,90 €
Besucher: knapp 10.000 (ausverkauft)
Ort: Großmarkt Hamburg
Seit 14 Jahren gehört das Elbriot zum festen Metal-Kalender der Hansestadt. Wesentlicher Teil des Erfolgsrezepts: Das Festival findet mitten in der City statt. Genau das macht seinen besonderen Charme aus. Kein weit entferntes Gelände, kein mehrtägiger Camping-Marathon – stattdessen ein kompakter Metal-Tag auf dem Hamburger Großmarkt. Man kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, trifft Freunde, sieht Bands und ist abends wieder im warmen Bettchen.
Dazu kommt auch 2026 erneut ein ungewöhnlich breit gefächertes Billing: Deathcore trifft auf Metalcore, Power Metal auf klassischen US-Metal und Rock ’n‘ Roll auf eine der derzeit aufwendigsten Metal-Produktionen überhaupt.
Ganz perfekt startet der Festivaltag nicht. Der für 11:30 Uhr angekündigte Einlass verzögert sich. Betroffen sind auch die Pressekollegen und der Walking Act Metalchor e. V., der mit rund 40 Personen auf Einlass wartet. Vor dem Gelände bildet sich entsprechend eine ordentliche Schlange.
Ist man erst einmal drin, ändert sich der Eindruck schnell. Das Elbriot präsentiert sich als ausgesprochen gut organisiertes, kompaktes Event: Das Gelände des Großmarkts ist überschaubar, die Wege sind kurz, die einzelnen Bereiche problemlos erreichbar.
Gut gelungen ist aus meiner Sicht die Infrastruktur für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Die Rollstuhltribüne ist so positioniert, dass sie tatsächlich eine gute Sicht auf die Bühne bietet und nicht irgendwo am Rand des Geschehens verschwindet. Auch bei den Toiletten gibt es wenig zu bemängeln – sie sind über das Gelände verteilt, in der Menge ausreichend und ohne lange Wege erreichbar.
Auch kulinarisch zeigt sich das Elbriot vielseitig: vom klassischen Fleischgericht über vegane Angebote bis zu griechischer Küche und österreichischem Schnitzelburger. Dazu Getränke- und Eisstände – sogar dänisches Softeis findet seinen Platz. Günstig ist das allerdings nicht. Fünf Euro für einen halben Liter Bier und elf Euro für Currywurst mit Pommes, beim Merchandise werden 30 bis 35 Euro für ein Shirt aufgerufen. Das bewegt sich zwar durchaus im Festivalrahmen, günstig geht anders. Positiv fällt dagegen die Versorgung mit kostenlosem Trinkwasser auf. Auch Sonnencreme steht zur Verfügung. Gerade an einem 30-Grad-Sommertag auf Betonfläche keine Nebensache.
Ebenfalls positiv: der Stand von Metality. Beeindruckend, wie sich der Verein für soziale Projekte engagiert – vom Schlafsacksammeln auf Festivals, über die Integration beeinträchtigter Metalheads, Ausbildung von Nachwuchsmusikern und Förderung lokaler Festivals bis zur Enttabuisierung des Black Dogs. Das Interesse ist an diesem Tag erkennbar groß. Metalheads haben eben ein großes Herz.
2026 kommt auf dem Elbriot mit der Beer Garden Stage ein zusätzlicher Bereich hinzu. Hier steht vor allem Mambo Kurt für das etwas andere Festivalprogramm; zwischen den großen Produktionen der Hauptbühne wirkt das Konzept angenehm locker und schafft einen weiteren Treffpunkt. Auch der Metalchor sorgt mit Einsätzen in jeder Pause für beste Unterhaltung. Gemessen an der „Spielzeit“ sind die engagierten Vokalisten heute sogar Headliner – keine Band auf der Hauptbühne bekommt in Summe eine solche Spielzeit.
Avalanche Effect

Pünktlich um 12 Uhr eröffnen Avalanche Effect den Festivaltag. Keine leichte Übung für den Opener: Das Gelände ist noch nicht komplett gefüllt, viele Besucher kommen gerade erst an, holen sich ihr erstes Getränk oder orientieren sich. Avalanche Effect nehmen diese Herausforderung mit Bravour an. Bemerkenswert: Die Band spielt in dieser Konstellation erst seit wenigen Monaten zusammen – auf der Bühne ist davon erstaunlich wenig zu merken. Mit Noah Müller (Clean Vocals) und Max Nash (Scream Vocals) sorgen zwei Sänger für unterschiedliche Facetten. Musikalisch bewegt sich das Ganze zwischen modernem Metalcore und Nu-Metal-Einflüssen. Und das Wichtigste: Die Band erreicht mit dem acht Songs umfassenden Set ihr Publikum. Obwohl gerade erst Mittag ist, ist die Stimmung vor der Bühne bereits mehr als ausgelassen – ein starkes Zeichen dafür, dass hier ein Opener seinen Job mehr als erfüllt. Mein Eindruck: eine Band, die man definitiv im Auge behalten sollte.
Signs Of The Swarm

Mit Signs Of The Swarm aus Pittsburgh, Pennsylvania, steht die erste von zwei Deathcore-Bands des Tages auf der Bühne. Nach dem kurzen Intro Moana Lisa geht es mit Borrow Time direkt brachial zur Sache. Spätestens jetzt ist klar: Mit romantischer Wohlfühlmusik hat dieser Auftritt wenig zu tun. Einen besonderen Moment liefert die ungewöhnliche Interpretation von Rob Zombies Dragula. Der bekannte Song ist in der wuchtigen Deathcore-Version zunächst kaum wiederzuerkennen – bis sich die vertraute Struktur langsam herausschält. Der Sound ist dabei teilweise auffällig basslastig, vor der Bühne ist davon allerdings wenig zu spüren: Hier zählt Bewegung. Moshpit und erste Circlepit-Momente zeigen, dass die Deathcore-Fraktion im Publikum durchaus vertreten ist. Signs Of The Swarm liefern damit genau das, was man von ihnen erwartet: kompromisslose Härte.
Warkings

Danach wechselt die musikalische Richtung, ohne der Menge die Energie zu nehmen. Warkings entern die Bühne mit ihrem historischen Krieger-Konzept: Rüstung, Fell, Leder und martialische Accessoires machen aus dem Auftritt ein kleines Metal-Schlachtenbild. Dazu kommen eingängige Power-Metal-Hymnen und Pyro. Mit Kings Of Ragnarök und Sparta bringt das Quartett seine großen Mitsingnummern auf die Bühne. Besonders Sparta sorgt für ordentlich Bewegung vor der Bühne. Sänger The Tribune beschränkt sich dabei nicht auf die Bühne, sondern sucht immer wieder die direkte Nähe zum Publikum und steigt für einen Song sogar in die Menge. Ein technischer Aussetzer bei der Anlage sorgt kurz für eine ungeplante Pause. Statt sich davon aus der Ruhe bringen zu lassen, bindet die Band das Publikum kurzerhand weiter ein – unter anderem mit einem A-cappella-Moment von We Will Rock You. Genau solche Situationen machen für mich einen guten Festivalauftritt aus: Nicht alles muss perfekt laufen, entscheidend ist, wie eine Band mit dem Unvorhergesehenen umgeht. Als die Technik wieder läuft, geht es weiter – und spätestens beim Circlepit ist klar: Warkings sind beim Publikum angekommen.
Orden Ogan

Bei Orden Ogan zeigt sich, dass das Elbriot nicht nur von seinen großen Headlinern lebt. Die aus Arnsberg im Sauerland stammende Band um Sänger und Gitarrist Sebastian „Seeb“ Levermann gehört inzwischen zu den etablierten Größen des deutschen Power Metal. Ihr Sound verbindet druckvolle Gitarren, Doublebass und große Chöre mit eingängigen Refrains – genau die Mischung, die auf einem Festival funktioniert. Vor der Bühne stehen auffallend viele Fans, die offensichtlich gezielt wegen Orden Ogan gekommen sind. Mit Gunman nimmt die Band das Publikum sofort mit, hochgereckte Fäuste und laute Mitsingchöre inklusive. Auch F.E.V.E.R. und The Things We Believe In gehören zu den Nummern, bei denen sich die Stärke der Band als Live-Act zeigt. Gerade The Things We Believe In entwickelt sich zum großen gemeinsamen Finale. Musikalisch zeigen Orden Ogan, warum sie auf Festivals so gut funktionieren: druckvolle Gitarren, treibender Power Metal und Refrains, die geradezu nach einem großen Publikum verlangen. Das Material von The Order Of Fear wirkt dabei etwas härter und dunkler, ohne die eingängigen Melodien und großen Hymnen aus den Augen zu verlieren. Die Band nutzt ihren Slot, bekommt die Menge und bestätigt ihren Status als starke Festivalband.
Danko Jones

Dann kommt ein kleiner musikalischer Kulturschock – und genau der tut gut. Danko Jones bringt mit seinem Trio geradlinigen, dreckigen Rock ’n‘ Roll auf die Bühne. Zwischen Deathcore und Power Metal wirkt das zunächst wie ein Fremdkörper, erweist sich aber schnell als perfekte Abwechslung im Tagesprogramm. Der kanadische Frontmann und Gitarrist ist dabei ohnehin schwer zu übersehen. Mit großer Klappe, viel Selbstironie und sichtlichem Spaß an der Kommunikation hat Danko Jones das Publikum schnell auf seiner Seite. Schon die Geschichte über die angeblich auf dem Air-Canada-Flug verlorene Burg samt Dracheneiern sorgt für Lacher. Dass ausgerechnet eine Rock’n’Roll-Band inmitten des Metal-Publikums so herzlich empfangen wird, kommentiert Jones natürlich ebenfalls genüsslich. Zwischen den Songs entwickelt sich der Auftritt beinahe zu einer kleinen Comedy-Einlage. Dabei ist die Musik angenehm schnörkellos. Guess Who’s Back, I’m In A Band und First Date bringen Bewegung in die Menge, während My Little Rock’n’Roll einen weiteren Höhepunkt setzt. Bemerkenswert ist dabei gerade der Verzicht auf große Showelemente. Während später am Abend riesige Produktionen auf die Bühne kommen, konzentriert sich Danko Jones auf das Wesentliche: Songs, Spielfreude und den direkten Kontakt zum Publikum.
Thy Art Is Murder

Nun ist es Zeit für die zweite Deathcore-Band des Tages. Thy Art Is Murder ziehen den Härtegrad noch einmal deutlich an und verbinden technische Präzision mit brachialen Breakdowns und kompromissloser Energie. Nach einigen Veränderungen rund um die Besetzung steht heute Jerry Chard am Mikrofon – mit tiefen Growls und aggressiven Screams gibt er alles. Während sich die Schlangen an den Food- und Getränkeständen verlängern, geht es vor der Bühne umso heftiger zur Sache. Ein Circlepit läuft über weite Strecken des Sets, dazu fordert die Band auch zur Wall of Death auf. Die Deathcore-Fraktion bekommt hier definitiv ihren Moment. Auf der Setlist stehen unter anderem Killing Season, The Purest Strain Of Hate, Join Me In Armageddon, Death Squad Anthem, Holy War, Godlike und Reign Of Darkness. Für manche vielleicht eine Nummer zu hart – für die Fans vor der Bühne genau das richtige Programm. Genau diese Bandbreite macht für mich das Elbriot aus.
Savatage

Und dann kommt der Moment, der bei mir am längsten hängen bleibt: Savatage. Die US-Metal-Legende zeigt, warum ihr Name auch Jahrzehnte nach der Gründung noch Gewicht besitzt. Ich sehe sie zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage. Beim W:O:A waren sie fantastisch. Und heute? Musikalisch ist der Auftritt präzise, druckvoll und gleichzeitig emotional. Das Set umfasst unter anderem Morphine Child, Dead Winter Dead, Jesus Saves, Strange Wings, Taunting Cobras, Chance, Sirens, Believe, Gutter Ballet, Edge Of Thorns, Power Of The Night und Hall Of The Mountain King. Und dann kommt Believe: Jon Oliva ist auf der Videoleinwand zu sehen und übernimmt einen Teil des Songs, anschließend steigt die Band live ein. Für mich einer dieser seltenen Festivalmomente, in denen plötzlich alles andere unwichtig wird. Keine riesige Pyroshow, keine spektakuläre Bühnenmechanik – nur ein Song, eine Geschichte und 100% Gänsehaut. Dass die Band die Hamburger Crowd anschließend selbst als „very loud metal audience“ und „fantastic“ beschreibt, passt perfekt zu meinem Eindruck. Einziger Wermutstropfen: Rund eine Stunde beziehungsweise zwölf Songs sind für eine Band mit diesem Katalog knapp bemessen. Dazu verdeckt die Konstruktion für die spätere Powerwolf-Show einen Teil der Videowand. Trotzdem: Definitiv mein persönliches Highlight des Tages.
Powerwolf
Zum Abschluss übernehmen Powerwolf – und jetzt wird aus dem Festival eine Großproduktion. Bereits beim Einstieg ist klar: Hier kommt nicht einfach eine Band auf die Bühne, hier kommt eine komplette Show. Feuer, Pyrotechnik, Videos, Animationen, riesige Bühnenbilder und später sogar Fackeln verschmelzen zu einem visuellen Spektakel. Musikalisch geht es mit Bless ’Em With The Blade, Armata Strigoi, Sinners Of The Seven Seas, Amen & Attack, Army Of The Night, Dancing With The Dead, Incense & Iron, Demons Are A Girl’s Best Friend, Stossgebet, Fire And Forgive und Heretic Hunters durch einen großen Querschnitt des aktuellen Live-Programms. Das Publikum singt nahezu alles mit. Attila Dorn und Falk Maria Schlegel wissen genau, wie sie die Menge dirigieren müssen – ein Ruf genügt, und tausende Stimmen antworten. Ein kleiner Unterschied zu anderen Headlinershows bleibt: Um 22 Uhr ist aufgrund der Hamburger Sperrzeit Schluss. Das Finale fällt dadurch etwas kompakter aus, als man es von einer Powerwolf-Headlinershow gewohnt ist. Trotzdem bleibt der Eindruck: Powerwolf spielen keinen normalen Festivalgig, sie zelebrieren eine Metal-Rock-Oper. Und ja, vielleicht ist die Inszenierung inzwischen manchmal größer als nötig – aber genau dieser Bombast gehört inzwischen eben zu Powerwolf.
Leider wurden die tollen Bilder unseres Fotografen Jürgen von Powerwolf nicht freigegeben – darauf müsst ihr in diesem Bericht deshalb leider verzichten. Schade.
Fazit
Was bleibt nach diesem Tag? Vor allem das Gefühl, dass das Elbriot ziemlich genau weiß, was es sein will: ein intensiver Metal-Tag mitten in Hamburg. Und das funktioniert.
Die Organisation überzeugt nach dem etwas holprigen Einlass, die Infrastruktur stimmt, das Food-Angebot ist vielseitig. Beim Preisniveau bleibt allerdings Luft nach oben (oder eher unten).
Musikalisch lebt das Festival von seiner Mischung: Avalanche Effect sorgen schon mittags für Stimmung, Signs Of The Swarm und Thy Art Is Murder bedienen die härtere Fraktion, Warkings und Orden Ogan liefern Power Metal, Danko Jones den sympathischen Rock’n’Roll-Kontrast. Savatage präsentieren Melodien für die Ewigkeit und Powerwolf setzen mit ihrer gewaltigen Produktion den optischen Schlusspunkt.
Mindestens genauso wichtig ist aber das Publikum. Kutten treffen auf Corpsepaint, Powerwolf-Fans im Nonnenlook stehen neben Deathcore-Fans im Pit. Es wird gesungen, geklatscht, gemosht und gefeiert – die Metal-Familie zeigt sich von ihrer besten Seite.
Vielleicht ist genau das die größte Stärke des Elbriot: Es muss niemand jede Band mögen, aber jeder findet seinen Moment.
Man darf gespannt sein, welche Mischung die Macher 2027 präsentieren werden.
Setlists:
Avalanche Effect und Thy Art Is Murder bei Setlist FM unvollständig, daher keine Darstellung
1. Moana Lisa
2. Borrowed Time
3. Natural Selection
4. HellMustFearMe
5. IWontLetYouDie
6. To Rid Myself Of Truth
7. Dragula
8. Pernicious
9. Amongst The Low & Empty
1. The Journey Thus Far – Tape/Intro
2. F.E.V.E.R.
3. Conquest
4. Heart Of The Android
5. The Order Of Fear
6. Gunman
7. Let The Fire Rain
8. The Things We Believe In
9. Fields Of Sorrow – Tape/Outro
1. Guess Who’s Back
2. Get High?
3. I’m In A Band
4. I Gotta Rock
5. Everyday Is Saturday Night
6. First Date
7. Good Time
8. Full Of Regret
9. Had Enough
10. Lovercall
11. My Little RnR
1. Morphine Child
2. Dead Winter Dead
3. Jesus Saves
4. Strange Wings
5. Taunting Cobras
6. Chance
7. Sirens
8. Believe
9. Gutter Ballet
10. Edge Of Thorns
11. Power Of The Night
12. Hall Of The Mountain King
1. Bless ’Em With The Blade
2. Armata Strigoi
3. Sinners Of The Seven Seas
4. Amen & Attack
5. Army Of The Night
6. Dancing With The Dead
7. Incense & Iron
8. Demons Are A Girl’s Best Friend
9. Stossgebet
10. Fire And Forgive
11. Heretic Hunters
12. We Drink Your Blood
13. Sanctified With Dynamite
14. Blood For Blood (Faoladh)
15. Werewolves Of Armenia


















































