Crowwood Festival 2026 am 05.09.2026 in Tetenhusen

Vom Bauernhof in Felde nach Tetenhusen – Das Crowwood schlägt ein neues Kapitel auf

Event: Crowwood 2026

Bands: Dust Race, The Grey, First Year Nameless, AK (Äusserste Kraft), Melted Ego, Ratoath, Ten Toe, Dave Hell

Ort: Eventgelände Friedrichswiese, Tetenhusen, Schleswig-Holstein, Deutschland

Datum: 05.09.2026

Kosten: Hutspende, Camping 10,00 € pro Zelt/Camper

Zuschauer: ca. 250

Genre: Rock in vielen Facetten

Veranstalter: headstrong music c/o Steffen M. Schumacher

Link: https://www.crowwood.rocks/

First Year Nameless 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Manchmal braucht es weder riesige Sponsorenlogos noch ein mehrere hundert Seiten umfassendes Festivalprogramm, um ein ordentliches Rockfestival auf die Beine zu stellen. Das Crowwood Festival ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Die Geschichte begann im Sommer 2021, als die Musiker von First Year Nameless eigentlich nur eines wollten: endlich wieder live spielen. Da dies seinerzeit in der Corona-Pandemie nicht ohne Weiteres möglich war, wurde kurzerhand eine eigene Party mit Livemusik organisiert. Aus der Idee entstand innerhalb von gerade einmal sechs Wochen das erste Crowwood Bash auf einem Bauernhof bei Felde. Straßenname: Krähenholz. Somit stand der Name fest. Mehr als 200 Gäste kamen und der Grundstein war gelegt. 2022 und 2023 folgten zwei weitere Ausgaben mit jeweils rund 350 Besuchern und fünf bis sechs Bands. Danach wurde es zwei Jahre still um das Crowwood.

2026 meldet sich das Festival nun zwar größer zurück, aber seinem DIY-Gedanken weiterhin treu. Das alte Gelände steht nicht mehr zur Verfügung, daher geht es erstmals in Tetenhusen, nördlich von Rendsburg, zur Sache. Die neue Heimat, wo sonst elektronische Klänge und Trecker-Treffs zu Hause sind, bietet deutlich mehr Platz. Hier gibt es einen eigenen Badesee, einen Beachvolleyballplatz, Campingmöglichkeiten und eine großzügigere Veranstaltungsfläche. Der Eintritt bleibt trotzdem frei. Wer dabei sein wollte, musste sich lediglich vorher anmelden. Für die Bands wird während der Auftritte mit dem Hut gesammelt. Camping ist für zehn Euro pro Zelt beziehungsweise Camper möglich.

Damit ist das Crowwood 2026 gleichzeitig Neustart und Bewährungsprobe. Aus der privaten Feier ist ein richtiges kleines Open Air Festival geworden, ohne dabei seine Seele zu verlieren.

Wer am 5. September nach Tetenhusen kommt, findet kein Hochglanzfestival vor. Und genau das ist auch gar nicht gewollt. Crowwood setzt auf Nähe, kurze Wege und den unmittelbaren Kontakt zwischen Musikern und Publikum. Die Veranstalter beschreiben das Festival selbst als DIY-Veranstaltung, bei der laute Gitarren, ehrliche Bands und eine Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen. Neben den sechs Hauptacts gehören zwei Sideacts zum Programm. Dazu kommen Essen und Getränke, Verkaufsstände sowie unter anderem die Organisationen Metality e.V. und Female Fronted Rock e.V., die über ihre Arbeit informieren. Selbst ein Tattoostudio bietet seinen Dienst an. Ich darf mit Time For Metal das Festival medial exklusiv zusammen mit dem FSXRadio.de präsentieren.

Die neue Location erweist sich dabei als Glücksgriff. Badesee und Beachvolleyballplatz klingen zunächst nach sommerlicher Freizeitveranstaltung, doch das Wetter will am Samstag nicht so recht mitspielen. Gerade einmal 13 Grad und Regenschauer stellen das heutige norddeutsche Sommerwetter dar. Das klingt zunächst wenig nach Festivalromantik, hat auf die Stimmung allerdings keinen entscheidenden Einfluss. Die Leute sind schließlich nicht nach Tetenhusen gekommen, um Sonnencreme zu testen, sondern um gemeinsam Musik zu erleben. So wird aus dem vermeintlichen Nachteil ein Teil des Festivalerlebnisses: Jacke an, Kapuze hoch und weiter vor die Bühne.

Dust Race 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Der erst auf dem Gelände vorgestellte Timetable teilt das Programm in eine Mainstage und eine Zeltbühne auf. Auf der Hauptbühne stehen Dust Race, The Grey, First Year Nameless, AK (Äusserste Kraft), Melted Ego und Ratoath. Auf der Zeltbühne sorgen Ten Toe und Dave Hell für zusätzliche Unterhaltung in den Umbaupausen. Ein Aftershow-Programm war vorgesehen, entfällt aber, da mit Dissident und Pay Pandorra zwei Bands kurzfristig wegen Krankheit absagen mussten. Die Veranstalter selbst werben genau mit diesem Konzept. Es soll keine langen Unterbrechungen und keine Gelegenheit geben, während des Bühnenwechsels allzu weit vom Geschehen wegzukommen.

Den Auftakt auf der Mainstage übernehmen Dust Race aus Kiel. Die Band bewegt sich zwischen Indie und Alternative und bringt damit eine etwas andere Farbe in das ansonsten deutlich rockigere Programm. Wer die Kieler bereits von früheren Auftritten kennt, weiß ohnehin, dass Dust Race live deutlich mehr Druck entwickeln, als es die reine Genrebezeichnung Indie/Alternative zunächst vermuten lässt.

The Grey 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Mit The Grey wird anschließend eine deutlich klassischere Hard-Rock-Schlagseite angeschlagen. Die Formation aus Braunschweig orientiert sich mit eigenen Songs an großen Namen wie Black Sabbath, Thin Lizzy, Whitesnake und Rainbow, ohne daraus lediglich eine Coververanstaltung zu machen. Kraftvolle Gitarren, klassische Melodieführung und ein Hang zu großen Rockgesten gehören zum Grundgerüst der Band.

Damit passen The Grey hervorragend in das Crowwood-Konzept, denn gerade bei einem kleinen Festival darf es gerne etwas abwechslungsreicher werden. Hier geht es nicht darum, eine einzige Stilrichtung über zehn Stunden zu konsumieren. Vielmehr darf der Besucher von Alternative über Hard Rock bis zum Heavy Stoner sämtliche Facetten handgemachter Rockmusik mitnehmen. The Grey liefern dafür die passende Portion Oldschool-Feeling und sorgen dafür, dass die Gitarren auf dem neuen Gelände endgültig auf Betriebstemperatur kommen.

First Year Nameless 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Bei First Year Nameless wird es naturgemäß besonders interessant. Schließlich ist die Kieler Heavy-Stoner-Band nicht einfach nur irgendein Name im Line-Up. First Year Nameless stehen am Ursprung des gesamten Festivals. Ohne die Lust der Musiker, trotz widriger Umstände live spielen zu wollen, gäbe es das Crowwood in dieser Form sicherlich nicht.

Damit ist der Auftritt der Band auf der neuen Mainstage zugleich eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Aus der kleinen Party auf dem Bauernhof ist inzwischen ein Festival mit eigenem Gelände geworden. Die Band selbst bleibt dabei dem Grundgedanken treu: Heavy Stoner, drückende Riffs, treibende Grooves und keine unnötige Hochglanzpolitur. Hauptinitiator Steffen Schumacher wollte noch nicht einmal eine Begrüßungsrede halten. Dazu wird er dann aber von Dust-Race-Frontmann Jan Fahnert genötigt. Es ist genau diese Verbindung zwischen Veranstalter und Musiker, die das Crowwood von den kommerziellen Festivals unterscheidet. Hier stehen nicht irgendwelche Veranstalter hinter dem Namen und buchen eine Band für ein Event. Die Band selbst ist Teil der Geschichte, und das kann man diesem Auftritt der Band durchaus anmerken.

AK 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Mit Pay Pandora aus Heide hätte die bekannteste Band des Line-Ups jetzt auftreten sollen. Die Band musste wegen der Erkrankung eines Bandmitglieds jedoch am Vormittag absagen. Die für die Aftershow verpflichteten Dissident mussten ebenfalls erkrankt absagen, konnten aber am Freitag durch die Kieler Band AK (Äusserste Kraft) kurzfristig ersetzt werden. Diese springt jetzt als Headliner ein. Musikalisch sorgen AK für einen weiteren Wechsel innerhalb des Programms. Mit an AC/DC angelehnten Songs mit deutschen Texten weiß die Truppe, wie man ein Publikum erreicht. Natürlich wird das aktuelle Album Komm Ins Licht! promotet. So wird der Nachmittag zunehmend zum Abend.

Melted Ego 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Melted Ego aus Nordfriesland und Hamburg bringen anschließend eine rauere Note ins Spiel. Grunge-Attitüde trifft hier auf Indie-Einflüsse und einen bewusst kantigen Sound. Genau das macht die Band für ein DIY-Festival wie das Crowwood interessant. Denn hier muss nicht alles glattgebügelt sein, die Musik darf Ecken haben, sie darf kratzen und sie darf auch einmal unbequem werden. Melted Ego stehen genau für diese Haltung. Statt möglichst viele musikalische Schubladen auf einmal zu bedienen, geht es um Atmosphäre, Druck und Charakter. Damit bilden sie einen gelungenen Übergang zur letzten Band. Die Sonne ist längst verschwunden, das Gelände wird zunehmend dunkler und aus dem sommerlichen Open Air entwickelt sich mehr und mehr eine Rocknacht mit schwindenden Besuchern.

Ratoath 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Den Reigen der Mainstage-Bands beschließen Ratoath aus Weddingstedt. Ihr Rock ist bodenständig und direkt, besitzt aber gleichzeitig genügend Melodie, um im Ohr hängen zu bleiben. Kraftvolle Gitarren treffen auf reflektierte Texte, genau jene Kombination, die man von einem regionalen Rockfestival erwartet. „Dreckig, ehrlich, mit ordentlich Schub nach vorne“, wie sie angekündigt werden. Die Band hat diesen ungewöhnlichen Namen gewählt, da einer der Musiker eine enge persönliche Verbindung zu dem gleichnamigen Ort in der Grafschaft Meath nördlich von Dublin in Irland hat.

Das Crowwood zeigt damit einmal mehr, dass es nicht auf große Namen angewiesen ist. Keiner der sechs Mainacts muss ein Stadion oder eine Halle füllen. Die Aufgabe ist eine andere, nämlich das Publikum auf diesem Gelände zu erreichen.

Während auf der Hauptbühne umgebaut wird, bleibt das Festival musikalisch in Bewegung. Ten Toe und Dave Hell übernehmen die Zeltbühne als Sideacts.

Ten Toe 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Gerade Ten Toe erweist sich dabei als interessante Besetzung für die Pausen. Ein Mann, eine Stimme, Gitarre und Drums – so wird der Auftritt angekündigt. Ein solches Format kann auf einem großen Festival schnell verloren wirken. In einem überschaubaren Zelt funktioniert es dagegen umso besser. Die „Ein-Mann-Band“ begeistert mit Coversongs und den selbstgebauten Instrumenten bei zwei Sets.

Auch Dave Hell ergänzt das Programm in dieser Funktion sinnvoll. Im wahren Leben Chirurg, begeistert der sonstige Frontmann der Acoustic Guerillas als Duo. Auch er darf mit zwei Sets beweisen, dass akustische Versionen von Hardrock- und Heavy-Metal-Songs ebenso funktionieren.

Die Zeltbühne wird damit nicht zur bloßen Notlösung während der Umbauten, sondern zu einem eigenständigen Bestandteil des kleinen Festivals. Von den ersten Takten am Nachmittag bis weit nach Mitternacht bleibt die Musik ein zentraler Bestandteil des Konzepts.

Dave Hell 2026 Crowwood; Foto: Norbert Czybulka

Natürlich ist das Crowwood 2026 nicht mit den großen norddeutschen Festivals zu vergleichen. Das will und kann es aber auch gar nicht sein. Hier geht es nicht um Tausende Besucher, internationale Headliner oder VIP‑Lounges. Das Festival funktioniert nach anderen Regeln. Der Eintritt bleibt frei. Die Bands werden über Hutgeld unterstützt. Die Organisation finanziert sich über Spenden und lebt von den ehrenamtlichen Mithelfern. Camping bleibt erschwinglich. Die neue Location bietet mit Badesee und Beachvolleyball zusätzliche Möglichkeiten, die diesmal nicht genutzt werden konnten. Gleichzeitig steht die Musik im Mittelpunkt. Das Wetter zeigt dem neuen Standort gleich bei der Premiere, dass ein Festival in Schleswig-Holstein nicht automatisch mit Sonnenschein rechnen darf. 13 Grad und Schauer sind eher April als Anfang September, doch die Besucher lassen sich davon erst spät in der Nacht vertreiben. Das Crowwood ist damit nicht einfach umgezogen. Es hat sich weiterentwickelt.

Fazit

Das Crowwood 2026 ist ein Festival, das sich seine eigene Nische geschaffen hat. Sechs Mainacts, zwei Sideacts, Tattoo, Camping, Badesee, Beachvolleyball und jede Menge handgemachte Rockmusik ergeben zusammen einen Festivalmix, der angenehm weit entfernt vom Hochglanzcharakter großer Open-Air-Veranstaltungen liegt.

Besonders bemerkenswert bleibt aber die Geschichte hinter dem Ganzen. Was 2021 aus dem Wunsch von First Year Nameless, überhaupt live spielen zu können, entstand, ist fünf Jahre später ein Festival mit eigenem Gelände geworden. Mehr Platz und externe Unterstützer erweitern das ursprüngliche Konzept, ohne den DIY-Charakter zu zerstören. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Tages: Man braucht keine riesige Bühne, um großes Festivalgefühl zu erzeugen. Man braucht Bands, die Bock haben, Menschen, die zuhören, und Veranstalter, die bereit sind, den ganzen Wahnsinn selbst anzuschieben. Das Crowwood hat genau das.

Die Krähe fliegt wieder und Tetenhusen darf sich schon einmal auf die nächste Runde einstellen.

Da viele der Bands nicht bei Setlist.fm vertreten sind, könnt ihr alle Auftritte der Hauptbühne hier noch einmal abrufen:

Setlisten:

  1. Bend And Obey
  2. Living Machine
  3. New City
  4. Hells Peacemaker 1
  5. Hells Peacemaker 2
  6. Holding Breath
  7. Fighting For
  8. Dust Race
  9. The Beast
  10. Rebell Yell
  11. Let’s Go

  1. Unconditional
  2. Love Went Down
  3. Never Been Loving You
  4. Change
  5. From Here To The Moon
  6. Shadow Man
  7. Only When It Rains
  8. Reborn
  9. Paranoid

  1. Hey You
  2. Take Two
  3. Desert Sun
  4. Electronic Music
  5. Free To Go
  6. Alive
  7. Halloween
  8. Fluffy Bunnies
  9. Light & Dark
  10. Time
  11. No Reggae
  12. Living On The Line
  13. What’s Coming On

  1. Mit Äusserster Kraft
  2. Träume
  3. Für Sie
  4. T.N.T.
  5. Jetzt Und Hier
  6. Was Willst Du Noch?
  7. Live Wire
  8. Wir Sind Hier
  9. Steh Auf!
  10. Held
  11. Feuerschutz
  12. Rock n´Roll Damnation
  13. Century Digital Boy
  14. Geht Weg!
  15. Das Muss Man Machen (Solange Es Noch Geht)

  1. Friday Intro
  2. Mud Stain
  3. Dystopia Unchained
  4. Golden Gift
  5. Meeting Mrs. Mayham
  6. September Sky
  7. The Tsar
  8. The Mantis
  9. Carnivor Matador

  1. Human Resources
  2. Scaremonger
  3. The Letter
  4. Amber & Plastic
  5. Toxic River
  6. Tin Foil Hats
  7. Nights
  8. Blindess
  9. Last Caress