Kill-Town Death Fest Warm-Up am 27.08.2026 im P8 in Karlsruhe

Viermal extremer Underground – und eine ziemlich gute Überraschung

Eventname: Kill-Town Death Fest Warm-Up

Bands: Phobocosm, Civerous, Fossilization, Of Feather And Bone

Ort: P8, Karlsruhe

Datum: 27.08.2026

Kosten: 22 € VK, 27 € AK

Genre: Doom, Death, Grind, Black, Extreme Metal

Besucher: ca. 200 Besucher

Veranstalter: P8

Link: https://p-acht.org/?date=2026-09-09

Kill-Town, das in Kopenhagen beheimatete Festival- und Booking-Kollektiv, hat sich längst einen Namen gemacht, wenn es um extremen Underground-Metal aus allen möglichen Ecken der Welt geht. Bevor Anfang September das Kill-Town Death Fest XI in Kopenhagen über die Bühne geht, macht das Festival mit seinem Warm-Up auch einen Abstecher nach Deutschland. Am 27.08.2026 steht das P8 in Karlsruhe auf dem Tourplan – und das Line-Up hat es durchaus in sich: Phobocosm aus Kanada, Civerous und Of Feather And Bone aus den USA sowie Fossilization aus Brasilien. Vier Bands, die ich ehrlich gesagt vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Aber wer Kill-Town kennt, weiß, dass hier heute Abend nicht unbedingt leichte Kost serviert wird.

Das P8 – Underground mit Geschichte

P8 – 2026 – Karlsruhe

Bevor es musikalisch losgeht, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Location. Das P8 kannte ich bisher tatsächlich noch nicht, obwohl ich die Karlsruher Subkultur aus früheren Jahren ganz gut kenne. Es liegt auf einem Gelände am Rande der Fächerstadt und ist dabei wesentlich mehr als einfach nur ein Konzertsaal. Zum Gelände gehören unter anderem ein Innenhof mit verschiedenen Sitzecken, eine Halfpipe, eine Bar, Proberäume und mehrere Veranstaltungsräume. Direkt daneben haben sich mit Retro Games außerdem Leute eingenistet, die sich komplett den alten Arcade-Games verschrieben haben – inklusive Automaten, an denen man tatsächlich spielen kann. Das Ganze wirkt angenehm unprätentiös und sehr DIY. Genau das passt zum P8, das sich als selbstverwalteter Kulturraum versteht und eng mit Subkultur, DIY-Szene und unabhängiger Kunst verbunden ist. Auch die Geschichte des Ortes passt dazu. Das P8 steht in einer Tradition Karlsruher selbstverwalteter Kultur- und Veranstaltungsorte, die weit in die Besetzer- und Subkulturszene zurückreicht. Man merkt dem Gelände an, dass hier nicht versucht wurde, aus einem Kulturzentrum einen glattgebügelten Eventtempel zu machen. Und das ist gut so. Der kleine Saal ist an diesem Donnerstagabend ordentlich gefüllt. Nicht komplett überlaufen, aber doch so, dass schnell eine angenehme Konzertatmosphäre entsteht. Während im großen Saal wenige Tage zuvor noch Sacred Reich gespielt haben, gehört der heutige Abend ganz klar dem extremen Underground.

Phobocosm – Apokalyptische Schwere zum Auftakt

Phobocosm – 2026 – Karlsruhe

Den Anfang machen Phobocosm aus Montreal, Kanada. Die Band bewegt sich im Bereich Death / Doom Metal und verbindet massive Schwere mit einer ausgesprochen düsteren Atmosphäre. Schwer wälzt sich der Sound durch die Zuschauerreihen. Doomig, alles wirkt dunkel, bedrückend und ziemlich apokalyptisch. Gefühlt verändert sich musikalisch nicht viel bei Phobocosm und was andere an diesem Abend als etwas eintönig empfinden, überzeugt mich allein durch diese Mischung aus Schwere und Atmosphäre. Aber auch beim größten Teil des Publikums kommt der walzende Sound gut an. Zwischendurch treffe ich Menschen, die ich teilweise seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen habe. Das macht den Abend schon früh ziemlich kurzweilig. Während man hier natürlich auch Bier trinkt, darf es an diesem Abend bei mir ausnahmsweise Weinschorle sein, wir sind ja schließlich in Karlsruhe. Sie wird für den Rest des Abends mein Getränk der Wahl.

Civerous – der Abend nimmt Fahrt auf

Civerous – 2026 – Karlsruhe

Als Nächstes kommen Civerous aus Los Angeles. Die Band bewegt sich zwischen Death, Doom und Black Metal und hat ihren Sound über die Jahre deutlich weiterentwickelt. Ihr aktuelles Album Maze Envy verbindet brutale Death-Metal-Passagen mit Doom, atmosphärischen und teilweise progressiven Elementen. Schwere Parts treffen auf deutlich aggressivere Passagen. Gleichzeitig verändert sich auch die Bühnenpräsenz komplett. Der Sänger interagiert mit dem Publikum und bewegt sich immer wieder bis an den vorderen Bühnenrand, während er seine Vocals förmlich ins Publikum schleudert. Nach dem eher schleppenden, atmosphärischen Einstieg von Phobocosm bringen Civerous damit eine ganz andere Energie in den kleinen Saal. Musikalisch ist die Band wesentlich abwechslungsreicher, als man zunächst vermuten könnte. Civerous verbinden ihre brutalen Death-/Doom-Grundlagen mit atmosphärischen, progressiven und teilweise fast psychedelischen Elementen. Gerade Maze Envy zeigt, dass die Band keine Lust darauf hat, sich auf eine einzige Spielart des extremen Metals festlegen zu lassen.

Fossilization – Brasilien lässt den Dschungel los

Fossilization – 2026 – Karlsruhe

Fossilization stammen aus São Paulo und sind ebenfalls tief im Death-Metal-Untergrund verwurzelt. Die Band wurde 2020 gegründet und veröffentlichte 2026 mit Advent Of Wounds ihr zweites Album. Was jetzt aus den Boxen kommt, wirkt auf mich tatsächlich ziemlich urtümlich. Primal. Wütend. Wild. Der Death Metal ist geradliniger als bei Civerous, die Blastbeats kommen ohne große Vorwarnung und werden teilweise bis zum Umfallen durchgezogen. Zwei Gitarren, dazu zweistimmige Vocals – alles erzeugt einen enormen Druck. Dazu kommen die Optik und die gesamte Erscheinung der Band. Knochen um den Hals, beschmierte Gesichter und Arme – das passt hervorragend zu dieser Musik. Selbst wenn ich vorher nicht gewusst hätte, dass die Jungs aus Brasilien kommen, würde ich diesem Sound sofort etwas Ursprüngliches und Wildes zuschreiben. Fossilization sind dabei kompromisslos. Hier wird nicht lange um den heißen Brei herumgespielt. Allerdings liegt darin auch mein einziger Kritikpunkt: Mir fehlt auf Dauer ein wenig die Abwechslung. Die Band zieht ihr Konzept konsequent durch – vielleicht sogar etwas zu konsequent. Trotz der fehlenden Abwechslung sind Fossilization für mich definitiv kein Ausfall – im Gegenteil, ihr kompromissloser Stil passt hervorragend in dieses Line-Up.

Of Feather And Bone – zum Abschluss noch mal volle Breitseite

Of Feather And Bone – 2026 – Karlsruhe

Den Abschluss machen Of Feather And Bone aus Denver, Colorado. Die 2012 gegründete Band hat ihre Wurzeln im Hardcore- und Crust-Punk, entwickelte sich aber immer stärker in Richtung Death Metal. Dazu kommen Grindcore-Einflüsse und eine gehörige Portion Dreck und Atmosphäre. Das aktuelle Material ist entsprechend brutal, dynamisch und alles andere als leicht verdaulich. Für mich sind sie heute Abend eindeutig die Gewinner. Warum die Band den letzten Slot bekommen hat, wird ziemlich schnell klar. Das ist brutaler Death Metal, dazu Blastbeats ohne Ende – aber gleichzeitig wesentlich abwechslungsreicher, als ich nach dem bisherigen Abend erwartet hätte. Die drei Musiker prügeln dem Publikum den letzten Rest an Energie aus dem Körper. Der Bassist und Sänger erinnert mich dabei tatsächlich an eine Mischung aus Danny Lilker und Tom Araya. Allein schon optisch, aber auch in der Art, wie Bass und Gesang gemeinsam nach vorne gedrückt werden. Der Drummer ist durch Nebel und rotes Licht kaum zu erkennen. Der Gitarrist steht dagegen wesentlich sichtbarer im Licht und übernimmt neben dem Gitarrenspiel ebenfalls einen Teil der Schreigesänge. Musikalisch ist das Ganze eine verdammt brutale Mischung aus Death Metal, Grind und bestialischen Ausbrüchen. Genau das, was man zu diesem Zeitpunkt des Abends eigentlich braucht. Obwohl ich die Band vorher ebenfalls nicht kannte, bin ich ziemlich schnell überzeugt. Unglaublich gut.

Of Feather And Bone – 2026 – Karlsruhe

Ich war schon lange nicht mehr auf einem Underground-Konzert dieser Klasse. Mein Wissen über den aktuellen extremen Underground beschränkt sich zugegebenermaßen eher auf alte Single-Sammlungen aus den Neunzigern. Entsprechend hatte ich – allein aufgrund der Logos und des Line-Ups – schon mit einer ziemlich wilden Veranstaltung gerechnet. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Der Kill-Town-Abend im P8 zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie viel spannende Musik abseits der großen Namen existiert. Vier Bands, vier unterschiedliche Ansätze, drei Länder beziehungsweise vier Szenen – und keine davon wirkt wie ein Lückenfüller. Phobocosm liefern die düstere Schwere, Civerous bringen Atmosphäre und Abwechslung, Fossilization prügeln sich kompromisslos durch den Abend und Of Feather And Bone setzen am Ende noch einmal einen drauf. Wer auf extremen Metal steht, sollte bei Kill-Town auf jeden Fall einmal genauer hinschauen. Hier gibt es jede Menge Perlen zu entdecken – und das Ganze sieht von außen wesentlich wüster aus, als es sich vor Ort tatsächlich anfühlt. Für mich war es jedenfalls ein richtig schöner Abend: mit vielen alten Bekannten, neuen Bekanntschaften, vier Bands, die ich vorher nicht kannte, und einer ziemlich coolen Location. Das P8 kann ich für einen Abstecher in den Süden definitiv empfehlen. Auch das weitere Programm zeigt, dass hier ein bemerkenswert breites Spektrum an Underground- und Extrem-Metal-Konzerten geboten wird. Danke an Nicolai für die Einladung und natürlich auch an das gesamte Team des P8 sowie Berthold für diesen Abend. Vielleicht sieht man sich ja spätestens beim nächsten Kill-Town-Abstecher wieder.