Event: Free To Love Tour 2026
Band: Duran Duran
Support: DJ Micar
Ort: Barclays Arena, Hamburg
Datum: 05.10.2026
Preis: Stehplatz 83 €, Front of Stage 123 €. Sitzplatz 104 €, 124 €, 154 €. Premium 234 € im VVK, Stehplatz 85 €, Front of Stage 125 €. Sitzplatz 105 €, 125 €, 155 €. Premium 235 € an der Abendkasse
Zuschauer: geschätzt etwa 5.000
Genre: New Wave, Pop Rock, Synthpop
Veranstalter: Lars Berndt EVENTS GmbH
Ende der 1970er-Jahre beginnt in Birmingham die Geschichte von Duran Duran. Nick Rhodes und John Taylor gehören zu den Gründern, 1980 vervollständigt sich die klassische Besetzung mit Simon Le Bon, Andy Taylor und Roger Taylor. Mit Alben wie Rio, Seven And The Ragged Tiger und Notorious werden Duran Duran zu einer der wichtigsten Bands der New-Wave- und Pop-Ära. Hits wie Hungry Like The Wolf, The Reflex, Save A Prayer, A View To A Kill oder Ordinary World gehören bis heute zum internationalen Soundtrack mehrerer Generationen. Die aktuelle Kernbesetzung besteht aus Simon Le Bon, Nick Rhodes, John Taylor und Roger Taylor. 2022 folgte die Aufnahme in die Rock & Roll Hall Of Fame.
Und nun wird es persönlich. Denn während ich inzwischen für ein Metal-Magazin schreibe und mich normalerweise mit Gitarrenwänden, Growls, Doublebass und Menschen beschäftige, die ihre Haare auch noch im Gegenwind kontrolliert schwingen lassen, hatte meine damalige Freundin einst eine Lieblingsband. Genau. Duran Duran.

Man könnte also sagen: Das hier ist kein normales Konzert. Das ist eine Zeitreise, denn da wir meist bei ihr waren, hatte sie die Musikhoheit. Bleibt nur eine Frage: Was ziehe ich beim Konzert an? Die Kutte? Bestimmt nicht. Ein altes Bandshirt? Wenn ich eines hätte, würde es mir eh nicht mehr passen. Mein Time-For-Metal-Shirt? Ich glaube, das ist noch immer die beste Wahl. Meine damalige Freundin hätte die Antwort vermutlich sofort gewusst.
Es gibt Konzerte, bei denen man sich bereits beim Betreten der Halle fragt, ob man die Eintrittskarte vielleicht versehentlich im falschen Umschlag bekommen hat. Duran Duran in der Barclays Arena Hamburg gehört für mich eindeutig in diese Kategorie.
Die Arena am Hellgrundweg ist inzwischen eine der großen Hamburger Konzertadressen und fasst bei Konzerten je nach Veranstaltung bis zu rund 15.000 Besucher. Seit 2002 steht die Multifunktionsarena für die ganz großen Namen.
Und nun stehen dort vier Herren der Kernbesetzung, unterstützt von weiteren Live-Musikern, auf der Bühne, die bereits Musik machten, als bei mir die größte technische Errungenschaft ein Kassettenrekorder mit halbwegs funktionierendem Aufnahme-Knopf war. Meine Freundin hätte damals wahrscheinlich sofort gesagt: „Duran Duran! Da müssen wir unbedingt hin!“ Ich dagegen hätte vermutlich gefragt: „Und wann kommen Saxon oder AC/DC?“ Tja. Jahrzehnte später schreibe ich für ein Metalmagazin und sitze bei Duran Duran. Das Leben hat Humor.

Bevor Simon Le Bon und seine Mitstreiter die Bühne betreten, übernimmt um 19 Uhr DJ Micar das musikalische Warm-up. Der deutsche DJ und Produzent Carsten Michel, besser bekannt als Micar, stammt ursprünglich aus Saarbrücken, wuchs allerdings in Buchholz in der Nordheide auf und war zwischen 1999 und 2001 bei Radio Energy in Hamburg tätig.
Damit ist der Support tatsächlich ein kleines Hamburger Heimspiel. Seine Karriere führte ihn anschließend über Radio, Fernsehen, Motorsport und schließlich die DJ- und Produzentenlaufbahn bis in die Charts.
Musikalisch ist das natürlich eine andere Baustelle als das, was man normalerweise auf den Seiten eines Metal-Magazins erwartet. Aber genau das macht den Abend interessant. Hier gibt es keine Vorband, die versucht, möglichst schnell 120 Dezibel zu produzieren. Stattdessen wird die Halle auf Tanztemperatur gebracht.
Und irgendwo zwischen Synthesizer, Disco, Pop und elektronischen Beats wird mir endgültig klar: Ich bin allein auf einer Duran-Duran-Party. Meine Freundin wäre damals stolz. Sollte sie hier in der Halle sein, würde sie mich killen wollen oder sie würde sich kaputtlachen, dass ausgerechnet ich hier stehe. Schließlich stehe ich in Row Zero und sie hat nur eine günstige Tribünenkarte …

Wenn man Duran Duran auf eine reine Nostalgieveranstaltung reduziert, tut man der Band allerdings Unrecht. Die Briten sind 2026 keineswegs nur unterwegs, um ihre alten Hits noch einmal abzuspielen. Die aktuelle 2026er-Tour umfasst unter anderem Hamburg und Köln sowie weitere Termine in Europa und Großbritannien; Brüssel und Paris stehen im Oktober ebenfalls auf dem Plan, während London bereits im Juli Station der Tour war. Die Band selbst beschreibt ihre Live-Shows ausdrücklich als Verbindung aus Klassikern und neuerem Material und der Blick auf die bisherige Setlist bestätigt das.
Die Show beginnt mit einem instrumentalen Free To Love-Intro, bevor Is There Something I Should Know? folgt. Danach kommen The Wild Boys, das The James Bond Theme, A View To A Kill und Hungry Like The Wolf. Spätestens hier dürfte sich bei einem beträchtlichen Teil des Publikums der persönliche Fluxkompensator eingeschaltet haben. Bei mir allerdings ebenfalls, nur dass ich inzwischen keine 20 mehr bin. Der Rücken erinnert mich daran.
Hungry Like The Wolf ist einer dieser Songs, bei denen man gar nicht darüber nachdenken muss, ob man ihn kennt. Die ersten Töne reichen und irgendwo im Gedächtnis öffnet sich eine Tür. Dahinter: MTV, bunte Bilder, Frisuren und Mode, bei der man heute froh ist, dass Fotos irgendwann digital wurden. Und natürlich Duran Duran.
Das eigentlich Faszinierende ist, dass die Songs auch Jahrzehnte später funktionieren. Nicht als museale Ausstellungsstücke, sondern als gut gemachte Popsongs mit klaren Melodien, starken Arrangements und diesem unverkennbaren Mix aus Gitarren, Bass und Synthesizern. Alles klingt rockiger und nicht so nach Mainstream.

Mit Ordinary World und Come Undone wechselt die Stimmung. Beide Stücke zeigen, dass die Band weit mehr kann, als Achtzigerjahre-Partys mit dem entsprechenden Soundtrack zu versorgen. Gerade Ordinary World besitzt eine emotionale Tiefe, die mit dem Image der frühen Jahre wenig zu tun hat. Come Undone gehört ohnehin zu den Songs, die man auch dann mitsingen kann, wenn man eigentlich behauptet, mit Popmusik nichts am Hut zu haben.
Das ist ungefähr der Moment, an dem der Rock- und Metal-Journalist in mir kurz aufgibt.
Nur kurz.
Sehr kurz.
Ich verspreche es.
Natürlich darf auch neues Material nicht fehlen. Mit Free To Love steht ein aktueller Song im Set. Die Single entstand gemeinsam mit Nile Rodgers und wurde gerade erst am 23. April veröffentlicht. Die Band hat damit nicht einfach nur einen alten Klassiker neu aufgelegt, sondern demonstriert, dass Duran Duran weiterhin Lust auf neue Musik haben.
Dazu kommen mit Invisible, Evil Woman und Super Lonely Freak weitere Stücke sowie später Notorious, New Moon On Monday und I Don’t Want Your Love, bevor Free To Love noch einmal als regulärer Song gespielt wird. Die Tour ist also keine starre Greatest-Hits-Veranstaltung, obwohl diese natürlich kommen. Und zwar reichlich.
Mit Planet Earth wird einer jener Songs ausgepackt, die Duran Duran schon früh auf den Weg gebracht haben. Danach folgen White Lines (Don’t Don’t Do It) und (Reach Up For The) Sunrise, bevor Girls On Film beziehungsweise der Übergang zu Psycho Killer die Hauptshow in Richtung Finale führt. Das ist schon eine ziemlich beeindruckende Reise durch die Bandgeschichte.

Und irgendwo zwischen Planet Earth und Girls On Film stellt sich wiederholt dann die Frage: Was macht eigentlich ein Metalfan auf einem Duran-Duran-Konzert?
Antwort: Er hört gute Musik. Und wenn er ehrlich ist, kennt er verdammt viele dieser Songs.
Für die Zugaben stehen Save A Prayer und Rio bereit. Rio ist natürlich der Moment, in dem sich die Zeitmaschine endgültig auf 1982 zurückstellt. Nur leider funktioniert das Rückbeamen nicht, denn ich stehe weiterhin in Hamburg. Die Haare sind nicht mehr ganz so voll, die Jeans sitzt anders. Die Freundin von damals ist längst nicht mehr dieselbe, aber die Musik, die ist noch da.
Fazit:
Duran Duran in Hamburg ist eine ziemlich eigenartige Erfahrung, zumindest für jemanden, der normalerweise über Rock-, Punk- und Metalbands schreibt. Aber vielleicht liegt genau darin der Reiz. Musik ist schließlich eine Zeitmaschine.
Ein Song kann reichen, und plötzlich ist man wieder dort, wo man einmal war. Bei Duran Duran bedeutet das für mich nicht nur Achtzigerjahre-Pop, sondern auch eine ganz persönliche Erinnerung, denn schließlich hatte meine Freundin Duran Duran als Lieblingsband und heute, Jahrzehnte später, darf ich als Fotograf und Schreiberling eines Metalmagazins über genau diese Band berichten.
Dazu die große Bühne der Barclays Arena mit einem Publikum, das vermutlich gemeinsam mit den Songs gealtert ist. Negativ anzumerken ist noch, dass man an den Getränkeständen, an denen ich mein Getränk gekauft hatte, seinen Pfandbecher nicht zurückgeben konnte. Dafür musste man extra zu entsprechenden Rückgabestellen beziehungsweise in die Umläufe. Bei 3 Euro Pfand ein starkes Stück.
Und ich gehe jetzt lieber wieder zurück zu meinen Metalbands, bevor mich noch jemand auf dem Weg zum Auto dabei erwischt, wie ich Rio vor mich hin pfeife.











