Hämatom 2026 Baltic Open Air; Foto: Norbert Czybulka

Das Hämatom Interview: Schlagzeuger Süd spricht über das „Gagamania Mixtape“ und die größte Tour der Bandgeschichte

Hämatom über Gagamania, die größte Tour ihrer Bandgeschichte, und jede Menge Wahnsinn abseits der Norm

Artist: Hämatom

Herkunft: Speichersdorf, Deutschland

Genre: Neue Deutsche Härte

Label: Anti Alles

Link: www.haematom.de

Bandmitglieder:

Gesang – Nord
Gitarre – Ost
Gitarre – Rose
Schlagzeug – Süd

Mit Gagamania schlagen Hämatom ein neues Kapitel ihres ganz eigenen Wahnsinns auf. Das Mixtape und die zweite Single Weil Ich Rauchen Einfach Mag zeigen, dass sich die Band musikalisch und thematisch ungern in Schubladen stecken lässt. Im Gespräch mit Time For Metal berichtet Süd über die Entstehung des augenzwinkernden Tracks und die anstehende Herbsttour, die zur bislang größten der Bandgeschichte werden soll. Dabei verspricht Gagamania weit mehr als gewöhnliche Konzertabende: Überraschungen, absurde Momente und jede Menge Eskalation sollen das Publikum vom Einlass bis zum letzten Ton begleiten. Außerdem sprechen wir über die Vorbereitungen, besondere Tourstopps, neue Musik und die Bedeutung von Zusammenhalt in bewegten Zeiten.

Time For Metal / René W.:
Am 18.09.2026 erschien eure zweite Single Weil Ich Rauchen Einfach Mag. Nach dem totalen Kontrollverlust bei Out Of Order klingt das Thema überraschend banal – was hat euch zu diesem Track inspiriert?

Hämatom / Süd:
Unser Sänger! Ganz klar Nord. Er ist weltweit der Raucher. Keiner raucht so viel und vor allem so leidenschaftlich gerne. Das Songwriting zu dem Gagamania Mixtape passierte in Gran Canaria in einem tollen Haus, das wir uns für eine Woche gemietet hatten. Und irgendwann hat irgendwer nach langer Beobachtung von unserem Sänger Nord das Thema Rauchen in den Ring geworfen und für alle Anwesenden kam sofort die kollektive Bestätigung. Wir waren eher verwundert, warum wir erst jetzt auf diese Idee kamen. Nichts liegt näher bei Nord als rauchen!

Time For Metal / René W.:
Der Song ist Teil eures neuen Gagamania Mixtapes. Inwiefern stimmt uns diese EP musikalisch und thematisch auf die anstehende Herbsttour ein?

Hämatom / Süd:
Sie ist insofern eine gute Einstimmung, als dass sie eben demonstriert, dass alles erlaubt ist, es keine Tabus gibt. So ist diese EP entstanden und so sollen die Konzertabende auf der Tour sein. 100% Gaga, jeder soll durchdrehen, wie er mag – natürlich ohne andere zu verletzen. 🙂 Aber es gibt keine Norm, es darf nie langweilig werden. Voller Überraschungen. Und musikalisch werden auch Songs dieser EP live gespielt werden, aber natürlich auch ganz viel älteres Material aus unserer inzwischen doch längeren Bandhistorie.

Time For Metal / René W.:
Der Name eurer Tour im Oktober und November verspricht schon ordentlich Wahnsinn. Worauf dürfen sich die Fans bei den kommenden Shows gefasst machen?

Hämatom / Süd:
Diese Tour ist ein ganzheitliches Erlebnis. Weitaus mehr als drei musikalische Acts, die hintereinander spielen. Der Besucher, der Gast, der Freak wird schon beim Einlass bespaßt, überrascht, in die Gagamania-Welt geholt und soll mit all den anderen Zuschauern des Abends von Ankunft bis Abreise auf eine verrückte Reise mitgenommen werden. Und auf der Bühne soll sich dieses Irrenhaus dann fortsetzen. Gagamania eben. Alles anders, Hauptsache nicht normal. Wir wollen allen Beteiligten Verhalten entlocken, das sie vielleicht vorher von sich selbst noch nicht kannten 🙂

Time For Metal / René W.:
Wie laufen die Vorbereitungen für die Tour und wie fügen sich die neuen Songs der EP ins Live-Set ein?

Hämatom / Süd:
Es ist alles angerichtet, so früh waren wir noch nie fertig und prepared. Hatten jetzt zwei Warm-up-Shows in einem kleineren Club, wo wir musikalisch noch mal einiges ausprobieren, umstellen und feinschleifen konnten. Jetzt kann es losgehen. Wir sind happy und freuen uns auf die nächsten Wochen.

Time For Metal / René W.:
Gibt es bestimmte Hallen oder Städte im Tourplan, auf die du dich in diesem Herbst ganz besonders freust?

Hämatom / Süd:
Ich freue mich sehr auf München. Ich bin vor knapp 20 Jahren in diese Stadt gezogen und obwohl ich brutal viel unterwegs bin, bin ich inzwischen hier auch sehr verwurzelt und freue mich einfach, wenn viele Bekannte vorbeischauen und wir danach hoffentlich noch eine schöne Aftershow-Party gemeinsam feiern können. Auf der letzten Tour bin ich ja leider wegen eines Blinddarmdurchbruchs ausgefallen. Als die Show dann mit einem Ersatzschlagzeuger gespielt wurde und mich zahlreiche Videos von diesem Abend im Krankenhaus erreichten, hat mich das schon sehr traurig gemacht. Jetzt wird es im Zenith mit doppelter Energie nachgeholt!

 
 
Hämatom 2025 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Time For Metal / René W.:
Das Thema Gagamania lebt von einer völlig abgedrehten Atmosphäre. Welche Rolle spielt das Publikum, um diesen Wahnsinn jeden Abend auf die Spitze zu treiben?

Hämatom / Süd:
Das Publikum wird schon beim Einlass einem Gaga-Test unterzogen und soll ein Teil dieser Irrenanstalt werden. Denn, ganz ehrlich, wer entscheidet, was normal und was verrückt ist? An diesem Abend soll es auf jeden Fall ein fließender Übergang werden. Wir wollen keine Leute, die nur dastehen und zugucken. Eskalation, bis der Schweiß von der Decke tropft, ist das Ziel. Und da muss jeder mithelfen.

Time For Metal / René W.:
Gibt es bei so einem straffen Programm im Oktober und November besondere Rituale Backstage, um jeden Abend die volle Energie auf die Bühne zu bringen?

Hämatom / Süd:
Wir haben vor jeder Show eine Besprechung mit allen Beteiligten. Mal dauert es länger, mal gibt es nicht mehr viel zu sagen. Lustig ist es immer, weil man noch mal über bizarre Situationen der vergangenen Shows gemeinsam lacht. Und abgeschlossen wird diese große Runde mit einem gemeinsamen Stumpen Jägermeister. Nord fängt dann an, sich zu schminken, wir anderen drei trommeln und klimpern oft noch gemeinsam herum, dann treffen wir im Rahmen des Meet The Freaks unsere geliebten Freaks (Hämatom-Fanclub). Bevor es dann auf die Bühne geht, schmeißt Ost die Bluetooth-Box brutal laut mit Assi-Hip-Hop an, bis die Ohren glühen.

 
 
Hämatom 2025 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Time For Metal / René W.:
Nach so einem intensiven Tour-Herbst braucht man erst einmal Pause. Fällt man nach dem Finalvorhang kurz in ein Loch oder plant ihr gedanklich schon das nächste Projekt?

Hämatom / Süd:
Wie nach jeder Tour wollen wir es immer nicht wahrhaben, dass wir in ein Loch fallen werden, und dann fallen wir in ein Loch. Aber das muss man auch zulassen und vielleicht dahingehend genießen, dass man all das Erlebte der Tour noch mal Revue passieren lässt. Es wird die größte Tour der Bandgeschichte. Ich denke, danach werden wir mit vielen neuen Storys nach Hause kommen, die man eben auch im Nachgang erst mal verarbeiten muss. Aber klar, es gibt schon wieder Zukunftspläne und die gilt es zu sortieren, zu prüfen und dann eben auch zu planen.

Time For Metal / René W.:
Das Gagamania Mixtape liefert den perfekten Soundtrack für den Herbst. Geht es nach der Tour direkt wieder ins Studio, um an einem neuen großen Album zu schrauben?

Hämatom / Süd:
Wir sind ja wirklich sehr aktiv, haben gerade dieses Mixtape herausgebracht, das übrigens anfangs ungeplant war. Und stecken gerade regelmäßig unsere Köpfe zusammen, um uns über neue Ideen auszutauschen. Aber so richtig spruchreif ist gerade noch nichts, weil der gesamte Fokus auf dieser anstehenden Tour liegt. Ich würde es aber nicht ausschließen, dass uns recht schnell wieder neuer Input in ein Studio treibt.

Time For Metal / René W.:
Das letzte Wort gehört ganz alleine dir, Süd, und du kannst es frei an deine Fans und unsere Leser wenden. Ich wünsche eine schöne wie erfolgreiche Tour und lasst es ordentlich krachen.

Hämatom / Süd:
Leute, seid und bleibt nett zueinander. Es sind Zeiten mit viel Unsicherheiten, viele Menschen haben Zukunftsängste und zusätzlich werden Ängste von Populisten geschürt. Helft euch gegenseitig, haltet zusammen, geht aufeinander zu. Wir sind nicht im Tierreich, wir sind Menschen, wir können es besser!