Stygian Steel – Black Lotus Veil

23.10.2026 – Epic Metal, Doom Metal, Dark Rock, Progressive Metal – High Roller Records – 39:49 Minuten

Es gibt Platten, die beim ersten Ton mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen hinterlassen. Stygian Steel und ihre LP Black Lotus Veil sind so ein Beispiel. Der Titeltrack läuft sieben Minuten und lässt etwas in Richtung Gothic vermuten. Vor allem der Gesang klingt wie bei 80er-New-Wave-Sachen. Es gibt sehr spezielle Kost aus Norwegen, die aber durchaus ihren Reiz hat.

Black Lotus Veil ist speziell, hat aber seinen Reiz

Eigentlich ist Stygian Steel eine One-Man-Show, bei der Erlend Rønning die Fäden in der Hand hält. Für die Albumproduktion hat sich Rønning Unterstützung für den Gesang und die Drums besorgt, sodass das Projekt Stygian Steel nach einer Band klingt und nicht nach einem Solo-Trip. Die Bandbreite, die Rønning auf Black Lotus Veil verewigt hat, ist groß. Nach dem eher in Richtung New Wave und Gothic tendierenden Auftakt, ändert sich mit A Fool’s Errand bereits der Sound. Der Bass dröhnt zum Anfang, kombiniert sich aber mit leichtfüßigem, epischem Metal, der durchaus nach vorne geht, ohne seine düstere Atmosphäre zu verlieren.

Auch das nachfolgende Grave Of The Giant-Kings schleppt sich erst mal mühselig vorwärts. Im Refrain wird es etwas runder und spätestens jetzt sind Stygian Steel tief im Doom unterwegs. Im weiteren Verlauf kommt selbstverständlich der lockere metallische Galopp, sodass sich Epic und Doom zu einer starken Melange vermengen.

Die guten zwei Minuten Incantation I dienen als Interlude zu The Serpent’s Steel, bei dem der 80er-New-Wave-Einfluss durchschimmert und sich mit rockigen und metallischen Elementen verbindet und dazu eine Spur Progressivität als Pointe obendrauf legt. Gewöhnungsbedürftig sicher, aber diese Art von Musik gibt es nicht an jeder Ecke zu entdecken.

Der Schlusspunkt ändert auch noch die Sprache. Een Stygisk Overtyr mit mehr als zehn Minuten Laufzeit lässt bereits aufhorchen. Es fehlt noch das große Epos, das liefert Rønning zum Ende. Natürlich agiert Rønning nicht nach dem Manowar-Prinzip, aber epischen Metal mit Wendungen und Drehungen, der auch über die gesamte Laufzeit Spaß macht, gibt es zum Abschluss.

Hier geht es für weitere Informationen zu Stygian Steel – Black Lotus Veil in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Das Album ist digital bereits veröffentlicht und klingt so:

Stygian Steel – Black Lotus Veil
Fazit zu Black Lotus Veil
Wenn sich 80er-Jahre-Klänge, Doom und Progressivität vermengen, dann klingt das beim Blick von oben nach einem komplexen und verschachtelten Stück Musik. So kommt Stygian Steel mit Black Lotus Veil nicht rüber, eher düster, old school, unaufgeregt und an der einen oder anderen Stelle etwas zu sehr in die Länge gezogen. Sieben Stücke, zwischen circa zwei und mehr als zehn Minuten, sagen bereits von den Eckdaten einiges aus. Rønning und seine Mitstreiter haben eine spezielle Platte erschaffen, die verschiedene musikalische Ansätze vereint und immer wieder überraschen kann. Es ist keine einfache Kost, aber durchaus interessant, auch wenn die Platte einige unnötige Längen liefert und somit nicht in Gänze überzeugen kann. Menschen mit einer Vorliebe für eher ungewöhnliche Klänge, die vor allem auf eine düstere Atmosphäre setzen, sollten Black Lotus Veil antesten.

Anspieltipps: Grave Of The Giant-Kings und Een Stygisk Overtyr
Jürgen F.
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