Primal Fear, Metal Hammer Paradise 2022, Foto: Lars Thoke

Interview mit Michael Ehré von Gamma Ray und Fearless V in der Heilandskirche, Hamburg

„Irgendwie komisch, aber trotzdem großartig“

Interview in einer Kirche? Die Nacht Der Kirchen in Hamburg liefert die Möglichkeit, mit dem Gamma-Ray-Drummer Michael Ehré über seine neue Band Fearless V zu sprechen und gleich bezüglich des Gerüchts nachzufragen, wie es mit einer neuen Gamma-Ray-Scheibe aussieht.

Primal Fear, Metal Hammer Paradise 2022,
Foto: Lars Thoke

Hallo Michael, vielen Dank für deine Zeit. Das wievielte Mal hast du ein Metalkonzert in einer Kirche gespielt und wie hast du es empfunden?

Warte, lass mich eben zählen, das erste Mal. Irgendwie komisch, aber trotzdem großartig. Du spielst da vor so einem riesengroßen Kreuz in deinem Rücken ein Metalkonzert. Diese Atmosphäre ist schon besonders. Ich fand es gut und die Leute haben es angenommen. Ich hatte ein wenig Angst wegen der Akustik. Ich weiß nicht, wie es jetzt vorne war, das hören wir hinten auf der Bühne nicht, aber ich habe das beim Soundcheck geprüft. Bei einer Band klang das gut. Von daher hoffe ich, dass es bei uns auch gut geklungen hat.

Dann kommen wir zur heutigen Band. Fearless V ist ein neuer Name, die Gesichter aber bekannt. Wie ist die Band zustandegekommen?

Nach dem Split bei Primal Fear im Sommer 2024, war uns vieren (Tom Naumann, Alex Beyrodt, Alex Jansen, Michael Ehré) klar, wir machen auf alle Fälle zu viert weiter und halten Ausschau nach einem Sänger und starten was Neues. Das ist die ganze Geschichte. Wir haben dann in den zwei Jahren Songs geschrieben, Sänger und geeignete Partner für das Business gesucht. Bis du Booking und Plattenfirma hast, das dauert halt, wenn du von vorne anfängst. Aber es ist egal, wie lange es dauert. Wichtig ist nur, dass es gut wird, und lieber zwei Jahre warten als ein Schnellschuss, und dann bist du wieder weg vom Fenster.

Wie seid ihr auf Jan von The Unity als Sänger gekommen?

Fearless V – Heilandskirche, Hamburg – 2026

Jan ist mein Kollege bei The Unity, so war der Weg nicht lang. Wir kannten uns alle, als wir mit The Unity und unserem ersten Album 2017 mit Sinner unterwegs waren. Dann folgte 2023 ein Teil der ausgedehnten Tour mit Primal Fear. Es ist ein großer Faktor, abgesehen davon, dass Jan natürlich ein unfassbar guter Sänger ist. Für uns war klar, dass es menschlich super passt. Wir vier waren schon die ganzen Jahre gemeinsam aktiv, wir kennen uns alle und dann suchst du dir den Fünften, der kann das alles sprengen. Von daher ist Jan die naheliegendste, aber trotzdem eine gute Lösung.

Habt ihr einen Hauptsongwriter oder teilt ihr euch das ein?

Tom hat sehr viel geschrieben, der hat Riffs wie am Fließband geliefert. Wo wir dann gemeinsam aktiv wurden, war es halt eben beim Arrangement und auch ein Stück weit bei den Texten und Melodien. Da sind wir am Ende alle dran beteiligt.

Musikalisch klang das sehr vielfältig, mit Hard Rock, Melodic Rock, Melodic Metal und auch Power Metal. Ist Fearless V stark von euren bisherigen Aktivitäten geprägt?

Die Brücke zu The Unity ist klar mit dem Gesang vorhanden. Jan hat auch den Sound von The Unity mitgeprägt. Tom hat mit seinen Riffs und seinem Songwriting jahrelang Primal Fear geprägt. Von daher wundert mich das nicht, dass du das so empfunden hast, dass das im Prinzip ein Best of Both Worlds ist. Für uns ist klar, dass wir versuchen, nicht ein Rip-off von Primal Fear zu sein, sondern schon unsere eigene Identität suchen und finden. Aber es war auch klar, wenn vier Leute aus einer Band eine neue Band gründen, dass das durchschimmert. Deswegen ist es super, dass wir Jan überzeugen konnten, weil er halt eben dann doch dem Ganzen eine andere Note gibt als bei Primal Fear. Er singt anders als Ralf, dadurch klingt es dann auch anders.

Dann lass uns mal den Blick nach vorne werfen. Eure Debüt-Platte kommt im Februar. Mit wie vielen Songs?

Wir sind noch gerade am Aussortieren, wir haben genug Material. Wir wollen die Hörerschaft bei der Stange halten. Ein Album ist etwas anderes als nur ein Song. Wir müssen gucken, dass der Albumfluss passt. Ich bin eher ein Freund davon, vielleicht etwas weniger auf die LP zu pressen, als eine Nummer zu viel, wo das Gefühl aufkommt, dass das Stück eher ein Filler ist. So hundertprozentig klar ist es noch nicht, aber ich denke, es werden so circa elf Tracks am Ende sein. Wir sind nur noch am Feinschliff, wo es um die Reihenfolge geht und eben um den Fluss der Platte.

Lass uns einen Blick zurückwerfen. The Unity ist etwas eingeschlafen, wobei es vermutlich sehr viele Gründe dafür gibt. Wenn ich das so richtig im Kopf habe, hattest du auch gesundheitliche Probleme, auch etwas länger. Henjo Richter brauchen wir nicht drüber zu reden. Wie ist denn der Stand bei Henjo und überhaupt bei The Unity?

The Unity; Foto: Norbert Czybulka

The Unity liegt tatsächlich auf Eis. Ich möchte betonen, das hat mit Fearless V gar nichts zu tun. Parallel mit Primal Fear hat The Unity auch funktioniert. Ich habe beides gemacht und hätte auch beide Bands weitermachen können. Aber es war halt so, dass wir sieben sehr arbeitsreiche Jahre hinter uns hatten. Wir haben jedes Jahr ein Album rausgebracht. Mussten genau wie alle anderen Corona irgendwie überstehen. Es war die Luft raus. Wir haben immer das Gefühl gehabt, man schwimmt oder kämpft gegen Windmühlen. Es war ein schwieriger Weg und deswegen liegt das jetzt mehr oder weniger auf Eis.

Ich bin mit Henjo ab und an in Kontakt. Nicht jetzt jede Woche. Aber ich weiß, dass er immer noch mit den Folgen von seinem Unfall 2023 kämpft. Das war noch, bevor ich krank geworden bin. So lange schleppt er das schon mit sich rum und das macht ihm sehr zu schaffen, was mir sehr leidtut. Ich habe gehofft, dass er heute hier ist. Meine Frau hat heute mit ihm Kontakt gehabt. Dann habe ich gefragt, Mensch, kommst du vorbei? Aber er sagt, nee, passt irgendwie nicht so, und deswegen war er leider nicht da.

Tobias Exxel hat 2027 auch andere Dinge zu tun bezüglich der Reunion von Edguy.

Auch das hat nichts mit The Unity zu tun. Diese Edguy-Geschichte ist super. Es freut mich für ihn, dass da noch mal so eine Farewell Tour veranstaltet werden kann. Das ist für die Band super, für die Fans natürlich auch und für Eggy freut mich das sehr. Also von daher ist das alles cool und hat nichts mit The Unity zu tun.

Dann kommen wir noch zur finalen Band, die vor allen Dingen in Hamburg eine große Fanbase hat. Es gibt Gerüchte, dass im Moment etwas bei Gamma Ray passiert. Wie sieht es da aus?

Gamma Ray, K.O. Festival, Pic. by. Alex. Wahl
Gamma Ray, K.O. Festival, Pic. by. Alex. Wahl

Kai hat jetzt gerade seine neue Hansen And Friends, sein zweites Soloalbum, produziert, das jetzt demnächst erscheint, und das hat er in den kleinen Helloween-Pausen umgesetzt. Ich kann nur sagen, von den Gerüchten habe ich jetzt nichts gehört mit einer neuen Gamma-Ray-Platte. Deswegen glaube ich nicht, dass da etwas passiert. Es wäre schön, ich hätte nichts dagegen, wenn es denn mal irgendwann so sein sollte, aber das liegt natürlich nicht in meiner Hand. Wir müssen einfach abwarten, was passiert. Ich denke schon, dass wir in naher Zukunft noch mal das eine oder andere Konzert oder eine kleine Tour spielen werden. Das wird bestimmt passieren. Kai ist Gamma Ray wichtig, weil es nach wie vor sein Baby ist. Helloween ist auch sein Baby, aber Gamma Ray hat einen bestimmten Stellenwert für ihn und von daher glaube ich schon, dass die Geschichte von Gamma Ray noch weitergeht. Mit der Platte habe ich keine Infos. Ich kann es mir nicht vorstellen. Kai hat jetzt seine ganze Energie in das letzte Helloween-Album und anschließend in seine Hansen-And-Friends-Geschichte gesteckt. Da glaube ich nicht, dass ihm jetzt der Sinn danach ist, ein Gamma-Ray-Album zu schreiben und zu produzieren.

Danke für deine Zeit, Michael, das ist das perfekte Schlusswort.