Event: Auf Höllenfahrt Tour 2025
Headliner: ASP
Vorband: Johanna Krins
Ort: Markthalle Hamburg
Datum: 06.11.2025
Genre: Gothic Novel Rock
Besucher: Knapp 1.000
Setlist: ASP
Ein Ton, und das ganze Publikum jubelt. Eine Geste, und alle klatschen. ASP beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Die Kontrolle, die er über sein Publikum hat, ist fast schon beängstigend. Bereits bei der Vorband ist es brechend voll und selbst in der Bierpause bewegt sich kaum jemand weg, alle wollen an diesem Donnerstagabend Alexander Spreng – ASP – und seine gleichnamige Band sehen. Und er liefert, wie immer.
Ah ja, Vorband: Die Sängerin Johanna Krins, ex-Bannkreis, tritt zusammen mit einigen Musikern unter ihrem eigenen Namen auf. Bei ihrem gerade erschienenen ersten Album Klarheit scheint Alexander Spreng einige Liedtexte beigetragen zu haben – auch wenn ich seine übliche Handschrift nicht erkennen kann. Ihre Texte sind sehr straightforward-Gothic, fast schon gefällig. Eisdiamanten erinnert mich im Refrain textlich etwa an Eisblumen.
Klanglich ist Johanna Krins Album gut – live finden ihr Gesang und die basslastigen Instrumente an diesem Abend leider noch nicht richtig zusammen. Sie sagt selbst, dass sie erst seit dieser Tour so zusammenspielen, auf der nächsten Tour könnte es also deutlich besser sein. Und auch wenn Krins eine beeindruckende Stimmweite hat, klingt sie in ihrer normalen Stimmlage heute etwas dünn. Nichtsdestotrotz erfüllt sie mit ihrer Band den Job einer Vorband: Das Publikum hat Spaß, klatscht mit und ist schon einmal etwas aufgewärmt – auch wenn es das nicht gebraucht hätte, weil ASP direkt durchstarten.
Nach nur einer halben Stunde ist es bei Krins vorbei, es folgt eine längere Pause und dann wird das Licht gedimmt. Pfiffe und Jubel begrüßen den Mann, auf den alle gewartet haben: Vom ersten Moment hat das Konzert einen Druck, den andere Bands erst zum Höhepunkt schaffen. Das „Eyyyoooo“ bei Du Musst Verrückt Sein wird von hunderten Mündern getragen, und beim folgenden Die Letzte Zuflucht gilt „Es werde Licht! / Es werde Lärm!“ auch dank des Publikums.
Und jetzt folgen zweieinhalb Stunden, an denen ich nichts zu meckern habe. Der Klang ist perfekt – auf Höhe des Soundpults sollte man vermutlich noch Gehörschutz tragen, aber es geht auch ohne. Und als Belohnung kommt man in den Genuss eines Klangs, der sich mit einer Studioaufnahme messen kann. Ok, ein Kritikpunkt: Warum gibt es keinen extra Applaus für diese grandiose Crew? Sound und Licht gehören zu dem Besten, was ich live erlebt habe!
Ansonsten feiern ASP Jubiläen, insbesondere für Aus Der Tiefe. Gerade Schwarzes Blut ist mega, wird direkt mit lautem Jubel begrüßt. Aber auch ein gewisses Hotel stößt auf Zuspruch und in den Werwölfen tobt ein Krieg – die Lykanthropie lässt grüßen. Krabat kommt zwar sehr kurz, aber ASP machen das mehr als zehnmal damit wett, wie viele starke Lieder sie spielen. Es werden kaum Fotos gemacht, jeder Geste des Sängers wird direkt gefolgt, wie den Händen eines Zaubermeisters.
Der spontane Humor passt, etwa die Begrüßung der Saunafreunde Hamburg, als ASP auf der Bühne am kalten Herbstabend der Schweiß über die Stirn läuft. Und auch die Ansagen sitzen, auch wenn sie fast allen schon bekannt sind – neue Fans sind kaum hier, voll ist es trotzdem. Nun denn, wenn ASP jetzt zur Hölle fährt, um neue Lieder zu schreiben, wird er auch Zeit haben, seine Sprüche zu überarbeiten. Vorher muss er sich aber noch einer ausladenden Zugabe stellen. Tausend Kehlen singen Eyyyooo und wollen ihn nicht schlafen lassen. Immerhin erwartet wohl niemand von ihm, erwachsen zu sein, während er aus einem Jutebeutel Kamellen verteilt. Und dann ist es, nach noch mehr Applaus, doch vorbei. Hoffentlich dauert ihre Textpause nicht zu lange, ich möchte sie möglichst bald wieder live erleben.



