Time For Metal: unsere Top 5 Highlights 2025 – Teil 24

Heute: Eva B. (2/2)

Wie in den letzten Jahren haben wir auch in diesem Jahr im Time For Metal-Team gefragt, was denn für jeden die musikalischen Höhepunkte waren. Dafür haben unsere Teammitglieder ihre ganz persönlichen Top 5-Highlights des Jahres herausgesucht. Viel Spaß mit den Time For Metal-Top 5 Highlights 2025!

Wie war dein „Musikjahr“ 2025?

Unheimlich viel Neues entdeckt, entweder durch Bandcamp-Durchforstung, Flanieren auf Festivals oder weil ich auf Konzerten früh genug für die erste Band da war. Durch meinen Wohnort Paris fahren zum Glück auch alle! Hier meine Top 5 Neuentdeckungen 2025!

Highlight 1: Witch Club Satan | Neuentdeckung

Keine wirkliche Neuentdeckung, denn die Band kannte ich schon, durfte sie 2025 aber endlich live entdecken. Und damit tatsächlich völlig neu! Leute, glaubt dem Hype! Erwartet hatte ich rohen Black Metal mit PussyRiot-Attitüde, Gore, Blut und einer Art Provokation, die im Jahre 2025 vielleicht auch schon keine mehr ist, besonders in diesem Genre. Erfahren habe ich viel mehr als solch eine Show, die recht dröge gewesen wäre, würden Witch Club Satan nur das darbieten. Ihre Auftritte und ihr Auftreten sind eine Provokation, BESONDERS in diesem Genre: Feminismus, Klimakatastrophe, die Rage im Angesicht faschistischer und misogyner Bewegungen der Gegenwart, die leiblich und psychisch erfahrenen Brutalitäten der Vergangenheit und die Befreiungsverheißung der Zukunft – all das rotzen die drei Hexen dem männlich geprägten Old School Black Metal in sein faltiges Gesicht. Was drumherum (und mir ins Auge) spritzt, ist quasi Support-Material, das die Immersion allerdings umso intensiver voranpusht, sodass es authentischer eigentlich nicht mehr geht! Etwas Radikaleres als eine mit Zwillingen hochschwangere Bassistin, die alles niedermetzelt, habe ich zudem bisher noch nicht erlebt. Von der Bühne dringen die dröhnende Musik, das dreckige Gekeife und der dem Gott der Vernunft dienende Wahnsinn durch sämtliche Poren. Das Live-Ritual von Witch Club Satan ist unheimlich physisch – gerade weil ich zwischenzeitlich kein Gefühl mehr in Händen und Gesicht hatte – und gleichzeitig eine spirituelle Offenbarung, denn unter all dem Blut und der Spucke, den Kostümen und der nackten Haut brennt etwas Echtes: die Essenz der Menschlichkeit. Um nichts anderes geht es in unserer Zeit. Noch nie bin ich so (ich benutze dieses Wort selten) empowert aus einem Konzertsaal herausgegangen. Solche Kunstschaffenden entzünden das Feuer, um das herum wir uns versammeln können, um Kraft zu schöpfen für egal was da kommt. Wenn die Welt euch zu kalt wird: Augen und Ohren auf diese Band!

Witch Club Satan – Fresh Blood, Fresh Pussy (Official Music Video)

Quelle: YouTube
Highlight 2: Eternal Darkness | Neuentdeckung

Von der Band habe ich in einem Musikblog gelesen. Beim Vermerk „Death Doom“ wurde ich hellhörig und habe mir daraufhin gerne die Gehörgänge mit Teer zukleistern lassen, denn genau so klingt dieses Projekt, das sich nach 35 Jahren mit seinem ersten (!) Release selbst zu Grabe trägt. Der Sound ist in seinem Gekrissel einzigartig und hervorragend produziert! Vor lauter Distortion und Bassgrundierung kommen selbst die singenden Gitarrenhighlights fern und befremdlich bei uns an. Grässlich, wie sie sein müssen, röcheln die Vocals. Das Album schreitet so zäh und majestätisch voran, dass genug Zeit ist, sich ordentlich darin zu suhlen. Es wird keine Sekunde langweilig! Brutal, schwarz und für 6 € auf Bandcamp völlig unter Wert angeboten!

https://time-for-metal.eu/releases/eternal-darkness-eternal-darkness/

Highlight 3: Mirar | Neuentdeckung

Ist das noch Igorrr oder schon Thall? Diese Unverschämtheit, mit der hier Kontraste gegeneinander anboxen, erinnert mich stark an Gautier Serre. Aber nein, trotz Cembalo und Crash, Boom und Bang ist das wirklich kein Igorrr. Von dem ich kein Fan bin. Von unpassenden Mischungen und einer guten Dosis „Drüber-Sein“ umso mehr. Was Mirar für mich in dieser Gemeinsamkeit völlig anders macht, ist der unperformative Charakter. Da ist keine Show in der Mucke, keine Gefallsucht im Technischen, keine Aufmerksamkeitsheischerei im Experiment. Die Maßlosigkeit ist konzentriert statt ausladend. Ach ja, und dann ist das hier auch einfach musikalisch etwas anderes! Maschinengewehre aus Djent und Drum’n’Bass schießen auf das Trommelfell, musikalische Actionszenen mit quietschenden Reifen sind deswegen spannend, weil sie auf überraschende Weise aneinandergereiht, aber flüssig abgespielt werden. Das französisch-norwegische Duo rettet sich immer noch genau rechtzeitig ins Geschmackvolle hinüber, mit ruhigen Passagen, denen strahlende Pianoakkorde gegeben und Zeit gelassen wird, bis dieselben Noten einem wie Messer die Hirnrinde abschälen. Zugegeben, das Ohr macht das auch nicht ewig mit, aber es gibt ja noch den Rest des Körpers, der sich dem sehr speziellen Groove nicht so leicht entziehen kann, vor allem dann, wenn es richtig hart knallt oder die federleichten Melodien Thall-typisch die Härte tragen und so alles wahnsinnig gut harmoniert. Extreme vorteilhaft zusammenzubringen ist eine Kunst, und Mirar haben mit Ascension am 1. Januar 2025 einfach ein Album des Jahres gedroppt.

https://time-for-metal.eu/releases/mirar-ascension/

Highlight 4: Faetooth | Neuentdeckung

Für mich war diese Band eine umso größere Überraschung, als man sich in deren Schwere so völlig mühelos hinabsinken lassen kann, ohne irgendwann genug zu bekommen. Magische Musik für die dunkle Jahreszeit! Vocals aus Samt und Nachttau tragen Zauberformeln und Klage aus einer anderen Welt zu uns. Dazu brummen die Riffs und kreischt die Banshee – Zeit zum Entschwinden dorthin, woher Faetooth gekommen sind. Der Doomgaze der Band hat mich sanft hypnotisiert und hart getroffen. Wie sie die Nuancen langsamerer Tempi herausarbeiten und mit einer derartigen Heaviness eine federleichte Atmosphäre aus Melancholie und Mystik schaffen, verdient mehr globale Aufmerksamkeit. Ab dem 22. Januar 2026 ist das kalifornische Trio auf Europa-Tournee!

https://time-for-metal.eu/releases/faetooth-labyrinthine/

Highlight 5: Raat | Neuentdeckung

Ich liebe es, wenn Musikschaffende mit ihren Projekten ENDLICH meine Lieblingsgenres verbinden. Der Ambient Post Black Metal des Inders S.R. klingt nach Freiheit. In den weiten Klanglandschaften lässt es sich voranpreschen oder meditieren und immer tief durchatmen. Die kleinen Electro-Experimente machen neugierig. Black Metal ist nicht ausschließlich zum „Böse-Gucken“ da, bringt aber idealerweise immer Katharsis. Enchantment hat mich mit seiner Energie umgehauen, White Fire trägt mich eher davon, geht noch einen Schritt weiter Richtung Ambient. Ein paar Namen sollten erwähnt werden: Raat teilt sich den Mastering-Engineer Neil Schneider mit Blackbraid, was den Glanz im Resultat erklärt! Raat hat seit 2019 ganze 18 EPs und Alben herausgebracht. Seine gesamte Entwicklung ist ebenso interessant wie der kreative Punkt, an dem er aktuell ist – hört auf Bandcamp vorbei!

https://time-for-metal.eu/releases/raat-white-fire/