Bei dem Bandnamen Casket muss man ganz schön aufpassen, denn es gibt mindestens zwölf Combos mit dem Namen. Begrenzt man den Bereich auf Deutschland, bleiben noch zwei übrig. Also begeben wir uns nach Reutlingen, Baden-Württemberg, denn von dort stammt dieses Trio, welches sich im Jahre 1990 gründete. Bis zum Jahre 2007 waren neben Susi, Marinko und Schorsch auch noch Gleibs (leider 2024 verstorben) in der Band. Nach vier Demos haute man 1998 das erste Full Length heraus und dann hat es wieder zehn Jahre gedauert, bis Album Nummer zwei erschien. 2013 Album Nummer drei, 2017 Album Nummer vier und 2021 erschien eine EP. Interessant und auffällig ist die Tatsache, dass alle Veröffentlichungen mit einem U anfangen. Die EP wurde von Neckbreaker Records veröffentlicht und auch Album Nummer fünf erscheint dort. Ob sich etwas musikalisch verändert, ist wohl etwas fraglich, allerdings hört das Album auf den Namen In The Long Run We Are All Dead. Also schon eine Veränderung – kein Album mit einem U zu Beginn.
Aber gleich der Opener The Will To Comply macht deutlich, dass man sich musikalisch keine Blöße gibt und den eingeschlagenen Weg gnadenlos weitergeht. Wer so lange zusammenspielt, der ändert seine Marschrichtung nicht mehr. Dass das Material der alten Schule ist, ist klar. Death Metal der brutalen Sorte steht auf der Agenda und von der ersten Sekunde an wird scharf geschossen. Die Vocals sind schön tief, so, wie es sein soll, und man bleibt selbst im Midtempobereich aggressiv und holt dann wieder den Knüppel raus. Feines Riffing. Dann nimmt man das Tempo raus, schleppt sich durch die Botanik, nimmt wieder im Midtempo Fahrt auf und bläst erneut zur Attacke. Ja, das macht Spaß. Das Tempo wird wieder verringert und man eiert bösartig herum. Der Kopf des geneigten Zuhörers geht automatisch rauf und runter. Der langsame Part ist etwas länger, aber umso intensiver ist der schnelle Part danach wieder. Hier geht es tempomäßig immer hin und her. Hat was. Am Ende spielt die Gitarre erst einmal vor, die Growls gesellen sich dazu und man groovt noch einmal. Dabei verwendet man eine Art melodisches Lead. Sehr schön. Sicherlich ist das nicht neu, aber es schockt eben.
Altgetrimmter Sound, der zuschlägt
Mir gefällt diese auf alt getrimmte Produktion. Diese kommt dreckig, dunkel und ein wenig schwimmend herüber, ist aber klar verständlich. Die Art des brutalen Death Metal kommt dadurch noch ein wenig aggressiver rüber.
Schuster, bleib bei deinen Leisten
Das donnernde Schlagzeug kommt auch gut bei dem Song Highest Thron zur Geltung. Hier legt man los wie die Feuerwehr und liefert einen ziemlich geilen Midtempo-Groove-Part ab, und auch sonst geht das Ding gut ins Ohr. Tempo- und Rhythmuswechsel machen den Song sehr stabil, und durch die tiefen Vocals und eben die fette Produktion kommt das Ganze sehr brutal, aber eben auch ein wenig finster um die Ecke. Die Gitarre heult dann ein wenig wie eine Sirene und man groovt wieder gnadenlos und wechselt erneut. Ja, dieses Hin und Her hat was. Auffällig bei diesem Song ist dieser obskure Part, der eben diese, nennen wir es mal, sirenenhafte Spielweise hat.
Nach einem kleinen Intro namens Mirrors folgt Seeds Of Desolation. Hier legt man treibend mit aggressivem Stakkato-Riffing los, baut ein gutes Szenario auf und bietet einige technische Spielereien. Nicht nur an dieser Stelle hört man den Einfluss der alte Cannibal Corpse. Die Uftata haut schön rein. Auch hier wechselt man immer mal wieder, und so bleiben die Reutlinger Schuster bei ihren Leisten und bewegen sich ganz weit weg vom Mainstream. Man bleibt immer im Flow und das macht diesen Song und das ganze Album höchst interessant. Die Gitarre heult hier und da auf und so nach 3:30 Minuten lässt man es chillig angehen und baut dann einen old schooligen Midtempo-Groove auf, welcher recht simpel daherkommt, aber deswegen auch total geil klingt. Ein langgezogenes melodisches Lead dazu und es werden Erinnerungen an die guten, alten Possessed wach. Geiler Song.
Zu keiner Zeit stumpf
Und so machen die drei Baden-Württemberger das, was sie seit Jahren eben so machen. Sie kümmern sich einen Dreck darum, was gerade angesagt ist und wirklich um Innovation. Das soll nicht heißen, dass sie ideenlos oder eventuell sogar stumpf zur Sache gehen. Nein, davon sind sie weit entfernt. Die technischen Skills sind absolut und schnell ist eben nicht alles, das kann man gut beim Song Hammer, Knife, Sade heraushören. Schön schleppend und absolut morbide. Natürlich nimmt der Song noch Fahrt auf. Lecker.
Das Songwriting wiederholt sich natürlich ein wenig, aber ansonsten ist es eine schöne Reise in die Vergangenheit.
Hier geht es für weitere Informationen zu Casket – In The Long Run We Are All Dead in unserem Time For Metal Release-Kalender.



