Eventname: Devin Townsend – Metamorphosis – Solotour
Headliner: Devin Townsend
Ort: Markthalle, Hamburg
Datum: 15.09.2026
Kosten: VVK 67,50
Genre: Progressive Metal
Besucher: ca. 600
Veranstalter: https://wizard-live.com/de
Link: https://markthalle-hamburg.de
Setliste Devin Townsend:
- Funeral
- Love?
- Ih-Ah!
- Fake Punk
- Y.L.
- AAA
- Deadhead
- Truth
- Christeen
- Hyperdrive
- Material
- Lightworker
- Bring Him Home
- Aftermath
- Storm
- Deep Peace
- Let It Roll
- Almost Again
- Solar Winds
- Coast
- The Mighty Masturbator
- Feather
- Little Pig
- Midnight Sun
- Kingdom
- Why?
- From the Heart
- Life
Es ist der 15.09.2026, und wir machen uns auf den Weg zur Markthalle in Hamburg. Als wir die Location von Weitem sehen, können wir bereits eine lange Schlange vor dem Eingang erkennen. Heute spielt Devin Townsend eine Soloshow, in der er Werke aus seiner gesamten Karriere und verschiedenen Projekten im Akustik-Format präsentiert.
Während wir in der Schlange stehen, beginnen wir ein Gespräch darüber, wie die Show wohl werden könnte, da wir Devin Townsend bisher nur mit seinen Bandprojekten gesehen haben. Auch das Setting ist dieses Mal anders, da es ein bestuhltes Konzert ist und wir so etwas in der Markthalle nicht kennen.
Beim Betreten der Location hören wir in den Gesprächen um uns herum dieselben Spekulationen und wie die Leute ihre bisherigen Devin-Townsend-Erlebnisse austauschen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass der Künstler weltweit eine Gemeinschaft von Anhängern geschaffen hat, die sich nicht nur für seine Musikprojekte begeistern, sondern auch für den Mythos rund um die Figur Devin Townsend.
Genau deshalb ist diese Show das, was jeder seiner Fans braucht, selbst als er offen vor dem Publikum die Gründe für dieses „Comeback“ anspricht, die auf persönliche Erschöpfung und finanziellen Druck zurückgehen.

Als er die Bühne betritt, beginnt er, auf einem Whiteboard auf einer Staffelei zu kritzeln, und erklärt, dass diese tägliche Angewohnheit ihm hilft, seine Gedanken zu ordnen. Er begrüßt das Publikum unter lautem Applaus – so sehr, dass es ihm im Laufe der gesamten Show stellenweise unangenehm erscheint, die Ovationen zu unterbrechen, um weiterzumachen. Anschließend spielt er eine Akustikversion des Songs Funeral und erklärt feinfühlig den Hintergrund des Titels.
Devin Townsend erklärt dem Publikum weiter, woher seine Kompositionen stammen und insbesondere, in welchem Lebensabschnitt oder emotionalen Zustand er sich während des Schreibprozesses befindet. Jeder, der mit seiner Karriere vertraut ist, kann spüren, wie kathartisch sich seine Musik anfühlt. Wir bezweifeln ehrlich gesagt, dass irgendein treuer Anhänger seines Werks behaupten würde, seine Musik nur „aus Spaß“ zu hören.
Genau das ist der Grund, warum diese Tour so besonders ist. Über die Zufriedenheit der Fans hinaus hoffen wir von ganzem Herzen, dass Devin Townsend selbst etwas aus dieser Erfahrung mitnehmen kann, das über den reinen Job als Musiker hinausgeht. Indem er sein gesamtes Lebenswerk ins Verhältnis setzt – als Präsentation seines Lebenslaufes mit musikalischer Begleitung –, scheint er sich selbst zu erlauben, vergangene Erfahrungen als Meilensteine seines Lebens zu reflektieren und neu einzuordnen.

Neben der Freude an seiner Musik ist es zutiefst stärkend für Zuschauer, eine „Stimme“ wie Devin Townsends offen sprechen zu hören über Emotionen, deren Regulierung, mentale Gesundheit, und Reflektionen darüber, wie veraltete gesellschaftliche Paradigmen wie Sexismus, das Leben von Menschen negativ beeinflussen.
Seine Fähigkeit, geschickt über innere Kämpfe zu sprechen und ehrlich zu seinen eigenen Schwächen zu stehen, vermenschlicht ihn weit über die Musik hinaus; er wirkt schlichtweg wie ein Mensch neben einem, der dieselben alltäglichen Kämpfe teilt. Er ist jene seltene Art von Künstler, zu der es sich wahrhaftig lohnt, aufzusehen, und eine eindringliche Erinnerung daran, dass das Sprichwort „Triff niemals deine Helden, denn du wirst enttäuscht“ in diesem Fall nicht zutrifft.
Es ist nur fair, dass ein Künstler, der so viel gibt, endlich etwas von einem Publikum zurückbekommt. Selbst wenn es nur Anerkennung, und möglicherweise ein Spiegel ist, den wir ihm vorhalten: Möge er wissen, dass seine Verletzlichkeit ermächtigend wirkt, und möge er durch diese Selbstermächtigung selbst profitieren.
Text von Volker D. und Michelle R. – Bilder Michelle R.












