Dirkschneider am 15.01.2026 im Kieler Kulturverein Die Pumpe

40 Jahre Accept, 40 Jahre Bälle gegen die Wand

Eventname: Balls To The Wall 40th Anniversary – Encores Tour

Headliner: Dirkschneider

Support: Evil Invaders

Ort: Die Pumpe, Kiel, Schleswig-Holstein

Datum: 15.01.2026

Genre: Classik Heavy Metal, Hard Rock

Besucher: 720 (Ausverkauft)

Eintrittspreis: VVK € 45,00 zzgl. Gebühr

Setlisten:


1. Fast As A Shark
2. Living For Tonite
3. Midnight Mover
4. Breaker
5. Flash Rockin‘ Man
6. Metal Heart
7. Breaking Up Again
8. Balls To The Wall
9. London Leatherboys
10. Fight It Back
11. Head Over Heels
12. Losing More Than You’ve Ever Had
13. Love Child
14. Turn Me On
15. Losers And Winners
16. Guardian Of The Night
17. Winterdreams
Zugabe:
18. Princess Of The Dawn
19. Up To The Limit
20. Burning
21. Return Of The Demons


1. Feed Me Violence
2. As Life Slowly Fades
3. Broken Dreams In Isolation
4. Hissing In Crescendo
5. In Deepest Black
6. Sledgehammer Justice
7. Die For Me
8. Raising Hell

Die legendäre Clubbühne der Kieler Die Pumpe verwandelt sich ein weiteres Mal in ein flammendes Metal-Inferno, als Dirkschneider, angeführt vom unnachahmlichen Frontmann Udo Dirkschneider, für einen weiteren Höhepunkt ihrer Balls To The Wall 40th Anniversary – Encores Tour sorgt. Was bereits im Vorfeld als ausverkauftes Highlight angekündigt worden ist, entpuppt sich schnell als ein Gig, der noch lange in den Köpfen aller Anwesenden nachhallen dürfte.

Evil Invadors 2006 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Die Atmosphäre in der Haßstraße ist bereits lange vor Einlass aufgeladen. Fans aus ganz Deutschland und Dänemark haben sich eingefunden, um das Kult-Event mitzuerleben. Die Location platzt aus allen Nähten, als die Uhr 20:00 schlägt und die ersten Töne der Supportband Evil Invaders durch den Saal dröhnen.

Die belgischen Thrash-Metal-Veteranen Evil Invaders eröffnen den Abend und bringen das Publikum auf Betriebstemperatur. Mit einer furiosen Mischung aus schnellen Riffs, intensiver Bühnenpräsenz und einer unbändigen Energie gelingt es ihnen, einen Großteil der Menge sofort mitzureißen. Schon nach wenigen Songs wird deutlich, dies wird heute kein normales Konzert, sondern eine Gemeinschaftserfahrung unter harten Metal-Gesetzen.

Dirkschneider 2006 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Als die Legende Udo Dirkschneider wenige Minuten nach 21 Uhr die Bühne betritt, bricht tosende Begeisterung aus. Die ikonische Stimme, die seit Jahrzehnten den Sound des klassischen deutschen Heavy Metal prägt, hallt sofort durch den Saal. Begleitet wird er dabei von einer Band, die gekonnt Tradition und frische Energie vereint. Da sei als Erstes Peter Baltes am Bass genannt. Er ist ein weiteres bekanntes Gesicht aus den Accept-Tagen, das mit seinem soliden Groove den Kern der Musik tief im Fleisch der Songs verankert. Die Gitarrenduelle zwischen Fabian Dee Dammers und dem Neuzugang Alen Brentini (Gitarre), der Andrey Smirnov kurz vor der Tour ersetzt hat, sind technische Meisterleistungen. Immer messerscharf, mal feurig-rhythmisch, aber stets perfekt aufeinander abgestimmt. Die beiden Akteure wirken, als wenn es nie ein anderes Duo gegeben hätte. Der kroatische Profimusiker Alen Brentini spielte vorher übrigens bei Andreas Gabalier, dem österreichischen Volksmusiker. Sven Dirkschneider, Udos Sohn am Schlagzeug, verleiht den Tracks eine treibende Wucht, die selbst eingefleischte Fans mehrfach mit dem Kopf nicken lässt.

Der Konzertabend ist ein sorgfältig arrangiertes Erlebnis. Im Mittelpunkt steht erwartungsgemäß das komplette Accept-Album Balls To The Wall, in all seiner rohen Energie und mit ungebrochener Präzision. Von den brachialen Eröffnungsriffs bis zu den hymnischen Refrains, die das Publikum kollektiv mitsingt, fühlt es sich ein wenig so an, als ob die Zeit zurückgedreht ist. Doch das Set besteht nicht nur aus Nostalgie. Udo Dirkschneider mischt geschickt weitere Accept-Klassiker und Stücke aus der Reloaded-Version des Albums ein, sodass das Konzert trotz des historischen Fokus stets frisch und lebendig bleibt.

Dirkschneider 2006 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Einige der musikalischen Höhepunkte des Abends sind natürlich Balls To The Wall als ein Donnerschlag und der emotionale Gradmesser des Abends. Bei London Leatherboys zeigt sich deutlich, wie sehr selbst ältere Klassiker von der aktuellen Bandbesetzung profitieren. Love Child und Winterdreams sorgen für Gänsehaut-Momente, als hunderte Metal-Herzen im Chor erklingen. Was diesen Abend besonders macht, ist nicht nur die Performance an sich, sondern auch die leidenschaftliche Reaktion des Publikums. Schon beim ersten Refrain eskaliert die Stimmung, und im Laufe des Sets setzt sich ein konstanter Singsang durch, bei dem nahezu jede Stimme im Raum mitmacht.

Die kleine, aber feine Größe der Die Pumpe verleiht dem Gig eine intime Atmosphäre. Anders als auf großen Festivalbühnen fühlt es sich hier eher an wie ein gemeinsames Ritual als ein normales Heavy-Metal-Konzert. Man kann die Musiker förmlich spüren, wie sie jeden Ton mit voller Hingabe, Präzision und Energie an das Publikum weitergeben. Was Dirkschneider in Kiel abliefern, ist eine Feier der eigenen Geschichte und ein kraftvolles Statement dafür, dass echter Heavy Metal zeitlos bleibt.

Fans wie Neulinge verlassen die Die Pumpe spät in der Nacht mit einem breiten Grinsen, dem Nachhall unzähliger Melodien im Ohr und dem Wissen: Diesen Abend wird man so schnell nicht vergessen. Der klassische Heavy Metal lebt. Und wie!