Event: Lemmyversary Vol. IX
Bands: Motörizer und Gun Called Britney
Datum: 28.12.2025
Genres: Rock, Hardrock, Heavy Metal, Sleaze Rock
Besucher: ca. 1.000 (ausverkauft)
Ort: Markthalle, Hamburg
Kosten: VVK 28,20 €, keine Abendkasse
Setlisten:
- Monsters In Chucks
- Gipsy
- Watch Your Tone
- Who Are You
- Okay
- Let Me Burn
- Mountain
- Showdown
- Maybe Baby
- I’ m So Excited
- We Are Motörhead
- No Class
- Stay Clean
- Shoot You In The Back
- The Hammer
- Iron Fist
- Metropolis
- Killed By Death
- Over The Top
- Rock Out
- Drums Solo
- We Are The Road Crew
- Guitar Solo
- Iron Horse
- Love Me Like A Reptile
- Dirty Love
- I Know How To Die
- Heroes
- Whorehouse Blues (Accoustic)
- Bomber
- Ace Of Spades
- Overkill
Gerade noch sangen wir besinnlich Jingle Bells unterm Weihnachtsbaum, da kracht uns mit dem Lemmyversary Vol. IX die lauteste Feier zwischen den Jahren mächtig in die Ohren. Den zehnten Todestag der Metal-Ikone feiert Norddeutschlands Rock-Community seit Jahren in der Markthalle – bei Jack Daniels, Motörizer und mehr.

Als Appetitiv gibt es in diesem Jahr California Vibes direkt von der Reeperbahn. Schon kurz vor 19:00 Uhr verlischt die Saalbeleuchtung und Gun Called Britney entern die Bühne. Die vier Hamburger kommen nicht nur optisch in Mötley Crüe / Skid Row-Manier daher, sondern lassen mit Monsters In Chucks akustisch direkt aufhorchen. Auch der zweite Treffer, Gipsy, sitzt und der Fuß beginnt selbstständig zu zucken. Cooler Sleaze. Oder doch Punk-Rock? Egal, geiler Scheiß! Dazu eine energiegeladene Show, die sich keinesfalls hinter Hair-Metal-Legenden der 80er verstecken muss. Sänger Josh fegt mit wahlweise Sonnenbrille oder Megafon über die Bühne, Bassist Jan feuert mit seinem leuchtenden Bass ein Blitzgewitter ins wippende Publikum. GCB feiern sich mit Songs ihrer EP und neuerer Singles wie Ok und Mountain selbst und ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr. Denn 2025 gewann die Band die Wacken Metal Battle Germany Finals, spielte daher auf dem W:O:A, dem Dong Open Air, siegte beim Hamburger Bandcontest, tourte als Support mit den großartigen Nestor durch ganz Deutschland und ist nun dabei, ihr Debütalbum zu produzieren. Mit der flott gemachten Pointer Sisters-Coverversion I’m So Excited verabschieden sich Gun Called Britney von einer aufgeheizten und bestens gelaunten Menge.
Dass die ehrwürdige Markthalle heute zum Beben gebracht wird, ist klar. Schließlich geht es darum, einen der wichtigsten Protagonisten der Rockgeschichte zu ehren. Und genau das tun Motörizer – nachzulesen auf dem mächtigen Banner am Drum Riser mit der Aufschrift „keep the spirit alive“. Wer im schemenhaften Licht der leicht eingenebelten Bühne jetzt noch keine Gänsehaut hat, schaue nach oben. Da hängt er, der stilisierte Bomber. Geht noch mehr Authentizität? 2012 gegründet, feiert dieses energiegeladene Trio mit seiner explosiven Motörhead-Tribute-Show sein musikalisches Vorbild. Seit dem Tod von Lemmy 2015 ist jede Motörizer-Show mehr als nur ein Auftritt. Mit roher Energie und unerschütterlicher Authentizität erwecken Motörizer den Geist von Lemmy und sein Vermächtnis auf der Bühne zum Leben.
Dann geht es los, 20:15 Uhr. „We are Motörizer – and we play Rock’n’Roll“, röhrt Martin Simon in sein „Überkopf“-Mikro … und ab geht die Lutzi. Konsequent, dass der erste Song des Abends ankündigt, „geboren zu sein, um in the ass zu kicken“. Genau das passiert die nächsten 90 Minuten. Ohne Worte der nächste Kracher: No Class. Eine Salve jagt die nächste. Stay Clean, Shoot You In The Back, The Hammer, Iron Fist, Metropolis. Ohne Pause geht die wilde Hatz der 3-Minuten-Bestseller weiter. Die Motörmaniacs im Saal schütteln die Mähne, erste Nackenschmerzen stellen sich ein. Dann nach Killed By Death endlich Durchatmen. 50 Sekunden Ansage. „You are the loudest audience!“ Klar, wer sonst … weiter: Over The Top …

Man spürt vom ersten Ton an, dass hier nicht nur gespielt wird, sondern echte Leidenschaft und großer Respekt. Auch wenn Martins Stimme unglaublich nah ans Original kommt, Instrumente, Sound, Bühnenoutfit zum Verwechseln ähnlich wirken, dies ist keine Kopie, sondern eine Band mit eigener Identität. Die Individualität spürt man sowohl beim Solo von Plug Larsson als auch jenem von Peter „The Best“ Blackhead an der Gitarre. Auch bei der Songauswahl werden eigene Akzente gesetzt. So tauchten Dirty Love und I Know How To Die in den Motörhead Setlists eher selten auf. Ob der legendäre Ur-Schlagzeuger Philty „Animal“ Taylor, Whorehouse Blues jemals im Rahmen eines Akustik-Sets auf der Gitarre begleitet hat … nicht überliefert. Dafür ein wirklich besonderer Moment des Abends, auch dank Mundharmonika-Einlage.
Pause. Was, schon 17 Songs durch? Zugabe, Zugabe!
Nach kurzer Pause dröhnen die Sirenen, Scheinwerfer kreisen, der stilisierte Flieger über der Bühne taucht das Publikum in rotes Licht … Bomber-Time! Das Publikum zuckt im Takt. Aber es wird noch heftiger: Ace Of Spades (bei Spotify irrsinnige 550 Mio. mal gestreamt) bringt totale Ekstase … Mit der schlichten Ansage „And you know that?“ kulminiert das Spektakel in einem Overkill, der diesen Namen verdient hat. Um 21:45 Uhr gehen die Lichter an und es wird dringend Zeit, das Erlebte beim Getränk zu reflektieren. Mein Fazit: Motörizer bringen die rohe Energie des Originals zurück, sorgen gleichzeitig für Gänsehaut und Dauergrinsen. Ich bin nicht sicher, ob Lemmy heute nicht mit einem Fläschchen Jack von oben zugeschaut hat. Es fühlte sich zumindest so an, als wäre er heute irgendwie dabei gewesen.
Beide Bands kommen noch auf ein Bier zum Merch, ein feiner Abschluss, bevor es zurück nach Kiel geht. Lemmy würde sagen: „When it’s time to go, it’s time to go. No big drama.“ Uns bleibt die Gewissheit: Lemmyversary Vol. X ist fix. Am 28.12.26. Bis dahin: „Stay clean!“

















