Event: Mutation Phase In Europe
Bands: Infected Rain, Butcher Babies und Black Spikes
Datum: 23.04.2026
Genres: Hard Rock, Heavy Metal
Besucher: 400
Ort: Bahnhof Pauli, Hamburg
Kosten: VVK 29,50 €, Ausverkauft
Setlisten:
- Mutation Phase
- The Answer Is You
- Dying Light
- Fighter
- Orphan Soul
- Black Gold
- Stranger
- The Realm Of Chaos
- Ut Supra
- Pandemonium
- Never To Return
- Because I Let You
- Judgemental Trap
- Backstreets Of Tennessee
- Red Thunder
- Monsters Ball
- Beaver Cage
- It’s Killin‘ Time, Baby!
- Sleeping With the Enemy
- Lost In Your Touch
- Black Dove
- Spittin‘ Teeth
- Sincerity
- Last December
- Magnolia Blvd.
- Hipnozė
- All Is Taken
- Kitas Tu
- Užkalbėjimai
- Jausmus Išrašyt
- Sapnai
- Ar Tiki?
- Imperatorė
- Aurea
Wenn drei „Female Dominated Bands“ gemeinsam auf Tour gehen, kann es hitzig werden. Zickenkriege vorprogrammiert? Offensichtlich nicht auf der Mutation Phase Tour, die das Power Package Infected Rain, Butcher Babies und Black Spikes auf knapp 30 Gigs quer durch Europa und UK führt.
Viertletzte Station ist heute Hamburg. Tatort: Bahnhof Pauli oder vielleicht besser: Sauna St. Pauli ….

Den Einstieg in den Abend übernehmen die Black Spikes. Die Formation aus Litauen hat sich in den vergangenen Monaten einen beachtlichen Ruf innerhalb der Metalszene erarbeitet. Spätestens mit dem Wechsel zu Napalm Records wurde klar, dass die Band auf dem Sprung zu größerer Aufmerksamkeit ist. Schon beim Betreten der Bühne wird deutlich, dass hier weit mehr geboten wird als ein klassisches Metal-Konzert. Die Show setzt auf eine starke visuelle Komponente, bei der Tänzer das Geschehen wirkungsvoll ergänzen. Dennoch zieht vor allem Frontfrau Agnieška Vrubliauskienė sämtliche Blicke auf sich. Mit beeindruckender Präsenz führt sie durch das Set und demonstriert ihre enorme stimmliche Bandbreite – von tiefen, aggressiven Growls bis hin zu gefühlvollen, fast zerbrechlich wirkenden Melodielinien. Auch musikalisch lässt sich die Band kaum in eine einzelne Schublade stecken. Harte Gitarrenwände und treibende Rhythmen treffen auf atmosphärische Klanglandschaften, progressive Einflüsse und moderne elektronische Akzente. Gerade diese Vielseitigkeit macht den Reiz von Black Spikes aus und verleiht ihrem Sound eine zeitgemäße, eigenständige Note. Das Ergebnis: eine intensive, dunkle und gleichzeitig faszinierende Darbietung, die eindrucksvoll unterstreicht, warum man diese Band künftig auf dem Radar haben sollte.

Punkt 20:00 Uhr betreten die Butcher Babies die Bühne. Wobei „betreten“ nicht wirklich passt … denn es fühlt sich eher an wie ein Tornado. Ab der Sekunde, in der Sängerin Heidi Shepard die Bühne betritt, ist Dauerfeuer! Die Party beginnt mit Backstreets Of Tennessee, gefolgt vom mächtigen Red Thunder. Und bereits jetzt dürfte die Mehrheit der Fans klatschnass sein. Heidi nicht. Ihr merkt man das Alter von 41 keine Sekunde an. Wie ein Berserker tobt sie über die Bühne, was dem Autor große Probleme macht, sie adäquat abzulichten. Kein Wunder: Bevor Heidi mit den Babies bekannt wurde, war sie erfolgreiche Leichtathletin im Mehrkampf und trat sogar bei Junioren-Wettkämpfen an. Kein Wunder, steckt sie also die gesamte Band und Audience in die Tasche. Besonders publikumsnah wird es bei Monsters Ball, als Heidi direkt an den Bühnenrand tritt und die Fans lautstark in den Gesang einbindet. Musikalisch präsentiert die Band einen kraftvollen Mix aus Hard Rock, Groove Metal und modernen Metalcore-Einflüssen. Die Stimmung erreicht mit dem temporeichen It’s Killin’ Time, Baby! einen ersten echten Höhepunkt, bevor die Band mit Black Dove den neusten, erst Ende März veröffentlichten Song, vorstellt. Der Track überzeugt vor allem durch seine schweren Grooves und wird vom Publikum begeistert aufgenommen. Einen der intensivsten Momente des Abends liefert Spittin’ Teeth: Heidi mischt sich unter die Zuschauer, während sich um sie herum ein Circlepit formiert. Besonders emotional wird es kurz darauf bei Last December. Der Song basiert auf Heidi Shepherds eigener psychischer Krise. Im Dezember 2019 litt sie unter schweren psychischen Problemen und hatte damals sogar Suizidgedanken. Nur die Musik und der Zuspruch ihrer Fans haben sie gerettet, erzählt sie unter Tränen. Nach diesem Gänsehautmoment wird es bei Magnolia Blvd. noch einmal ausgelassen und wild, bevor sich die Kalifornier zu Rednex‘ Cotton Eye Joe von der Bühne verabschieden.

Den Abschluss des Abends übernehmen Infected Rain – und die Moldawier machen von der ersten Minute an klar, warum sie aktuell zu den spannendsten Vertretern des Modern Metal zählen. Zusätzliche Screens und Videoprojektionen tauchen die Bühne in eine düstere Atmosphäre und verleihen der Show eine visuelle Tiefe, die perfekt mit dem Sound der Band harmoniert.
Der Schwerpunkt des Sets liegt erwartungsgemäß auf dem aktuellen Album Time, doch auch neue Songs finden ihren Platz. Bereits die aktuelle Single Stranger zeigt eindrucksvoll, wohin die Reise für Infected Rain geht: modern, atmosphärisch und gleichzeitig enorm druckvoll. Mit Black Gold und Never To Return folgen weitere Highlights, die vom Publikum lautstark gefeiert werden.
Im Mittelpunkt steht dabei Frontfrau Lena Scissorhands. Mit unbändiger Energie bewegt sie sich über die gesamte Bühne, sucht ständig den Kontakt zu den Fans und reißt die ersten Reihen förmlich mit; so fordert sie die Anwesenden an einer Stelle dazu auf, sich kurz hinzuhocken und dann gemeinsam wieder hochzuspringen – eine Einlage, die bei den älteren Zuschauern sichtlich für das eine oder andere Knie- oder Rückenleiden sorgt.
Aber nicht nur die Sängerin überzeugt. Die ganze Band bebt vor Spielfreude. Aber es sind nicht Gitarrist Vadim „Vidick“ Ojog und Eugene Voluta am Schlagzeug, die im Fokus stehen. Bassistin Alice Lane, erst seit 2023 an Bord und eine echte Bereicherung der Truppe, überzeugt auf ganzer Linie. Insbesondere bei Pandemonium und Fighter springt der Funke über und die Zuschauer gehen begeistert mit.

Einer der Höhepunkte des Abends folgt mit The Realm Of Chaos. Als Heidi Shepherd von den Butcher Babies die Bühne betritt und gemeinsam mit Lena performt, erreicht die Temperatur im ohnehin schwitzigen Bahnhof ihren vorläufigen Siedepunkt. Die beiden Sängerinnen harmonieren hervorragend miteinander und sorgen für einen der Momente, die diesen Abend besonders machen.
Musikalisch gelingt Infected Rain der Spagat zwischen Härte und Atmosphäre mühelos. Schwere Riffs treffen auf elektronische Elemente, eingängige Melodien auf progressive Strukturen. Gerade diese Vielseitigkeit macht den Reiz der Band aus und sorgt dafür, dass das Set über die gesamte Spielzeit hinweg spannend bleibt.
Viel zu schnell nähert sich die Show ihrem Ende. Mit Judgemental Trap setzen Infected Rain den Schlusspunkt unter einen Auftritt, der noch einmal alle Stärken der Band bündelt: Energie, Intensität, Spielfreude und eine starke Verbindung zum Publikum. Der begeisterte Applaus zeigt deutlich, dass sich viele Gäste über eine deutlich längere Spielzeit nicht beschwert hätten.
Fazit:
So geht Clubkonzert! Eng. Heiß. Schwitzig. Mit drei Bands, die richtig Bock haben. Die die unmittelbare Nähe zum Publikum lieben. Mit starken Frauen an den Mikrofonen, ohne dass dies künstlich in den Vordergrund gestellt wird. Ohne große Qualitätsunterschiede trotz unterschiedlicher Stilrichtungen. Egal ob Heidi Shepherd bei den Fans im Pit, Lena Scissorhands im ständigen Austausch mit den ersten Reihen oder die intensive Performance von Black Spikes – der Abend fühlt sich eher wie ein gemeinsames Erlebnis an als wie drei voneinander getrennte Konzerte. Triple-Headline eben.



























