Festivalname: Burning Q Festival 2026
Bands: Syndemic, Human Prey. Darkness Surrounding, Frostshock, For Victory, Traktat, Nephylim, Exorcism, Phantom Spell, Tyranthrope, Endseeker, Servant, Ambush, Aquilla, Immolation, Nail By Nail, Grave Digger, Sunken, Lamp Of Murmuur, Riot City, Chainsaw Demons, Damnation Defaced, Diabolisches Werk, Megaton Sword, Türböwitch, Knife, Rană, Nailed To Obscurity, Tyranex, Atlantean Kodex, Nexion, The Haunted, Lucifer’s Child, Spectral Wound, Steelpreacher
Ort: Freißenbüttel, Osterholz-Scharmbeck
Datum: 23.07. – 25.07.2026
Kosten: Zwei-Tages-Ticket: 89,90 € plus VVK-Gebühren – Fahrzeugticket: 5,00 €
Genre: Metal, Death Metal, Heavy Metal, Thrash Metal, Black Metal
Besucher: 1000 Besucher (Ausverkauft)
Veranstalter: Burning Q Project e.V.
Link: https://www.burningq.de/
Bericht von: René W. und Philipp A. / Bilder von Mario T.
René W.: Für einen Teil unseres Time-Tor-Metal-Teams geht es an diesem Wochenende zum Burning Q Festival 2026, welches zum zweiten Mal am Donnerstag die Tore öffnet. Im letzten Jahr wurde der Donnerstag als Warm-Up angetestet und zu Recht für gut befunden, sodass die Veranstalter das Festival um einen Tag fest erweitert haben. Für fünf Bands auf der Zeltbühne öffnen am frühen Abend erstmals die Tore zum Infield. Auf der Stage begrüßen Syndemic die Festivalgänger, um die Veranstaltung feierlich mit progressivem wie melodischem Death Metal einzuläuten. Die Hanseaten lassen sich da nicht lange bitten und bringen sich schnell mit Resonance Complex und Amaurosis in Stellung. Auch kurze Probleme mit dem Mikrofon bringen Sänger Daniel Boretzky und seine Truppe nicht aus dem Tritt. Der Zuspruch ist bereits ordentlich und die ersten Fäuste fliegen beim Opener fleißig in die Luft. Kopfnickend geht Ruins flink ins Ohr und das Set dreht immer schneller und findet nach 40 Minuten mit dem abschließenden Leaves seinen Meister. Klatschend werden Syndemic von der Bühne begleitet, die mit ihrem Auftritt zufrieden sein dürfen.

Philipp A.: Dass immer wieder schlicht „stumpf Trumpf“ ist, beweisen die Leipziger Slam-Deather Human Prey. Deren Set beginnt zwar leicht verzögert, holt die frühzeitig Angereisten dafür aber umso mehr ab. Mit Leichtigkeit blastet und groovt sich das Quartett 40 Minuten lang seinen Weg in die Herzen der Menge und haut den Fans dabei neben Nackenbrechern seines Debüts Surviving The Abortion und Tracks wie Solaranite und Fried Dead Brains aus ihrem aktuellen Langspieler Grave Robbers From Outer Space auch seine brandaktuelle Single We Sleep, They Live um die Ohren, was einen wilden Pit auslöst, in dem sich gegen später auch Teile der Band wiederfinden. Und auch wenn sich Frontmann Chris im warmen Zelt trotz lautstarker Aufforderung aus der ersten Reihe („1, 2, 3 – Oberkörper frei“) nicht weiter zur Schau stellen möchte („Jetzt noch nicht!“), so belohnen die sympathischen Sachsen das Publikum zumindest mit einem bis dato unveröffentlichten Song. Chapeau!
Melo-Death der modernen Sorte präsentieren hingegen die Wuppertaler Darkness Surrounding. Kurzfristig als Ersatz für die UK-Thrasher Warfield angereist, legt der Fünfer um das Gesangsduo, bestehend aus Gitarristin Kessi (Cleans) und Tim (Growls/Shouts), den Fokus auf sein aktuelles Zweitwerk Is There Salvation? (2025). Dabei ragt u. a. dessen erste Single Lethargy aus dem Set hervor, während Leadgitarrist Simon den eher melancholischen Tracks immer wieder mit seinen maßgeschneiderten Soli das gewisse Etwas verleiht. Tut sich das Burning-Q-Publikum nach der Human Prey’schen Vollbedienung anfangs noch etwas schwer, schaffen es Darkness Surrounding dennoch von Song zu Song, dieses wieder in Bewegung zu setzen. So bildet der Pulk vor der Zeltbühne beim vorletzten Stück nicht nur eine Wall of Death, sondern mutiert abschließend zum prädestinierten Rausschmeißer Choke On Your Mistakes auch noch zu einem großen Chor. Ein Auftritt, mit dem sich die Truppe ihr laut Instagram-Post „bestes Frühstück aller Zeiten“ am nächsten Morgen redlich verdient hat.

René W.: Pünktlich um 21:20 Uhr entern Frostshock aus Haltern am See die Bretter. Die Formation legt mit ihrem melodischen Death- und Thrash-Metal-Cocktail sofort den Finger in die Wunde. Die Entwicklung in den letzten Monaten ist wirklich beachtlich. Ohne zu übertreiben kann man feststellen, dass die Band um Sänger und Gitarrist Flemming Wehren auf die Überholspur abgebogen ist. Die Korken werden mit Hibernation End geknallt. Doch nicht nur Flemming Wehren ist als starker Sänger unterwegs, sondern die ganze Combo unterstreicht die deutliche Entwicklung in den letzten 18 Monaten. Serpent Inside und Ascenders Band krachen aus den Boxen und ziehen die Stimmung an. Das Zelt ist bereits gut gefüllt, als Web Of Lies einen Circlepit entfacht und die Meute in den ersten Reihen anfängt, fleißig zu moshen. Whatever Lies Beyond The Black Sky beendet die Sause nach 45 Minuten und hinterlässt einen durch die Bank weg positiven Eindruck vom Frostshock Auftritt.
Der Headliner startet mit Ivth Crusade und No Guts, No Glory. Ist die Bolt Thrower-Tributeband For Victory um Sänger Oliver Meyer irre, so früh den Hit No Guts, No Glory ins Rennen zu schicken? Die Antwort lautet nein, denn die norddeutschen Musiker haben noch mehr Pfeile in ihrem 45-minütigen Köcher. Da kann man mit dem Kracher auch mal die Tür für einen Abriss öffnen. „Ihr wisst schon, dass wir eine Tributeband sind oder?“ Dem Publikum vor der Tentstage ist es völlig egal und sie gehen beim Todesblei der britischen Death-Metal-Legende völlig steil. Auch ohne eigene Songs brauchen sich For Victory nicht verstecken, die alles aus den großartigen Werken herausholen. Mit viel Herzblut und Leidenschaft setzten sie Mercenary frei. Lest We Forget darf bei diesem Intermezzo ebenfalls nicht fehlen. When Glory Beckons legt dem beliebten Evergreen Anti Tank auf, bis For Victory den Zug langsam in den Heimathafen donnert. Das finale Feuerwerk des ersten Tages feuern sie mit Those Once Loyal ab und schicken die Headbanger zufrieden und mit Tinnitus in die Nacht.
René W.: Black Metal am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Für Traktat geht es zur frühen Stunde auf der Tentstage zur Sache. Die Band hat eine kurze Anreise aus Bremen ins benachbarte Osterholz-Scharmbeck und soll mit ihren harten Riffs die Langschläfer aus den Zelten knüppeln. Von Nebel umhüllt, werden die Silhouetten der Musiker vom roten Licht in Szene gesetzt. Die Vocals von BKT dringen kreischend und gurgelnd aus der Anlage. Die Mikrofone türmen sich vorm Schlagzeug von Prinz Blastphenom Obszienität in die Lüfte. Die Noise Attacken schütteln einen sofort wach. Die ersten Fäuste fliegen in die Luft und die punkig wie grindigen Black-Metal-Klänge zerschneiden die Luft. Das agile Auftreten bringt die müden Knochen in Wallung.

Um 12:35 Uhr geht es für Nephylim erstmals dieses Wochenende zur Mainstage. Melodic Death Metal steht auf dem Programm und das Infield ist bereits gut gefüllt. Leicht bedeckt, aber warm, spielt das Wetter voll mit und sorgt ebenfalls für eine ausgelassene Stimmung. Stimmengewaltig bringt Tijn Bosters die Niederländer mit dem ersten Track Inner Paradigm in Position. Feine epische Klangbilder werden aufgezogen und immer wieder geschickt die Geschwindigkeit herausgenommen, um dann wieder zu explodieren. Technisch gut unterwegs, sollte man als Genrefan Nephylim im Auge behalten. Besonders positiv bleibt Amaranth im Kopf. Die Nummer baut sich im Zentrum des Auftrittes auf und bildet das Herz des Sets. Ein Höhepunkt, der bis zum Ende mit Grand Denial im Kopf bleibt.
Als Nächstes steht die Thrash-/Death-Metal-Band Exorcism aus Birmingham in den Startlöchern. Das Quartett setzt auf harte Hooks und lässt es ordentlich grooven. Der harte wie freche Thrash Metal lässt die ersten Besucher eskalieren. Von der aktuellen EP aus dem letzten Jahr schafft es der Titeltrack Spectral Aggression ins Set. Wie schon bei allen anderen Acts dürfen sich auch Exorcism über ausreichend Zuspruch freuen. Baden geht hier keine Truppe und die Besucher des Burning Q wissen stets das Billing mit den diversen Perlen zu schätzen. Der Abriss geht somit unaufhaltsam weiter und macht auch hier keinen Halt. Strike Of The Match sammelt sofort alle Headbanger ein und lässt das Haupthaar fliegen. Viele Tracks haben die Männer seit ihrer Gründung noch nicht auf die Beine gestellt. Was sie jedoch produziert haben, kommt gut an und schreibt die Rübe langsam, aber sicher vom Hals.

Philipp A.: Passend zur freitäglichen Nachmittagssonne sorgen auch Phantom Spell für wohlig-sommerliche Gefühle unter der Zuhörerschaft. Die britisch-spanische Combo um Bandkopf Kyle McNeill (Seven Sisters) überzeugt mit ihrem erfrischenden, von nostalgischen Orgelklängen ergänzten 70er-Progrock, der im diesjährigen Line-Up Exotenstatus besitzt, und verzaubert die Menge mit engelsgleichem mehrstimmigem Gesang. Dabei zelebriert die Band nicht nur ihren ersten Auftritt beim Burning Q, sondern auch den ersten Deutschland-Gig ihres Aushilfsklampfers überhaupt, den sie mit Tracks wie Dawn Of Mind, Blood Becomes Sand und A Distant Shore bestreitet, wobei sie mit Letzterem zudem ein klares Zeichen gegen Rechts setzt. Mit Palantiri findet zudem ihr neuestes Werk, das von ihrer Split-EP mit Wytch Hazel desselben Namens stammt, seinen Weg in das Set, das Festivalteam und Wettergott nicht besser hätten planen können.
René W.: Tyranthrope wollen sich nicht lumpen lassen und servieren einen Thrash Metal mit Crossover-Mix, der leichte Hardcore-Noten aufweist. Dadurch hat die Formation ordentlich Power im Kessel. Die leeren Becher fliegen bei Hollow Democracy und Moloch durchs Zelt. Die ebenfalls frische Band, die seit gut sechs Jahren zusammen agiert, zieht mit dem Titel Catch 2022 den nächsten Knüppel aus dem Sack. Das Drumming von Lars Zehner ist aggressiv, übernimmt einen aktiven Part und macht seinen Mitstreitern mächtig Dampf. Da müssen sich die drei Kollegen an den Seiteninstrumenten ordentlich sputen. Intensitätsprobleme hat Frontmann Klaus Schwerdt ebenfalls nicht und setzt dem Auftritt das berühmte i-Tüpfelchen auf. Die Death-Metal-Nummer Twilight Kings geht gut vorwärts und sorgt für einen kleinen wie feinen Circle Pit. Ohne Der Marsch Der Rattenfänger verlassen Tyranthrope nicht den Austragungsort.

Um 15:35 Uhr setzten Endseeker für 50 Minuten die Mainstage mit ihrem Death Metal in Schutt und Asche. Ihre letzte Open-Air-Show. Seit 12 Jahren treiben die Hamburger ihr Unwesen in der Szene. Seit ihrer Gründung bilden sie eine Einheit und hören gemeinsam im Herbst auf. Das ist der letzte Festivalauftritt auf dem Burning Q 2026 von Lenny und Co. Die emotionale Reise der sympathischen Death-Metal-Combo findet somit ihr Ende. Bis dahin lassen es die Künstler jedoch krachen. Mit im Schlepptau: die aktuelle Scheibe Global Worming von vor drei Jahren und die EP Coffin Born von diesem Jahr. Das Interesse ist groß und die Death-Metal-Fraktion flutet das Infield. Da darf The Harvest ganz sicher nicht fehlen. Im dichten Soundgewitter zieht Lenny seine Grimassen und die harten Growls schallen übers Gelände. Jury und Ben schneiden mit ihren Äxten die Luft, während Torsten am Bass und Andre am Schlagzeug mit harten Salven das Schlachtschiff Endseeker auf Kurs halten. Count The Dead zählt die letzten Stunden, und so zieht es nach diesem fulminanten Gig viele Fans zum Time-For-Metal-Autogrammstand, um die vielleicht letzte Gelegenheit zu nutzen, um sich die geliebten Platten und CDs von der Band signieren zu lassen. Wer Endseeker nochmal live sehen möchte, muss sich ranhalten. Die abschließende Tour startet im November und gipfelt in ihrer Heimat in Hamburg am 12.12.2026 im Knust.
Die Black-Metal-Flagge halten Servant auf der Tentstage nach dem Endseeker-Auftritt in die Luft. Mit dem noch aktuellen Langeisen Death Devil Magick aus Hannoversch Münden angereist, setzt die deutsche Gruppe auf eine frühe Neunziger-Handschrift mit melodischen Ansätzen. Diesen gehen sie auch auf dem neuen Album Lux Ex Inferis weiter, welches im Herbst veröffentlicht wird. Die Single Tabula Rasa zeigt dabei den Weg auf. Im Fokus steht jedoch das bereits veröffentlichte Material. So geht es nach dem Intro mit Litany zur Sache. Dunkle Rauchschwaden ziehen auf. Mit Corpse Paint versehen, dringen die lauten Shouts von Samael und Farago aufs Trommelfell. Frostig und kalt ziehen sie musikalisch die Vorhänge vor die Sonne. Im Zelt kommt die Kunst auch bei Tageslicht gut an, ohne an Magie zu verlieren. Temple schneidet tiefe Schneisen der Verwüstung in die aufgeheizte Luft. Mit Sin und Devil wird geschickt nachgesetzt. Ein Höhepunkt, der Lust auf mehr macht. Wer Servant nicht im Auge behält, ist selber schuld.

Philipp A.: Dass sie die Hauptbühne des Burning Q nicht für halbe Sachen betreten haben, stellen die Schweden Ambush sofort klar. Das Publikum frisst den Heavy Metallern aus der Hand, singt ab dem ersten Ton mit und reckt zu Possessed By Evil, dem Opener ihrer 2025er-Scheibe Evil In All Dimensions, kollektiv die Fäuste gen Freißenbütteler Himmel. Ein Auftakt nach Maß, dem die Nordmänner das der Ukraine gewidmete Heading East, den stadiontauglichen Banger Hellbiter sowie das frenetisch gefeierte Firestorm folgen lassen, ehe sie ihren Auftritt mit Desecrator, dem Überhit Natural Born Killers und Don’t Shoot (Let ’Em Burn) beschließen und damit ein fettes Ausrufezeichen auf dem Festivalacker hinterlassen. Ein triumphaler Beweis, dass es nicht immer viel Show und Feuerwerk benötigt, um Fans in den Metal-Himmel zu katapultieren.
Zur Festivalzeit u. a. mit Riot City durch Europa tourend, ist das Burning Q nur einer einiger Zwischenstopps des NWoBHM-Raumschiffs Aquilla. Dessen polnische Crew betritt die Bühne furios und legt mit dem Doppel Technocrats‘ Tyranny und Mountains Of Black Sleep aus ihrem neuesten Werk Sentinels Of New Dawn direkt amtlich vor. Lediglich unterbrochen von einer kleinen Zeitreise in Form des Titeltracks ihres Erstlings Saviors Of The Universe, verfolgen Aquilla mit Plunder & Steel oder Battalion 31 für die gesamte Show ihre aktuelle, 2025 begonnene Mission – nur, um das Publikum, das gehörig dazu beiträgt, dass die dreiviertelstündige Reise wortwörtlich wie im Flug vergeht, mit einem Scorpions-Cover (Robot Man) von der Zeltbühne zu verabschieden.

René W.: Die US-amerikanische Death-Metal-Fraktion Immolation fährt die Boxen hoch und lässt ihre harten Riffs weit über das Land ziehen. Der Preis an die lauteste Band geht an die Amerikaner, die keine Gefangenen nehmen wollen. Ross Dolan agiert mit dem Messer zwischen den Zähnen. Seine Vocals zermürben jeden Stein und seine Aktivitäten am Bass bringen den Boden zum Beben. Für Immolation ist es der erste Trip zum Burning Q und die Männer haben sichtlich Spaß an ihrer Stagetime. Mitgebracht haben sie neues wie auch altes Material. Mit im Schlepptau: Tracks wie These Vengeful Winds und The Ephemeral Curse. Bill Taylor und Robert Vigna zerlegen auch das Burning Q nach allen Regeln der Genre-Kunst und werden mit teils großen Augen bestaunt. Immolation lassen nichts anbrennen und gießen ein meterdickes Fundament in Windeseile. Wer im Takt von Schlagzeuger Steve Shalaty den Auftritt durchbangt, hat morgen definitiv einen steifen Nacken. Die Männer aus New York prägen ihren Death Metal durch eine extrem düstere, dunkle Architektur, die statt auf klassische Strophen-Refrain-Muster auf komplexe, fortlaufende Steigerungen setzt. Das Fundament ihres Sounds bildet schiefe, chromatische Riffstrukturen und charakteristische Pinch-Harmonics, die voll ins Ohr gehen. Die ungeraden Taktmaße und unvorhersehbaren Tempowechsel schütteln bis zum Ende auf und sorgen für das nächste Highlight an diesem immer noch frühen Abend.
Philipp A.: Wie Darkness Surrounding sind auch Nail By Nail (in diesem Fall für Moribund Oblivion) kurzfristig zum Billing gestoßen. Angesiedelt in Karlsruhe, hüllen die Black Metaller das Zelt des Burning Q schon vorab in eine okkulte Atmosphäre aus Nebel, Weihrauch und Totenschädeln, ehe sie mit Born On Total War und Cosmic Fire zur Messe läuten. The Frozen Tomb widmen sie zur Mitte des Sets der kürzlich verstorbenen Szene-Ikone Barth Resch, während die Bühne immer mehr vom Kerzenschein erhellt wird. Nachdem Above The Black Tower bereits erahnen lässt, welch starkes Zweitwerk aus dem Hause Nail By Nail die Welt womöglich schon in naher Zukunft heimsuchen wird, beendet die Truppe ihren umjubelten Auftritt mit dem Titelstück ihres Debütalbums Embraced by Darkness auf unwiderstehlich melodische Art und Weise.

Mit über 45 Jahren Bandgeschichte im Gepäck gibt es keinerlei Zweifel, dass Grave Digger nicht nur eine nicht wegzudenkende Größe des deutschen Heavy Metal, sondern auch ein würdiger Headliner der diesjährigen Burning-Q-Auflage sind. Allein das Dudelsackintro The Brave sorgt jedes Mal aufs Neue sofort für Gänsehaut, ehe die Mannen um Sänger Chris Boltendahl ihre von schottischer Geschichte, den Highlands und anderen Sagen geprägten Hymnen zum Besten geben. Spätestens mit den ersten Tönen von Scotland United hat die spielfreudige Band das Publikum im Sack, als sich Fans jeglichen Alters in den Armen liegen und einen rund tausendköpfigen Sangesclan bilden, dem sich auch Musiker anderer auftretender Acts mit Begeisterung anschließen. Da das heutige Set zusätzlich unter dem Banner Tunes Of War, dem Album, das 2026 sein Dreißigjähriges feiert, steht, dürfen weitere Songs aus genanntem Werk, wie das unumgängliche Rebellion (The Clans Are Marching), selbstverständlich nicht fehlen. Hit um Hit spielen sich Grave Digger rund 75 Minuten durch ihr „old-school as f**k“ Set, um nach brandendem Beifall für das Zugabetrio Headbanging Man, Witch Hunter und Heavy Metal Breakdown noch einmal auf die Bretter zurückzukehren. In dieser Form besteht absolut kein Zweifel, dass das Gladbecker Quartett der Metal-Geschichte noch so einige ruhmreiche Kapitel hinzufügen können wird!
René W.: Für 50 Minuten fällt mit den Dänen Sunken der Vorhang. Die Tentstage wird vom atmosphärischen Black Metal eingenommen und konsequent eingenebelt. Og Det Er Lykke killt sofort und setzt auf ein emotionales Intermezzo. Seit dem Black Tides Fest im letzten November haben sich die Künstler weiterentwickelt und erschaffen in dem vollen wie gedrungenen Zelt eine hoch gefühlvolle Dampfwalze. Mit geschlossenen Augen zieht das Leben mit jedem Track an einem vorbei. Was ist der Sinn des Lebens? Wie war die Vergangenheit und was bringt die Zukunft? Das alles können Sunken für jeden Einzelnen nicht klären. Jedem Besucher gehen eigene Gedanken durch den Kopf, gesprochen wird kein Wort, die Klänge massieren die Seele, während Ensomhed und Dødslængsel auf uns herniederfahren. Ansagen braucht Sänger Martin Skyum Thomasen keine und formt lieber ein Konzert wie aus einem Guss. Eine ordentliche Messlatte für den Rest des Tages, die kaum zu erreichen bzw. zu übertreffen ist. Wehmut kommt mit Når Livet Går På Hæld auf, der den Finger in die immer noch pulsierende Wunde drückt. Mit dem letzten Werk Lykke ist der Durchbruch in der Black-Metal-Szene endgültig gelungen, was diese intensive Session eindrucksvoll belegt. Wer von Sunken nicht genug bekommen kann, darf sie auf dem Party.San in wenigen Tagen erneut feiern.

Einen ähnlichen Aufwind erleben Lamp Of Murmuur mit ihrem aktuellen Langeisen The Dreaming Prince In Ecstasy. Auf der nächtlichen Mainstage kommen bei den Black-Metal-Salven die Lichtspiele besonders gut an. Modernere Dimmu-Borgir-Einflüsse stehen den Haudegen aus den USA gut zu Gesicht. Mit melodischen Attacken versetzt, ziehen die Musiker das Publikum in ihren Bann. Mit rohen Black-Metal-Elementen der Neunziger erschaffen sie eine Landschaft der Harmonie, aber auch des Hasses. Technisch stark lassen Lamp Of Murmuur keine Wünsche offen und blicken diabolisch böse auf ihre Opfer hinunter. Dabei setzen sie den emotionalen Weg von Sunken konsequent fort. Unter den Masken verziehen sie keine Miene und setzten blutige Kettensägen-Moves mustergültig an. Ein Abschluss, den der Veranstalter nicht besser hätte wählen können. Sowohl von Lamp Of Murmuur als auch von Sunken werden wir in den nächsten Monden noch mehr hören und der Weg zeigt dabei nur steil nach oben.
Emotional leichter wird es mit dem letzten Act Riot City auf der Tentstage. Klassischer Speed Metal bringt die müden Knochen noch einmal in Wallung. Doch nicht nur die Partygänger haben noch Bock, sondern auch die Kanadier, die gleich zwei Zugaben nachlegen. Der Grim Reaper – See You In Hell könnte da passender nicht aus den Boxen schallen. Der große Vorteil des letzten Protagonisten wird von Riot City nur zu gerne ausgespielt. Auch wenn das Zelt deutlich leerer als bei der letzten Band ist, lassen die Jungs aus Calgary keine Chance aus, um steilzugehen. Warrior Of Time geht immer, gleiches gilt für Livin‘ Fast und The Hunter. Mit Spaß und Präzision führen sie durch die letzte Schlacht und bringen bei Burn The Night eine Crowdsurferin sicher ins Ziel.
Der Tag hat unzweifelhaft Körner gekostet und die Power schwindet langsam. Das Konzept aus zwei Bühnen, die abwechselnd bespielt werden, geht weiterhin voll auf. Auch wenn man nach 13,5 Stunden und 15 Bands in den Seilen hängt, ist man am Ende mehr als glücklich über dieses einmalige wie qualitativ hochwertige Line-Up. Der nächste Tag kann somit kommen, auch wenn jetzt eine kleine Pause nötig ist.






















































































































