Blüdwyrm – The Blissful Sleep Of Ignorance

06.06.2026 – Doom, Sludge – Road To Masochist Records – 17:59 Minuten

Welcher Stimmung bedarf es, um Sludge zu hören? Bist du aufgekratzt, wirst du heruntergeholt, bist du nervös, wirst du beruhigt, und wenn du schlecht drauf bist, weißt du, du bist nicht allein, es gibt drei, vier oder fünf People, die auch nicht gut drauf sind, aber ihre Stimmung in Musik umsetzen. Mit The Blissful Sleep Of Ignorance werfen Blüdwyrm aus Bournemouth vier bleischwere Brocken in den Raum, die gar nicht erst versuchen, Schönheit zu simulieren. Schon der Titel deutet an, wohin die Reise geht – und nein, am Ende des Tunnels wartet hier garantiert kein Licht. Was die Briten auf ihrer Debüt-EP abliefern, ist ein konsequent trostloses Klangbild, das sich irgendwo zwischen resignativer Leere und latent brodelnder Verzweiflung eingerichtet hat.

Das Tempo? Eine einzige zähflüssige Angelegenheit. Blüdwyrm schleppen sich durch ihre Songs, als trügen sie die Last der Welt auf den Schultern – und genau das ist die große Stärke der EP. Die dumpfen Riffs verzerren die Realität, das Schlagzeug hält mit anspruchsvollem, tonnenschwerem Groove dagegen, während aus den Vocals der unterdrückte Frust herausquillt, der uns jeden Tag – im Job, auf der Straße, auf dem Amt, im Warteraum des Lebens – begleitet. Keine Hektik, keine Ausbrüche ins Rasende – stattdessen eine fast schon stoische Langsamkeit, die alles niederwalzt, was sich ihr in den Weg stellt. Doom und Sludge in ihrer puren, schönsten Form.

Vielleicht ist das Licht am Ende des Tunnels auch einfach nur Beschiss

Interessant wird es dann bei der Spielzeit der einzelnen Tracks. Vier Songs, ja – aber keine endlosen Mammutwerke, die sich über zehn Minuten hinaus selbst zelebrieren. Blüdwyrm gehen einen anderen Weg und halten ihre Stücke erstaunlich kompakt, fast schon puristisch. Für ein Genre, das sonst gerne in epischer Überlänge schwelgt, wirkt das zunächst ungewohnt – funktioniert aber erstaunlich gut. Die Band bringt ihre Ideen auf den Punkt, ohne sich in Wiederholungen zu verlieren, und gerade dadurch entfaltet die EP eine unmittelbare Wucht.

Diese Kombination aus bleierner Langsamkeit und straffer Struktur verleiht The Blissful Sleep Of Ignorance eine eigene Dynamik. Jeder Song fühlt sich wie ein gezielter Schlag an – nicht endlos ausgekostet, sondern bewusst gesetzt. Das sorgt dafür, dass die düstere Stimmung nie abstumpft, sondern konstant unter die Haut geht. Man bekommt hier keine Fluchtmöglichkeit, aber auch keinen Leerlauf.

Hier geht es lang für weitere Informationen zu Blüdwyrm – The Blissful Sleep Of Ignorance in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Blüdwyrm – The Blissful Sleep Of Ignorance
Fazit zu The Blissful Sleep Of Ignorance
Blüdwyrm liefern mit ihrem Debüt eine starke Visitenkarte ab. Desolat, schleppend und angenehm unaufgeregt – aber gleichzeitig fokussiert und für Genre-Verhältnisse überraschend kompakt. Doom und Sludge müssen nicht immer endlos sein, um zu wirken. Diese vier Tracks beweisen das ziemlich eindrucksvoll. Die Großen Alten aus vielen Äonen sind hier zugegen, ob Hard Rock, Heavy Metal oder Punk Rock. So düster und stimmungsvoll die vier Tracks sind, so sehr haben sie auch eine Fuck-You-Attitüde. Briten kippen auch Essig auf Pommes, manchen schmeckt es, manche finden es ekelig, so ist halt die sauer aufstoßende Essenz von The Blissful Sleep Of Ignorance.

Anspieltipp: Preacher Of My Own Demise
Kristian H.
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