Linkin Park auf ‚From Zero‘-World-Tour am 01.06.2026 im Hamburger Volksparkstadion

Event: From Zero World Tour

Headliner: Linkin Park

Vorbands: Phantogram, Clipse

Ort: Volksparkstadion, Hamburg

Datum: 01.06.2026

Genre: Nu Metal

Besucher: Mehrere zehntausend

Setlists: Linkin Park

„Amerikanischer Präsident Grünanlage“ im HSV-Stadion. Dass Linkin Park in der Größenordnung quasi kein schlechtes Konzert liefern können, ist wohl kein Spoiler. Aber spielen sie gut genug, dass die horrenden Ticketpreise zu verkraften sind? Oder ist es nur etwas für hartgesottene Fans, die mit daumennagelgroßen Musikern und Videowänden auf einer weit entfernten Bühne glücklich werden?

Die Vorbands: einschläfernder Synth und stereotyper Hip-Hop

Die Vorbands rechtfertigen die Preise – fast alle Tickets kosten über 100 Euro – jedenfalls nicht ansatzweise. Wenn man für Linkin Parks härtere Stücke gekommen ist,  enttäuschen Phantogram. Sie sind ein weichgespültes Elektro-Synth-Duo. Josh Carter greift in die Tasten, Sarah Barthel singt von Welt- und Herzschmerz und derlei Dingen. Zumindest entsteht der Eindruck, so richtig verstehen kann man sie bei all dem Bass und Reverb nicht. Der Sound wird über den Abend auch nie richtig gut. Und wenn der Job einer Vorband darin besteht, das Publikum wachzumachen, dann scheitern Phantogram leider.

Danach gibt es Clipse, zwei Rapper aus den Staaten, begleitet von ’nem DJ. Die haben deutlich mehr Druck, da wippen immerhin einige Arme in der Crowd. Sie bedienen aber nur einen kleinen Teil der Fans. Stattdessen bedienen ihre fetten Goldketten und Texte viele meiner negativen Vorurteile gegenüber Hip-Hop … Beenden wir den kulturellen Exkurs hiermit flott und widmen wir uns stattdessen einer Band, die zumindest irgendwie auch Metal ist. 

Armstrong: Die „neue“ Sängerin passt rein

Linkin Park, 01.06.2026, Hamburg

Denn um 20:50 Uhr beginnt dann ein Zehn-Minuten-Countdown auf den Videowänden, und sobald die Headliner dann auf der Bühne stehen, stehen fast alle im Publikum auf. Auch auf den Rängen, das hat schon was. 

Emily Armstrong, die „neue“ Sängerin seit dem Linkin-Park-Comeback 2024, passt auf jeden Fall gut in die Band. In ihrem gestreiften Longsleeve und Hemd hüpft sie energiegeladen über die Bühne und bald wird auch zwischen den Wellenbrechern in Moshpits gehüpft. Erwartungsgemäß zieht gerade im mittleren Wellenbrecher die Stimmung hoch und Crowdsurfer ziehen über die Köpfe. 

Über Chester Bennington, den ehemaligen Sänger, der sich 2017 das Leben genommen hat, reden sie zumindest zwischen den Liedern kaum. Sie spielen fokussiert, energiegeladen, in der Gegenwart. 

Allgemein sind die Moderationen erfrischend knapp, am längsten dauert es, als Sänger und Rapper Mike Shinoda einen Zettel mit Dank auf Deutsch vorliest. Kriegt natürlich Jubel, genauso wie der Moment, als er einem Jungen in der Crowd seine signierte Cap schenkt. Allgemein bekommen vor allem Armstrong und Shinoda das Spotlight, der Rest der Band steht etwas im Hintergrund. 

In The End wird alles gut mit Numb 

Linkin Park, 01.06.2026, Hamburg

Insgesamt dauert es eine Weile, bis die Band das Stadion komplett unter Druck hat. Aber gerade zum Ende hin, als der Himmel so grau wie das Stadiondach ist, geht es ab. Da spielen sie die Songs, auf die alle gewartet haben – Numb und In The End sowie ein paar härtere Stücke in der Zugabe. In dem Moment singen Zehntausende aus voller Kehle Lieder mit, die sich in ein Jahrzehnt Musikgeschichte eingebrannt haben. Und das ist die Magie, die ein Stadionkonzert bieten kann. Die Energie, wenn eine ganze Stadt einen Moment, ein Lied, teilt; sich die Emotionen von der Seele schreit; die Haare beim Headbangen fliegen lässt; mosht.

Und diese Erlebnisse sind es, die dem Abend trotz der krassen Preise seine Berechtigung geben. Dieses Gefühl von etwas Großem. Aber es ist trotzdem verdammt teuer, dafür, dass ein paar lavendelfarbene Konfettis das Maximum an Effekten sind und kein Flämmchen züngelt. Vermutlich gilt für die meisten Nicht-Hardcore-Fans das, was ein Freund, der den Abend seinem Sohn zum Geburtstag geschenkt hat, danach sagt: „War gut. Ich bereue es nicht. Aber ich werde es auch nicht wieder machen.“ Dafür ist die Konkurrenz durch kleine und günstige Konzerte, bei denen man Teil eines nicht-geskripteten Moments sein kann, einfach zu stark. 

Bericht: Alexander M. | Fotos: Norbert C.