Extrabreit am 07.08.2026 im Freilichttheater Krusenkoppel Kiel

Wenn Rebellion unter freiem Himmel noch immer funktioniert

Eventname: Krusenkoppel 2026

Band: Extrabreit

Ort: Freilichtbühne Krusenkoppel, Kiel, Schleswig-Holstein

Datum: 07.08.2026

Kosten: 46,00 €

Genre: Deutschrock

Zuschauer: geschätzt etwa 600

Link: https://www.die-breiten.de/

Setlist: 

  1. Extrabreit
  2. Her Mit Den Abenteuern
  3. Sturzflug
  4. Geisterbahn Fahrn
  5. Kleptomanie
  6. Glück Und Geld
  7. Nichts Ist Für Immer
  8. Polizisten
  9. 1-1-0
  10. Der Letzte Schliff
  11. Gib Mir Mehr Davon
  12. Vorwärts Durch Die Zeit
  13. Für Mich Soll’s Rote Rosen Regnen
  14. Lottokönig
  15. 3-D
  16. Hart Wie Marmelade
  17. Flieger, Grüß Mir Die Sonne
    Zugabe:
  18. Hurra, Hurra, Die Schule Brennt
  19. Annemarie
  20. Junge, Wir Können So Heiß Sein

Extrabreit 2026 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Die Krusenkoppel in Kiel ist eine jener Freilichtbühnen, die man nicht mit spektakulärer Größe, sondern mit Atmosphäre verbindet. Seit 1950 prägt die Open-Air-Location oberhalb der Förde das kulturelle Leben der Stadt und bietet mit ihren rund 2.000 Plätzen einen Rahmen, der Sommerkonzerte angenehm entschleunigt. Genau dieser Ort erweist sich als perfekte Bühne für eine Band, deren Geschichte längst Teil deutscher Rockkultur geworden ist.

Extrabreit stammen aus Hagen und gehören zu den Mitbegründern des Deutschrocks, noch bevor es in die Neue Deutsche Welle rutschte. Ende der 1970er gegründet, machten Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg aus Punk, Rock und schwarzem Humor eine unverwechselbare Mischung, die mit Klassikern wie Hurra, Hurra, Die Schule Brennt, Polizisten oder Flieger, Grüß Mir Die Sonne Generationen geprägt hat. In der aktuellen Besetzung stehen seit 2002 neben Havaii und Kleinkrieg noch Lars „Larsson“ Hartmann am Bass, Rolf Möller am Schlagzeug und Bubi Hönig (Gitarre) auf der Bühne.

Extrabreit 2026 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Der Abend in Kiel beginnt ohne großes Vorgeplänkel oder eine Supportband. Extrabreit verzichten auf Nostalgie-Inszenierung und setzen stattdessen auf unmittelbare Präsenz. Rund 600 Besucher werden von Beginn an mitgenommen, als die Band quer durch ihren Backkatalog pflügt. Was dabei auffällt: Die Songs funktionieren heute nicht nur als Erinnerung, sondern immer noch als erstaunlich bissige Kommentare auf den Alltag.

Kai Havaii präsentiert sich stimmlich präsent und mit trockenem Humor, während Stefan Kleinkrieg die Gitarrenriffs mit jener lässigen Selbstverständlichkeit spielt, die nur aus jahrzehntelanger Bühnenerfahrung entsteht. Besonders Polizisten entwickelt eine rohe Energie, die man eher in einem verschwitzten Club als auf einer sommerlichen Freilichtbühne erwartet hätte. Flieger, Grüß Mir Die Sonne verwandelt die Krusenkoppel anschließend in einen großen Mitsingchor.

Extrabreit 2026 Kiel; Foto: Norbert Czybulka

Zwischen den Songs bleibt genügend Raum für spontane Kommentare, kleine Seitenhiebe und Erinnerungen an wilde Tourjahre, ohne dass der Abend jemals in bloßer Rückschau steckenbleibt. Genau darin liegt die Stärke von Extrabreit: Die Band wirkt nicht wie ein Museumsexponat der NDW oder eine Coverband, sondern wie eine Formation, die ihre Vergangenheit kennt und dennoch mit sichtbarer Freude im Hier und Jetzt spielt.

Als die letzten Akkorde verklingen und die Sommerluft über die Krusenkoppel zieht, bleibt vor allem eines hängen: Rebellion muss nicht jung sein, um glaubwürdig zu wirken. Extrabreit liefern keinen perfekten Hochglanz-Auftritt, sondern einen ehrlichen, lauten und sympathisch ungeschönten Abend. Und genau deshalb funktioniert dieser Punk der alten Schule auch in Kiel noch immer erstaunlich gut.