Festivalname: Rock Hard Festival 2026
Bands: Armored Saint, Coroner, Angel Witch, Neckbreakker, Paradise Lost, Dark Tranquillity, Slime, Hällas, Hirax, Ambush, Wytch Hazel, The Great Sea, Saxon, Mikkey Dee With Friends, Uli Jon Roth, Lucifer, Gus G. & Ronnie Romero, Nailed To Obscurity, The Neptune Power Federation, Smorrah, Prophets Of The Rising Dead, Maamuut, Majak
Ort: Amphitheater Gelsenkirchen, Grothusstr. 201, 45883 Gelsenkirchen
Datum: 22.05.2026 – 24.05.2026
Kosten: Festivalticket ab 155,00 €, Tagesticket ab 65,00 €
Genre: Heavy Metal, Power Metal, Melodic Metal, Thrash Metal, Hard Rock, Death Metal, Progressive Metal, Progressive Rock, Melodic Rock, NWoBHM, Hard Rock
Besucher: ca. 7000 Besucher (grobe Schätzung)
Veranstalter: Rock Hard Event GmbH
Link: https://www.rockhard.de/rhfestival
Gerade hat das lange Pfingstwochenende angefangen, schon ist der finale Tag angebrochen und die Fans machen sich auf den Weg zum Gelände. Es ist gefühlt heute noch einige Grade heißer als am Samstag. Schatten ist wichtig, Wasser zum Trinken ebenfalls. Dafür sorgt auch das Veranstaltungsteam, das wie am Vortag Wasserspender aufstellt, die die Besucherschaft mit der notwendigen Abkühlung versorgen. Aber egal, wie stark die Sonne brennt, um 12 Uhr geht es auf der Bühne im Amphitheater weiter. Ein Lokalmatador hat einen Slot auf dem Rock Hard Festival 2026 ergattert.
Smorrah (12:00 – 12:40)

Smorrah kommen aus Gelsenkirchen und stehen in der Mittagssonne auf der Bühne. Seit 2017 lärmt sich die Truppe durch Clubs und Festivals. Eine EP und die Debüt-LP Welcome To Your Nightmare (2024) stehen als Studiooutput auf der Habenseite. Auf die Ohren gibt es – Gelsenkirchen-like – Thrash Metal, mit einer ordentlichen Kelle, bei der sich die Frage nach den Vorbildern nicht stellt. An die Ruhrpott-Tradition knüpfen Smorrah an und scheppern das Publikum wach. Allen voran Sänger Marius Wegener stürmt wie ein Irrwisch über die Bühne und sorgt für beste Underground-Unterhaltung zur frühen Zeit und zettelt bereits einen Moshpit an. Am Bass agiert ein nicht nur im Ruhrpott sehr bekanntes Gesicht. Christian „Speesy“ Giesler, auch Bassist bei Bonded, dürfte vor allem von seiner langjährigen Tätigkeit bei Kreator bekannt sein. Die Visitenkarte der Band ist ausgezeichnet und sollte nicht nur bezüglich des namhaften Bassisten für weitere Auftritte in der Republik sorgen.
The Neptune Power Federation (13:00 – 13:45)

Einen weiten Weg haben The Neptune Power Federation aus Australien hingelegt und liefern ganz andere Klänge als der heutige Auftakt. Psychedelisch angehauchter Rock und ein extravagantes Outfit von Sängerin Screaming Loz Sutch sind die Eckpunkte des Quintetts. Wer nun denkt, Screaming Loz Sutch, das habe ich doch schon mal gehört. Vermutlich handelt es sich aber um Screaming Lord Sutch, der in den 70ern als erster Schock-Rocker auftauchte und mit der Platte Lord Sutch And The Heavy Friends den wenig ruhmreichen Titel „schlechtestes Rockalbum des vergangenen Jahrhunderts“ in UK erhielt.
Schockrock, aber auch Blues Rock und Classic Rock sind im Sound von The Neptune Power Federation zu finden. Eine weitere Besonderheit liefert Sängerin Loz Sutch, die ihre Vocals direkt auf der Bühne beeinflusst. Die aktuelle Platte nennt sich Mondo Tomorrow, wovon es mit dem Titeltrack, Rhapsody In Blue und And The Bones Decay drei Kostproben gibt. Der Auftritt des Quintetts in der brennenden Mittagshitze sorgt wahlweise für Begeisterung oder Kopfschütteln. Den Preis für das schrillste Outfit gewinnt Loz Sutch aber ohne jeden Zweifel.
Nailed To Obscurity (14:10 – 15:00)

Aus Friesland kommen die Death-Doomer Nailded To Obscurity und veröffentlichten 2025 mit Generation Of The Void ihren fünften Longplayer. Auch die Truppe ist eher etwas für dunkle Beleuchtung und Herbststimmung. Die Atmosphäre lässt sich heute nicht auf die Bühne zaubern, aber die Musik kommt trotzdem stark aus den Boxen. Gleich fünf Nummern stammen von der aktuellen Platte und die Songs kommen allesamt mit einer gewissen Überlänge daher, sodass insgesamt nur sieben Stücke gespielt werden. Genauso wichtig wie die Musik ist die klare Ansage von Sänger Raimund Ennenga. Nailed To Obscurity stehen für eine offene Gesellschaft und spielen Musik für alle Menschen auf dieser Welt, egal welche Hautfarbe, Religion oder Staatsangehörigkeit. Die Band wehrt sich gegen Faschismus und Rassismus. Diese Aussage unterstreicht Gitarrist Jan-Ole Lamberti mit einem T-Shirt mit der Aufschrift FCK AfD. Danke an die Band für die klaren Worte.
Gus G. & Ronnie Romero (15:25 – 16:20)

Cover-Musk der erste Teil. Gus G. und Ronnie Romero sind seit einigen Jahren gemeinsam unterwegs und huldigen dabei ihre Heroen. Trotzdem hat Romero nebenbei eine eigene Platte aufgenommen, wo Gus G. ebenfalls mit aktiv war. Auf der Bühne sind neben den beiden Namensgebern noch Firewind-Drummer Jo Nunez und Bassist Andrea Arcangeli (unter anderem DGM).
Anstatt auf das Material von Ronnie Romero zu setzen, covern sich die Herren durch die rockige Welt von Rainbow (Kill The King), Black Sabbath (Mob Rules und War Pigs) oder Deep Purple (Highway Star). Es gibt auch einige eigne Nummern wie Frenemy oder My Premonition aus dem Repertoire von Romero. Zugegeben: gerade die Saitenarbeit von Gus G. ist stark und gibt Tracks wie Kill The King einen gewissen Ausdruck. Dagegen steht Romero, der einfach kein Ronnie James Dio ist. Ozzy mit Bark Of The Moon darf nicht fehlen und die Fans feiern die Nummer. Unter dem Gesichtspunkt Publikumskompatibilität machen Gus G. & Ronnie Romero alles richtig. Trotzdem bleibt der Makel einer besseren Cover-Band haften.
Lucifer (16:45 – 17:45)

Runderneuert präsentieren sich Lucifer in Gelsenkirchen. Geblieben ist Sängerin Johanna Platow. Nach dem Split mit dem Drummer und aktuellen The-Hellacopters-Sänger Nicke Andersson hat Platow eine neue Bandbesetzung um sich geschart, dabei aber auf bekannte Gesichter zurückgegriffen. Coralie Baier an der Gitarre ist von Atlantean Kodex bestens bekannt. Auch Rosalie Cunningham ist als Solokünstlerin eine bekannte Größe. Aus der Rosalie-Cunningham-Band stammt Bassistin Claudia González Díaz. Dazu kommt noch Drummer Kevin Kuhn, der bisher bei Bands wie Die Nerven oder Tracer aktiv war.
Die neue Bandbesetzung hat sich gefunden und interpretiert auch die Tracks von der vorherigen Bandbesetzung stark. Allen voran Cunningham erweist sich als bärenstarke Gitarrenkraft. Der Scope liegt auf dem 2024er-Release Lucifer V, das noch von Anderson und Co. eingespielt wurde. Insgesamt gibt es 13 Stücke, darunter mit Anubis die erste Single der Band überhaupt. Insgesamt beackern Lucifer circa eine Stunde die Bretter in Gelsenkirchen und hinterlassen einen mehr als ordentlichen Eindruck. Mit Platow und ihrer neuen Bandbesetzung ist nach wie vor zu rechnen. Wir blicken nach vorne und erwarten die nächste Platte mit dem Namen Lucifer VI.
Uli Jon Roth (18:10 – 19:15)

Der ehemalige Scorpions-Gitarrist Uli Jon Roth hat ein besonderes Set rund um Virgin Killer angekündigt. Vor Beginn der Show erklärt er am Mikrofon, was das Publikum erwartet: Das komplette Werk aus dem Jahr 1976 gibt es nicht. Dafür aber die eine oder andere Kostprobe von In Trance, allen voran den Titeltrack. Los geht es mit Pictured Life, dem Opener der Virgin Killer. Bis Hell Cat zocken Roth und Co. die Platte. Dann wird Crying Days geskippt und mit Polar Nights der Deckel auf Virgin Killer gesetzt. Sin In My Hand springt zu In Trance, We’ll Burn The Sky repräsentiert Taken By Force. Der Titeltrack von 1975 ist die Mitsinghymne der Scorpions aus den 70ern. Den Chorus singen große Teile des Infields mit und sorgen für einen Hauch 70er-Jahre-Feeling. Dass Roth zum Finale seiner Vorliebe für Jimi Hendrix frönt, ist nicht neu. All Along The Watchtower ist von der Saitenarbeit stark. Trotzdem wäre eventuell Top Of The Bill oder Steamrock Fever ein noch interessanterer Ansatz gewesen.
Noch einige Worte zur Band. Bassist und Sänger Niklas Turmann klingt in Teilen wie ein junger Klaus Meine und interpretiert die Scorpions-Tracks stark. Mit Akasha Dawn Roth steht die Tochter von Uli am Keyboard und sorgt zusätzlich für den Background-Gesang. Weniger spektakulär ist die zweite Stimme von Celia Ramos, die die Vocals von Turmann weicher erscheinen lässt. Trotzdem ist der Auftritt der Band eine andere Hausnummer als das Cover-Sammelsurium von Gus G. und Ronnie Romero.
Mikkey Dee with Friends playing Motörhead (19:45 – 21:00)

Der Co-Headliner des Festivals ist Mikkey Dee, der sich mit zwei Freunden dem Liedgut von Motörhead widmet. Es gibt unendlich viele Motörhead-Cover-Bands. Aber nur eine Coverband, in der der langjährige Motörhead-Drummer aktiv ist. Ein Vergleich würde sich zu Purpendicular anbieten, bei denen Ian Paice neben seinen Aktivitäten bei Deep Purple auch noch als Drummer aktiv ist und selten bzw. kaum gespielte Deep-Purple-Nummern trommelt. Der große Unterschied ist die Qualität. Bei Purpendicular treffen Bass und Saiten die Töne und auch die Vocals interpretieren die Klassiker stark. Das ist bei dem Spaßprojekt um Mikkey Dee leider nicht der Fall. Weder Gitarre noch Bass, aber erst recht nicht der Gesang, werden Lemmy und Co. gerecht. Klar, mit fünf Bier und drei Schnäpsen in der Birne feiern die Fans die bekannten Stücke ab. Tatsächlich sind die Ansagen von Dee das eigentliche Highlight, wo es Anekdoten zu erfahren gibt und die verstorbenen ehemaligen Mitmusiker entsprechend gewürdigt werden.
Die Reaktionen der Fans auf den Gig sind mehr als unterschiedlich. Von „lässt sich gut mitgrölen“ bis „musikalisch an der Schmerzgrenze“ reichen die Aussagen. Unterm Strich steht eine eher unterdurchschnittliche Coverband mit dem langjährigen Motörhead-Drummer auf der Bühne als Co-Headliner. Am Vortag standen dort Dark Tranquillity.
Saxon (21:30 – 23:00)

Die Veteranen der NWoBHM machen den Deckel auf das Rock Hard Festival 2026. Die Bude ist voll, genau genommen sogar richtig voll, und genau das Ambiente haben sich Biff Byford und Co. verdient. Mit Hell, Fire & Damnation gibt es den Titeltrack der 2024er-LP. Danach legt das Quintett ein Old-School-Set auf die Platte, das es in sich hat. Power And The Glory und dann zu den Anfängen und Backs To The Wall. Das Ding ist von 1979. Nur Solid Ball Of Rock ist von 1990. Alle anderen Stücke stammen aus den 80ern, mit dem Scope auf Denim And Leather, Strong Arm Of The Law und Wheels Of Steel. Geht mehr? Klar, Uli Jon Roth und Denim And Leather. Uli-Sprechchöre, fliegende – im Regelfall graue – Haare und eine Stimmung wie im Fußballstadion.

Ein Blickfang ist Bassist Nibbs Carter, der wie ein Irrwisch über die Bühne zischt. Ruhig und mit der Gelassenheit von mehr als 40 Jahren im Showgeschäft zocken Doug Scaratt und der Diamond-Head-Gitarrist Brian Tatler die Saiten. Den Takt gibt auch heute Nigel Glockler an und über allen thront Sänger Biff Byford. Ob die Mitsingspiele, das Kuttenspiel, bei dem diverse Kutten auf die Bühne fliegen und von den Bandmitgliedern getragen werden, oder die Ansagen zur Wheels Of Steel und den 80ern, als es noch kein Spotify oder Internet gab, auch keine Mobiltelefone oder CDs. Viel besser als Saxon lässt sich ein Old-School-Headliner-Slot nicht bespielen. Die Truppe aus dem Yorkshire ist anscheinend wie ein guter Wein. Je älter, desto besser. Saxon sind live eine sichere Bank und jederzeit beste Unterhaltung.
Mit Princess Of The Night, der Nummer über eine alte Dampflok, endet das Set und das Festival auch heute kurz vor 23 Uhr. Der Headliner hat abgeliefert wie seit vielen Jahrzehnten.
Was bleibt vom Rock Hard Festival 2026?
Wie sieht der Rückspiegel auf drei Tage Gelsenkirchen aus? Warm war es, musikalisch abwechslungsreich mit vielen starken Liveacts. Hier stechen vor allem Armored Saint, Dark Tranquillity und Saxon noch hervor. Es gab ein rundes und gelungenes Miteinander, bei dem Rassismus, Faschismus und Homophobie keinen Platz haben. Es wurde gefachsimpelt, gefeiert und gequatscht, und viele Menschen hatten eine gute Zeit. Die Bierpreise waren wie immer zu hoch, Wasser gab es kostenfrei. Die Essenspreise waren ebenfalls zu hoch. Ein veganes Menü, das ordentlich sättigte, war für knapp 10 € zu haben. Wer etwas über den Tellerrand schaute, konnte auch den Geldbeutel schonen. Bei 30 Grad ist Bier sowieso nicht die beste Idee.
Noch einige Worte zu Location und zur Stadt Gelsenkirchen. Der Nordsternpark präpariert sich für die IGA 2027. Die dadurch bedingten Bauarbeiten störten kaum, sodass der Campground wie auch der Zugang zum Gelände so gut wie gar nicht erschwert wurden. Die Stadt Gelsenkirchen ist bestimmt keine Schönheit. Die Menschen waren nett und standen der schwarzen Meute offen gegenüber, zumindest waren negative Erfahrungen in der Minderheit. Ob es ein 2027er Rock Hard Festival gibt, ist noch offen. Die IGA läuft auch über Pfingsten und die Metalheads möchten bestimmt nicht von Gartenfreunden begutachtet werden. Spätestens 2028 sollte das Amphitheater wieder verfügbar sein und die Sause im Ruhrpott erneut über die Bühne gehen.
Rock Hard Festival 2026 – Tag eins
Rock Hard Festival 2026 – Tag zwei





























































