Fiddler’s Green auf „35 Years Tour“ am 07.12.2025 in der Markthalle in Hamburg

Eine Wall Of Death zu Folk? Kein Problem!

Event: 35 Years Tour

Headliner: Fiddler’s Green

Vorband:  Wüstenberg

Ort: Markthalle Hamburg

Datum: 07.12.2025

Genre: Irish Folk Rock

Besucher: Um die 1.000

Setlist: Fiddler’s Green

Franz Wüstenberg

Wer Folk mag und ein exzellentes Konzert sucht, sollte unbedingt mal bei Fiddler’s Green vorbeischauen. Die können schon fast die Toten wieder erwecken: So hab ich mich jedenfalls auf dem Weg zur Markthalle gefühlt, nachdem ich in der Nacht zuvor bei Mr. Hurley & Die Pulveraffen war. Heute wartet zwar keine endlose Schlange, aber bereits bei der Folk-Vorband Wüstenberg ist es gut voll. Und die Truppe rund um Franz Wüstenberg haucht mir nach der langen Nacht wieder erstes Leben ein. Wüstenberg ist übrigens unter anderem Namen der Ex-Frontmann von den The O’Reillys And The Paddyhats. Entsprechend ist es keine Überraschung, dass das Publikum bereits gut dabei ist, viel klatscht und die Chori mitsingt. Ihre Songs fetzen auch, beim Schreiben des Artikels habe ich The King’s Gambit kaum aus dem Ohr bekommen. Ich bin gespannt, wann ich sie wieder zu hören kriege.

Smoke Outside / Different Function

Bei Fiddler’s Green geht’s dann aber erst richtig los, sie bringen von Sekunde eins an haufenweise Energie auf die Bühne. Mit einer großzügigen Portion Bass und viel Melodie erzeugen die sechs Kerle verdammt viel Druck. Und spätestens, als bei Old Dun Cow – prägnant durch seine MacIntyre-Rufe – ein Moshpit ausbricht, bin ich wieder richtig wach. Im Publikum ist kein Halten mehr, da ändern auch die vielen grauen Haare nichts dran. Auch die Tresenkräfte filmen zwischendurch mal mit, so schön ist es anzuschauen.

Stefan Klug tauscht sein Akkordeon zwischendurch mal für eine Maschine mit großen Zahnrädern aus, die wunderliche Klänge und viel Nebel erzeugt. Als die Nebelmaschine stoppt, gilt aber noch lange nicht Smoke Outside / No Function – man kann ja immer noch drauf trommeln. Die Herausforderung nimmt Schlagzeuger Frank Joos sofort an. Ihm wird direkt ein kleines Bierfass auf seine Trommel gekippt, die er dann genüsslich malträtieren kann während die Tropfen nur so fliegen. Auch das folgende Solo gegen das leere Bierfass begeistert – bei den Fiddler’s kann man sich wirklich nicht beschweren, dass nur der Sänger Spotlight bekäme.

Fiddler’s Green

Sänger Albi Albers erzählt daraufhin auch erst mal Legenden aus der WG-Küche, in der alles entstand, während ein Instrument präsentiert wird, das seit 30 Jahren nicht aus dem Keller geholt wurde. Dazu gibt es dann auch noch ein ganz altes Lied, dass sie “seit ich weiß nicht wann nicht mehr gespielt” haben. “Seit gestern”, weisen ihn seine Bandkollegen knapp zurecht – die Geste wirkt trotzdem. Gleiches gilt bei dem Medley, dass sie “noch nie” – “doch, gestern” gespielt haben. Zwischendurch wird ein Irish Pub auf die Bühne geholt, damit die Band zu John Kanaka kunstvoll die Becher werfen kann.

Irgendwann klettert Fiddler Pat Prziwara auf eine Leiter und lässt das Publikum im Circle Pit um sich rennen, während seine Finger über die Geige fliegen. Albi Albers will auch, folgt mit seinem Mikro direkt danach auf der Leiter und wünscht sich wenig später für die Rocky Road To Dublin eine Gasse, die so einiges von einer Wall of Death hat. Als dann fünf Songs später der “letzte” Song des Abends, Folk’s Not Dead, folgt, ist längst klar, dass dieser Sonntagabend noch lange nicht zu Ende ist. Ganz so leicht machen die Musiker es dem Publikum dann aber doch nicht, erst muss das Publikum ganz laut singen, bis der Daumen des Sängers nach oben zeigt – sonst würden sie einfach gehen. Dafür gibt es dann aber direkt zwei Zugaben, ganze vier Songs voll Spaß und lautem Applaus – und zum Abschluss dürfen noch einige Hamburger Fans mit auf die Bühne. Rundum gelungen, liebend gerne wieder. Warum ist die Akustik-Pub-Tour nicht im Norden? …

Was eine kleine Leiter alles möglich macht …

Im Moshpit um den Geiger. Was eine kleine Leiter alles möglich macht …