Buchtitel: Beyond Zhe Veil
Künstler: Void Revelations
Sprache: Englisch
Seitenanzahl: 320 Seiten
Genre: Artbook (Fotoband)
Release: 2026
Link: https://darknessshallrise.de/product/beyond-the-veil
Verlag: Darkness Shall Rise Productions
Buchform: Hardcover, Schweizer Broschur, Pantone-Sonderfarben

Das Hier und Jetzt bewahren
Wer sich intensiver mit der Black-Metal-Szene beschäftigt, begegnet früher oder später den Fotografien von Void Revelations. In Magazinen, auf den Seiten der Bands, in Archiven und in den sozialen Netzwerken. Bald braucht es keinen Namen mehr unter einem Bild, um seine Herkunft zu erkennen. Da ist diese besondere Tonung, diese unverkennbare Atmosphäre, ein Gefühl, das den Bildern vorauszugehen scheint.
Eine solche Wiedererkennbarkeit ist mehr als ein fotografischer Stil. Sie ist eine Handschrift – und verleiht den Arbeiten ein Gewicht, das über viele Jahre entsteht.
Die Bilder von Void Revelations sind überall. Der Mensch dahinter scheint dagegen kaum sichtbar zu sein.
Obwohl wir uns wiederholt auf denselben Festivals und in denselben Konzerthallen befinden, nehme ich ihn nie wahr. Manchmal stehen wir vermutlich nur wenige Meter voneinander entfernt. Erst später, wenn seine Fotografien veröffentlicht werden, erkenne ich, dass auch er dort gewesen sein muss.
Für mich beschreibt das sein Wesen als Fotograf besonders treffend. Er bleibt zurückhaltend und respektvoll, drängt sich weder vor die Menschen noch vor den Moment. Er scheint sich nahezu unsichtbar durch die Räume zu bewegen und ist dennoch genau dann anwesend, wenn ein Bild entsteht. Nicht zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern aufgrund seiner Aufmerksamkeit, seiner Erfahrung und seiner Fähigkeit, einen Augenblick vorauszuahnen.
Ich glaube nicht an Zufälle

Dann steht fest, dass Secrets Of The Moon in der Balver Höhle ihren letzten Auftritt spielen werden.
Plötzlich stehen zwei Ereignisse nebeneinander, die auf vollkommen unterschiedliche Weise bedeutsam für mich sind: Dort ein lang gehegter Wunsch und die Aussicht auf einen Anfang, hier ein endgültiger Abschied, der sich nicht wiederholen lässt. Die Entscheidung fällt mir schwer, weil jeder der beiden Wege auch den Verlust des anderen bedeutet.
Ich entscheide mich für die Balver Höhle. Nicht gegen Stockholm, sondern für die Anwesenheit in einem unwiederbringlichen Moment. Denn Loyalität zeigt sich auch darin, da zu sein – nicht nur bei großen Anfängen, sondern ebenso am Ende. Darin, zu bleiben und Abschied zu nehmen.
An diesem Abend begegne ich dem Fotografen hinter Void Revelations.
Er steht zwischen den anderen und stellt sich mir vor.
Die Begegnung trifft auf eine längst vorhandene Vertrautheit. Ich kenne diesen Menschen nicht, und doch begleiten mich seine Bilder bereits, seit ich selbst Teil dieser Szene bin. Plötzlich hat die fotografische Handschrift, die ich so oft wiedererkenne, eine Stimme und ein Gesicht.
Unser Gespräch besitzt von Beginn an eine Wärme, die nicht hergestellt werden muss. Aus der ersten Begegnung entwickelt sich ein kollegialer Austausch über Fotografie, die Szene und schließlich über sein Buch. Ich gratuliere ihm zu diesem Werk.
Wenig später schickt er mir Beyond The Veil. Darin befindet sich eine persönliche Widmung – und mit ihr sein Vertrauen, dass ich seinen Bildern und seiner Geschichte mit der notwendigen Sorgfalt begegne.
Vielleicht ist es nur folgerichtig, dass ein Werk über Erinnerung, Vergänglichkeit und das Bewahren von Augenblicken auf diese Weise seinen Weg zu mir findet: durch die Entscheidung, bei einem Abschied anwesend zu sein.
Ein Buch, das man zunächst spürt
Als ich Beyond The Veil in den Händen halte, ist da zunächst sein Gewicht.
Noch bevor ich das erste Bild wirklich betrachte, nehme ich den Geruch des Papiers wahr. Ich streiche über die Seiten, spüre ihre Stärke und betrachte die Bindung. Alles an diesem Buch vermittelt, dass es nicht für den flüchtigen Konsum geschaffen ist. Es verlangt danach, langsam geöffnet, berührt und erfahren zu werden.
Darkness Shall Rise Productions veröffentlicht das Artbook im Sommer 2026. Es umfasst 320 Seiten im Format 21 × 26 Zentimeter und ist in speziellen Pantone-Farben auf hochwertigem, ungestrichenem Papier gedruckt. Die Schweizer Broschur mit offenem Rücken legt die Konstruktion des Buches frei, während das von Mara Artworks gestaltete Cover den Eintritt in diese Welt markiert. Begleitet wird die Veröffentlichung von einer Ausstellung beim Beyond The Gates Festival.
Mit 59,99 Euro ist Beyond The Veil kein Buch, das man beiläufig mitnimmt – für Neugierige, die noch nicht tief in dieser Welt verwurzelt sind, kann der Preis eine Hürde sein. Angesichts dieser Ausstattung ist er jedoch nachvollziehbar.
Durch mein Studium im Kommunikationsdesign beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit Papier, Druck und Bindungsarten. Ich kenne den Einfluss, den Materialität auf die Wahrnehmung eines Werkes ausübt. Doch hier bleibt es nicht bei einer fachlichen Betrachtung. Das Buch erreicht mich körperlich, noch bevor seine Bilder es tun. Es fühlt sich an, als hielte ich etwas Kostbares in meinen Händen.
Sechs Jahre intensiver Auswahl und ein Jahrzehnt des Reisens und Fotografierens innerhalb der internationalen Extreme-Metal- und Rock-Subkultur liegen hinter diesem Buch. Diese Zeit ist nicht nur eine Information über seine Entstehung. Sie ist auf jeder Seite spürbar.
Dann öffne ich das Buch und beginne eine Reise.
Nicht durch eine bloße Abfolge von Bands. Nicht durch eine Chronologie von Konzerten.
Ich reise mit ihm.
Vor der Bühne, auf der Bühne, danach
Ich folge dem Blick von Void Revelations durch Jahre, Orte und Begegnungen. Ich sehe Musiker vor ihrem Auftritt, während der Vorbereitung und der Verwandlung zur Bühnenfigur, im Augenblick des Auftritts und danach. Die bewusste Inszenierung steht neben dem, was sich nicht inszenieren lässt: der Konzentration davor, der Entgrenzung auf der Bühne und der Erschöpfung danach.
Beyond The Veil bewegt sich zwischen klaustrophobisch engen Backstageräumen und gewaltigen Festivalbühnen, zwischen Ekstase und Erschöpfung, Corpsepaint, Schweiß, Blut und dem Geruch von Weihrauch. Doch diese Elemente werden nicht zu bloßen Requisiten einer vermeintlich dunklen Welt. Sie gehören zu den Menschen, ihren Ritualen und den Situationen, in denen Void Revelations ihnen begegnet.
Gerade das Davor und Danach berührt mich. Dort beginnt die Bühnenfigur, sich aufzulösen. Unter Farbe, Leder, Nieten und Symbolen werden Körper sichtbar. Blicke, Müdigkeit, Anspannung und Verletzlichkeit.
Die Fotografien entzaubern die Künstler nicht. Im Gegenteil: Indem Void Revelations den Menschen hinter der Erscheinung sichtbar macht, erhält diese eine andere Tiefe.
Da ist Anmut. Nicht die glatte Schönheit einer vollkommenen Inszenierung, sondern jene seltene Anmut, die für einen Sekundenbruchteil in einer Bewegung, einem Blick oder einem stillen Körper sichtbar wird. Etwas, das vielleicht bereits verschwunden ist, als der Auslöser gedrückt wird.
Da ist Starre. Diese kurzen Momente, in denen alles stillzustehen scheint, obwohl ringsherum Bewegung, Lärm und Musik herrschen.
Und da ist Verlust.

Denn jede Fotografie zeigt etwas, das in demselben Augenblick bereits vergeht.
Void Revelations bleibt innerhalb seiner Bilder so zurückhaltend, wie ich ihn bei unserer Begegnung erlebe. Der Fotograf scheint hinter seinen Aufnahmen beinahe vollständig zu verschwinden. Er drängt sich nicht zwischen die Betrachtenden und den Moment. Er erklärt nicht, was zu sehen oder zu empfinden ist.
Er lässt uns eintreten.
Viele Stimmen, eine gemeinsame Erinnerung
Zwischen den Fotografien begegnen mir handschriftliche Widmungen, persönliche Passagen, kleine Texte und Zitate verschiedener Künstler. Ihre Stimmen unterbrechen die visuelle Reise nicht, sondern erweitern sie. Dadurch wird das Buch zu mehr als dem Blick eines Einzelnen. Es entwickelt sich zu einem vielstimmigen Erinnerungsraum, getragen von den Menschen, die Teil dieses Weges sind.
Zu ihnen gehören unter anderem Attila Csihar, Emperor, Mare, MkM von Antaeus, Snorre Ruch von Thorns, Dimmu Borgir, Dool, The Mouth Of Satan, Vemod und Dark Sonority. Hinzu kommen letzte Porträts von One Tail, One Head, Svartidauði und Secrets Of The Moon sowie seltene Einblicke hinter die Kulissen der letzten Djevel-Konzerte.
Dennoch fühlt sich Beyond The Veil nicht wie eine Aufzählung bedeutender Namen an. Das Buch stellt nicht die Bekanntheit seiner Protagonisten in den Mittelpunkt, sondern die Nähe zu ihnen. Mit jeder Seite wird deutlicher, dass diese Arbeit nicht aus einem kurz gewährten Zugang entsteht, sondern aus Vertrauen, das über Jahre wächst.
Am eindringlichsten zeigt sich das im Kapitel über Oscar Swinks, Sänger von Herzog, den Void Revelations während seiner Krebserkrankung bis ins Krankenhaus begleitet. Seinen Zustand dokumentiert er, wie er selbst schreibt, „completely unembellished“ – vollkommen unbeschönigt.
Genau das ist in den Bildern zu spüren.
Die Bühne, die Inszenierung und die schützende Figur des Künstlers treten zurück. Was bleibt, ist ein Mensch in seiner Verletzlichkeit und Endlichkeit. Die Fotografien gehen mir nahe, weil sie dem Tod nichts Dramatisches hinzufügen. Krankheit und Verlust brauchen keine zusätzliche Inszenierung. Die Bilder bleiben still.
Gerade darin liegt ihre Kraft.
Eine solche Nähe lässt sich nicht einfordern. Sie wird einem gegeben. In diesen Aufnahmen liegen deshalb nicht nur die Verantwortung des Fotografen, sondern auch das Vertrauen des Menschen vor seiner Kamera. Ich empfinde sie nicht als Überschreitung, sondern als Ausdruck tiefer Verbundenheit und großen gegenseitigen Respekts.
Der Moment entkommt uns immer
Fotografie kann den Verlust nicht verhindern.
Wir fotografieren vielleicht in dem Glauben, einen Augenblick festhalten zu können. Aber der Moment entkommt uns immer. Während wir den Auslöser drücken, ist er bereits vergangen. Das Bild hält ihn nicht auf. Es bewahrt lediglich eine Spur: einen Blick, eine Bewegung, Licht auf einer Haut oder die Anwesenheit eines Menschen, der irgendwann nicht mehr da sein wird.
Die Fotografien in Beyond The Veil leugnen diese Vergänglichkeit nicht. Sie geben ihr einen Ort.
Als analoge Fotografin weiß ich, dass Atmosphäre nicht allein durch technische Perfektion entsteht. Ein vollkommenes Bild kann leer bleiben, während ein anderes trotz Dunkelheit, Körnung oder Unschärfe etwas in sich trägt, das sich kaum erklären lässt.
Genau dort beginnt für mich Fotografie.
Am Rand und dennoch verbunden
Die Welt, die Void Revelations in Beyond The Veil sichtbar macht, ist eine Gemeinschaft, die sich häufig am Rand der Gesellschaft bewegt. Eine Gemeinschaft mit eigenen Zeichen, Ritualen und Widersprüchen, die von außen gern auf Dunkelheit, Provokation und Klischees reduziert wird.
Doch dieses Buch zeigt, was sich dahinter befindet: Hingabe, Freundschaft, Disziplin, Vertrauen und eine große Intensität des Lebens.
Während ich durch die Erinnerungen von Void Revelations reise, wird mir noch einmal bewusst, weshalb ich selbst Teil dieser Welt bin. Und ich empfinde Stolz. Nicht auf eine Pose oder die Abgrenzung nach außen, sondern auf die Menschen, die diese Gemeinschaft tragen: auf ihre Konsequenz, ihre Eigenwilligkeit und ihren Zusammenhalt.
Hinter diesem Buch liegen Jahre des Reisens, Wartens, Beobachtens und Dabeiseins. Jahre, in denen sich Void Revelations immer wieder dafür entscheidet, an einem bestimmten Ort zu sein, Menschen zu begleiten und den gegenwärtigen Augenblick ernst zu nehmen.
Vielleicht erzählt Beyond The Veil deshalb auch von einer bewussten Lebensentscheidung: das Hier und Jetzt zu leben.
Dorthin zu gehen, wo etwas geschieht. Begegnungen zuzulassen. Nähe auszuhalten. Risiken einzugehen – gerade weil niemand weiß, wie viel später noch bleibt.
„Ein Rausch der Gefühle“, notiere ich, nachdem ich die ersten Seiten betrachtet habe. Keine klassische Beschreibung eines Bildbandes. Aber die ehrlichste.
Was Void Revelations mit Beyond The Veil geschaffen hat, ist keine bloße Sammlung von Fotografien. Es ist ein persönliches Archiv, ein Zeugnis von Vertrauen und ein Erinnerungsraum für Menschen und Augenblicke, die längst vergangen sind und durch seinen Blick dennoch weiterleben.
Eine Reise durch Anmut, Starre und Verlust.
Nachdem ich die letzte Seite betrachtet habe, lege ich das Buch nicht sofort fort. Ich halte es noch eine Weile in meinen Händen – dankbar, dass ich all das durch seinen Blick sehen darf.














