Igorrr – Amen

Oha!

Artist: Igorrr

Herkunft: Frankreich

Album: Amen

Spiellänge: 45:58 Minuten

Genre: Avantgarde, Barock, Orchester, Death Metal, Black Metal

Release: 19.09.2025

Label: Metal Blade

Link: https://igorrr.com

Bandmitglieder:

Alle Instrumente – Gautiere Serre
Gesang – Laurent Lunoir, Laure Le Purnenec
Schlagzeug – Sylvain Bouier

Tracklist:

  1. Daemoni
  2. Headbutt
  3. Limbo
  4. Blastbeat Falafel
  5. ADHD
  6. 2020
  7. Mustard Mucos
  8. Infestis
  9. Ancient Sun
  10. Pure Disproportionate Black And White Nihilism
  11. Étude n°120
  12. Silence

Auch wenn es kaum zu glauben ist, gibt es tatsächlich noch Menschen auf diesem Planeten, die noch nie was von Igorrr gehört haben. Schon alleine deswegen, dass es für den einen oder anderen so was wie eine Mutprobe ist, sich ein Album von denen anzuhören, sollte sich die Band in der Metal-Community rumgesprochen haben.

Gut, so schlimm ist es jetzt nicht, aber Gautiere Serre hat eine, nennen wir es mal, „eigenwillige“ Art und Weise, Songs zu schreiben. Zumindest würde ich behaupten, dass es nicht konventionell ist, ein Klavier mit einem Bagger zu spielen (siehe Video zu dem Song Headbutt). Dazu aber gleich mehr.

Das Projekt Igorrr dreht sich eigentlich komplett um Gautiere Serre, der zwar von diversen Personen Unterstützung am Gesang und den Instrumenten bekommt, doch die Ideen stammen von ihm. Mittlerweile ist Amen die insgesamt achte Veröffentlichung und er schafft es immer wieder, sich neu zu erfinden.

Die Einflüsse sind dabei teilweise orientalisch oder an klassischer Orchestermusik orientiert. Und das alles noch gepaart mit harten Metal- und Elektro-Elementen. Wer jetzt denkt „Oha, das klingt aber wild!“, soll am Ende auch Recht behalten.

Trotzdem ist das Album nicht eine wilde Aneinanderreihung von Parts, sondern folgt eher einer gewissen kreativen Logik. Denn Songs wie Blastbeat Falafel, Headbutt und Infestis sind schon Songs im herkömmlichen Sinne, die zwar ordentlich ausgeschmückt werden, jedoch trotzdem als Metal-Songs funktionieren. Also eine gewisse „Hörbarkeit“ an den Tag legen, denn durch die Rhythmen sind die Zugänge zu den Songs sehr leicht zu erhalten.

Das heißt jetzt nicht, dass der Rest der Platte im absoluten Chaos versinkt … sondern eher eine andere Hörgewohnheit fordert und dabei einem gewissen musikalischen roten Faden folgt. Die Songs und auch die ganze Platte wirken dabei wie aus einem Guss. Vor allem der Mittelteil ist dabei sehr spannend, da hier ordentlich experimentiert wird und gerade die elektronischen Passagen zum Einsatz kommen. Verwoben mit den Metal-Parts und den klassischen Growls/Screams ergibt sich hier eine Mixtur, die geil zu hören ist und trotzdem zum Lachen einlädt. Also … mal unter uns: Auf einen Djent-Part (bei Mustard Mucos) eine Blockflöte zu legen, klingt lächerlich UND geil zugleich!

Und so kann die Platte problemlos in eins durchgehört werden, ohne zwischendurch langweilig zu werden. So tut der Sound sein Übriges dazu, der, ohne Frage, auf den Punkt gemixt ist. Hier ist nichts im Fokus, selbst die Chöre sind nicht überladen und die Musik ist als ein Gesamtbild zu hören, wo nach mehrmaligen Durchläufen immer wieder neue Parts und Elemente entdeckt werden.

So ist gerade auch der Song Ancient Sun ein Beispiel für den guten Mix, da hier so viele Spuren aufeinanderknallen, die unterschiedlicher kaum sein können. Und über allem steht der getragene weibliche Gesang, der mit der repetitiven Melodie im Hintergrund alles zusammenhält. Das ist so ein Track, der in der Platte einfach sauber positioniert wurde und dadurch noch besser wirkt.

Igorrr – Amen
Fazit
Man muss echt hart offen dafür sein oder Igorrr schon kennen (und im besten Falle auch mögen). Amen ist meiner Meinung nach schon ein sehr gefälliges Album (ja, das war bei den beiden Vorgängerplatten sogar noch 'ne Ecke schräger) und geht ziemlich gut ins Ohr. Wer Bock hat, muss hier mal unbedingt reinhören. Das ist schon wirklich geil. Und wer Igorrr auf Platte feiert, muss die mal live sehen. Denn das ist eine absolut krasse Erfahrung!

Anspieltipps: Blastbeat Falafel, Headbutt und Ancient Sun
Christian 'Lommer' W.
9.5
Leserbewertung7 Bewertungen
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9.5
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