Hex (Witch Club Satan Doku)

Regie: Maja Holand - Norwegen 2025 - 92 Minuten

Feminismus, Wut und Black Metal

Die Dokumentation Hex ist weit mehr als ein klassischer Musikfilm. Regisseurin Maja Holland erzählt darin die Geschichte einer jungen norwegischen Black-Metal-Band, die nicht nur musikalisch provozieren will, sondern eine ganze Szene herausfordert. Im Zentrum stehen drei Musikerinnen, die ohne große instrumentale Vorerfahrung beschließen, sich einen Platz in einer traditionell männlich dominierten Kultur zu erkämpfen – kompromisslos, laut und bewusst unbequem.

Die Doku wurde auf dem diesjährigen DOK.fest München gezeigt, ich durfte sie per Stream sehen. Wann und wo Hex offiziell veröffentlicht oder regulär gestreamt werden kann, ist derzeit meines Wissens allerdings noch nicht bekannt.

Witch Club Satan, Das Bett Frankfurt 2025, Pic by Big Simonski

Zwischen Underground und Hype

Dass dieser Ansatz funktioniert, konnte ich bereits im vergangenen September live erleben, als ich Witch Club Satan im Das Bett gesehen habe. Schon damals war klar, dass die Band längst kein Geheimtipp mehr ist. Die Shows werden vielerorts hochverlegt, die Konzerte waren ausverkauft – auch in Frankfurt wartete eine lange Schlange Fans am Einlass.

Genau dieses Gefühl fängt Hex hervorragend ein: den Eindruck, dass hier gerade etwas Größeres entsteht. Die Doku begleitet die Band von den ersten unsicheren Proben bis auf große Festivalbühnen. Besonders spannend ist dabei weniger der klassische Aufstieg einer Musikgruppe als die Frage, was passiert, wenn künstlerischer Anspruch, politischer Aktivismus und persönliche Selbstsuche ineinander verschwimmen.

Konzert als Ritual

Auch live entsteht daraus eine intensive Mischung aus Konzert, Performance und Provokation. Kostümwechsel, Nebel, reduzierte Bühnenbilder und eine bewusst eingesetzte Körperlichkeit gehören ebenso dazu wie aggressive Gitarrenriffs, Blastbeats und Stücke wie Fresh Blood, Fresh Pussy oder Black Metal Is Krig. Gerade Fresh Blood, Fresh Pussy bekommt in der Doku von Maja Holand besonderes Gewicht: ein Song über gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit und Alter, der später zum bekanntesten Stück der Band wird.

Eine Band, die polarisiert

Natürlich spalten Witch Club Satan mit ihrer Musik, Philosophie und Darbietung auch die Black-Metal-Szene. Gerade konservative Vertreter des sogenannten „True Black Metal“ sprechen der Band teilweise ab, überhaupt Black Metal zu sein. Zu provokant erscheint ihnen die Verbindung aus Feminismus, Performancekunst und politischer Haltung. Doch genau diese Reibung macht die Band interessant. Witch Club Satan hinterfragen bewusst starre Regeln und tradierte Rollenbilder innerhalb einer Szene, die sich selbst oft über Abgrenzung definiert.

Für mich wirken die drei Musikerinnen dabei vor allem wie starke Künstlerinnen, die ihren eigenen Weg mit großer Konsequenz und bemerkenswerter Entschlossenheit gehen.

Witch Club Satan, Das Bett Frankfurt 2025, Pic by Big Simonski

Der Hexenprozess als Stilmittel

Formal hebt sich Hex angenehm vom üblichen Musikdoku-Schema ab. Statt klassischer Interviews inszeniert Holland den Film als modernen Hexenprozess. Wegbegleiter, Kritiker und Unterstützer treten wie Zeugen vor Gericht auf. Diese theatrale Struktur wirkt zunächst irritierend, entfaltet aber schnell eine enorme symbolische Kraft. Historische Bilder der Hexenverfolgung verbinden sich mit aktuellen Fragen nach weiblicher Wut, Kontrolle und gesellschaftlichen Tabus.

Besonders eindrucksvoll gelingt dem Film der Blick hinter die aggressive Fassade der Band. Zwischen den exzessiven Auftritten zeigt Hex auch kreative Unsicherheit, Erschöpfung und Konflikte innerhalb der Gruppe. Gerade dadurch wirkt die Doku nie wie reine Selbstinszenierung, sondern erstaunlich ehrlich.

Hex (Witch Club Satan Doku)
Fazit zu Hex
Hex ist laut, unbequem und intensiv – aber gerade deshalb sehenswert. Die Dokumentation erzählt nicht nur die Geschichte einer außergewöhnlichen Band, sondern auch von Selbstermächtigung, Widerstand und dem Versuch, alte Strukturen aufzubrechen. Selbst Zuschauerinnen und Zuschauer, die mit Black Metal wenig anfangen können, dürften sich der Energie und Konsequenz von Witch Club Satan kaum entziehen können.
Juergen S.
9.5
Leserbewertung0 Bewertungen
0
9.5
Punkte